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Welche Aufgaben haben Elternsprecher und Elternbeirat?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie sich zur Elternsprecherin wählen lassen sollen? Was eine Karriere als Elternbeirat bringt. Und wie Lehrer mit den Kindern engagierter Mütter und Väter wirklich umgehen. Ein Experteninterview.

Engagement: Welche Aufgaben haben Elternsprecher und Elternbeirat?
Corbis

Barbara von Schnurbein, verheiratet, Mutter von fünf Kindern, war 24 Jahre lang Elternbeirätin, davon vier Jahre als Vorsitzende der Landeselternvereinigung der Gymnasien in Bayern. Die Trainerin für Zeitmanagement und Lebensbalance war Mitbegründerin von "FORUM Partnerschaft Elternhaus und Schule" und bekam für ihr Engagement im Jahr 2004 den Bayerischen Staatspreis für Unterricht und Kultus.

Der Alltag ist für Eltern schon stressig genug. Soll man sich da wirklich zusätzlich als Elternsprecher oder im Elternbeirat engagieren?
Natürlich. Schon deshalb, weil das Kind oder die Kinder merken: Meine Eltern interessieren sich für das, was ich den ganzen Tag mache und wie es mir dort geht.

Wenn ich es also versuchen möchte, was muss ich tun? In der Grundschule ist das Verfahren noch durchsichtig; in jeder Klasse werden Elternsprecher gewählt, aus denen dann der Elternbeirat rekrutiert wird. Wie ist das an weiterführenden Schulen?
Hier kann es Klassenelternsprecher geben, das muss aber so nicht sein. Und wer Klassenelternsprecher ist, ist deshalb noch nicht Kandidat für den zwölfköpfigen Elternbeirat. Auf einer allgemeinen Wahlversammlung können sich gleichberechtigt alle Eltern, die ein Kind an der Schule haben, als Kandidaten aufstellen lassen. Dann wird von allen gewählt. Für jedes Kind haben die Eltern eine Stimme.

An einer großen Schule mit Tausend Schülern sind das dann theoretisch hunderte von Eltern. Da kostet es schon viel Überwindung, vor allen eine "Wahlrede" zu halten…
Das ist richtig, obwohl in der Regel der Besuch der Veranstaltung leider schlecht ist. Aber generell ist die Stimmung kälter geworden. Ich habe den Eindruck, dass mit Ellenbogen immer mehr für das eigene Kind gekämpft wird. Für die Gemeinschaft setzt man sich heute nicht mehr so ein wie früher. Es wird immer schwieriger, so viele Kandidaten zu finden, dass es eine echte Wahl ist.

Was sollte denn die Motivation sein?
Echtes Interesse an der Schule, der Wunsch, etwas bewirken zu wollen. Die ganze Sache kostet ja viel Zeit und es gibt keinen Cent dafür. Man braucht eine dicke Portion Idealismus, denn es gibt auch viel Ärgerliches durch zu stehen. Der falsche Ansatz ist es, durch so einen Posten generell an Ansehen oder Einfluss gewinnen zu wollen. Manchmal melden sich auch richtige Querulanten, die immer gegen die Lehrer sind. Alles nicht die richtigen Kandidaten.

Häufig vertritt der Beirat nicht die Meinung der Eltern, sondern seine eigene

Eigentlich lohnt sich der Einsatz über Jahre hinweg doch nur dann, wenn man mehrere Kinder auf der Schule hat?
Ja, deshalb haben wir in den Vorständen auch überproportional viele Mütter und Väter mit mehreren Kindern. Berufstätige Alleinerziehende bewerben sich leider kaum. Die Frauen fühlen sich wahrscheinlich überfordert. Das ist schade; ich habe immer versucht, die Arbeit für alle möglich zu machen. Mit Fahrtkostenpauschalen, Sitzungen am Samstag und so weiter. Auch nichtdeutsche Eltern sollten in Elternbeiräten sein, sind aber in der Realität kaum vertreten.

Welche Vorraussetzungen sollte man zusätzlich mitbringen, um Chancen zu haben?
Oft werden die Vertreter nach ihren Berufen ausgewählt, nach ihrem Auftreten, der Ausstrahlung. Männer, die kandidieren, werden immer noch fast automatisch gewählt. Eine Frau, die aufsteht und sagt: „Ich bin Hausfrau und möchte mich einsetzen“, hat deutlich weniger Chancen. Wobei die Frauen oft später in der Arbeit die Verlässlicheren sind.

