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Biochemische Schwangerschaft Ein Frühtest bestätigt die Schwangerschaft, der nächste Test nicht mehr. Und jetzt?

Junge Frau starrt besorgt auch einen Schwangerschaftstest
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Wenn der Test schon positiv war und die Schwangerschaft dann doch ein sehr frühes Ende findet, wird oft von einer biochemischen Schwangerschaft gesprochen. Wir erklären, warum das nicht ganz richtig ist und was es wirklich bedeutet.

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Schwanger, endlich! Der Test ist positiv, die befruchtete Eizelle hat sich eingenistet und produziert das Schwangerschaftshormon hCG. Kaum jemand rechnet in der ersten Euphorie damit, dass diese Schwangerschaft nur von kurzer Dauer sein könnte. Um so schlimmer, wenn es doch so ist. Lest hier, warum sogenannte chemische Schwangerschaften normalerweise gar nicht bemerkt werden und was die Gründe für die sehr frühen Fehlgeburten sind.

Was ist eine biochemische Schwangerschaft?

Der Begriff biochemische Schwangerschaft bedeutet, dass die Schwangerschaft in ihrem Frühstadium nur durch einen (biochemischen) Schwangerschaftstest nachgewiesen werden kann. Im Ultraschall würde man den Embryo zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen können. Insofern ist jede Schwangerschaft so lange eine biochemische Schwangerschaft, bis eine Ultraschalluntersuchung (frühestens in der 5. oder 6. SSW) die Schwangerschaft bestätigt. Genau genommen ist jede Schwangerschaft also zunächst eine biochemische Schwangerschaft.

Was da biochemisch nachgewiesen wird, ist das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin). Mit dem Einnisten des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut steigt der hCG-Spiegel bereits exponentiell an, während andere Symptome häufig noch ausbleiben. Sensitive Schwangerschaftsfrühtests (Urin) oder ärztliche Bluttests können den Anstieg des Hormons bereits feststellen. Daher wird eine biochemische Schwangerschaft häufiger diagnostiziert, wenn du in einer Kinderwunschbehandlung bist oder du einen Frühtest gemacht hast.

Der Begriff biochemische Schwangerschaft sagt zunächst nichts darüber aus, wie die Schwangerschaft sich entwickelt. In vielen Berichten wird der Ausdruck fälschlicherweise mit einer frühen Fehlgeburt gleichgesetzt, da in diesem Fall eben „nur“ eine biochemische Schwangerschaft bestanden hat und diese dann in einer Fehlgeburt endete, ohne im Ultraschall nachweisbar gewesen zu sein.

Wann wird aus einer biochemischen eine klinische Schwangerschaft?

Erst wenn deine Ärzt:in den Embryo im Ultraschall erkennen kann, spricht die Medizin von einer klinischen Schwangerschaft. Was zunächst nur biochemisch – also mit einem Schwangerschaftstest – nachgewiesen werden könnte, ist nun Gewissheit. Du bist schwanger!

Der Begriff klinische Schwangerschaft ist für medizinische Laien oft missverständlich. Damit ist keinesfalls gemeint, dass du nun in die Klinik musst, weil etwas nicht stimmt. Klinisch bedeutet nur, dass nach einer umfassenden ärztlichen Untersuchung alle Symptome auf eine Schwangerschaft hindeuten.

Eine erste Ultraschalluntersuchung ist erst in der 5., besser in der 6. Schwangerschaftswoche sinnvoll. Vorher kann deine Ärzt:in einen eingenisteten Embryo mit dieser Untersuchungsmethode kaum erkennen. Erst mit dem Herzschlag des Ungeborenen, der in dieser Phase einsetzt, ist die Schwangerschaft dann gut im Ultraschall zu sehen.

Übrigens: Mediziner sprechen auch dann von einer klinischen Schwangerschaft, wenn es sich um eine Eileiterschwangerschaft handelt. Denn der Begriff beschreibt auf einer rein faktischen Ebene, dass die Schwangerschaft jetzt nicht nur biochemisch nachweisbar, sondern zusätzlich anhand weiterer Symptome und Untersuchungsergebnisse erkennbar ist.

Ist eine biochemische Schwangerschaft eine Fehlgeburt?

