Zeugnis
 
Schlechte Noten bitte nicht überbewerten!

Schlechte Noten ärgern nicht nur Kinder, sondern auch die Eltern. Aber: Sie sollten den Bewertungen nicht mehr Macht geben, als sie wirklich verdienen.

Kinder wollen Noten

Zeugnis: Schlechte Noten bitte nicht überbewerten!

Wortgutachten können mehr als gute oder schlechte Noten. Sie loben, was klappt, und machen klar, was besser werden muss. Noten hingegen bremsen den Lerneifer oft aus, weil sie nicht den persönlichen Fortschritt bewerten (siehe dazu auch den Kasten auf der letzten Seite). Trotzdem wollen die meisten Kinder keine Sätze unter ihrer Arbeit lesen.

Jeder Schüler hofft auf einen Platz vorn im Klassenspiegel. Schlechte Noten sind daher mehr als eine Zahl, sie sorgen für Enttäuschung, Verzweiflung oder Angst. Kinder beschränken das Ergebnis nämlich nicht auf eine bestimmte Leistung. Vor allem Grundschüler fühlen sich durch die Note als ganzer Mensch beurteilt, nach dem Motto: "Ich bin eine Fünf!" Deshalb brauchen Schüler einfühlsame Eltern, die zeigen: "Die Fünf ist Mist, und dagegen müssen wir etwas tun, aber wir werden dich dabei unterstützen."

Schlechte Noten - so können Sie helfen

  • Verbergen Sie bei Ihre Enttäuschung! Das ist nicht leicht - aber auch wenn Ihre Enttäuschung groß ist: Kinder dürfen sie nicht spüren. Aus Schülersicht bedeuten sonst weitere schlechte Noten: "Ich mache meinen Eltern nur Kummer!" Logisch, dass der Kopf dann nicht frei ist. Lernexperten raten daher, nicht erst gute Noten als Erfolg zu werten!

  • Richtig ist, das Kind für gute Noten zu loben - und sich selbst für die Unterstützung -, die vor der Arbeit geleistet wurde.

  • Nehmen Sie die Gefühle Ihres Kindes ernst! Es ist sehr schwer, schlechte Noten einzustecken. Es bedeutet, Tränen und vielleicht sogar blöde Kommentare runterzuschlucken - zu Hause fliegt aber dann trotzdem die Tür mit einem Knall ins Schloss und der Ranzen in irgendeine Ecke. Kleinere Mädchen und Jungen brauchen jetzt nichts so sehr wie liebevolle Arme, die sie ganz festhalten, und eine Stimme, die ihnen ins Ohr flüstert: "Kopf hoch, mein Schatz! Von einer schlechten Note lassen wir uns doch nicht unterkriegen!"

    Erste Hilfe bei älteren Schülern leistet zum Beispiel ein heißer Kakao oder eine halbe Stunde Musikhören im Kinderzimmer. Sind die heftigsten Gefühlstürme verebbt, wünschen sich auch die "Großen" Mitgefühl und Gespräche.


  • Verzichten Sie auf Vergleiche! So lernt Ihr Kind, sich über seine eigene Leistung zu freuen. Außerdem muss es keinen Neid empfinden, wenn es selber schlechte Noten geschrieben hat.

Zensuren hängen auch vom Lehrer ab

Noten wirken so sachlich, dass sie darüber hinwegtäuschen, wie wenig sie aussagen. Sie zeigen lediglich, wo eine bestimmte Lehrerin einen bestimmten Schüler einordnet. Mehr nicht! Schon bei Lehrer X in Klasse Y könnte das anders aussehen. Zeit also, den Wert der Noten runterzuschrauben und das Kind in den Mittelpunkt zu rücken.

Buchtipp:

"Ermutigungen. Nicht Zensuren", Heide Bambach, Libelle Verlag, 15 Euro