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Schwangerschaft Coronavirus: Was jetzt für Schwangere wichtig ist

Schwangere sitzt mit Smartphone auf dem Sofa
© Adene Sanchez / iStock
Wie kann ich mich und mein Baby vor einer Ansteckung schützen? Und was passiert, wenn ich mich in der Schwangerschaft mit dem Coronavirus anstecke? Ist mein Baby dann in Gefahr? Wir beantworten eure wichtigsten Fragen. (Stand: 12. März 2021)

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Auf einen Blick

  • Schwangere haben kein erhöhtes Risiko, sich mit dem SARS-CoV-2 anzustecken.
  • Deshalb gelten für sie die gleichen Schutzregeln wie für die übrige Bevölkerung.
  • Die Erkrankung verläuft bei Schwangeren meist leicht, manche haben gar keine Symptome.
  • Bei Vorerkrankungen wie etwa Diabetes und Bluthochdruck ist das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht.
  • Bisher sind weltweit nur wenige Fälle bekannt, in denen das Baby nach der Geburt an Covid-19 erkrankt ist.

Juhu, schwanger! Fast gleichzeitig mit Freude und Aufregung ploppen im Kopf von Schwangeren auch eine Menge Fragen auf. Und in Pandemiezeiten gleich noch mehr: Ist die Ansteckungsgefahr für Schwangere größer? Wie schütze ich mein Baby und mich? Und was, wenn ich mich anstecke? Zu Beginn der Pandemie gab es auf diese Fragen praktisch keine Antwort. Jetzt, mehr als ein Jahr später, gibt es zwar naturgemäß immer noch keine Langzeitstudien, aber die Forscher und Ärzte wissen doch ein ganzes Stück mehr.

Haben Schwangere ein höheres Ansteckungsrisiko als nicht schwangere Frauen?

Bei den Erregern der Virusgrippe (Influenza) weiß man, dass Schwangere besonders empfänglich sind. Gilt das auch für das Coronavirus SARS-CoV-2? Schon zu Anfang der Pandemie sagte Prof. Christian Drosten, Institutsdirektor der Virologie an der Charité Berlin: „Es sieht nicht so aus, als seien Schwangere besonders betroffen. Bei der Virusgrippe ist das der Fall, hier anscheinend nicht.“
Dieser Eindruck hat sich bewahrheitet: "Hinweise für ein generell höheres Infektionsrisiko von SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft existieren derzeit nicht", so heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der ärztlichen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften DGPM, DGGG, DGPGM, DGPI, GNPI und NSK zu SARS-CoV-2/COVID-19 und Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?

Da das Ansteckungsrisiko für Schwangere nicht erhöht ist, reichen auch für sie die Schutzmaßnahmen aus, wie sie für die übrige Bevölkerung vorgeschrieben sind beziehungsweise empfohlen werden:

  • Händewaschen, und zwar richtig und lang genug (siehe Bild-für-Bild-Anleitung weiter unten – auch für Kinder)
  • Maske tragen, wo es gefordert ist
  • Nicht mit den Händen an Schleimhäute im Gesicht fassen
  • Die aktuellen Distanzregeln einhalten
  • Räume häufig lüften
  • Fahrstuhlknöpfe, Türklinken, Toilettenspülungstasten etc. möglichst nicht mit den Fingern berühren. Entweder mit Arm / Knöchel oder mit einem Stück Papier

Bei welchen Symptomen sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn du Fieber, trockenen Husten und eventuell Atembeschwerden hast und in Sorge bist, dich angesteckt zu haben, dann ruf am besten bei deinem Hausarzt oder Gynäkologen an und kläre ab, ob du in die Praxis kommen sollst oder an wen du dich für einen Test wenden kannst. Hat die Praxis zu oder du erreichst dort niemanden, so kannst du auch den Patientenservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter der Telefonnummer 116 117 erreichen.

Was passiert, wenn ich mich in der Schwangerschaft infiziere?

Frauen im gebärfähigen Alter haben grundsätzlich ein niedriges Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, und das gilt auch für Schwangere. Studien zeigen, dass Schwangere vergleichsweise seltener Symptome entwickeln, zum Teil haben sie gar keine. Aber natürlich gibt es auch Schwangere, die eine schwere Covid-19-Erkrankung durchmachen, das gilt vor allem für Frauen mit Risikofaktoren wie starkem Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.
Alle verfügbaren Informationen rund um das Thema "Coronavirus und Schwangerschaft", inklusive Verhalten bei einer Infektion, hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) als PDF ins Netz gestellt, du kannst es hier runterladen.

Kann eine Schwangere mit Covid-19-Erkrankung ihr Baby im Bauch, während der Geburt oder danach anstecken?

