Fremdsprachen
 
Sprachen lernen mit System

Englisch, Französisch, Spanisch - fünf neue Lernstrategien helfen Ihrem Kind, sich in jeder neuen Fremdsprache schnell zu Hause zu fühlen.

An vorhandenes Wissen anknüpfen

Fremdsprachen: Sprachen lernen mit System

Im Deutsch- und Mathematikunterricht geht man heute davon aus, dass kein Kind in der ersten Schulstunde bei A bzw. Null anfängt. Und weil aus der Gehirnforschung bekannt ist, dass sich neue Inhalte am besten einprägen, wenn sie mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft werden, lässt man die Vorkenntnisse der Lernanfänger nicht länger ungenutzt. Das gilt auch für das Fremdsprachenlernen. Denn jedes Schulkind hat zumindest ein paar englische Vokabeln in seinem Sprachschatz gespeichert. Wörter wie "stop(p)", "cool", "happy" oder "Ketchup" gehören zum Großwerden wie Spaghetti und Cola.

Keine große Sache, könnte man denken, aber Heide Niemann sieht das anders: "Auch das kleinste Englischwissen erleichtert den Einstieg ins Sprachenlernen", erklärt die Pädagogin, die als Schulleiterin, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben (DGLS) und langjährige Vertreterin der DGLS im European Development Committee der International Reading Association neue und effektive Wege des Sprachenlernens beschrieben hat.

King, Princess und Dragon

Heide Niemanns Erfahrung: "Wenn ich einem Kind erzähle, dass 'king' König heißt, kann ich gleichzeitig neue Wörter aus der Märchenwelt ins Spiel bringen. 'Princess' ist die Prinzessin, und 'dragon' heißt der Drache. Auf diese Weise hört das Kind einerseits neue Wörter, die es sich auf Grund der thematischen Nähe zum Anknüpfungspunkt 'king' besonders gut merken kann, und es macht die motivierende Entdeckung: 'Ich kann ja schon was!'"

Authentisches Sprachenlernen fördern

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Fremdsprachen lernen ist besonders erfolgreich vor Ort oder durch den Unterricht von Muttersprachlern. Doch wie lassen sich auch dann gute Voraussetzungen schaffen, wenn kein längerer Aufenthalt im Ausland ansteht und die Englischlehrerin nicht in Cornwall, sondern im Chiemgau aufgewachsen ist?

Heide Niemann weiß, dass Kinder besonders gut und schnell lernen, wenn man ihnen authentisches Material an die Hand gibt, zum Beispiel englische Bilderbücher. Gemeint sind allerdings nicht die übersetzten Versionen deutscher Kinderbuchklassiker wie "The Robber Hotzenplotz". "Schließlich käme auch kein Erwachsener auf die Idee, den 'Faust' auf Englisch zu lesen, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern", glaubt Heide Niemann. Sie spricht von den Büchern, die auch englische Kinder beim Großwerden begleiten. Denn in "real books" reden die Charaktere so, wie englische Kinder reden: natürlich, schnodderig, kreativ, witzig.

Um den Sinn zu verstehen, muss man nicht jedes Wort kennen

Dass "real books" nicht den sehr überschaubaren Grundwortschatz von Sprachanfängern berücksichtigen, ist für Heide Niemann kein Problem. Im Gegenteil: "Auf diese Weise ist die Sprache echt, und es lässt sich von Anfang an der so wichtige Mut zu Wissenslücken üben. Denn um den Sinn einer Geschichte zu verstehen, muss man nicht jedes Wort übersetzen können." Fortgeschrittene Lerner sollten deshalb auch ermutigt werden, Bücher im Original zu lesen. "Hanni und Nanni", "Die fünf Freunde" und vielleicht sogar Ausschnitte aus "Harry Potter" sind bestens geeignet, vor allem, wenn man schon ein oder zwei Bände auf Deutsch kennt und - wenn man mit der richtigen Einstellung liest - eben mit dem Mut zur Lücke.

Persönliches Lerntempo akzeptieren

Kein Grund zur Sorge, wenn das Kind anfangs nicht sprechen will

Die meisten Sprachlernforscher gehen heute davon aus, dass der Zweit- oder Fremdsprachenerwerb in den gleichen Schritten erfolgt wie das Erlernen der Muttersprache. Dazu gehört auch die so genannte "silent period". Das ist die Phase, in der Wörter aufgesaugt und verstanden werden, aber Reaktionen noch wortlos nur durch Mimik, Gestik oder Handeln erfolgen.

