Schulangst
 
Entspannen vor der Klassenarbeit

Schulangst kann sich auf vielerlei Weise zeigen: Ihr Kind kann sich vor Tests nicht konzentrieren und schläft schlecht? Oder klagt häufig über Kopf- und Bauchschmerzen? Was Sie gegen die Angstgefühle tun können, erfahren Sie hier.

Schulangst? So können Sie helfen!

Schulangst: Entspannen vor der Klassenarbeit

Eine wichtige Klassenarbeit oder Referat steht an - und Ihr Kind leidet unter nervöser Schlaflosigkeit? Morgens kriegt es keinen Happen herunter, die Angst vor der Prüfung steht ihm ins Gesicht geschrieben? Sie möchten helfen - aber wie? "Wichtig ist, dass man die Angst in dem Moment auch ernst nimmt und nicht mit Sätzen wie 'Ach, ist nicht so schlimm' oder 'Das schaffst du schon' abtut", empfiehlt Schulpsychologin Sandra Rausch von der Schulpsychologischen Beratungsstelle für die Stadt Mannheim.

Typische Anzeichen für Prüfungsangst

Sie können Ihr Kind nicht ins Klassenzimmer begleiten und ihm während der Arbeit die Hand halten - umso wichtiger ist es, dass Sie im Vorfeld aktiv werden. Dafür müssen Sie aber erst einmal erkennen, dass Ihr Kind unter Prüfungsangst leidet. "Die Kinder schlafen einen Tag vor der Prüfung schlechter, leiden unter Appetitlosigkeit, fühlen sich oft angespannt, nervös oder unwohl und ziehen sich stärker zurück. Außerdem kann es Erkrankungsanzeichen geben, die Kinder klagen über Bauchschmerzen und Kopfschmerzen", erklärt Sandra Rausch typische Symptome. Erlaubten die Eltern dem Kind in diesem Fall daheim zu bleiben, entstehe ein Teufelskreis: Das Kind könne nicht erfahren, dass eine Prüfung vielleicht doch nicht so bedrohlich ist, wie es denkt.

Wie gehe ich mit den Symptomen um?

Die Schulpsychologin empfiehlt Eltern, möglichst früh anzusetzen - und präventiv zu arbeiten. "Vor allem bei kleineren Kindern, aber auch bei Jugendlichen spielt die Erwartungshaltung der Eltern eine wichtige Rolle. Eltern sollten sich überlegen: Setze ich meinem Kind zu hohe Ziele - oder tut es das sogar selbst?" Wenn Ihr Kind zum Beispiel Angst vor Diktaten hat, weil es die tatsächlich nicht gut kann, ist es wichtig als Eltern zu sagen: "Du kannst vielleicht nur bestimmte Leistungen bringen - das ist für uns aber auch okay."
Bei älteren Kindern entwickelt sich die Prüfungsangst auch dadurch, dass sie sich längere Zeit nicht gut auf Klassenarbeiten vorbereiten - oder eine schlechte Arbeitsstrategie haben. Sie erleben einen Misserfolg und haben vor der nächsten Prüfung Angst. Auch hier können Eltern ansetzen, zum Beispiel indem sie mit ihrem Kind dessen Lernstrategie besprechen.

Ängste einfach wegklicken?

Feuchte Hände, Herzklopfen - zwei eindeutige Anzeichen dafür, dass wir aufgeregt sind. Wenn wir diese Symptome wahrnehmen, bewerten wir sie als "Angstreaktion" und steigern dadurch häufig noch unsere Aufregung - ein kleiner Teufelskreis der Angst. Und wie kommt man dagegen an? "Auf der körperlichen Ebene mit Entspannung", so Sandra Rausch. Dabei müssten Eltern aber wissen, dass Entspannungsübungen nicht jedem gefallen würden. Auf der eher kognitiven (also der gedanklichen) Ebene könne man die Angst zum Beispiel bekämpfen, indem man verinnerlichte Sätze wie "Das kann ich nicht" oder "Das schaffe ich nicht" verändert in: "Ich habe mich eigentlich gut vorbereitet, das müsste jetzt klappen".

So bleibt Ihr Kind in der Prüfung locker

Hier finden Sie einige mögliche Situationen, in denen Ihr Kind nervös werden könnte. Und einige Tricks, wie man darauf reagieren kann.

Die Situation: Ihr Kind hat den Stoff gut gelernt, aber abends im Bett steigt die Angst vor der Prüfung dennoch hoch.
Der Trick für Ihr Kind: Ihr Kind sollte sein "Kopfkino" anstellen und sich die Situation vorstellen. Welche Probleme können wirklich auftreten? Wie will es sich verhalten? "Sie könnten durch Nachfragen herausfinden, wo genau das Problem liegt und dann die Situation einfach mal durchsprechen", empfiehlt Sandra Rausch.

Die Situation: Wenn die Aufgabenblätter verteilt werden, tanzen im Kopf Ihres Kindes nur noch Wattebällchen. Es hat das Gefühl: Ich weiß gar nichts mehr!
Der Trick: Abwarten. In den ersten Minuten stimmt die Adrenalindosis, die der Körper ausschüttet, damit Ihr Kind diese Herausforderung besteht, vielleicht noch nicht. Ihr Kind sollte deshalb am besten einen Moment innehalten. Und dann noch einmal von vorne anfangen - am besten mit den Aufgaben, die es schnell lösen kann.

