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Corona und Schwangerschaft Coronavirus: Was jetzt für Schwangere wichtig ist

Schwangere sitzt mit Smartphone auf dem Sofa
© Adene Sanchez / iStock
Wie gefährlich ist eine Infektion mit Corona für mich und mein Baby? Stecke ich mich als Schwangere leichter an? Ist die Impfung in der Schwangerschaft sicher? Und was, wenn ich positiv getestet werde? Wir beantworten eure wichtigsten Fragen.

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Juhu, schwanger! Fast gleichzeitig mit Freude und Aufregung ploppen im Kopf von Schwangeren auch eine Menge Fragen auf. Und in Pandemiezeiten gleich noch mehr: Ist die Ansteckungsgefahr für mich als Schwangere größer? Soll ich mich impfen / boostern lassen?  Wie kann ich mein Baby und mich darüber hinaus schützen? Und was, wenn ich mich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen anstecke? Hier alle wichtigen Fragen – mit aktuellen Antworten.

Haben Schwangere ein höheres Ansteckungsrisiko?

Nein, das Ansteckungsrisiko ist nach heutigem Kenntnisstand nicht höher als bei Frauen in der gleichen Altersgruppe, die nicht schwanger sind.

Kommt es bei Schwangeren eher zu leichteren oder zu schweren Covid-19-Verläufen?

Zu Beginn der Pandemie, als man noch keine Erfahrung mit Corona-Infektionen hatte, nahmen die Forscher:innen an, dass Schwangere eher einen leichteren Krankheitsverlauf haben. Leider weiß man inzwischen, dass es gerade bei Schwangeren mit Vorerkrankungen häufiger zu schweren Verläufen kommen kann. Im Detail:

  • Studiendaten weisen darauf hin, dass die Schwangerschaft an sich schon ein wesentlicher Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe ist. 
  • Kommen Faktoren wie starkes Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes dazu, dann steigt das Risiko sogar noch, dass die Frau schwer an Covid-19 erkrankt.
  • Etwa zehn Prozent der nicht geimpften Schwangeren mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion oder einem Verdacht auf eine Infektion entwickeln einen schweren Verlauf.  

Ist eine Covid-19-Infektion auch für das Ungeborene gefährlich?

Ja, das ist zumindest möglich. Nach einer neueren Studie der LMU München hatte Ungeborene, deren Mütter sich in der Schwangerschaft infizierten, ein deutlich geringeres Lungenvolumen als normal. Außerdem kann die Plazenta durch eine Covid-19-Infektion geschädigt werden, was sich dann auf die Versorgung des Ungeborenen auswirken kann. Wird solch eine Unterversorgung nicht rechtzeitig erkennt, kann sie im schlimmsten Fall zu einer Totgeburt führen. Deshalb ist eine engmaschige Überwachung der Schwangerschaft bei einer Corona-Infektion besonders wichtig.

Leidet die Schwangere darüber hinaus an starkem Sauerstoffmangel oder erkrankt sie lebensgefährlich, dann muss das Baby eventuell früher geholt werden. Je nach Zeitpunkt bedeutet das für das Baby, als Frühchen auf die Welt zu kommen.

Warum wird Schwangeren empfohlen, sind impfen zu lassen?

Weil die Impfungen Mutter und Kind vor den oben genannten Komplikationen schützen, empfiehlt die STIKO ausdrücklich die verfügbaren Impfungen samt Booster ab der 13. Schwangerschaftswoche. Die Impfungen geben Schwangeren einen sehr guten Schutz vor einer Erkrankung an COVID-19 sowie vor schweren Verläufen, die eine Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich machen.

Übrigens: Komplikationen wie Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) treten bei Frauen, die an COVID-19 erkrankt sind, häufiger auf als bei Schwangeren ohne COVID-19. Auch davor schützt die Impfung.

Mehr Infos gibt’s unter Infektionsschutz.de.

Wie sicher ist der Impfstoff für Schwangere?

Inzwischen sind Millionen von Schwangeren weltweit (z. B. in den USA) gegen das Corona-Virus geimpft worden und haben ihre Kinder zur Welt gebracht. Die Studien, die darüber bis jetzt zur Verfügung stehen, liefern keine Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten von schweren schwangerschaftsbezogenen Nebenwirkungen, insbesondere nicht von Frühgeburten, Totgeburten oder Fehlbildungen.

Warum sollen Schwangere sich nicht in den ersten drei Monaten impfen lassen? 

