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Belegehebamme Individuelle Begleitung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Beleghebamme: Hebamme legt schwangerer Frau die Hände auf den Bauch
© KAMPUS / Adobe Stock
Beleghebammen ermöglichen eine individuelle Begleitung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett fernab vom üblichen Schichtsystem in den Kliniken. Doch sie sind leider ziemlich rar. Wie du eine findest, welche Vorteile die Eins-zu-Eins-Begleitung bietet und welche Kosten auf dich zukommen, erfährst du hier!

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In Deutschland herrscht Hebammenmangel, was für viele Schwangere bedeutet: Während der Geburt werden sie häufig von mehreren Hebammen im Schichtwechsel betreut, die gleichzeitig noch andere Gebärende in den Kreißsälen versorgen müssen. Dabei bringt eine individuelle Geburtsbegleitung viele Vorteile mit sich: Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich eine Eins-zu-Eins-Betreuung positiv auf den Geburtsverlauf auswirkt.

Eine Alternative zum klassischen Schichtsystem in Geburtskliniken bietet die Betreuung durch eine Beleghebamme – aber was bedeutet das eigentlich genau und wie findet man eine?

Was macht eine Beleghebamme?

Eine Beleghebamme ist eine selbstständige Hebamme, die mit einem Krankenhaus einen sogenannten Belegvertrag abgeschlossen hat. Das bedeutet: Sie ist nicht in der Geburtsklinik angestellt, darf aber die Infrastruktur für sich und die Frauen, die sie betreut, nutzen ­– also etwa die Kreißsäle, die Wöchnerinnenstation und auch das ärztliche Personal. Allerdings muss sie die Kosten ihrer Haftpflicht-, Sozial- und Rentenversicherung selbst tragen.

Unterschieden werden zudem zwei Arten von Beleghebammen:

  • Die Dienst-Beleghebamme
    Diese Art von Beleghebamme unterscheidet sich für dich als werdende Mutter nicht besonders von einer angestellten Hebamme: Beide arbeiten im Schichtdienst im Kreißsaal oder auf der Wöchnerinnenstation und kennen die Frauen, die sie unter der Geburt betreuen, im Vorfeld nicht.
  • Die Begleit-Beleghebamme
    Beleghebammen, die im Begleitsystem arbeiten, schließen hingegen bereits vor der Geburt einen Vertrag mit dir ab und begleiten dich auf Wunsch während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Der Vorteil an diesem Gesamtpaket: Ihr lernt euch bereits während der Schwangerschaft kennen und deine Hebamme kennt als deine Vertrauensperson deine Wünsche und Grenzen unter der Geburt.

Wie sieht die Betreuung durch eine Begleit-Beleghebamme genau aus?

Entscheidest du dich dazu, deine Hebamme bereits für die Schwangerschaftsvorsorge in Anspruch zu nehmen, wird sie sich die Vorsorgeuntersuchungen mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen aufteilen – du siehst also immer im Wechsel deine Hebamme und deinen Arzt oder deine Ärztin. Dabei kann die Beleghebamme dich im Krankenhaus, in einem Geburtshaus oder auch in ihrer eigenen Hebammenpraxis empfangen. Einen Ultraschall wird deine Hebamme nicht durchführen, aber auch sie überprüft bei jeder Vorsorgeuntersuchung deinen Urin, deinen Blutdruck und tastet deinen Bauch ab (hier kannst du genauer nachlesen, wie sie dabei die Kindslage erkennen kann). Alle Ergebnisse der Vorsorge werden in deinen Mutterpass eingetragen ­– so wissen auch deine Ärztin oder dein Arzt beim nächsten Termin über alles Bescheid.

Rund um den errechneten Geburtstermin ist deine Beleghebamme dann in Rufbereitschaft. Das bedeutet, dass du sie jederzeit anrufen kannst, wenn die Wehen einsetzen oder du vermutest, dass dein Baby auf die Welt kommen möchte. Wenn es dann wirklich so weit ist, begleitet sie dich und deinen Partner oder deine Partnerin in die Geburtsklinik und steht dir die ganze Zeit zur Seite – egal, wie lange es dauert. Dabei ist deine Begleit-Beleghebamme nur für dich da und muss keine anderen Gebärenden parallel versorgen. Auch wenn es zu einem Kaiserschnitt kommt oder eine Einleitung nötig ist, begleitet sie dich als deine Vertrauensperson. Nach der Entbindung nimmt deine Hebamme die U1 an deinem Baby vor und verlässt das Krankenhaus erst, sobald du und dein Neugeborenes aus dem Kreißsaal entlassen seid. Wenn du es möchtest – und es vertraglich bereits im Vorfeld so geklärt hast – besucht dich deine Hebamme anschließend auch im Wochenbett und übernimmt die Nachsorge.

Natürlich kann es auch mal vorkommen, dass deine Hebamme erkrankt oder spontan verhindert ist. Für diesen Fall sorgen die Beleghebammen vor, indem sie eine Vertretung einrichten. Im Idealfall lernst du die Ersatz-Hebamme ebenfalls bereits in der Schwangerschaft kennen – vielleicht kann sie sogar ein paar Vorsorgetermine übernehmen und mit dir deine Wünsche für die Geburt besprechen. So kannst du auch im Ausnahmefall sicher sein, dass du keiner fremden Person im Kreißsaal gegenüberstehst.

Was sind die Vorteile einer Begleit-Beleghebamme?

Verschiedene Studien zeigen, dass sich eine Eins-zu-Eins-Betreuung durch Hebammen positiv auf den Geburtsverlauf und das Geburtserlebnis der Frau auswirkt. Sie senkt den Schmerzmittelbedarf während der Entbindung sowie die Rate der geburtshilflichen Interventionen: Frauen, die mit einer Beleghebamme oder in einem von Hebammen geleiteten Kreißsaal entbunden haben, bekamen seltener eine PDA oder einen Dammschnitt. Und auch Geburtsinstrumente wie Zange oder Saugglocke kamen seltener zum Einsatz. Die intensive Begleitung durch die Beleghebamme hilft vielen Frauen, sich während der Geburt besser zu entspannen. Und du kannst sicher sein: Da deine Hebamme nicht im Schichtdienst arbeitet, wird es während der Geburt zu keinem Wechsel kommen – diese Verlässlichkeit der Betreuung vermittelt Sicherheit.

Gerade für Schwangere, die der Geburt mit Sorge entgegenblicken, ist die individuelle Schwangerschaftsbegleitung ohne Schichtwechsel daher ideal: Das Krankenhaus sichert die optimale medizinische Betreuung, die Hebamme die persönliche. Natürlich musst du mit einer Beleghebamme aber nicht zwangsläufig in einer Klinik entbinden. Viele freiberufliche Hebammen bieten ebenfalls die Option einer Hausgeburt an oder arbeiten zusätzlich in einem Geburtshaus. Es lohnt sich, alle Möglichkeiten zu prüfen und im Gespräch herauszufinden, was für dich am besten passt.

Warum gibt es so wenige Hebammen im Belegsystem?

Was viele schwangere Frauen allerdings nicht wissen, wenn sie sich auf die Suche nach einer Beleghebamme machen: Es ist gar nicht so leicht, eine zu finden – und dann auch einen Betreuungsvertrag abzuschließen. Denn obwohl viele Hebammen die individuelle Begleitung im Belegsystem schätzen und dem stressigen Klinik-Alltag vorziehen, arbeiteten laut Deutschem Hebammenverband von rund 26.000 Hebammen in Deutschland im Jahre 2019 nur 1.428 als Beleghebammen – 2022 sind es bereits bloß noch 1.405. Aber warum ist das so?

Zum einen, weil selbstständige Hebammen seit 2014 selbst für ihre Haftpflichtversicherung aufkommen müssen und die Versicherungsprämien enorm hoch sind. Auch wenn sie freiberuflich im Schichtdienst in einer Klinik arbeiten. Konkret bedeutet das: Aktuell müssen freiberufliche Hebammen einen jährlichen Beitrag von 11.508,36 Euro für ihre Haftpflichtversicherung leisten. Immerhin: Mittlerweile kann ein Großteil der Kosten zurückerstattet werden, wenn die Hebamme jedes Jahr einen neuen Antrag dafür stellt.
Zum anderen: Der Beruf einer Hebamme mag sehr erfüllend sein – gut vergütet ist er aber nicht! Laut aktuellen Zahlen des Deutschen Hebammenverbandes bekommt eine freiberufliche Hebamme für die Begleitung einer Geburt im Kreißsaal 275 Euro, für einen Termin zur Vorsorge 25 Euro und für einen Wochenbettbesuch 35 Euro. Zum Vergleich: Für einen Kaiserschnitt erhält die Geburtsklinik von der Krankenkasse etwa 2.800 Euro.

Außerdem kommt hinzu: Eine Begleit-Beleghebamme ist durch die Dauerrufbereitschaft in ihrem Privatleben ziemlich eingeschränkt. Wenn eine Geburt mitten in der Nacht beginnt oder auf dem Geburtstag des eigenen Kindes, gibt es keine Alternative zum sofortigen Aufbruch in den Kreißsaal. Daher legen viele Beleghebammen Ruhezeiten fest, in denen sie keine Schwangeren betreuen oder nur Vorsorge und Nachsorge, aber keine Rufbereitschaft anbieten. Das ist zwar wichtig, um der Belastung dauerhaft professionell standhalten zu können, führt aber wiederum zu finanziellen Einbußen.