Die Situation: Ihr Kind kann eine Aufgabe nicht lösen.
Der Trick: Gedanken anleinen. Das schafft Ihr Kind, indem es seine Großhirnrinde austrickst. Sie ist so beschaffen, dass man unmöglich zwei Dinge gleichzeitig bewusst tun kann. Wenn Ihr Kind in Panik gerät, kann es nicht gleichzeitig konzentriert auf die kleinen Pausen nach dem Ein- und Ausatmen achten. Genau das sollte es aber tun - so wird es wieder ruhig und kann sich der nächsten Aufgabe widmen.

Die Situation: Ihr Kind soll ein Referat halten. Aber plötzlich ist der Kopf leer.
Der Trick: In solchen Momenten hilft die Zauberkugel. Schenken Sie Ihrem Kind eine schöne Holzkugel, die es in der Hosentasche immer dabei hat. Wenn die Angst kommt, kann es de Kugel in die Hand nehmen und mit aller Kraft drücken. Außerdem kann Ihr Kind seine Aufregung vor der Klasse kurz ansprechen. Das wirkt nicht peinlich, sondern sympathisch, weil die meisten Kinder die Situation kennen.

Entspannende Übungen

    Diese Übungen sollte Ihr Kind am Nachmittag vor der Prüfung machen - oder wenn es gerade ziemlich gestresst ist. Am besten machen Sie direkt mit, denn so macht es viel mehr Spaß! Wichtig: Entspannungstechniken wie etwa Autogenes Training müssen über einen längeren Zeitraum geübt werden. Nur dann bringen sie auch die gewünschten Ergebnisse.
  • Machen Sie doch mal den "Affen"!
    Diese Übung befreit von Spannungen und fördert gleichzeitig das Selbstvertrauen.

    Und so geht's: Aufrecht und entspannt hinstellen. Füße stehen etwa schulterbreit. Oberkörper mit einem kräftigen Seufzer nach unten fallen lassen. Kopf und Arme baumeln locker herab, die Knie sind leicht gebeugt.
    Lang und tief in den Bauch hineinatmen und den Oberkörper langsam wieder aufrichten. Arme mit nach oben nehmen, so dass sie zum Schluss des Aufrichtens zur Decke zeigen. Den ganzen Körper strecken. Lang ausatmen. Hände zur lockeren Faust formen und abwechselnd an das Brustbein klopfen. Das Trommeln regt die unter dem Brustbein gelegene Thymusdrüse an, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Immunsystems spielt.
    Wichtig: Nicht mehr als sechs Mal wiederholen, da die Thymusdrüse sehr sensibel reagiert.
  • Den Stress wegatmen!

    Und so geht's: Rechtes Nasenloch zuhalten, links tief einatmen. Luft kurz anhalten. Linkes Nasenloch zuhalten, rechts wieder ausatmen. Damit stellt sich die Sauerstoff-Kohlendioxid-Balance im Körper wieder her und man fühlt sich sofort wohler.

Die besten Teerezepte

    Vertrauen Sie auf die Heilkräfte der Pflanzen. Teemischungen mit Johanniskraut oder Baldrain beruhigen Ihr Kind und lassen es gut schlafen - auch vor Prüfungen.
  • Bei Schlafstörungen hilft eine Teemischung aus Hopfen, Baldrianwurzel, Melissenblätter, Orangenblüten.

    Zutaten:
    20g Johanniskraut
    20g Baldrianwurzel
    10g Passionsblume

    Zubereitung:
    Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abseihen.

    Hinweise zur Dosierung: Kinder bis zum zehnten Lebensjahr bekommen einen halben Teelöffel Teegemisch pro Tasse (150 ml) und bis zum 15. Lebensjahr einen Teelöffel pro Tasse.
  • Bei Nervosität hilft eine Teemischung aus Johanniskraut, Baldrianwurzel und Passionsblume.

    Zutaten:
    20g Johanniskraut
    20g Baldrianwurzel
    10g Passionsblume

    Zubereitung:
    Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abseihen.

    Hinweise zur Dosierung:
    Kinder bis zum zehnten Lebensjahr bekommen einen halben Teelöffel Teegemisch pro Tasse (150 ml) und bis zum 15. Lebensjahr einen Teelöffel pro Tasse.
  • Außerdem: Mit Zutaten wie Fenchel, Melisse, Koriander, Zimt, Ingwer und Süßholz kommen Sie und Ihre Kinder auch zur Ruhe.

Schlehen gegen Stress

Die blauen Beeren der Schlehen spenden nach anthroposophischem Verständnis neue Lebenskräfte. Und sie wirken ausgleichend bei Belastungen wie etwa Noten-Stress in der Schule. Schlehen-Ursaft (ungezuckert) und Schlehen-Elixier (mit Zucker) gibt es im Reformhaus.

Homöopathische Mittel

Bei der Behandlung von Prüfungsangst oder Kummer haben Ärzte bei Kindern gute Erfahrungen mit Homöopathika gemacht. Sie werden vor allem bei schweren Störungen eingesetzt, als Begleitung zu psychotherapeutischen Gesprächstherapien. Bei weniger schwerer Prüfungsangst helfen vor allem einfühlsame Gespräche.
Nervösen Kindern, die schon am Abend vor der Prüfung aufgeregt sind, hilft zum Beispiel Argentum nitricum D12, zweimal täglich fünf Globuli. Es wird empfohlen, die Therapie bereits drei Tage vor der Prüfung zu beginnen.
Wenn Ihr Kind bei Angst schwach und zittrig wird, in der Prüfung einen Blackout oder Durchfall bekommt, hilft Gelsemium D12, ebenfalls zweimal täglich fünf Globuli.