Fehlgeburt
 
Wenn das Baby zum Sternenkind wird

Fehlgeburt - das ist leider immer noch ein Tabu-Thema. Kein Wunder: Ein Kind zu verlieren, ist schlimm. Verständlich, dass man am liebsten Augen und Ohren vor dem furchtbaren Thema verschließen möchte. Doch es gibt ein paar Dinge, die man wissen sollte.

Fehlgeburt
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Inhalt: 
Wie groß ist das Risiko einer Fehlgeburt?Wie kann es zu einer Fehlgeburt kommen?In welcher Phase der Schwangerschaft ist das Risiko einer Fehlgeburt am größten?Welche Anzeichen deuten auf eine drohende Fehlgeburt hin?Lässt sich eine Fehlgeburt noch aufhalten?Was kann man tun, wenn die Frau bereits mehrere Fehlgeburten erlitten hat?Wie trauert man nach einer Fehlgeburt?Wann kann eine Frau nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden?

Albtraum Fehlgeburt

Es ist die wohl schlimmste Vorstellung aller werdenden Eltern: Die Frau erleidet eine Fehlgeburt und verliert ihr Kind. Niemand möchte sich gerne solche Horrorszenarien ausmalen - trotzdem ist die Gefahr real, denn Fehlgeburten kommen besonders in den frühen Schwangerschaftswochen leider recht häufig vor. In vielen Fällen merken betroffene Frauen nicht einmal, dass sie eine Fehlgeburt erlitten haben, weil sie die eintretende Blutung für ihre Periode halten. Doch wenn der Schwangerschaftstest erst einmal positiv war, ist eine Fehlgeburt für Mutter und auch den Vater sehr belastend. Trost gibt es kaum, das Sprechen über das Erlebte fällt schwer, besonders, wenn der Kinderwunsch schon länger bestand. Betroffene Väter und Mütter fragen sich: Was ist da passiert? Hätte die Fehlgeburt verhindert werden können? Und wer hilft mir jetzt bei meiner Trauer? Wir beantworten Ihnen hier die wichtigsten Fragen.

Was ist eine Fehlgeburt überhaupt?

Von einer Fehlgeburt, auch Abort genannt, spricht man, wenn eine Schwangerschaft vorzeitig endet und der Embryo bzw. der Fetus weniger als 500 Gramm wiegt. Ärzte unterscheiden zwischen einem Frühabort (bis zur 12. SSW) und einem Spätabort (etwa bis zur 22. SSW). In Deutschland unterliegen Fehlgeburten nicht der standesamtlichen Meldepflicht. Seit 2013 können Eltern ihre Kinder allerdings beim jeweiligen Standesamt registrieren lassen und ihnen offiziell einen Namen geben. Mit entsprechenden Bescheinigungen der Kliniken ist dies auch rückwirkend möglich.

Wie groß ist das Risiko einer Fehlgeburt?

Die meisten Fehlgeburten bleiben unbemerkt: Etwa die Hälfte der befruchteten Eizellen werden bereits vor ihrer Einnistung in der Gebärmutter abgestoßen. Nur wenn die anfängliche Zellteilung klappt, wächst der Keim weiter. Danach beträgt das Fehlgeburtsrisiko 20 Prozent. Eine Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft ist medizinisch nichts Außergewöhnliches.
Für die betroffenen Eltern ist es dennoch ein trauriges Erlebnis, das verarbeitet werden muss. Und: Gerade Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen und voller Freude direkt am ersten Tag, an dem die Periode ausbleibt, einen Schwangerschaftstest durchführen (oder gar noch früher einen Bluttest machen lassen), erleben eine einsetzende Periode als Fehlgeburt - weil sie bereits einen positiven Test in der Hand hatten.

Wie kann es zu einer Fehlgeburt kommen?

Leider lässt sich nicht in allen Fällen immer erklären, warum eine Schwangerschaft vorzeitig zu Ende geht. Zum einem gibt es genetische Auffälligkeiten. "Die Frauen und die Männer haben meist keine genetischen Krankheiten", stellt Dr. Ingeborg Reckel-Botzem, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Hainburg und stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Landesverband Hessen, klar. "Aber die Natur macht Fehler."
Zu den häufigsten Auslösern einer Fehlgeburt gehören daher:

  • Fehlbildungen oder Chromosomenanomalien.
  • Missbildungen des väterlichen Spermas.
  • Fehlbildungen der Plazenta.
  • Einnistung eines nicht befruchteten Eis.
  • Eine Blasenmole (früher auch umgangssprachlich etwas rauh als "Windei" bezeichnet): Das Ei wurde zwar befruchtet, doch es entwickelt sich kein Embryo.
  • Angeborene Fehlentwicklungen der Gebärmutter.
  • Myome oder Narben an der Gebärmutter.
  • Eine Gebärmutterhalsschwäche (Cervix Insuffizienz).
  • Blutgruppenunverträglichkeit (beim zweiten Kind).
  • Hormonelle Störungen.
  • Traumatische Erlebnisse wie ein Unfall oder ein Schock.
  • Alkohol-, Drogen-, Zigarettenkonsum.
  • Selten können auch pränatale Untersuchungen wie die Amniozentese oder die Chorionzotten-Biopsie eine Fehlgeburt auslösen.
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In welcher Phase der Schwangerschaft ist das Risiko einer Fehlgeburt am größten?