Zum einen sind die ersten drei Monate in der Schwangerschaft die Phase, in der sich die Organe des Ungeborenen entwickeln. Deshalb ist hier grundsätzlich besondere Vorsicht bei Medikamenten und medizinischen Eingriffen geboten. Lässt sich eine Schwangere in dieser Zeit gegen Covi-19 impfen, so ist das aber kein Grund etwa für einen Abbruch der Schwangerschaft.

Und dann geht es noch um etwas anderes: Um eventuelle Nebenwirkungen und Folgen von Impfungen erfassen zu können, werden grundsätzlich alle Krankheiten, Störungen etc., die in einem bestimmten Zeitraum nach einer Impfung auftreten, registriert. Und zwar ganz gleich, ob sie mit der Impfung zusammenhängen oder nicht. Da in den ersten drei Monaten der Schwangerschaften natürlicherweise vermehrt Fehlgeburten auftreten, müsste dann jede dieser Fehlgeburten erst einmal als „Impffolge“ registriert werden, auch wenn sie durch etwas anderes ausgelöst wurde. Diesen Effekt möchte man vermeiden.

Und was ist mit dem Booster?

Auch für eine Boosterimpfung in der Schwangerschaft gibt es eine klare Empfehlung mehrerer ärztlicher Fachgesellschaften, und zwar der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e.V. (DGPGM), der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin e.V. (DGPM) sowie der Nationalen Stillkommission (NSK) unterstützt durch den Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF). Sie betonen in einer gemeinsamen Erklärung: „Auffrisch-Impfungen werden laut STIKO allen Geimpften einschließlich schwangeren und stillenden Frauen mindestens 3 Monate nach der letzten Impfung oder nach einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion empfohlen. (Auch hier gilt natürlich: für Schwangere erst ab der 13. Woche.)

Bin ich mit zwei Impfungen und Booster sicher vor einer Ansteckung geschützt?

Nein, es kommt vor, dass Menschen sich auch nach drei Impfungen infizieren. Allerdings ist der Schutz vor schweren Verläufen und Schlimmerem sehr hoch. Es ist so ein bisschen wie mit dem Sicherheitsgurt im Auto: Ja, auch angeschnallt kann man sich bei einem Unfall verletzen. Aber kein vernünftiger Mensch würde deshalb auf den Sicherheitsgurt verzichten.

Wie kann ich mich sonst noch vor einer Ansteckung schützen?

Da das Ansteckungsrisiko für Schwangere nicht erhöht ist, reichen auch für sie die Schutzmaßnahmen aus, wie sie für die übrige Bevölkerung vorgeschrieben sind beziehungsweise empfohlen werden. Neben der Impfung bietet die Kombination folgender Maßnahmen den bestmöglichen Schutz:

  • Kontaktbeschränkungen einhalten
  • Abstand halten
  • Menschenansammlungen meiden
  • FFP2-Masken tragen
  • Räume häufig lüften  

Muss ich als Schwangere weiter zur Arbeit gehen, oder kann ich wegen der Ansteckungsgefahr zuhause bleiben?

Das kommt auf den Arbeitsplatz an. Bestehen allgemein soziale Kontaktbeschränkungen, darf der/die Arbeitgeber:in dich nicht für Tätigkeiten einsetzen, bei denen du einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt bist als die Allgemeinheit. Eventuell wird dann geprüft, ob die Schwangere an ihrem Arbeitsplatz besonders geschützt werden kann, ins Home Office wechselt oder eine andere Tätigkeit ausübt.  

Du darfst aber aus Sorge vor einer Ansteckung nicht einfach zuhause bleiben. Das ist erst erlaubt, wenn der/die Arbeitgeber:in damit einverstanden ist, dass du von zuhause arbeitet oder dich über ein entsprechendes betriebliches Beschäftigungsverbot informiert hat. Mehr Infos gibt’s bei Ausschuss für Mutterschutz.

Was soll ich tun, wenn ich in der Schwangerschaft positiv auf Corona getestet werde?

Dich isolieren und wenn irgend möglich erst einmal Ruhe bewahren. Viele Corona-Infektionen verlaufen ohne Symptome oder fühlen sich wie ein Schnupfen an. Am besten nimmst du mit der Frauenarztpraxis Kontakt auf und besprichst, wie du dich verhalten sollst. Ganz wichtig aber ist, die Vorsorgetermine wahrzunehmen, für dich, aber auch für dein Baby. Natürlich muss auch das in ärztlicher Absprache geschehen. Wenn du, ohne deine Praxis zu informieren, mit einer Corona-Infektion an einer Untersuchung teilnimmst, gefährdest du andere Schwangere sowie alle Ärzt:innen und Mitarbeiter:innen.  