Wie muss man sich dann die Arbeit des Elternbeirats vorstellen? Ist das ein geschlossener Zirkel ohne Kontakt zur Basis?
Das ist eine Gefahr. Eine Studie zeigte kürzlich leider, wie unheimlich groß der Abstand zwischen der Basis der Eltern und dem Elternbeirat oft ist. Die Basis weiß häufig gar nicht, was der Beirat tut, und der vertritt nicht die Elternmeinung, sondern die eigene.

Wie kann das geändert werden?
Es ist natürlich Aufgabe des Elternbeirates für eine gute Kommunikation mit den Eltern zu sorgen! Einzelne Mitglieder sollten zum Beispiel immer in die Elternabende hineingehen, sich vorstellen, Telefonnummern hinterlassen und auch beim Elternsprechtag präsent zu sein. Die oben erwähnte Studie hat auch gezeigt, wie viel besser die gesamte Atmosphäre an einer Schule ist, wenn Eltern und Beirat engagiert und in engem Kontakt sind.

Aber was bringt es mir, im Beirat zu sitzen? Habe ich da überhaupt Einfluss?
Der Elternbeirat hat in manchen Bereichen Entscheidungsbefugnis, manchmal muss, manchmal kann er angehört werden. Er hat Mitbestimmungsrecht bei Klassenlektüren oder der Lehrerprüfungsordnung. Klassenfahrten etwa muss er absegnen. In der Realität wird er allerdings oft erst informiert, wenn bereits alles organisiert ist. Es kam aber schon vor, dass eine Fahrt gekippt wurde, weil sie dem Beirat zu teuer erschien. Dann darf sie nicht durchgeführt werden. Und zum Beispiel bei Disziplinar-Verfahren gegen Schüler, können Eltern oder Schüler den Beirat hinzu ziehen. Das bringt natürlich nur etwas, wenn alle Seiten sich gegenseitig respektieren und glaubwürdig sind.

Oft sind die Kinder geschützt, wenn sich die Eltern engagieren

Verraten Sie uns Ihren persönlichen Trick, so eine Umgangsbasis zu schaffen?
Immer sachlich und objektiv bleiben. Nie persönlich werden. Bei dem hohen Maß an Empfindlichkeit, das man bei einigen Lehrkräften findet, ist das ganz wichtig.

Sind Lehrer so empfindlich?
Sehr. Das hängt vielleicht mit ihrem Umgang mit Fehlern zusammen. Sie sind ja selbst immer auf der Suche nach Fehlern bei den Schülern, und können daher wohl manchmal mit eigenen Fehlern und Kritik schwer umgehen. Da weckt man ganz schnell Widerspruch.

Wie kann eine Karriere als Elternbeirätin weitergehen?
Die Elternbeiräte einzelner Schulen sind in regionalen Zusammenschlüssen organisiert und treffen sich regelmäßig. Aus diesen Arbeitsgemeinschaften wiederum werden circa 35 Leute in den Landesausschuss gewählt. Als Mitglied des Vorstandes, oder als Vorsitzende kann man schon einiges beeinflussen. Ich vertrat die Interessen der Eltern gegenüber dem Ministerium, der Staatsregierung und in verschiedenen Gremien, z.B. im Landesschulbeirat oder der Lehrplankommission. Wir haben etwa erreicht, dass Lehrkräfte verpflichtet sind, an Fortbildungen teilzunehmen und Schulleiter erstmal für ein Jahr auf Probe ernannt werden.

Gut, wenn man so weit gekommen ist, ist das eigene Kind in der Schule wahrscheinlich eher geschützt vor Ungerechtigkeiten. Aber wie ist das, solange man weiter unten in der Beirats-Hierarchie ist? Haben die Lehrer dann nicht gerne mal Kinder von missliebigen Eltern auf dem Kieker?
In meinen 24 Jahren als Elternbeirätin habe ich kein einziges Mal erlebt, dass eines meiner fünf Kinder etwas ausbaden musste. Aber ich weiß, dass es solche Fälle gibt. Im Gegenzug benehmen sich Lehrer aber oft auch besser, oder sind vorsichtiger, wenn sie wissen, dass ein Elternbeirats-Kind in der Klasse sitzt – und zu Hause reden könnte.

Kasten: Welche Rechte und Pflichten hat der Elternbeirat?

Die Aufgaben umfassen unter anderem:

  • die Interessen der Eltern der Schüler zu vertreten

  • den Eltern Gelegenheit zu geben, sich zu informieren und auszusprechen

  • das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Lehrkräften zu vertiefen

  • Wünsche, Anregungen und Vorschläge der Eltern zu beraten

  • Über die Verwendung von Lernmitteln zu beraten

  • Bei Verfahren, die zur Entlassung eines Schülers führen können, gehört zu werden

  • Die Amtszeit beträgt ein Jahr an den Grundschulen und zwei Jahre an Gymnasien und Realschulen. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich.