Geburtsbegleitung
 
Nicht ohne meine Beleghebamme

Viele Frauen wünschen sich eine Hebamme, die ihnen während der gesamten Schwangerschaft mit Rat und Tat zur Seite steht und auch nach der Geburt für sie da ist. Doch die Suche nach einer solchen Beleghebamme ist schwierig werden. Warum? Das erfährst Du hier.

Was ist das Besondere an einer Beleghebamme?

Geburtsbegleitung: Nicht ohne meine Beleghebamme

Was das Besondere an der Geburtsbegleitung durch eine Beleghebamme ist, was Du bei der Suche beachten solltest und warum es schwierig werden könnte, eine Beleghebamme zu finden - all das liest Du hier. Klicke einfach auf den entsprechenden Link:

Die Beleghebamme - ein aussterbender Beruf?

3.700 Euro zahlen Beleghebammen für ihre Berufshaftplicht

Was viele Schwangere sicher nicht wissen, wenn sie sich auf die Suche nach einer Beleghebamme machen: Der Beruf einer Hebamme mag sehr erfüllend sein - gut bezahlt ist er nicht! Für einen Hausbesuch im Wochenbett erhält eine freiberuflich tätige Hebamme nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes knapp 27 Euro. Nach Abzug aller Kosten bleiben davon durchschnittlich 7,50 Euro. Für die Betreuung während einer Geburt im Krankenhaus, inklusive acht Stunden vor der eigentlichen Geburt und drei Stunden danach, bekommt die Hebamme 237 Euro, für eine Geburt im Geburtshaus 445 Euro und für eine Hausgeburt 537 Euro.
Im Schnitt betreut eine in der Klinik tätige Hebamme den Erhebungen des Hebammenverbandes zufolge rund 30 Frauen im Jahr komplett, d. h., von der Vorosrge über die Geburtsvorbereitung und die Geburt bis zur Stillberatung. Eine außerklinisch tätige Hebamme betreut oft sogar nur zehn Schwangere pro Jahr. Bereits nach kurzem Überschlagen wird klar: Der Verdienst einer Hebamme ist alles andere als üppig.
Zumal sich die Hebammen seit Jahren ständig steigenden Belastungen ausgesetzt sehen. Nicht nur, dass immer mehr Kliniken mit freien Hebammen arbeiten statt welche fest anzustellen - vor allem die enorm gestiegenen Berufshaftplichtprämien machen ihnen zu schaffen. So sollen die Hebammen seit Juli 2014 einen Jahresbeitrag von 5.090 Euro für ihre Berufshaftplichtversicherung zahlen - bei den geltenden Honorarsätzen eine enorm hohe Summe (zum Verlgeich: 1992 zahlten freiberufliche Hebammen eine Jahresprämie von umgerechnet 179 Euro für ihre Berufshaftpflicht, inklusive Geburtshilfe). Und die Verhandlungen mit den Krankenkassen um einen Prämienausgleich sind vor kurzem gescheitert.
Angesichts dieser Situation entwerfen die Hebammenverbände ein Szenario, das für Schwangere, denen eine enge Bindung zu ihrer Hebamme wichtig ist, ein wahrer Horror sein dürfte: "Das Recht der Frauen auf eine freie Wahl des Geburtsortes wird ausgehebelt", warnt Martina Klenk, Präsidentin des Hebammenverbandes. Diese Entwicklung würde dazu führen, dass Hausgeburten sowie die Geburtsbegleitung durch eine Beleghebamme drastisch zurückgingen. Viele Schwangere hätten dann gar keine Alternative zur Entbindung in einer großen Kilinik.
Die Hebammenverbände haben deshalb eine Petition eingereicht, damit sich der Bundestag mit dem Thema befasst. Wir werden Sie selbstverständlich über den Fortschritt der Bemühungen auf dem Laufenden halten!

Wie wichtig ist der Beruf der Beleghebamme?

Uns interessiert allerdings auch, wie wichtig den Schwangeren ein solches enges Verhältnis zu ihrer Hebamme ist. Mache hier mit bei unserer Umfrage!

Erfahrungsberichte: Geburten mit und ohne Beleghebamme

Die Beleghebamme - eine vertraute Person

"Für meine zweite Geburt habe ich mir eine Belegbehamme gesucht", erzählt Kerstin Riemann, 35 Jahre alt und im vierten Monat mit ihrem zweiten Kind schwanger. "Mir ist es wichtig, eine Hebamme an meiner Seite zu wissen, die mich durch meine Schwangerschaft hindurch begleitet und zu der ich ein vertrautes Verhältnis aufbauen kann." In dieser außergewöhnlichen Lebensphase eine solche Vertrauensperson an seiner Seite zu wissen, davon träumen immer mehr Frauen - und lassen sich deshalb von einer Beleghebamme betreuen: Die ist von Anfang an für die Schwangere da, führt die Vorsorgeuntersuchungen durch - kurz vor der Geburt auch direkt bei der Mutter in spe daheim - und ist auch Ansprechparternin für die eigenen Vorstellungen vom Geburtsverlauf.
"Ich finde es unheimlich wichtig, jemanden zu haben, mit dem man seine Bedürfnisse besprechen kann und der diese auch wenn nötig im Kreißsaal gegenüber den Ärzten vertritt", erklärt die Projektmanagerin. "Mein Mann wird da auch dieses Mal keine große Hilfe sein können, weil er sicher selber wieder total nervös sein wird. Und ein Gynäkologe ist - zumindest nach meiner Erfahrung - auch nicht in allen Fällen der richtige Ansprechpartner. Eine Hebamme dagegen sehr wohl."

