Schwangerschaft
 
Blasenentzündung in der Schwangerschaft – was tun?

Dr. med Annette Klöpper, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Psychotherapie
Medizinisch geprüft vonDr. med. Annette Klöpper
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Dr. med. Annette Klöpper geprüft.

Sind Frauen in der Schwangerschaft besonders anfällig für Harnwegsinfekte? Leider ja! Wir sagen, wie du einer Blasenentzündung vorbeugen kannst und wie sie in der Schwangerschaft behandelt wird.

Blasenentzündung in der Schwangerschaft
iStock, Carlo107
Auf einen Blick
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  • Rund fünf Prozent der Frauen leiden in der Schwangerschaft unter einer Blasenentzündung.
  • Wer ohnehin schon leicht Harnwegsinfekte hat, ist in der Schwangerschaft noch stärker gefährdet. Aber auch Frauen, die noch nie eine Blasenentzündung hatten, kann es nun treffen.
  • Typische Symptome sind zum Beispiel ständiger Harndrang, brennende Schmerzen beim Wasserlassen, Schlieren oder Blutspuren im Urin.
  • Wenn die Harnwegsinfektion rechtzeitig behandelt wird, ist sie nicht gefährlich für das Baby.
  • Auch in der Schwangerschaft kannst du bestimmte Antibiotika bekommen, die dir und dem Kind nicht schaden.

Rund fünf Prozent der Frauen leiden in der Schwangerschaft unter einer Blasenentzündung. Das liegt besonders an der hormonellen Umstellung, die auch zu einer Entspannung der ableitenden Harnwege führt. Bakterien können dadurch leichter in die Blase eindringen und sich vermehren. Wir erklären dir, was du bei einer Zystitis in der Schwangerschaft besonders beachten musst.

Kommen Blasenentzündungen in der Schwangerschaft häufiger vor?

Leider ja. Wer ohnehin schon leicht Harnwegsinfekte hat, ist in der Schwangerschaft noch stärker gefährdet. Aber auch Frauen, die noch nie eine Blasenentzündung hatten, kann es nun treffen. Warum? Weil Bakterien wie Escherichia Coli oder Streptokokken in der Schwangerschaft ein besonders leichtes Spiel haben. Denn in der Schwangerschaft stellen sich deine Hormone um. Um Platz für dein Baby zu schaffen, sorgt das Hormon Progesteron zum Beispiel dafür, dass sich die Muskeln der Hohlorgane – wie der Gebärmutter – entspannen. Das gilt auch für die ableitenden Harnwege.
Die Folge: Durch die geweitete Harnröhre können Bakterien viel leichter eindringen, sich vermehren und weiter in die Harnblase wandern. Hier verursachen sie dann eine Blasenentzündung (Zystitis). Auch das Ausspülen von Keimen beim Wasserlassen funktioniert nicht mehr so gut, wenn du schwanger bist. Durch die erschlaffte Muskulatur fließt der Urin langsamer von den Nieren zur Blase. Der Druck des wachsenden Uterus verstärkt diesen Effekt noch. Die Keime bekommen so mehr Zeit, sich zu vermehren. Das erhöht auch die Gefahr für einen schweren Verlauf der Infektion, bei dem die Entzündung bis zu Harnleiter und Nieren aufsteigt und eine Nierenbeckenentzündung verursachen kann.

Welche Symptome hat eine Blasenentzündung in der Schwangerschaft?

Die Symptome einer Zystitis sind in der Schwangerschaft die gleichen wie bei einer Frau, die nicht schwanger ist.
 
Die Symptome:

  • Häufiger bis ständiger Harndrang (auch wenn kein Urin mehr kommt)
  • Brennender Schmerz beim Wasserlassen
  • Manchmal Schmerzen im Unterleib
  • Urin hat in einigen Fällen weiße Schlieren (Eiweiß)
  • Urin ist manchmal blutig
  • Urin kann unangenehm riechen

Im fortgeschrittenen Stadium:

  • Fieber
  • Nierenschmerzen
  • Rückenschmerzen
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Ist eine Blasenentzündung gefährlich für das Baby?

Wenn du die Symptome erkannt hast und dein Arzt / deine Ärztin den Infekt rechtzeitig behandelt, ist eine Harnwegsinfektion nicht gefährlich für das Kind. Sie heilt dann meist folgenlos aus. Allerdings gibt es eine Form, die nicht die bekannten Symptome aufweist. Die sogenannte asymptomatische Harnwegsinfektion (asymptomatische Bakteriurie) tritt besonders häufig bei Schwangeren auf. Bei dieser Art der Infektion, lassen sich im Urin zwar Keime nachweisen, sie verursachen aber nicht die typischen Beschwerden. Da du einfach nicht spürst, dass du eine Blasenentzündung hast, kann sie lange unerkannt bleiben und die Bakterien haben Zeit, sich bis zu den Nieren auszubreiten. Die Folge ist dann eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), die nicht nur Schmerzen verursacht und die Nierenfunktion stört, sondern auch das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt erhöht.