Wenn etwas mit der Schwangerschaft nicht stimmt, wird der Arzt dies meist zwischen der achten und der zwölften Schwangerschaftswoche feststellen. "Wenn die Schwangerschaft in der zwölften Woche noch intakt ist, so der medizinische Ausdruck, dann kann man davon ausgehen, dass sie auch hält", sagt Dr. Reckel-Botzem.

Welche Anzeichen deuten auf eine drohende Fehlgeburt hin?

Eine Blutung ist immer ein Warnsignal. Natürlich folgt längst nicht auf jede Blutung eine Fehlgeburt. Aber sie ist immer ein Zeichen, das sagen will: Passen Sie gut auf sich auf!
Seltener sind auch Schmerzen im Unterbauch ein Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wobei Schwangere gerade anfangs häufig Schmerzen haben, die denen des prämenstruellen Syndroms ähneln. Auch bei Fieber ist besondere Vorsicht gefragt. Manche Frauen berichten daneben von einer Art Vorahnung - das Gefühl, nicht mehr schwanger zu sein. In allen Fällen gilt: Gehen Sie zum Arzt - lieber einmal zu viel als zu wenig!
Stellt der Arzt bei der Untersuchung eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft fest, wird die Schwangerschaft in jedem Fall abgebrochen - denn diese sind für die Mutter lebensbedrohlich!

Lässt sich eine Fehlgeburt noch aufhalten?

Wenn eine Fehlgeburt droht, ist Schonung Pflicht!

Eine mögliche Fehlgeburt lässt sich dann aufhalten, wenn das Kind im Prinzip gesund ist - wenn ein Herz schlägt und die Entwicklung der Schwangerschaft im Ultraschall bis dahin normal aussieht. Eventuell reichen schon gewisse Verhaltensänderungen - oft genügt es, sich zu schonen. Auch Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen wie Tennis oder Basketball und auch Sex sind in diesem Fall vorerst tabu.
Hat die Frau bereits mehrere Früh- oder Fehlgeburten erlitten, kommt nach Ansicht einiger Ärzte eventuell auch eine Operation, der Totale Muttermundverschluss, infrage. Aber: "Wenn eine Fehlgeburt stattfinden soll, weil eine Schwangerschaft nicht intakt ist, beispielsweise aufgrund von genetischen Auffälligkeiten, dann kann man sie nicht aufhalten", stellt Frauenärztin Dr. Reckel-Botzem klar.

Was passiert, wenn es tatsächlich zu einer Fehlgeburt kommt?

Nach mehreren Fehlgeburten unbedingt untersuchen lassen

Die Medizin unterscheidet verschiedene Formen der Fehlgeburt. Bei der so genannten kompletten Fehlgeburt wird die Leibesfrucht komplett ausgestoßen. Allerdings geschieht dies nur bei ganz frühen Schwangerschaften. Für die Schwangere stellt sich das Geschehen als starke Blutung dar. Der Arzt wird zusätzlich den Verlauf des hcg-Werts und die Ansicht der Gebärmutterhöhle kontrollieren. Nur wenn der Beta-hcg-Wert dann immer noch bestehen bleibt, muss eine Ausschabung (Kürettage) durchgeführt werden.
Ist die Frau bereits in der achten bis zwölften Schwangerschaftswoche, bleiben häufig Reste der Plazenta zurück. Da sie einer erneuten Schwangerschaft entgegenstehen, wird in diesem Fall eine Ausschabung durchgeführt. Der Eingriff geschieht unter Vollnarkose, Komplikationen sind sehr selten.
Manchmal kommt es auch vor, dass sich der Keim nicht mehr weiterentwickelt, aber in der Gebärmutter verbleibt. Dieser medizinisch "missed abortion" genannte Fall wird meist erst bei den Vorsorgeuntersuchungen entdeckt: Der Zervixkanal ist zwar noch geschlossen, doch die Gebärmutter ist nicht mehr gewachsen und es sind keine Herztöne des Kindes mehr zu hören. Oftmals bemerken die Frauen aber bereits vorher, dass etwas nicht stimmt - etwa, wenn die üblichen Schwangerschaftsanzeichen wie Brustspannen oder Übelkeit unerwartet weniger werden oder ganz aufhören.

Was kann man tun, wenn die Frau bereits mehrere Fehlgeburten erlitten hat?