So wie Ein- bis Dreijährige zu ganz individuellen Zeitpunkten mit dem Sprechen beginnen, fangen deshalb auch Fremdsprachanfänger nicht gleichzeitig an, sich in der neuen Sprache auszudrücken. Dabei ist die silent period weder passiv noch folgenlos: Auch in dieser Phase nimmt das Gehirn Bedeutungen wahr und speichert die inhaltlich verknüpften Begriffsgruppen. Das heißt, auch ein Kind, das sich noch nicht oder nur sehr wenig in der Fremdsprache äußert, lernt viel durch Zuhören und Beobachten.

Immer wieder die gleichen Sätze wiederholen

Eltern können in dieser Zeit ihr Kind unterstützen, wenn sie im Alltag immer wieder die gleichen kleinen englischen Sätze wiederholen, wie: "Pass me the salt, please", "Pass me the sugar, please", "Turn on the TV". Und zum Abschied: "See you, tschüss!" "Auf diese Weise lernt ein Kind erste feste Strukturen, sogar Grammatik, ohne dass es ihm bewusst ist", sagt Heide Niemann.

Selbstbewusstsein entwickeln

Als Beinahe-Pubertierender zu haspeln und zu stottern, ist verdammt uncool

"Eines der größten Probleme beim Sprachenlernen ist die Sorge, sich zu blamieren", sagt Professor Peter Nelde, der das "Forschungszentrum Mehrsprachigkeit" der Katholischen Universität Brüssel leitet. Er hat beobachtet, dass die selbst auferlegte Forderung, die Sprache möglichst sofort korrekt sprechen zu können, die wichtige fehlerbehaftete Phase verhindert, die vor jedem neuen Können steht.

Ein Kind, das seine Muttersprache erlernt, sagt zu einem Auto zunächst etwas wie "Dada". Dann vergehen Monate, bis es "Auto" sagen kann. So viel Zeit gibt sich ein Schüler aber nicht. Ein Fünftklässler, der sich zum ersten Mal mit einer neuen Sprache auseinander setzt, verlangt von sich, sämtliche "Sozialisationsphasen" zu überspringen, die er einem kleineren Kind problemlos zugestehen würde. Denn als Beinahe-Pubertierender zu haspeln und zu stottern, ist verdammt uncool.

Wie den Peinlichkeitsfaktor senken?

Also will er zu viel auf einmal. Das kann nicht klappen, aber der Schüler schließt daraus: "Fremdsprachen lernen ist blöd." Studien haben gezeigt, dass Lerner, die viel Kontakt zu Muttersprachlern haben, auf Grund des guten Vorbilds schneller ihre Hemmungen verlieren. Diesen Punkt berücksichtigen die neuen Lernsoftware-Programme der Schulbuch-Verlage, die nicht nur das Hörverstehen trainieren, sondern Schülern auch eine Rückmeldung über den Stand ihrer Aussprache geben. Ein weiterer Pluspunkt: Sie senken den Peinlichkeitsfaktor ganz erheblich, weil sie Üben unter Ausschluss der Öffentlichkeit ermöglichen. Auch Eltern können ihr Kind in diesem Punkt unterstützen: Gehen Sie wie beim Erlernen der Muttersprache vor - also nicht korrigieren im Sinne von "Das ist falsch, hör mir mal zu, wie man das ausspricht ...", sondern einfach das Wort oder den Satz richtig ausgesprochen wiederholen.

Motivation erhalten

Ein ganz wesentlicher Faktor beim Erlernen einer Sprache ist die Motivation. Sie führt positiv an die Sprache heran und fördert das Durchhaltevermögen. Schülerinnen und Schüler, die die folgenden Sätze bejahen können, sind sicher motiviert:

  • Ich habe Kontakt zur Kultur des Landes durch Musik, Filme und Bücher.

  • Mein Lehrer ist begeistert von der Sprache und hat eine gute Aussprache.

  • Meine Eltern interessieren sich für die Sprache bzw. für das Land und die Kultur der Zielsprache.

  • Ich habe Kontakt zu gleichaltrigen Muttersprachlern durch Schüleraustausch, Gastfamilienaufenthalte, Brieffreunde.

  • Ich habe etwas davon, diese Fremdsprache zu können.

Tipp: Ermutigen Sie Ihr Kind, sich das virtuelle Pendant zum penpal (Brieffreund), einen keypal (Tastaturfreund), zu suchen. Zum Beispiel über diese Internetseite: www.teaching.com