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MUTTERLIEBE: Eine Fehlgeburt ist nicht dein Fehler!

Fehlgeburt Risiko Wie groß ist die Gefahr einer Fehlgeburt wirklich?

Fehlgeburt: trauerndes Paar
© martin-dm / iStock
Erst nach der 12. Woche verkünden viele Paare die Schwangerschaft – es könnte ja in den ersten Monaten noch etwas schiefgehen. Aber wie hoch ist das Risiko einer Fehlgeburt überhaupt in welcher SSW? Welche Rolle spielen Alter, Vorerkrankungen, Infektionen? Und was, wenn du schon eine Fehlgeburt erlitten hast? Hier alles Wichtige.

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Dieser Moment, wenn der Schwangerschaftstest ein positives Ergebnis zeigt, ändert alles. Ich bin schwanger! Wir bekommen ein Kind! Auch, wenn die befruchtete Eizelle noch kaum mit bloßem Auge zu erkennen ist und es noch ein paar Tage dauert, bis das winzige Herzchen zu schlagen beginnt: Für seine Eltern ist das Baby, das da gerade entsteht, schon ganz real – die Liebe beginnt. Und in den meisten Fällen wächst aus dieser befruchteten Eizelle ja auch ein gesundes Baby heran. Bei vielen Paaren aber ist die Freude doch noch etwas gedämpft. Schließlich ist doch das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, in den ersten zwölf Wochen ziemlich hoch, oder?

Die Antwort lautet: ja und nein! Ja, die allermeisten Fehlgeburten ereignen sich in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft. Und ja, gerade in dieser Zeit sind Fehlgeburten nicht selten. Aber: Das individuelle Fehlgeburts-Risiko hängt von vielen Faktoren ab, es sind also nicht alle Frauen gleichermaßen betroffen. Hier die Details.

Was genau ist eigentlich eine Fehlgeburt?

Eine Fehlgeburt bedeutet, dass eine Schwangerschaft so früh zu Ende geht, dass das Ungeborene nicht lebensfähig ist. Die allermeisten Fehlgeburten (auch Abort genannt) ereignen sich in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft, dann spricht man von einem „Frühabort“, passiert die Fehlgeburt später, von einem „Spätabort“. Offiziell gehörte zur Definition einer späten Fehlgeburt lange auch, dass der Fetus weniger als 500 Gramm wiegt und die Schwangerschaft vor Ablauf der 24. SSW endet. Mit dem medizinischen Fortschritt kommt es aber auch vor, dass leichtere und früher geborene Babys überleben.

Was sind die häufigsten Ursachen für Fehlgeburten?

Längst nicht immer lässt sich erklären, warum eine Schwangerschaft vorzeitig zu Ende geht. In den meisten Fällen (mehr als 80 Prozent) sind aber genetische Auffälligkeiten die Ursache. "Die Frauen und die Männer haben meist keine genetischen Krankheiten", stellt Dr. Ingeborg Reckel-Botzem, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Hainburg und stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Landesverband Hessen, klar. "Aber die Natur macht Fehler." Zu den häufigsten Auslösern einer Fehlgeburt gehören daher:

  • Fehlbildungen oder Chromosomenanomalien
  • Fehlbildungen der Spermien
  • Fehlbildungen der Plazenta
  • Einnistung einer nicht befruchteten Eizelle
  • Eine Blasenmole (früher auch als "Windei" bezeichnet): Das Ei wurde zwar befruchtet, doch es entwickelt sich kein Embryo
  • Angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Eine Gebärmutterhalsschwäche (Cervix Insuffizienz)
  • Hormonelle Störungen

Wie groß ist das Fehlgeburtsrisiko generell?

Das kommt darauf an, was man als Fehlgeburt zählt. Die meisten Fehlgeburten passieren nämlich so früh, dass sie oft unbemerkt bleiben: Etwa die Hälfte der befruchteten Eizellen werden bereits vor ihrer Einnistung in der Gebärmutter abgestoßen. Das heißt: Ei- und Samenzelle haben sich zwar vereinigt und so die Keimzelle für einen neuen Menschen gebildet, diese Keimzelle hat sich aber nicht weiterentwickelt beziehungsweise hat sich nicht in der Schleimhaut der Gebärmutter eingenistet. Die Blutung, die daraufhin etwa zur Zeit der Periode oder etwas später einsetzt, halten die betroffenen Frauen dann meist für ihre Periode. (Es sei denn, sie haben sehr früh zu verwendete Messmethoden eingesetzt, etwa einen Urin- oder Bluttest auf das Schwangerschaftshormon β-hCG.)

Diese ganz frühen Fehlgeburten werden aber bei wissenschaftlichen Untersuchungen nicht mitgezählt. Ohne Alter, Vorerkrankungen, Rauchen und andere Risikofaktoren zu berücksichtigen, liegt das Risiko einer Fehlgeburt bei Frauen, deren Periode ausgeblieben war und bei denen ein positiver Schwangerschaftstest vorlag, bei zwölf bis 24 Prozent. Ist erst einmal der Herzschlag nachgewiesen, liegt das Fehlgeburts-Risiko noch bei zwölf bis 15 Prozent.