Eine biochemische Schwangerschaft ist nicht mit einer Fehlgeburt gleichzusetzen. Denn – wie bereits gesagt – beginnt quasi jede Schwangerschaft als biochemische Schwangerschaft. Da aber bei einer frühen Fehlgeburt die Schwangerschaft nur über einen Schwangerschaftstest nachgewiesen wurde, sprechen viele dann von einer biochemischen Schwangerschaft (auch biochemische Fehlgeburt oder Mikro-Fehlgeburt), wenn sie endet, ohne dass man sie im Ultraschall sehen konnte.

Das Ende der Schwangerschaft ist dann eine Blutung, die du leicht mit deiner regulären Monatsblutung verwechseln kannst. Die befruchtete Eizelle hatte sich zwar eingenistet und den erhöhten hCG-Spiegel verursacht, war aber letztlich nicht lebensfähig und entwickelte sich nicht weiter. Die Blutung kann bei einer frühen Fehlgeburt etwas stärker ausfallen und setzt oft ein wenig später ein als deine Periode.

Frauen ohne akuten Kinderwunsch bemerken oft gar nicht, dass sie ganz kurz schwanger waren.  Frauen dagegen, die in der Kinderwunschklinik gerade erst erfahren haben, dass sie schwanger sind, müssen damit umgehen, dass die Schwangerschaft nicht intakt ist. Dabei beendet der Körper die Schwangerschaft meistens, da das Erbgut des Embryos geschädigt ist.

Das heißt: Aus dieser befruchteten Eizelle hätte sich nie ein gesundes Kind entwickelt. Aber ganz gleich, wie man es von außen betrachtet, als natürliche Selektion oder als Schutz der Natur vor einer Schwangerschaft, die dann in einem späteren Abort oder der Geburt eines Babys mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen münden würde: Für die betroffenen Paare ist der Verlust sehr schmerzhaft. Wenn man ein ungeborenes Kind verliert, macht es für viele keinen Unterschied, wann die Schwangerschaft endet. Die Trauer um das Leben, das keins werden durfte, ist einfach da und muss verarbeitet werden.

Dabei hilft es vielleicht ein wenig, die Fakten zu kennen. Zum Beispiel, dass frühe Fehlgeburten eher die Regel sind als die Ausnahme.

Wie häufig endet eine biochemische Schwangerschaft in einer Fehlgeburt?

Zu Beginn einer Schwangerschaft ist die Gefahr eines Aborts am größten. Vor der 4. bis 5. SSW – also wenn noch von einer biochemischen Schwangerschaft die Rede ist – geht die Medizin von einer Fehlgeburtsrate von etwa 50 Prozent aus. Danach sinkt sie mit jeder Schwangerschaftswoche. In der 6. bis 8. SSW liegt sie bei 18 Prozent, ab der 17. SSW nur noch bei zwei bis drei Prozent.

Der Grund für das frühe Schwangerschaftsende ist häufig ein nicht lebensfähiger Embryo. Zwar hatte er sich in der Gebärmutterwand eingenistet, aber dann entwickelt er sich nicht weiter und der hCG-Wert sinkt wieder. Das führt dann bei einem erneuten Schwangerschaftstest zu einem negativen Ergebnis und kurz danach zu einem Abort. Kein Wunder, dass man in dieser Situation die Welt nicht mehr versteht.

Gut zu wissen: Eine genaue Fehlgeburtsrate in den ersten Schwangerschaftswochen ist nicht zu ermitteln, da viele Frauen gar nicht wissen, dass sie schwanger waren und die Fehlgeburt als normale Regelblutung einordnen.

Warum endet eine biochemische Schwangerschaft?

Die Gründe für eine frühe Fehlgeburt sind vielfältig. Allgemein lässt sich sagen, dass Befruchtung und Einnistung ein fehleranfälliger Vorgang sind. Gendefekte und Fehlbildungen kommen sehr viel häufiger vor als lange gedacht. Wurden defekte Zellen nicht schon bei der Keimzellreifung oder Befruchtung aussortiert, sorgt der Körper ganz ohne unser Wissen häufig während oder nach der Einnistung dafür, dass sich der Embryo nicht weiterentwickelt.

