Schwangerschaft
 
Blasenentzündung in der Schwangerschaft – was tun?

Sind Frauen in der Schwangerschaft besonders anfällig für Harnwegsinfekte? Leider ja! Wir sagen, wie du einer Blasenentzündung vorbeugen kannst und wie sie in der Schwangerschaft behandelt wird.

Blasenentzündung in der Schwangerschaft
iStock, Carlo107
Inhalt: 
Kommen Blasenentzündungen in der Schwangerschaft häufiger vor?Welche Symptome hat eine Blasenentzündung in der Schwangerschaft?Ist eine Blasenentzündung gefährlich für das Baby?Mögliche Folgen einer unbehandelten Blasenentzündung in der Schwangerschaft im Überblick:Wie behandelt der Arzt die Blasenentzündung?Was kann ich selbst gegen den Infekt tun?Wie kann ich vorbeugen?

Rund fünf Prozent der Frauen leiden in der Schwangerschaft unter einer Blasenentzündung. Das liegt besonders an der hormonellen Umstellung, die auch zu einer Entspannung der ableitenden Harnwege führt. Bakterien können dadurch leichter eindringen und sich vermehren. Wir erklären dir, was du bei einer Zystitis in der Schwangerschaft besonders beachten musst.

Kommen Blasenentzündungen in der Schwangerschaft häufiger vor?

Leider ja. Wer ohnehin schon anfällig für Harnwegsinfekte ist, ist in der Schwangerschaft noch stärker gefährdet. Aber auch Frauen, die noch nie eine Blasenentzündung hatten, kann es nun treffen. Warum? Weil Bakterien wie escherichia coli oder Streptokokken in der Schwangerschaft ein besonders leichtes Spiel haben. Denn in der Schwangerschaft stellen sich deine Hormone um. Um Platz für dein Baby zu schaffen, sorgt das Hormon Progesteron zum Beispiel dafür, dass sich die Muskeln der Hohlorgane – wie der Gebärmutter - entspannen. Das gilt auch für die ableitenden Harnwege.
Die Folge: Durch die geweitete Harnröhre können Bakterien viel leichter eindringen, sich vermehren und weiter in die Harnblase wandern. Hier verursachen sie dann die sogenannte Blasenentzündung (Zystitis). Auch das Ausspülen von Keimen beim Wasserlassen funktioniert nicht mehr so gut, wenn du schwanger bist. Durch die erschlaffte Muskulatur fließt der Urin langsamer von den Nieren zur Harnröhre. Der Druck des wachsenden Uterus verstärkt diesen Effekt noch. Die Keime bekommen so mehr Zeit, sich zu vermehren. Das erhöht auch die Gefahr für einen schweren Verlauf der Infektion, bei dem die Entzündung bis zu Harnleiter und Nieren aufsteigt und eine Nierenbeckenentzündung verursachen kann.

Welche Symptome hat eine Blasenentzündung in der Schwangerschaft?

Die Symptome einer Zystitis sind in der Schwangerschaft die gleichen wie bei einer Frau, die nicht schwanger ist.
 
Die Symptome:

  • Häufiger bis ständiger Harndrang (auch wenn kein Urin mehr kommt)
  • Brennender Schmerz beim Wasserlassen
  • Manchmal Schmerzen im Unterleib
  • Urin hat in einigen Fällen weiße Schlieren (Eiweiß)
  • Urin ist manchmal blutig
  • Urin kann unangenehm riechen

Im fortgeschrittenen Stadium:

  • Fieber
  • Nierenschmerzen
  • Rückenschmerzen
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Ist eine Blasenentzündung gefährlich für das Baby?

Wenn du die Symptome erkannt hast und dein Arzt den Infekt rechtzeitig behandelt, ist eine Harnwegsinfektion nicht gefährlich für das Kind. Sie heilt dann meist folgenlos aus. Allerdings gibt es eine Form, die nicht die bekannten Symptome aufweist. Die sogenannte asymptomatische Harnwegsinfektion (asymptomatische Bakteriurie) tritt besonders häufig bei Schwangeren auf. Bei dieser Art der Infektion, lassen sich im Urin zwar Keime nachweisen, sie verursachen aber nicht die typischen Beschwerden. Da du einfach nicht spürst, dass du eine Blasenentzündung hast, kann sie lange unerkannt bleiben und die Bakterien haben Zeit, sich bis zu den Nieren auszubreiten. Die Folge ist dann eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), die nicht nur Schmerzen verursacht und die Nierenfunktion stört, sondern auch das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt erhöht.

Ein asymptomatischer Harnwegsinfekt tritt in 5 bis 10 Prozent der Schwangerschaften auf. Dies ist auch einer der Gründe, warum du bei der Vorsorgeuntersuchung regelmäßig um eine Urinprobe gebeten wirst, die auf Bakterien und weiße Blutkörperchen untersucht wird. Früherkennung ist hier besonders wichtig, um mit den passenden Medikamenten gegensteuern zu können.
Lässt du dich regelmäßig bei deiner Hebamme oder deinem Frauenarzt untersuchen, kannst du das Risiko eines schweren Verlaufs eines solchen Infekts deutlich reduzieren.