Gelten diese zwölf bis 15 Prozent Fehlgeburts-Risiko für alle Frauen gleichermaßen?

Nein, das persönliche Risiko ist sogar sehr unterschiedlich. Hier die wichtigsten Risikofaktoren:

Alter der Mutter
Die Eizellen einer Frau sind immer so alt wie sie selbst, genau genommen sogar etwas älter, denn sie werden schon im Mutterleib angelegt. Das Problem: Auch sie altern, und je älter eine Eizelle ist, desto eher kann es passieren, dass die Erbanlagen des Embryos fehlerhaft sind und er sich nicht weiterentwickelt. Diese Tabelle zeigt, wie das Fehlgeburtsrisiko mit dem Alter steigt:

Altersgruppe in Jahren

Risiko einer Fehlgeburt in %

20 – 24

11

25 – 29

12

30 – 34

15

35 – 39

25

40 – 44

51

ab 45

über 70

Alter des Vaters
Zwar bilden sich die Samenzellen im Gegensatz zu den Eizellen immer neu, deshalb dachte man lange, dass das Alter des Vaters bei Fehlbildungen der Chromosomen keine Rolle spielt. Inzwischen ist die Forschung weiter: Mit dem Alter des Mannes erhöht sich das Risiko, dass die neu gebildeten Samenzellen fehlerhaft sind und sich die befruchtete Eizelle aus diesem Grund nicht weiterentwickeln kann.

Vorhergegangene Fehlgeburten
Zieht eine Fehlgeburt automatisch die nächste nach sich? Diese Sorge beschäftigt Frauen nach einer Fehlgeburt, aber: Nein, so ist es nicht. Die meisten Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten hatten, bringen mit der nächsten Schwangerschaft ein gesundes Kind zur Welt. Das gilt auch noch nach zwei Fehlgeburten. In der Sprechstunde der Reproduktionsmedizin der Uniklinik Bonn heißt es deshalb: „Auch zwei aufeinanderfolgende Aborte sind medizinisch nicht auffällig, auch wenn es sich für die betroffenen Paare oft sehr belastend anfühlt.“ Allerdings steigt das Risiko dann schon etwas an:

Fehlgeburtsrisiko nach einem Abort:

bis 21 %

Fehlgeburtsrisiko nach zwei Aborten:

bis 29 %

Fehlgeburtsrisiko nach drei Aborten:

bis 33 %

Wichtig: Eine Fehlgeburt in der Vorgeschichte ist nicht direkt die Ursache für ein weiteres solches Ereignis. Aber wenn eine Frau mehrere Fehlgeburten erleidet, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass diese nicht durch zufällige kleine Fehler der Natur ausgelöst wurden, sondern durch andere Ursachen. Deshalb wird nach einer dritten Fehlgeburt gecheckt, welche anderen Ursachen dahinterstecken könnten, zum Beispiel hormonelle Ursachen, Störungen des Gerinnungssystems oder immunologische Faktoren.

In welcher Schwangerschaftswoche ist das Risiko am größten?

Wie vorher schon gesagt: Je früher in der Schwangerschaft, desto höher ist das Risiko einer Fehlgeburt. Passiert sie in der 4. oder 5. SSW, dann wird sie nur oft gar nicht bemerkt. In einer australischen Studie von 2008 an knapp 700 Frauen ohne besondere Risikofaktoren wurde das Fehlgeburts-Risiko pro SSW so angegeben (gemeint ist jeweils die vollendete SSW):

Fehlgeburts-Risiko in %

6. SSW

9,4

7. SSW

4,2

8. SSW

1,5

9. SSW

0,5

10. SSW

0,7

Man kann erkennen, dass das Risiko von Woche zu Woche sinkt, besonders deutlich ab der vollendeten 8. SSW. So ist auch verständlich, dass in vielen Frauenarztpraxen der Termin zum Feststellen der Schwangerschaft, bei dem auch der Mutterpass ausgestellt wird, erst ab der 8. SSW vereinbart wird. Und, so betont die Frauenärztin Dr. Reckel-Botzem: "Wenn die Schwangerschaft in der zwölften Woche noch intakt ist, so der medizinische Ausdruck, dann kann man davon ausgehen, dass sie auch hält" .

Wie kannst du dein persönliches Fehlgeburts-Risiko verringern? Kann man eine drohende Fehlgeburt noch abwenden? Und was sind die Symptome? Diese und noch mehr Fragen rund ums Thema Fehlgeburt beantwortet dir dieser Artikel:

Quellen:

Tong, S. et al:  Miscarriage risk for asymptomatic women after a normal first-trimester prenatal visit. In: Obstretics and Gynaeology, 2008

Universitätsklinikum Bonn: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, “Wiederholte Fehlgeburten”

Homer, Hayden Anthony: Modern management of recurrent miscarriage. In: “The Australian and New Zealand Journal of Obstretics and Gynaeology. 2018

Nybo Andersen AM et al, BMJ, 2000, “Maternal Age and fetal loss: Population based Register linkage study”.

Kleinhaus et al.: Paternal Age and Spontaneaus Abortion. In: Obstetrics & Gynecology 2006.

AWMF Leitlinienprogramm: Spontanabort: Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. 2018

ELTERN

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