Gründe für frühe Fehlgeburten:

  • Chromosomenstörung (50 bis 85 Prozent der Fälle)
  • Gerinnungsstörung (der Mutter)
  • Anatomische Fehlbildung der Gebärmutter
  • Stoffwechselstörung der Mutter (z.B. Diabetes)
  • Schwere Infektionen (z.B. Syphilis, Chlamydien)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Einnistung außerhalb der Gebärmutter
  • Kontakt mit Stoffen, die den Embryo schwer schädigen (Drogen, Medikamente, Röntgenstrahlen, Nikotin)
  • Hormonstörungen
  • Alter der Mutter

Wenn ihr einen Kinderwunsch habt, ist eine gesunde Lebensweise mit nährstoffreichem Essen, ausreichend Bewegung, wenig Stress und ohne Alkohol und Drogen natürlich gut für euch und das Baby. Eine Fehlgeburt könnt ihr damit aber nur selten verhindern. Auf die Mehrzahl der Gründe für das frühe Ende einer bereits biochemisch nachgewiesenen Schwangerschaft habt ihr keinen Einfluss.

Wichtig! Eine Blutung nach einem positiven Schwangerschaftstest muss nicht immer eine Fehlgeburt sein, auch eine Einnistungsblutung oder andere Ursachen sind möglich. Eine ärztliche Untersuchung bringt dir Sicherheit.

Biochemische Schwangerschaft in der Kinderwunschbehandlung

Nach einer künstlichen Befruchtung wird zu einem sehr frühen Zeitpunkt ein Schwangerschaftstest gemacht. Daher kommt es in der Kinderwunschbehandlung vergleichsweise häufiger zu der Situation, dass ein Test erst positiv ist und die biochemische Schwangerschaft dann aber leider nach einigen Tagen endet. Ähnlich ist es, wenn ihr zu Hause sehr früh testet.

Die Schwangerschaft wird also in diesen Fällen eher entdeckt als üblich. Nach der ersten vorsichtigen Freude folgt eine jähe Enttäuschung. Gerade für Paare, die sich schon lange ein Kind wünschen, ist die seelische Belastung groß.

Auf der anderen Seite ist es gut, dass eine chemische Schwangerschaft überhaupt nachgewiesen werden konnte. Denn das beweist, dass Befruchtung und Einnistung prinzipiell funktioniert haben. War eine Chromosomenstörung der Grund für den Abgang, schmälert das also nicht die Chance auf eine erneute Schwangerschaft. Ist der Embryo beim nächsten Versuch gesund, kann die Schwangerschaft intakt bleiben. Aus medizinischer Sicht ist nach einer sehr frühen Fehlgeburt auch keine Wartezeit notwendig. Da sich dein Zyklus aber leicht verschieben kann, wir deine Ärzt:in dir vielleicht empfehlen, einen Ovulationstest zu nutzen.

Oft hilft eine psychologische Begleitung, um in der Kinderwunschbehandlung mit Verlusten umzugehen und zu lernen, auch wieder neuen Mut zu fassen, wenn die Umstände dafürsprechen.

Kostenerstattung KiWu: Nur nach klinischer Schwangerschaft?

Die Frage, ob vor einer Fehlgeburt nur eine chemische oder bereits eine klinische Schwangerschaft vorgelegen hat, ist für Kinderwunschpaare auch von finanzieller Bedeutung. Kommt es nach einer künstlichen Befruchtung wiederholt nur zu chemischen Schwangerschaften, endet nach einer definierten Anzahl von Versuchen (IVF und ICSI: bis zu dreimal) die anteilige Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Lag eine klinische Schwangerschaft vor, gilt die Behandlung – trotz der Fehlgeburt – im Sinne des § 27 a SGBV als „erfolgreich“ und die Kassen übernehmen einen erneuten Versuch.

Quellen:

Gemeinsamer Bundesausschuss: Definition und Zählweise von erfolglosen und erfolgreichen Versuchen.

Ole B. Christiansen (o.J.): Repeated biochemical pregnancy loss – definition, potential causes, prognosis and treatment, Präsentation als Pdf, Aalborg.
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe et al. (2022). Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten.
Davor Jurkovic et al. (2013): Diagnosis and management of first trimester miscarriage, in: BMJ; 346: f 3676.

ELTERN

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