Ich bin schwanger
 
Ein Kind - Wahnsinn!

Zwischen Jubel und Panik hin- und hergerissen fühlte sich ELTERN-Autorin Janine Weiler, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Wie haben Sie reagiert, als Sie den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielten? Schreiben Sie es uns!

Erst die Theorie, dann die Praxis

Ich bin schwanger: Ein Kind - Wahnsinn!

Es begann nicht vor gut neun Monaten, sondern schon viel früher. Den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht mehr. Wir hatten eher beiläufig darüber gesprochen: Ja, wir können uns ein Kind vorstellen! Weil wir wussten, wir gehören zusammen.

Das Leben ging weiter. Das Thema Kind war eigentlich keines mehr. Wir fanden, wir hatten Zeit. Unsere Wochenendbeziehung und die normalen Phasen sexueller Trägheit würden uns ohnehin nicht so schnell Eltern werden lassen, dachten wir. Bei unseren Bekannten hatte das mit Ende 20 ja auch ein bisschen gedauert ...

Ich gab mich nach außen unbekümmert, um den potenziellen Vater nicht zu stressen. Aber schon bald fing ich an, mich mit einschlägigen Büchern und dem ELTERN-Heft zu versorgen. Ich war heiß auf Informationen und wusste schnell, wie groß ein Kind in der 17. Woche ist, wie sich ein Dammschnitt mit etwas Glück vermeiden lässt - und wie hoch die rechnerische Wahrscheinlichkeit ist, dass ich mit meinen 28 Jahren schwanger werde. Ich war bald Spezialistin, und trotzdem schien alles noch sehr weit weg.

Und wo ist jetzt der Bauch?

Muss ich jetzt jemanden anrufen?

Der Tag X trifft mich unvorbereitet, nach wenigen Monaten. Ein Sonntag. Schon der zweite, ohne dass ich meine Regel bekommen hätte. Ich sitze auf dem Badewannenrand und starre ins halb volle Glas, der Morgenurin ist zum Testen der beste. Entweder gehe ich gleich beruhigt frühstücken, oder ich kollabiere!

Es dauert eine Stunde, vielleicht auch nur zehn Sekunden, bis das Teststäbchen seine Farbe ändert. Deutlich sichtbar: zwei rote Striche. Positiv! Positiv? Mein Kopf leert sich, als hätte jemand den Stöpsel gezogen.

Von einem auf den anderen Moment schwanger - nicht zu fassen! Und wo ist mein Bauch? Muss ich jetzt jemanden anrufen? Meine Mutter vielleicht, meine beste Freundin? Stopp, eigentlich sollte der Vater des winzigen Pünktchens zuerst informiert werden!

Informiert? So wie man über einen Strafzettel informiert wird? Oder wie im Fernsehen? Ganz romantisch, bei einem Dinner zu zweit, wo sie ihm zur Nachspeise zwei kleine Babyschuhe über den Tisch schiebt?

Vielleicht spinnt ja der Test!

Ich bestehe nur noch aus Fragezeichen

Weder noch. Ich schleiche ins Bett zurück und starre Alexander an. "Wir bekommen ein Kind", sage ich, und meine Augen füllen sich mit Wasser - vor Freude und vor Angst. "Der Test ist positiv!" Alexander blinzelt und brummt: "Glaubst du etwa an diese Selbstmach-Tests? Keine Sorge, wir sind nicht schwanger."

Vielleicht spinnt der Test ja wirklich! Im Lauf des Tages hole ich das Stäbchen fast stündlich aus dem Mülleimer und schaue nach, ob der zweite Strich noch da ist. Wenn er weg ist, verschwindet dann auch der Punkt in meinem Bauch? Unfassbar, aber ein blöder Strich entscheidet, ob sich mein Leben ändert oder nicht!

Am Abend ist mein Bauch immer noch nicht runder. Oder doch? Ich betrachte mich im Spiegel ganz genau. Vielleicht einen halben Millimeter ...

