Väter bei der Geburt
 
Bloß nicht ohnmächtig werden!

Okay, die Frauen machen die Hauptarbeit im Kreißsaal. Aber was fühlen und denken eigentlich Väter bei der Geburt? Dieser Frage sind zwei Gynäkologen der Berliner Charité nachgegangen und haben Männer vorher und nachher befragt. Immerhin 80 Prozent konnten einen "schlimmsten Moment" benennen. Welcher das ist, erfahren Sie hier.

Väter im Kreißsaal, nicht ohnmächtig werden
Thinkstock - Miodrag Gajic

Angst vor dem Versagen

Wahrscheinlich muss ich rausgehen, wenn es blutig wird. Oder noch schlimmer: Ich werde ohnmächtig! Diese Sorgen macht sich offenbar kein geringer Anteil der Männer, die ihren Frauen bei der Geburt zur Seite stehen wollen. Das zeigt eine Befragung von 86 Männern, die ihre Frauen zur Geburt in die Berliner Charite begleitetet haben.* Die werdenden Väter haben Angst zu versagen, wenn sie an ihre Rolle im Kreißsaal denken. Ganz oben auf der Liste: Sich während der Geburt hilflos zu fühlen - immerhin 29 Prozent der Befragten fürchten sich davor.

15 Prozent der Männer befürchten sogar, das Klinikpersonal oder auch die eigene Frau zu stören. Und immerhin jeder Zehnte hat Sorge, in Ohnmacht zu fallen. Aber: Nur einer der Befragten kippte wirklich um. Einem anderen werdenden Vater wurde während der Geburt übel. Und drei weitere Männer zogen die Notbremse - sie gingen aus den Kreißsaal.

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Nach der Geburt sind die Männer wieder selbstsicherer

Für Väter wunderschön: Das Kleine meldet sich mit einem kräftigen Schreien!

Ist die Geburt dann einmal geschafft, kommt das Vertrauen in die eigene Stärke schnell zurück: 94 Prozent der Männer hatte danach das Gefühl, bei der Geburt hilfreich gewesen zu sein. Und keiner der Väter bereute, im Kreißsaal dabei gewesen zu sein. Aber: Die große Mehrheit der Männer konnte durchaus Momente benennen, die sie als besonders schlimm empfunden hatte. Am häufigsten ist das der Augenblick, in dem die Frau zu schreien oder zu weinen anfängt. Weiter erinnerten sich die Väter verständlicherweise an die Momente als besonders schlimm, in denen Komplikationen auftraten oder plötzlich Hektik im Kreißsaal aufkam.

Und die schönsten Momente? Entgegen dem Klischee offenbar nicht der Augenblick, in dem der Vater die Nabelschnur durchschneidet. Sondern: Der Moment, in dem das Kleine zu schreien anfängt oder in dem sie es in den Arm nehmen können. Einige Männer fanden es auch am schönsten, nach der Geburt ihrer Frau in die Augen zu blicken.

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Wird sich der Sex verändern?

Das Medizinerteam befragte die Männer auch, wie sie sich das künftige Liebesleben vorstellten. Wird sich das Miterleben der Geburt auf ihre Lust auswirken oder den Sex verändern? "Die meisten Männer erwarten keine negativen Auswirkungen auf ihre Sexualität", berichtete der Studienleiter Kai Bühling. Nur sieben Prozent der Väter hatten Sorge, dass sich durch die Geburt oder die körperlichen Veränderungen ihrer Frau etwas am Liebesleben ändern könne.

Umfrage: Hat Ihr Mann über seine Ängste gesprochen?



*Die Studie ist wurde in der Ausgabe 2011; 71 der Fachzeitschrift "Geburtshilfe und Frauenheilkunde" von Studienleiter Kai J. Bühling vorgestellt: "Väter im Kreißsaal - Ergebnisse einer Umfrage"

Hat Ihr Partner mit Ihnen über seine Ängste vor der Geburt gesprochen?
Ja
37% (505 Stimmen)
Nein, aber ich weiß, dass er Ängste hat.
34% (458 Stimmen)
Nein, aber ich glaube auch nicht, dass er Angst vor der Geburt hat.
29% (388 Stimmen)
Gesamtstimmen: 1351