Ein asymptomatischer Harnwegsinfekt tritt in 5 bis 10 Prozent der Schwangerschaften auf. Dies ist auch einer der Gründe, warum du bei der Vorsorgeuntersuchung regelmäßig um eine Urinprobe gebeten wirst, die auf Bakterien und weiße Blutkörperchen untersucht wird. Früherkennung ist hier besonders wichtig, um mit den passenden Medikamenten gegensteuern zu können.
Lässt du dich regelmäßig untersuchen, kannst du das Risiko eines schweren Verlaufs eines solchen Infekts deutlich reduzieren.

Mögliche Folgen einer unbehandelten Blasenentzündung in der Schwangerschaft im Überblick:

  • Bleibende Nierenschäden
  • Erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt
  • Vorzeitige Wehen

Wie wird die Blasenentzündung behandelt?

Wer schon einmal eine Blasenentzündung hatte, kennt die typischen Symptome. Aber auch, wenn die Erkrankung bei dir zum ersten Mal auftritt, wirst du sie vermutlich anhand der Beschwerden schnell einordnen können. Geh unbedingt in die Arztpraxis und lass deinen Urin untersuchen. Gerade in der Schwangerschaft solltest du dich nicht auf Hausmittel verlassen.
Viele werdende Mütter haben Angst, dass eine Antibiotika-Behandlung schädlich für ihr ungeborenes Kind sein könnte. Die Risiken einer schwer verlaufenden Zystitis werden aber in den meisten Fällen als größer bewertet. Deine Ärztin wird besonders vorsichtig sein und dir ein Mittel verschreiben, das dich und das Baby möglichst wenig belastet. Wie bei anderen Medikamenten auch, liefert dazu auch die Datenbank embryotox.de wertvolle Informationen zur Verträglichkeit der unterschiedlichen Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit.

Was kann ich selbst gegen den Infekt tun?

Du selbst kannst neben der medikamentösen Therapie dazu beitragen, dass die Entzündung der Blase rasch ausheilt:

  • Trink viel, um die Keime aus den Harnwegen zu spülen. Am besten 2 bis 3 Liter täglich. Tee und Wasser sind besser als süße Getränke.
  • Entleere regelmäßig deine Blase.
  • Halte dich warm, z.B. mit einer Wärmflasche, einem Körnerkissen und warmer Unterwäsche. Auch warme Fußbäder helfen.
  • Ruh dich aus, am besten im Bett.

Wie kann ich vorbeugen?

Um erst gar keinen Harnwegsinfekt zu bekommen, kannst du selbst einiges tun, um den Bakterien das Leben schwer zu machen. Und das natürlich nicht nur in der Schwangerschaft.
 
Die wichtigsten Tipps zum Vorbeugen einer Blasenentzündung in der Schwangerschaft:

  • Trinken, trinken, trinken. Ja, Mama hat recht. Mit viel Flüssigkeit spülst du die Harnblase regelmäßig und gibst den Bakterien keine Chance, sich anzusiedeln und zu vermehren. Das klappt am besten mit ungesüßtem Tee und Wasser.
  • Den Konsum von stark gewürzten Speisen, schwarzem Tee und Kaffee einschränken, um die Blasenwand nicht zu reizen.
  • Wisch nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten. Andernfalls können Darmbakterien in den Scheideneingang und die Harnröhre gelangen.
  • Erhalte das natürliche Scheidenmilieu. Starke Seifen, Spülungen oder Intimsprays zerstören den natürlichen Schutzmantel des Intimbereichs gegen Blaseninfekte und Scheidenpilz.
  • Verwende möglichst luftdurchlässige Slipeinlagen.
  • Halte dich ausreichend warm. Zu luftige Kleidung, nasse Badesachen oder das Sitzen auf kalten Untergründen erhöhen dein Risiko. Denn Kälte und Nässe verringern die Durchblutung.
  • Auch atmungsaktive Unterwäsche oder ein zusätzlicher Nierenwärmer schützen dich im Winter vor Unterkühlung.
  • Durch Geschlechtsverkehr gelangen immer Keime in Scheide und Harnröhre. Geh nach dem Sex auf die Toilette. So werden eventuell übertragene Keime eher herausgespült.
  • Benutzt beim Sex Kondome.