Praktikum
 
Mehr als ein Blick ins Berufsleben

Etwas Berufsluft zu schnuppern tut jedem Teenager gut, und manchmal öffnet sich dadurch sogar die Tür zur späteren Lehrstelle. Plus: Fünf Tipps für Jugendliche, die eine Praktikumsstelle suchen.

Praktikum: Mehr als ein Blick ins Berufsleben

Aktuell listet das Arbeitsamt über 350 anerkannte Lehrberufe auf, die Tendenz ist steigend. Branchen wie zum Beispiel IT oder Medien oder der Gesundheits- und Wellnessbereich bieten attraktive Ausbildungsmöglichkeiten direkt nach dem Schulabschluss an, die aber nur wenige kennen. Praktika helfen dabei, solche Berufsbilder zu entdecken.

Gerade pubertierende Schüler brauchen praktische Erfahrungen, um sich und ihre Fähigkeiten besser einschätzen zu können. "Was kann ich schon leisten?", "Was habe ich gelernt?" und, ganz wichtig, "Wo werde ich gebraucht?"

Das heißt aber nicht, dass Schülern der erste Ausflug in die Berufswelt leicht fällt. Von einem Tag auf den anderen wird viel Neues von ihnen erwartet: früher aufstehen und später nach Hause kommen; acht Stunden lang höflich, freundlich und aufmerksam sein; fremde Gesichter, Namen und Umgebungen speichern; neue Regeln und Aufgaben behalten und sie berücksichtigen; Hierarchien beachten; Eigeninitiative zeigen; weitermachen, auch wenn die Aufgabe langweilig ist; Rechtfertigungsversuche runterschlucken, weil sie niemand hören will ...

So können Sie helfen

Lassen Sie Ihr Kind die vielen Anforderungen möglichst selbständig bewältigen! Wenn Sie sich für Ihr Kind um einen Praktikumsplatz bemühen, es mit dem Auto zum Betrieb fahren und abholen oder bei Problemen gleich selbst den Chef anrufen, arbeiten Sie dem eigentlichen Ziel "Erfahrungen machen" entgegen. Aber es gibt auch ein paar nützliche Hilfestellungen:

  • Nutzen Sie Ihr privates und berufliches Netzwerk, um Kontakte herzustellen, die Ihrem Kind oder auch seinen Mitschülern (!) bei der Suche nach Praktikumsplätzen helfen können.

  • Üben Sie im Rollenspiel mit Ihrem Kind "gutes Benehmen" ein. Es sollte selbstverständlich sein, dass es grüßt, dass es hilfsbereit ist und aufgetragene Arbeiten zuverlässig und engagiert durchführt. Ganz wichtig sind angemessene Kleidung und freundliche Ausstrahlung. Schüler, die diese Eigenschaften mitbringen, erhalten - wenn es die betriebliche Situation erlaubt - manchmal sogar ein Lehrstellenangebot!

  • Zeigen Sie sich gesprächsbereit und geben Sie Ihrem Kind emotionalen Halt, wenn nicht alles glatt läuft. Sprechen Sie Lösungsmöglichkeiten durch, die Ihr Kind im Betrieb selbständig umsetzen kann.

  • Überzeugen Sie auch Ihren Gymnasiasten von den Vorteilen eines Praktikums, falls in seiner Schulzeit keines vorgesehen ist. Es lohnt sich, jetzt die eine oder andere Ferienwoche zu opfern, anstatt nach dem Abi ein Jahr zu verbummeln, um sich über den Berufswunsch klar zu werden.

Die Entwarnung

Natürlich ist es schön, wenn Ihr Kind gleich mit dem ersten Praktikum einen beflügelnden Einblick in die Berufswelt bekommt. Es macht aber nichts, wenn dies nicht klappt. Abgesehen von den vielen wichtigen Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen lernt Ihr Kind garantiert zweierlei:

1. "Büffeln muss sein, wenn ich später eine anspruchsvolle Arbeit haben möchte."

2. "Vor dem nächsten Praktikum werde ich mich intensiver informieren, um etwas zu finden, das zu mir passt."

So findest du ein Praktikum
Dr. Monika Hoffmann arbeitet als Trainerin für Firmen und Institutionen. Ihre fünf Tipps für Schüler:

  • 2. Kontakte nutzen.
    Gut möglich, dass du und deine Familie niemanden direkt kennt, der in dem Bereich arbeitet, in dem du dich ausprobieren möchtest. Aber garantiert gibt es eine Verbindung um drei Ecken. Sprich mit so vielen Bekannten wie möglich, das Patentrezept "Man muss nur mit den Leuten reden" wirkt zuverlässig!
  • 3. Handlungsfähigkeit beweisen.
    Eltern und Lehrer helfen fast immer gern. Aber: Wenn du ihnen die Suche nach deinem Praktikumsplatz total überlässt, wirst du schnell als unselbständig oder unwillig eingeschätzt. Und wer möchte schon 14 Tage lang einen hilflosen oder misslaunigen Schüler betreuen?
  • 4. Überzeugungsarbeit leisten.
    Um andere für dich zu gewinnen, musst du selbst von dir überzeugt sein. Überlege dir genau, wie und warum du dieses Praktikum machen möchtest, was du erwartest und was du einbringen kannst. Wenn das für dich klar ist, kannst du es auch deutlich vermitteln.
  • 5. Dankbarkeit zeigen.
    Die Betreuung eines Praktikanten ist mehr mit Mühe und Aufwand verbunden als mit Gewinn. Egal, wer sich um dich kümmert, er tut dir einen Gefallen.

Zum Weiterlesen: In dem Ratgeber „after school“ (BW Verlag, ca. 10 Euro) beschreibt Monika Hoffmann, wie man sich vom Elternhaus abnabelt, ohne auf die Erfahrung der Eltern zu verzichten, warum Freundschaften bei der Berufswahl manchmal hinderlich sind und wie man herausfindet, was man selbst eigentlich will.