Interessensvertretung durch die Beleghebamme

Weiterer Vorteil einer solch individuellen Betreuung: Erfahrungen wie die von Stefanie Wegener bleiben den Schwangeren hoffentlich erspart. "Ich fand es furchtbar, dass bei der Geburt von Jannes Florian um sechs Uhr morgens bei den Hebammen Schichtwechsel war - die beiden haben dann erst mal ihre Übergabe gemacht, während ich kurz vor den Presswehen stand und eigentlich nicht mehr konnte", erinnert sich die 25-Jährige. Die neue Hebamme habe sie dann gleich mit dem Satz begrüßt: "Ich muss Sie jetzt während der Wehe untersuchen und wenn sie nicht richtig mitarbeiten, tue ich es trotzdem und dann tut es Ihnen weh."
Auch nach der Geburt vermisste die Hotelkauffrau aus Lübeck eine individuelle Betreuung: "Die Hebammen und Schwestern auf der Station waren sehr nett. Doch jede gab mir andere Stilltipps, alle hatten eine verschiedene Meinung zur Babypflege." Ihr Fazit: "Ich habe völlig unterschätzt, wie wichtig es ist, jemanden dabei zu haben, der nicht nur fachlich kompetent ist, sondern einen auch gut kennt - jemandem, dem man vertraut!"
Unterstützung durch eine erfahrene Hebamme hätte sich auch Diplom-Chemikerin Ina Weißflog bei den Vorgesprächen mit den Ärzten vor der Geburt ihrer Zwillinge Felix und Lorenz gewünscht. "Ich musste ziemlich lange mit den Ärzten diskutieren, weil die eigentlich einen Kaiserschnitt vornehmen wollten", sagt die 26-Jährige. "Ich finde allerdings, ein Kind sollte sich selbst den Tag der Geburt aussuchen können. Außerdem empfand ich die Geburt meiner Zwillinge als sehr schön: Es ist wunderbar zu wissen, dass ich ihnen selbst auf die Welt geholfen habe."

Gemeinsame Nachsorge: Auch das ist Aufgabe der Beleghebamme

Auch nach der Geburt ist es für die meisten Frauen beruhigend, weiterhin von "ihrer" Hebamme betreut zu werden - allerdings muss diese dann bereits im Vorfeld mit der Nachsorge beauftragt werden. Dann jedoch können Gespräche mit der Hebamme, die die Geburt mit durchgestanden hat und die ihre Erfahrung mit einfließen lässt, für die junge Mutter eine echte Bereicherung sein. Schließlich kennt die Hebamme das Baby von seinem ersten Atemzug an.
Außerdem teilen die Frauen die Erinnerung an ein gemeinsames Erlebnis, und die Hebamme weiß worum es geht, wenn der Frau etwa eine bestimmte Situation während der Geburt nicht aus dem Kopf geht. Und wenn dies in gemütlicher Atmosphäre auf dem heimischen Sofa passiert, mit einem Tee in der Hand - dann ist es fast wie ein Plausch unter Freundinnen.

Tipp 1 für die Suche nach der Beleghebamme: Rechtzeitig anfangen!

Tipp: sich nach einer Gemeinschaftspraxis mehrerer Hebammen umsehen!

Tatsächlich hilft die intensive Begleitung durch die Beleghebamme vielen Frauen, sich während der Geburt besser zu entspannen. Gerade für Frauen, die der Geburt mit Sorge entgegenblicken, ist die individuelle Schwangerschaftsbegleitung daher ideal: Das Krankenhaus sichert die optimale medizinische Betreuung, die Hebamme die persönliche.
Da allerdings nicht jeder Frauenarzt den Kontakt zu einer Hebamme vermittelt, müssen sich die Frauen meist selber auf die Suche begeben. Uschi Fietz, erste Vorsitzende des Hebammen-Verbandes Niedersachsen, rät schwangeren Frauen dabei dringend, sich frühzeitig bei der Hebamme ihrer Wahl zu melden - am besten bereits bis zur 20. Schwangerschaftswoche. Denn die Nachfrage sei hoch und viele Hebammen nähmen nur eine begrenzte Zahl von Schwangeren pro Monat an, um eine wirklich intensive Betreuung zu gewährleisten - schließlich hat die Hebamme dann zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche Rufbereitschaft.
Prinzipiell übernimmt die Krankenkasse die Kosten, in einigen Gegenden zahlt die Frau jedoch eine regional verschiedene Bereitschaftspauschale an die Hebamme - meist um die 200 Euro. Fietz, die die sich in Cloppenburg mit sechs weiteren Hebammen zusammengeschlossen hat, plädiert daneben dafür, sich nach einer Gemeinschaftspraxis umsehen. "Dann kennt man das gesamte Team und weiß, wer einen während der Geburt begleitet, falls die 'eigene' Hebamme ausfällt."

Tipp 2 für die Suche nach der Beleghebamme: Vorher beim Krankenhaus nachfragen

Achtung: Frauen, die sich von einer freiberuflichen Hebamme betreuen lassen, sollten sich unbedingt vorher erkundigen, ob ein Krankenhaus tatsächlich seinen Kreißsaal für eine selbstständige Hebamme öffnet. Zwar gehen die Kliniken zunehmend auf diesen Wunsch der Frauen ein, doch noch ist dies noch nicht überall der Fall.
In manchen Krankenhäusern kann der Begriff "Beleghebamme" zudem für Verwirrung sorgen: Manche Häuser arbeiten zwar mit einem Belegsystem, in dem ebenfalls freiberufliche Hebammen eingesetzt werden - jedoch im ganz normalen Schichtdienst.