Hat eine Frau bereits drei Mal ein Kind verloren, sprechen Ärzte von einem habituellen Abort. In diesem Fall sollten sich beide Partner, der Mann und die Frau, ausführlich untersuchen lassen. So kann vielleicht geklärt werden, ob es beispielsweise genetische oder immunologische Ursachen dafür gibt, dass die Schwangerschaften nicht halten. Zusätzlich wird der Arzt einen vaginalen Ultraschall durchführen und eventuell die Gebärmutter mit einer Spiegelung von innen ansehen, um mögliche organische Fehlbildungen auszuschließen. Mit in Betracht bezogen werden bei der Suche nach den Ursachen auch mögliche Stoffwechselerkrankungen sowie psychische und physische Stressfaktoren. Und natürlich wird auch der Hormonhaushalt der Frau - vor allem während der zweiten Zyklushälfte - überprüft.

Wann spricht man nicht von einer Fehlgeburt, sondern von einer Totgeburt?

Die Unterscheidung zwischen Fehl- und Totgeburt ist im Grunde reine Definitionssache: Als Totgeburt gelten Kinder mit einem Geburtsgewicht von mehr als 500 Gramm - meist ist dies ab der 23. Schwangerschaftswoche der Fall. Von Fehlgeburten spricht man, wenn sie weniger als 500 Gramm wiegen. Allerdings werden auch Kinder, die während der Geburt sterben, so bezeichnet. Auch hier gibt es wieder mehrere mögliche Ursachen:

  • Das Kind hat nicht genug Sauerstoff bekommen (entweder durch eine Nabelschnurverschlingung beziehungsweise -verknotung oder eine vorzeitige Plazentaablösung).
  • Das Kind wies zu schwere Fehlbildungen auf.
  • Manche Infektionen der Mutter können für das Ungeborene tödlich sein.
  • Bestimmte mütterliche Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder eine Blutgruppenunverträglichkeit beim zweiten Kind können auch zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft eine Abstoßungsreaktion hervorrufen.
  • Mehrlingsschwangerschaften haben generell ein erhöhtes Risiko, dass mindestens eines der Kinder nicht überlebt.
  • Der Konsum von Alkohol und Nikotin während der Schwangerschaft kann das Kind so sehr schädigen, dass es nicht lebensfähig ist.

Mögliche Anzeichen sind dauerhaft ausbleibende Kindsbewegungen. Klarheit bringt dann eine Herzton-Wehen-Aufzeichnung (CTG). Deshalb gilt auch hier: Wenn Sie beunruhigt sind, suchen Sie Ihren Arzt auf!

Ist es wirklich nötig, das tote Kind wie bei einer normalen Geburt zur Welt zu bringen?

Klingt grausam: Im Wissen um den Tod Ihres Kindes muss die Frau es trotzdem gebären. Wäre da nicht ein Kaiserschnitt unter Narkose schonender? "Nein", sagt Dr. Reckel-Botzem. "Die Frau sollte wegen einer Totgeburt nicht mit einer schweren Bauchoperation in Gefahr gebracht werden. Außerdem würden die Narben sie noch stärker an diese Totgeburt erinnern." In der Tat berichten manche Frauen auch, dass die Geburt ihnen sogar geholfen hätte, das schreckliche Ereignis zu verarbeiten.

Wie trauert man nach einer Fehlgeburt?

Natürlich trauert jedes Paar, jede Frau und jeder Mann anders nach einer Fehlgeburt. Welche Orte es dafür gibt (und was Sie zu so unendlich weit entfernt scheinenden Fragen wie etwa dem Mutterschutz bei einer Fehlgeburt wissen sollten), erfahren Sie hier.
Oft hilft es auch, sich mit anderen Paaren auszutauschen, die ähnliches durchlitten haben. Sie finden sie zum Beispiel in unserem Forum.
Sie suchen einen Ort, an dem Sie um Ihr Sternenkind trauern können? Im Internet gibt es dafür virtuelle Friedhöfe speziell für Eltern, die eine Fehlgeburt erlitten haben, etwa "Butterfly's 4ever"

Wann kann eine Frau nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden?

Wenn Sie sich bereit dazu fühlen. Zwar bekommen Paare in vielen Krankenhäusern noch immer den Rat, erst einmal drei Monate zu warten. Denn viele Ärzte fürchten, dass das Risiko einer erneuten Fehlgeburt sonst zu hoch wäre. Doch diese Angst ist unbegründet, wie eine Studie der Universität Zürich ergab. "Das beste Zeichen dafür, dass der Organismus bereit ist, wieder eine Schwangerschaft auszutragen, ist eine erneute Empfängnis", ist sich auch der ehemalige Oberarzt der Frauenklinik der TU München, Dr. Martin Kolben, sicher. Trotzdem kann es sinnvoll sein zu warten: Schließlich braucht auch die Seele Zeit, den Verlust zu verarbeiten.

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Wo finde ich weitere Informationen zum Thema "Fehlgeburt"?

Weitere Informationen zum Thema "Fehlgeburt" finden Sie hier:

Und hier können Sie sich mit anderen Eltern austauschen, die einen ähnlichen Schicksalsschlag verarbeiten mussten: