Babywachstum
 
Jetzt wird's eng!

Ab etwa der 27. Woche herrscht im Bauch Verdrängungswettbewerb. Das Baby gewinnt - Ihre Organe müssen Platz machen. Wie das geht, und wie Sie trotzdem gut über die Runden kommen.

Die Blase

Babywachstum: Jetzt wird's eng!
iStock, Delmaine Donson

Ziemlich schnell voll: Die Blase reagiert schon auf die Schwangerschaft, wenn Sie noch gar kein richtiges Bäuchlein haben. Der Blasenschließmuskel springt besonders auf das Progesteron an. Dieses Hormon ist eigentlich für den Uterusmuskel gedacht, damit er Ruhe hält und das Baby ungestört wachsen kann. Nur leider schwimmt das Progesteron durch den ganzen Körper. Und so funktioniert der Blasenschließmuskel nicht mehr perfekt. Drängt dann noch der Uterus dagegen, hilft nur eins - immer eine Toilette in der Nähe.

Was tun? Hebammentrick: beim Wasserlassen den Bauch ein wenig anheben, dann wird die Blase richtig leer. Und bitte trotz Pipi-Not viel trinken! Sonst macht der Kreislauf schlapp.

Das Herz

Volle Kraft voraus: Der große Hohlmuskel muss jetzt etwa eineinhalb Liter mehr Blut durch Ihren Kreislauf pumpen. Was den Platz angeht, hat es das Herz noch einigermaßen gut. Es liegt geschützt tief im Brustkorb, sogar ganz zum Schluss reicht die Gebärmutter nicht bis ans Herz. Trotzdem oft Herzklopfen? Und so ein enges Gefühl in der Brust? Kommt daher, dass häufig der Sauerstoff aus der Lunge nicht reicht. Das Herz schlägt dann schneller, damit trotzdem immer Nachschub an "Luft" zu Ihrem Baby kommt.

Was tun? Bewegung hilft Ihrer Pumpe. Besonders gut in den engen Wochen: stramm spazieren gehen oder schwimmen. Bei Herzklopfen kurz hinlegen, Oberkörper erhöht, auch die Beine hoch lagern. So wird die Plazenta besonders gut durchblutet, Ihr Herz kann wieder langsamer arbeiten.

Der Magen

Fasst viel weniger: Ihr Magen kann ab der 34. Woche, wenn das Baby von Woche zu Woche noch etwa 200 Gramm an Gewicht zulegt, kaum die Hälfte der gewohnten Menge aufnehmen. Und das, obwohl Sie so gesunden Appetit hätten! Das Organ hat die schlechteste Position erwischt - es muss sich genau dort zurechtquetschen, wo der höchste Punkt des Uterus liegt. Durch den Druck von unten geht auch der Schließmuskel des Magens nach oben leichter auf: Dann steigt Magensäure in die Speiseröhre und macht Sodbrennen.

Was tun? Der beste Rat aller Hebammen: fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen. So kommt es gar nicht zu Heißhunger und Frust. Besonders gut: cremige Suppen aus püriertem Gemüse, verfeinert mit Käse. Macht satt, ohne zu belasten. Bei Sodbrennen: zum Schlafen oder fürs Ruhepäuschen Oberkörper höher lagern. Dann bleibt die Säure eher unten. Mandeln oder Nüsse kauen, bis ein feiner Brei entstanden ist; den dann schlucken.

Die Leber

Leistung aus der Randlage: Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan, sie holt aus der Nahrung, was Sie und Ihr Baby brauchen. Und die Leber sorgt dafür, dass Schadstoffe festgehalten und dann wegtransportiert werden. Weil die Leber aus nachgiebigem Gewebe besteht, kann sie ausweichen. Sie macht sich schmal und arbeitet auf Hochtouren.

Was tun? Machen Sie es der Leber leichter und essen Sie nicht zu viel Fett. Denn die großen Moleküle dieses Nährstoffs muss die Leber mühsam zerteilen. Sprechen Sie Ihren Arzt an, wenn Sie am ganzen Körper schlimmen Juckreiz haben. Kann auch an der bedrängten Leber liegen. Dagegen gibt es Medikamente.

Die Lunge

Verdrängtes Viertel: Ihre Lunge kann jetzt um 25 Prozent weniger Luft einsaugen. Beide Flügel bekommen Druck von unten. Was zur Folge hat, dass Sie jetzt oft aus der Puste kommen. Beim Treppensteigen, aber auch schon, wenn Sie sich nach dem Duschen abtrocknen. Ganz gegen Ende, so ab der 36. Woche, lässt der Druck von einem Tag auf den anderen nach - weil sich das Köpfchen ins Becken gesenkt hat, gibt’s oben wieder mehr Freiheit. Klug eingerichtet von der Natur, damit Sie für die Geburt gut Luft haben.

Was tun? Wer japst, atmet automatisch durch den Mund. Macht aber das Gehechle nur noch schlimmer. Versuchen Sie, wenigstens für jeden zweiten Atemzug die Nase zu nehmen, ausatmen durch den Mund, dabei die ganze Luft rauslassen. Dann passt wieder mehr frischer Nachschub rein.

Der Darm

Leistung verweigert: Dem Darm geht es wie der Blase - er bekommt die nicht für ihn gedachte Wirkung des Progesterons zu spüren. Die Folge ist Trägheit. Und dann noch beengte Verhältnisse. Kein Wunder, dass bei vielen Schwangeren gegen Ende der Schwangerschaft nichts mehr geht. Verstopfung ist aber jetzt besonders unangenehm, weil man sich sowieso schon so voll fühlt.

Was tun? Viel trinken, wenigstens ein bisschen Bewegung, ballaststoffreiche Nahrung. Und zwei Heilmittel aus der Hebammen-Apotheke: eingeweichte Backpflaumen essen, Einweichwasser nachtrinken. Einige Gabeln rohes Sauerkraut essen.