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Den Knoten platzen lassen

Was macht Kinder zu Gernelesern? Die Antwort darauf kennt Otto Stender. Der Buchhändler hat den Verein "Mentor - Die Leselernhelfer" gegründet. Das Modell ist inzwischen bundesweit erfolgreich.

Lesen: Den Knoten platzen lassen

"Mentor" hilft derzeit rund 6.000 Kindern, die endlich Zugang zu Büchern bekommen möchten. Was hat Sie dazu bewegt, die Sache vor fünf Jahren in Gang zu bringen?
Die Begegnung mit einem Mädchen, das zu den vielen hilflosen Kindern gehörte, die ich vorher als Buchhändler gar nicht wahrgenommen hatte. In meinem Beruf ist man ja nur von lesenden Menschen umgeben. Nachdem ich mitbekam, wie still es war, hatte ich ihm nach und nach etliche Bücher geschenkt.

Und es hat sie gelesen?
Nein, überhaupt nicht! Daraufhin wurde mir klar, dass Bücher allein nicht genügen. Um sich auf den Weg ins Lesen machen zu können, brauchen Kinder erst einmal erfahrene Leser zum Sparringpartner.

Was heißt das genau?
Bei einem erfahrenen Leser können sich Leseanfänger viel Unterstützung holen. Es wird gemeinsam nach passenden Büchern gesucht und über das Gelesene gesprochen. Dabei gilt es für die Paten, sehr offen zu sein. Ich habe meine Vorstellungen bezüglich des ersten Buches inzwischen weit heruntergeschraubt. Gerade bei den pubertierenden Jungs muss auch schon mal Blut spritzen, damit das Buch interessiert. Die Erfahrung zeigt aber, dass es egal ist, was gelesen wird - Hauptsache, der Knoten platzt!

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