Sollte es dir schlechter gehen, wirst du im Krankenhaus aufgenommen, weil ihr, du und dein Baby, bei Komplikationen dort am besten aufgehoben seid.

Wenn Besucher:innen in Kliniken verboten sind, darf mein:e Partner:in dann trotzdem mit zur Entbindung?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten. In manchen Kliniken ist die Anwesenheit einer Begleitperson erlaubt, die Person muss aber die Klinik verlassen, sobald das Baby geboren ist. In anderen Kliniken darf die Begleitperson unter bestimmten Auflagen auch mit ins Familienzimmer.

Am besten klärst du direkt mit der Klinik, in der du entbinden möchtest, welche Regeln dort gelten. Sollte deine Wunschklinik keine Begleitperson zulassen oder zum Beispiel erst kurz vor Einsetzen der Presswehen, kannst du sie darauf hinweisen, dass die WHO ausdrücklich betont, dass jede Schwangere auch in Pandemiezeiten das Recht auf eine vertraute Begleitperson während der Entbindung hat.

Kann ich mein Kind ganz normal zur Welt bringen, wenn ich mich infiziert habe?

Ja. Laut einer weiteren gemeinsamen Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaften vom November 2021 können infizierte Schwangere ihr Kind vaginal oder wenn notwendig per Kaiserschnitt zur Welt bringen, mit ihm kuscheln und es stillen. Voraussetzung sind bestimmte Hygieneregeln. Wie die genau aussehen, kann von Klinik zu Klinik unterschiedlich sein. So muss die Schwangere während der Geburt nicht unter allen Umständen eine FFP2-Maske tragen. Hier die Empfehlung im Wortlaut. Wie die Regeln in deiner Entbindungsklinik aussehen, erfragst du am besten direkt.

Kann das Virus auch über die Muttermilch übertragen werden?

Das sagt die Nationale Stillkommission dazu: „Es ist nach wie vor unklar, ob COVID-19 über die Muttermilch übertragen werden kann, aber die bisher verfügbaren Daten legen nahe, dass dies wahrscheinlich keine Übertragungsquelle ist. Hauptrisikofaktor für eine Übertragung beim Stillen ist der enge (Haut-)Kontakt.“  
Die Kommission empfiehlt deshalb auch infizierten Müttern zu stillen, sofern sie sich vorher gründlich die Hände waschen und eine medizinische Maske tragen. Wenn es Mutter und Kind gut geht, dürfen auch beide nach der Geburt in einem Zimmer bleiben. Hier mehr zum Empfehlung.

Ich mache mir ständig Sorgen. Was kann ich tun gegen die Angst?

Das Bedürfnis, dein Baby im Bauch mit aller Kraft vor allem Schaden zu bewahren, ist wichtig und tief verwurzelt. Es kann aber auch zu einer übersteigerten Angst führen, die nicht hilft, sondern belastet. Fünf Tipps gegen die Panik:

  • Such dir deine Informationsquellen sorgfältig aus. Gerade in sozialen Medien wollen viele mit Panikmache und Verschwörungstheorien Aufmerksamkeit erregen. Gar nicht erst anklicken! Besser: seriöse Quellen wählen, zum Beispiel die, die wir hier in den Antworten verlinkt haben.
  • Suche nicht dauernd online nach neuen Infos, sondern beschränke das Nachschauen auf einmal am Tag oder in der Woche.
  • Wenn du zum ängstlichen Grübeln neigst, unterbrich das Grübeln ganz bewusst mit einer Tätigkeit, die dich ablenkt – am besten mit Bewegung!
  • Sprich (wenn nötig) mit deiner:m Frauen- oder Hausärzt:in über deine Ängste. Sie können als Fachleute dein persönliches Risiko am besten einschätzen.  

Für alle, die sich gerne mit anderen Schwangeren und Eltern austauschen möchten: Hier geht's zum Coronavirus-Thread im Urbia-Forum.


Verwendete Quellen: Siehe Links im Text. Aktuelle Informationen und wissenschaftliche Hintergründe zum Thema Corona und Schwangerschaft findet ihr außerdem auf der Website des Robert Koch-Instituts.

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