Mögliche Folgen einer unbehandelten Blasenentzündung in der Schwangerschaft im Überblick:

  • Bleibende Nierenschäden
  • Erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt
  • Erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt
  • Aufsteigen der Bakterien bis in die Gebärmutter (Gefahr für Mutter und Kind)
  • Absterben des Blasengewebes
  • Entwicklungsschäden beim Kind (nur in schweren Fällen)
  • Vorzeitige Wehen

Wie behandelt der Arzt die Blasenentzündung?

Wer schon einmal eine Blasenentzündung hatte, kennt die typischen Symptome. Aber auch, wenn die Erkrankung bei dir zum ersten Mal auftritt, wirst du sie vermutlich anhand der Beschwerden schnell einordnen können. Geh unbedingt zum Arzt und lass deinen Urin untersuchen. Gerade in der Schwangerschaft solltest du dich nicht auf Hausmittel verlassen.
Viele werdende Mütter haben Angst, dass eine Antibiotika-Behandlung schädlich für ihr ungeborenes Kind sein könnte. Die Risiken einer schwer verlaufenden Zystitis werden aber in den meisten Fällen als größer bewertet. Dein Arzt wird besonders vorsichtig sein und dir ein Mittel verschreiben, das dich und das Baby möglichst wenig belastet. Wie bei anderen Medikamenten auch, liefert dazu auch die Datenbank embryotox.de wertvolle Informationen zur Verträglichkeit der unterschiedlichen Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit.

Was kann ich selbst gegen den Infekt tun?

Du selbst kannst neben der medikamentösen Therapie dazu beitragen, dass die Entzündung der Harnwege rasch ausheilt:

  • Trink viel, um die Keime aus den Harnwegen zu spülen. Am besten 2 bis 3 Liter täglich. Tee und Wasser sind besser als süße Getränke. In der Apotheke bekommst du spezielle Blasen- und Nierentees, die harntreibend wirken.
  • Entleere regelmäßig deine Blase.
  • Halte dich warm, z.B. mit einer Wärmflasche, einem Körnerkissen und warmer Unterwäsche. Auch warme Fußbäder helfen.
  • Ruh dich aus, am besten im Bett.

Wie kann ich vorbeugen?

Um erst gar keinen Harnwegsinfekt zu bekommen, könnt ihr selbst einigen tun, um den Keimen das Leben schwer zu machen. Und das natürlich nicht nur in der Schwangerschaft.
 
Die wichtigsten Tipps zum Vorbeugen einer Blasenentzündung in der Schwangerschaft:

  • Trinken, trinken, trinken. Ja, Mama hat recht. Mit viel Flüssigkeit spülst du die Harnblase regelmäßig und gibst den Bakterien keine Chance, sich anzusiedeln und zu vermehren. Das klappt am besten mit ungesüßtem Tee und Wasser.
  • Den Konsum von stark gewürzten Speisen, schwarzem Tee und Kaffee einschränken, um die Blasenwand nicht zu reizen.
  • Wisch nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten. Andersfalls können Darmbakterien in Scheideneingang und Harnröhre gelangen.
  • Erhalte das natürliche Scheidenmilieu. Starke Seifen oder Intimsprays zerstören den natürlichen Schutzmantel des Intimbereichs gegen Blaseninfekte und Scheidenpilz. In der Apotheke bekommst du Intimwaschlotionen oder ph-neutrale Seifen, die das verhindern.
  • Verwende möglichst luftdurchlässige Slipeinlagen.
  • Halte dich ausreichend warm. Zu luftige Kleidung, nasse Badesachen oder das Sitzen auf kalten Untergründen erhöhen das Risiko. Denn Kälte und Nässe verringern die Durchblutung.
  • Auch atmungsaktive Unterwäsche oder ein zusätzlicher Nierenwärmer schützen dich im Winter vor Unterkühlung.
  • Durch Geschlechtsverkehr gelangen häufig Keime in Scheide und Harnröhre. Geh nach dem Sex auf die Toilette. So werden eventuell übertragene Keime herausgespült.
  • Benutzt beim Sex Kondome.

 
Frauen, die regelmäßig mehr als drei Harnwegsinfekte im Jahr haben, können mit ihrem Frauenarzt über eine Antibiotikaprophylaxe sprechen, um das Immunsystem der Blase langfristig wieder aufzubauen. Die Antibiotika-Dosis ist bei dieser antibiotischen Therapie um etwa ein Viertel geringer als bei einer akuten Behandlung. Wenn du also sehr häufig mit Harnwegsinfektionen zu kämpfen hast und planst, schwanger zu werden, ist es unter Umständen sinnvoll, die Prophylaxe vorher durchzuführen. Deine Frauenärztin kann dir sagen, ob eine solche Behandlung für dich in Frage kommt.