Schulwahl
 
Woran erkenne ich eine gute Schule?

Die Wahl einer Schule ist für Eltern keine leichte Entscheidung. Doch egal ob Grund-, Haupt- oder Realschule, Gymnasium oder Gemeinschaftsschule: Es gibt objektive Kriterien für die Qualität der Einrichtung.

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1. Schulhaus-Check

Schreibende Hände auf Schulpult
thinkstock

Schüler verbringen oft acht oder mehr Stunden täglich im Schulgebäude. Es zeugt von wenig Engagement für die Kinder und Jugendlichen, wenn das Ambiente heruntergekommen ist. Ein ansprechendes, gepflegtes Haus dagegen sorgt sofort für eine grundsätzlich gute (Lern-)Atmosphäre. Deshalb:

  • Geht mit offenen Augen durch die Anlage. Wie wirkt das Gebäude, wie die Empfangshalle? Freundlich, hell - oder abweisend? Das ist nicht immer eine Frage hoher Kosten. Farben, ein Wegweiser-System durch das Gebäude, ein paar Blöcke und Polster, zu einer Kommunikationsecke zusammengestellt, können bereits Wunder wirken. Sind die Fenster geschmückt, die Wände eventuell mit Kunstprojekten der Schüler verziert? Gibt es Pflanzen?
  • Werft ruhig auch einen Blick in die Toilettenanlagen: Sind sie sauber? Wärst Du selbst gerne darauf angewiesen, dieses Örtchen während eines langen Tages benutzen zu müssen? Wir würden in keinem Restaurant essen, keinen Job in einer Firma annehmen, die so unappetitliche Toiletten haben, wie viele Schulen - aber unsere Kinder sollen wir dort hinschicken? Gute Schulen achten auch darauf.
  • Wie sehen die Klassenzimmer aus? Bemüht man sich um eine heimelige Atmosphäre – oder sind die Räume kalt, die Möbel alt und verschmiert? Können die Schüler aktiv an ihrer Umgebung mitgestalten und Ideen einbringen? Wird die Sitzordnung auch mal verändert?
  • Kann man auf den Pausenhöfen wirklich Spielen oder sich Beschäftigen? Gibt es eventuell sogar ein beaufsichtigtes Angebot für Aktivitäten? Sind die Höfe in Bereiche für ältere und jüngere Schüler getrennt, damit es keine Reibereien gibt? Was ist mit Bäumen, Grünanlagen? Oder sind die Pausenplätze phantasielose Pflastersteinwüsten?

2. Der Ton macht's

Auch den Umgangston, der an einer Schule herrscht, erkennt man schnell. Und kann davon ausgehen, dass er "von oben" vorgegeben wird.

  • Grüßen eventuell die Schüler freundlich? Wie gehen sie miteinander um, wie sprechen die Lehrer in der Pausenaufsicht mit den Schülern, wie regeln sie Streitigkeiten?
  • Suche ruhig mal das Sekretariat mit einer Frage auf. Das Schulsekretariat ist schließlich das Aushängeschild einer Schule. Werden Besucher (und Schüler!) freundlich behandelt? Sind die Sekretärinnen hilfsbereit, offen, kompetent? Bekommt man leicht Termine beim Direktor oder anderen zuständigen Lehrern, wenn man sich über die Schule informieren möchte? Ganz wichtig: Wer abwimmelt oder unbefriedigende Antworten gibt, ist nicht stolz auf seinen Arbeitsplatz. Wahrscheinlich mit Grund. In so eine Schule sollte Dein Kind nicht gehen.

3. Sicher ist sicher

Eltern wollen ihre Kinder während der Schulzeit gut aufgehoben wissen; sie haben sogar ein Recht darauf. Erkundige Dich deshalb: Gibt es an der Schule Sicherheitspläne – für den Fall eines Feuers, eines Attentats, eines Übergriffes? Sind Lehrer und Schüler ausreichend über das Verhalten in diesen Ausnahmefällen informiert?

  • Immer wieder passieren auch auf Pausenhöfen und in Turnhallen Unfälle (deutschlandweit etwa 1.300.000 pro Jahr). Wie viel Lehrer führen überhaupt Pausenaufsicht - reicht das für die Zahl der Schüler? Wie gut ist das Erste-Hilfe-System? Ist immer ein medizinisch erfahrener Erwachsener in der Schule? Wie schnell ist ein Arzt im Notfall vor Ort? Lass Dich nicht mit beruhigenden Worten abspeisen, fordere konkrete Angaben.
  • Und: Wenn Du als fremder Erwachsener durch die Schule schlenderst, um Dich umzusehen, musst Du zeitnah von einer Aufsichtsperson angesprochen und nach Deinem Anliegen gefragt werden. Das ist ein gutes Zeichen. Man kümmert sich, ist wachsam. Du könntest ja sonst wer sein…

4. Offen für Neues

Eine gute Schule öffnet sich ihrem Umfeld.