Am nächsten Tag bescheinigt die Frauenärztin dem Teststäbchen gute Arbeit. Im Kopf meines Freundes läuft ein ähnlicher Film ab wie gestern in meinem. Und ich bestehe nur noch aus Fragezeichen. Was wird aus meiner Arbeit? Kann der Alltag so weiter gehen wie bisher? Wann brauche ich eine Hebamme? Was darf ich noch essen? Wann muss der Chef Bescheid wissen? Theoretisch bin ich gut informiert. Aber was ich jetzt tun muss - keine Ahnung!

Noch ist gar nichts sicher

In der ersten Woche laufe ich wie im Nebel durchs Leben. Ich beginne zu verstehen, dass ein Kind in mir wächst. Man will die wunderbare Nachricht mit vielen Menschen teilen. Aber darf ich es jetzt schon allen erzählen? Noch ist nichts sicher, in den ersten drei Monaten kommt es häufig zu Fehlgeburten.

Eine seltsame Gefühlslage: Ich bin schwanger, versuche das gerade zu begreifen, sollte mich aber nicht an den Gedanken gewöhnen, weil ich das Kind noch verlieren könnte.

Und dann gibt es Momente - besonders morgens beim Aufwachen -, in denen habe ich tatsächlich vergessen, dass ich ein Kind bekomme. Das Elendsgefühl, das immer häufiger vom Magen aus in meinen Körper steigt, reicht offenbar nicht aus, um meinen Kopf vom Schwangersein zu überzeugen.

Auf der Straße frage ich mich manchmal, ob man mir was ansieht. Strahle ich? Glühe ich gelegentlich, habe ich gerötete Wangen? Wohl nicht. Kollegen wollen besorgt wissen, ob mir etwas fehlt. Ich sei ja so blass.

Der Beweis: die engen Jeans

In der zehnten Woche wird es dann ernst. Meine Lieblingsjeans sitzen dermaßen eng, dass ich mich in den Laden für Umstandsmode wage. "Ah, die erste Oktobermutter!", ruft die Verkäuferin. Wie bitte, wer? Ich? Ach so, ja, stimmt, mein Kind kommt im Herbst. Ich - Mutter - soso!

Als ich bei der Krankenkasse anrufe, noch einmal das gleiche Spiel. "Ich bin schwanger", höre ich mich sagen. Aber durch den Kopf schießt mir: Was rede ich da eigentlich? Doch, doch, es stimmt: Ich bin schwanger!

Nach vier Wochen habe ich es kapiert. Es kehrt eine seltsame Ruhe ein. Ich habe mich total verrückt gemacht, versucht, Yoga-Kurse zu organisieren, Kreißsaalbesichtigungen zu vereinbaren, Hebammentermine zu machen - und festgestellt, dass ich für all das viel zu früh dran bin.

Zu Beginn des dritten Monats gelingt es mir zum ersten Mal, mich zurückzulehnen und ein bisschen zu genießen. Wir wollten ein Kind. Jetzt kommt es. Ist das nicht toll?

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt

Der Bericht unserer Autorin beweist: Die erste Zeit einer Schwangerschaft ist oft eine wahre Gefühls-Achterbahnfahrt: Freude über den positiven Test, aber auch Angst: Es ist ja noch so früh! Und dann die Verantwortung! Und die Ungläubigkeit. Und die Sorge: Haben wir uns das auch gut überlegt? Werde ich eine gute Mutter sein?

Egal, ob das Baby geplant oder nicht geplant war: Dieses Tohuwabohu ist vollkommen normal. Nicht nur Ihr Körper macht durch die Hormonumstellung gerade eine deutliche Veränderung durch - auch Ihre Psyche muss sich auf den neuen Zustand erst einstellen. Deshalb: Lassen Sie sich Zeit. Ihre Vorfreude wird mit jedem Zentimeter Bauchumfang wachsen. Versprochen.

Wie haben Sie festgestellt, dass Sie ein Kind erwarten? Was war Ihre erste Reaktion, wie haben Sie sich in diesem Moment gefühlt? Hier können Sie uns Ihre Geschichte erzählen.