Mode
 
Schulpulli kontra Markendruck

Bundesweit gab es schon an vielen Schulen Versuche mit Schulkleidung. Warum sie sich selten durchsetzen und weshalb sich das Ausprobieren trotzdem lohnen kann.

Die Situation

Mode: Schulpulli kontra Markendruck

Freie Kleiderwahl ist für viele Schüler, Lehrer und Eltern vor allem mit Stress verbunden. Dafür sorgen Markendruck, soziale Ausgrenzung und Ärger mit bauchfreien T-Shirts. Schulkleidung würde alle diese Probleme auf einmal lösen, meinen die Befürworter. Ihre Gegner denken bei Begriffen wie "Einheitlichkeit" oder "Uniform" an Gleichmacherei und Fremdbestimmung.

Früher fehlte es vielen Schüler wirklich an Lebensnotwendigem, heute wird auf hohem Niveau gelitten: Es geht um die fehlenden Puma- Schuhe, die zu teure MissSixty-Jeans oder Longchamps-Tasche. Das sind Luxusprobleme, und trotzdem leiden die heutigen Schüler nicht weniger unter den Entbehrungen als ihre Großeltern damals unter jenen ihrer Schulzeit. Früher hatte kaum jemand etwas. Heute haben Schüler das Gefühl: "Nur ich kann nicht mithalten." Wie stark der Druck für viele ist, wird klar, wenn Jugendliche über dieses Thema diskutieren: Die meisten plädieren für die Einführung von Schulkleidung.

So können Sie helfen

Vielleicht gibt es an der Schule Ihres Kindes bereits Überlegungen in Richtung Schulkleidung. Die meisten Diskussionen zu diesem Thema kommen jedoch nicht voran, weil sie zu ideologisch geführt werden.

Das können Sie tun:

  • Bringen Sie das Thema beim nächsten Elternabend zur Sprache. Als Gesprächsanreiz können Sie Ergebnisse aus der Studie "Kleider machen Schule?" nutzen. Eine Zusammenfassung finden Sie unter http://idw-online.de/pages/de/news84935

  • Klären Sie gemeinsam den Begriff "Schulkleidung". Dabei handelt es sich um eine einheitliche, aber keineswegs unmodische Oberbekleidung, wie T-Shirt, Sweatshirt, Pulli etc., die Schüler nach Wunsch kombinieren können. Was viele nicht wissen: Schulkleidung ist preiswert und entlastet den Geldbeutel.

  • Schlagen Sie vor, dass Schüler der oberen Klassen das Thema zum Projekt machen. Dabei gilt es, ein Logo zu gestalten, Kleidungsstücke auszuwählen, Farben festzulegen, Kostenvoranschläge einzuholen, Verkaufswege zu durchdenken. Wichtig: Wenn schnell klar werden sollte, dass andere Eltern nicht an Schulkleidung interessiert sind - solche Gesprächemachen trotzdem sensibel für dieses Thema. Und Eltern, die zusammenhalten, können die Markenfixierung ihrer Kinder doch ein wenig herunterfahren.

Entwarnung

Die meisten Eltern machen bereits alles richtig: Sie zahlen nicht mehr, als sie für Kleidung ohne Marken-Logo ausgeben würden. Was darüber liegt, müssen die Kinder selbst beisteuern - vom Taschengeld oder durch Jobeinnahmen. Solange die Schule nicht unter dem Jobben leidet, ist das goldrichtig: Die Jugendlichen erleben einen Mangel, den man durch Anstrengung zumindest teilweise beheben kann. Und sie machen die Erfahrung, dass man auf manches im Leben warten muss, es vielleicht sogar nie bekommt.

Besser lernen mit Schulkleidung?

Die Studie "Kleider machen Schule?" zeigt, dass klare Bekleidungsregeln viel Positives bewirken. Professor Oliver Dickhäuser von der Universität Erlangen-Nürnberg hat Schüler der Haupt- und Realschule Sinstorf befragt, die Schulpullis tragen, und mit den Antworten von Schülern einer ähnlichen Hamburger Schule ohne Bekleidungsvorschriften verglichen. Das Ergebnis: In den siebten und achten Klassen beeinflusst der Schulpulli das Klima positiv. Die älteren Schüler aus Sinstorf berichteten auch, sich besser im Unterricht konzentrieren zu können. Außerdem lernten sie lieber als die Schüler der Vergleichsschule.

Mehr Informationen zur Studie unter http://www.psychol.uni-giessen.de/home/stiensmeier-pelster/medienecho

Erfahrungsberichte der Haupt- und Realschulen Hamburg und Sinstorf finden Sie auf der Internetseite www.schulkleidung.com