  • Engagierte Schulen betreiben Öffentlichkeitsarbeit durch einen einzelnen Mitarbeiter (oder ein Team).
  • Sie arbeiten mit Partnern zusammen, mit Betrieben, Museen, Bibliotheken. Externe Experten gestalten Projekte und Unterricht mit und die Schule pflegt zudem Partnerschaften mit Schulen im Ausland.
  • Moderne Einrichtungen verschließen sich auch den Neuen Medien nicht. Checke mal: Wie gut ist der Internet-Auftritt der Schule, hat sie überhaupt einen? Gibt es vielleicht sogar eine Schul-DVD? Ist der Jahresbericht professionell gestaltet, sind die Schuldrucksachen modern, verständlich, übersichtlich – oder hoffnungslos hausbacken?

5. Der Elternkontakt

Eine gute Schule ist an einem engen Miteinander mit den Eltern interessiert - zugunsten der Schüler.

  • Deshalb: Sind die die Elternabende interessant gestaltet, oder schlichte Langweilerveranstaltungen? Nehmen sich die Lehrer an Elternsprechtagen ausreichend Zeit, gibt es Sprechstunden außer der Reihe für berufstätige Eltern?
  • Gute Schulen informieren die Eltern unter anderem auch ausführlich über das System der Schulstrafen und deren Sinn, halten Eltern über die Noten ihres Kindes auf dem Laufenden, besonders wenn ein Leistungsabfall droht. Ist das so?
  • Zu einer gezielten Qualitätsentwicklung der Schule gehört ebenfalls die ehrliche Meinung der Schüler und Eltern über die Einrichtung. Sie sollte deshalb regelmäßig abgefragt werden. Erkundige Dich nach den Ergebnissen einer solchen Befragung.

6. Das Kollegium

Eine gute Schule stellt die Qualität ihrer Arbeit regelmäßig auf den Prüfstand und leitet aus den Ergebnissen Ziele und Maßnahmen ab, um immer besser zu werden.

  • Frage nach derartigen Bestandsaufnahmen der Schule!
  • Erkundige Dich ebenfalls, ob das Kollegium gemeinsame Fortbildungen veranstaltet, zu welchen Themen diese stattfinden und ob die Lehrer sich gegenseitig im Unterricht besuchen und sich ein Feedback geben. Gute Lehrer zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst dazulernen wollen. Außerdem tauschen sie sich über die ihnen anvertrauten Schüler aus.
  • Frage auch danach, ob es neben Fachkonferenzen Teamsitzungen der Lehrer einer Klasse oder Jahrgangsstufe gibt, in denen Unterricht Fächer übergreifend abgestimmt und vorbereitet wird.
  • Eine gute Schule besitzt zudem ein pädagogisches Konzept. Dieses „Schulprogramm“ legt die Ziele, die Arbeitsschwerpunkte und die Umsetzungswege der Schule dar. Erkundige Dich danach.

7. Lieber lernen

Lernen Kinder und Jugendliche an dieser Schule gerne?

  • Eigentlich eine einfache Frage, doch sie wird viel zu selten gestellt. Erkundige Dich bei Schülern der Einrichtung und traue dem, was sie sagen. Es macht zum Beispiel sicher mehr Spaß, ab und an auch Projekte zu bearbeiten, als stets Frontal-Unterricht haben.
  • Gehen die Lehrer auf die einzelnen Schüler ein, setzen sie vielfältige Lernmethoden ein? Gibt es am Nachmittag besondere Förderprogramme für Schüler mit Schwierigkeiten oder die Möglichkeit zur Nachhilfe? Motivierend kann etwa auch die Arbeit mit Wochen- oder Lernplänen sein, unterbrochen von Phasen "freier Arbeit". Ganz wichtig: Wie stark kommen neue Medien im Unterricht zum Einsatz?
  • Worüber Schüler ebenfalls Auskunft geben können: Fühlen sie sich an der Schule geborgen, haben sie sichere Anlaufstellen (Vertrauenslehrer, Schulpsychologen) im Falle von Schulschwierigkeiten, Mobbing oder Streitereien?