Wie finde ich eine Beleghebamme?

Wenn du weißt, dass du die Leistungen einer Begleit-Beleghebamme in Anspruch nehmen möchtest, solltest du so früh wie möglich auf die Suche gehen. Denn das Angebot ist knapp und die Nachfrage hoch. Diese Tipps können dir dabei helfen und deine Chancen erhöhen, auch wenn manches davon vielleicht etwas übertrieben klingt:

  • Informiere dich bereits vor deinem positiven Schwangerschaftstest über Angebote in deiner Nähe und erkundige dich bei den infrage kommenden Hebammen nach ihren Kapazitäten in den nächsten Monaten.
  • Versuche, antizyklisch schwanger zu werden: Statistisch gesehen kommen die meisten Babys im Juli und August zur Welt – sollte dein Geburtstermin nicht in diesen Zeitraum fallen, stehen die Chancen auf eine Beleghebamme besser. Ebenso gelten Termine rund um Weihnachten, Silvester oder die Sommerferien als heikel: Hier machen viele Hebammen selbst Ferien. Zugegeben, das klingt bei einem lang gehegten und unerfüllten Kinderwunsch zynisch. Aber leider ist es die Realität und zeigt, wie dramatisch die Situation ist.
  • Wenn es geklappt hat: Nimm direkt nach dem ersten positiven Schwangerschaftstest Kontakt auf und kümmere dich so schnell wie möglich um eine Beleghebamme.

Hebammensuche: Diese Seiten helfen dir, eine Beleghebamme zu finden

Internetrecherche kann mühsam sein. Daher haben wir dir hier mehrere Portale für die Hebammensuche zusammengestellt:

  • Der Deutsche Hebammenverband bietet mit ammely eine Plattform zur deutschlandweiten Hebammensuche an. Du kannst hier direkt in den Suchfiltern die Hebammenleistungen einstellen, die du persönlich suchst.
  • Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen bietet mit seiner Hebammenliste ebenfalls ein deutschlandweites Suchportal an.
  • Über die Hebammensuche des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. kannst du ebenfalls nach Hebammen in deinem Bundesland suchen.
  • Hier findest du die Hebammenverbände der einzelnen Bundesländer und kannst gezielt in deiner Umgebung nach Hebammen suchen.
  • Ebenfalls hilfreich: Die Plattform FIAMI bietet eine umgekehrte Hebammensuche an. Hier kannst du auswählen, welche Leistungen du suchst und wirst dann von passenden Hebammen kontaktiert – das spart dir das Anschreiben unzähliger Kontakte. 

Welche Optionen gibt es noch? Du kannst bei deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen um Empfehlungen bitten oder die Geburtskliniken in deinem Umfeld nach Begleit-Beleghebammen absuchen – oft steht das Angebot dazu auf der Homepage. Falls es mit der Begleit-Beleghebamme nicht klappt, können ein Hebammenkreißsaal oder ein Geburtshaus möglicherweise eine gute Alternative für dich sein. Auch eine Hausgeburt kann eine Option sein, allerdings bieten diese Möglichkeit auch nur wenige Hebammen an.

Was kostet mich die individuelle Begleitung?

Wenn du in der gesetzlichen Krankenversicherung bist, übernimmt deine Krankenkasse die Kosten für Schwangerschaftsvorsorge, Geburtsbegleitung und Nachsorge im Wochenbett. Deine Hebamme wird alle von ihr erbrachten Leistungen direkt mit dieser abrechnen. Wenn du privat versichert bist, musst du dich bei deiner Kasse informieren, welche Hebammenleistungen in welcher Höhe übernommen werden.

Wenn dich deine Begleit-Beleghebamme bei der Geburt betreuen soll, wird sie dir zudem eine Rufbereitschaftspauschale in Rechnung stellen. In der Regel liegen die Kosten für die Rufbereitschaft zwischen 500 und 1000 Euro – diesen Kostenpunkt klärst du am besten direkt mit deiner Hebamme ab. Denn die meisten Krankenkassen bezuschussen diese Leitung gar nicht oder nur in Teilen. Informiere dich also rechtzeitig, ob sich deine Krankenkasse an der Rufbereitschaftspauschale beteiligt oder du die Kosten allein tragen musst. Tipp: Eine Beteiligung an der Pauschale ist auch ein schönes Geschenk zur Geburt von den werdenden Omas und Opas!

Quellen:

ELTERN

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