Dazu das Robert-Koch-Institut: „Nur wenige Studien haben diese Fragestellung untersucht. Bislang sind nur einzelne Erkrankungsfälle als mögliche und einmal als bestätigte Folge einer Infektion im Mutterleib beschrieben. Eine Studie aus Texas beobachtete eine Infektionsrate bei Neugeborenen SARS-CoV-2-positiver Mütter von 3%. Meist zeigen Kinder SARS-CoV-2-positiver Mütter nach der Geburt keine Krankheitszeichen.“

Kann das Virus auch über die Muttermilch übertragen werden?

Zwar wurden schon in einigen Fällen Bestandteile des Virus in der Muttermilch nachgewiesen. Infektiöse Viren konnten daraus aber bisher nicht gezüchtet werden. Bisher ist deshalb nicht abschließend geklärt, ob das SARS-CoV-2-Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Übereinstimmend mit der WHO empfehlen die deutschen Fachgesellschaften das Stillen auch für infizierte Mütter – natürlich unter Einhaltung bestimmter Hygieneregeln wie Tragen einer medizinischen Maske und sorgfältiger Handhygiene. 

Wenn Besucher in Kliniken verboten sind, darf mein Mann dann trotzdem mit zur Entbindung?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten, denn dafür gibt es (bisher) keine einheitlichen Regeln. In manchen Kliniken ist die Anwesenheit einer Begleitperson erlaubt, die Person muss aber die Klinik verlassen, sobald das Baby geboren ist. In anderen Kliniken darf der Vater unter bestimmten Auflagen auch mit ins Familienzimmer.
Am besten klärst du direkt mit der Klinik, in der du entbinden möchtest, welche Regeln dort gelten. Auch für die Hebammenbetreuung im Wochenbett gibt es keine einheitliche Regelung. Manche Hebammen machen noch Hausbesuche, sofern sie geeignete Schutzkleidung besitzen, andere beraten über Skype oder ähnliche Dienste. Auch hier fragst du am besten direkt nach.

Warum werden Schwangere nicht gegen Corona geimpft?

Deutschland hat ein besonders sorgfältiges Prüfverfahren für Impfstoffe. Nicht nur die Wirkung muss durch wissenschaftliche Studien belegt sein, auch die Risiken und Nebenwirkungen müssen untersucht werden, ganz besonders bei Schwangeren. Da es noch keine abgeschlossenen Studien darüber gibt, wie der Impfstoff auf Schwangere und Ungeborene wirkt, kann die Ständige Impfkommission der Länder (STIKO) auch noch keine Empfehlung aussprechen. Dies heißt nicht, dass der Imfpstoff in der Schwangerschaft gefährlich ist, es heißt nur, dass seine Sicherheit noch nicht wissenschaftlich erwiesen ist.

Und was, wenn eine Frau die Impfung bekommen hat, ohne zu wissen, dass sie schwanger ist?

Hier betont das Robert-Koch-Institut, dass dies kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch ist. Und Schwangeren mit Vorerkrankungen und deshalb hohem Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung „kann in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden“, so die STIKO.

Was tun gegen die Angst?

Besorgte Frau mit Kaffeebecher
© valentinrussanov / iStock

Das Bedürfnis, das Baby im Bauch mit aller Kraft vor allem Schaden zu bewahren, ist wichtig und tief verwurzelt. Es kann aber auch zu einer übersteigerten Angst führen, die nicht hilft, sondern belastet. Fünf Tipps gegen die Panik:

  • Such dir deine Informationsquellen sorgfältig aus. Gerade in sozialen Medien wollen viele mit Panikmache und Verschwörungstheorien Aufmerksamkeit erregen. Gar nicht erst anklicken! Besser: seriöse Quellen wählen, zum Beispiel www.infektionsschutz.de
  • Nutze das Wissen über Angst: Sie ist besonders groß, wenn eine Gefahr neu ist. Klar, ein unbekanntes Virus, das um die Welt geht, wirkt besonders gefährlich. Aber: Influenza-Viren, die bei uns die echte Virusgrippe auslösen, waren zum Beispiel beim großen Ausbruch 2017 / 2018 für rund 25.000 Todesfälle verantwortlich. Panik bekommt bei uns trotzdem niemand mehr – wir haben uns an die Gefahr gewöhnt. So sehr, dass viele Schwangere trotz Empfehlung auf eine Grippe-Impfung verzichten.
  • Suche nicht dauernd online nach neuen Infos, sondern beschränke das Nachschauen auf ein- oder zweimal am Tag zu einer bestimmten Uhrzeit.
  • Wenn du zum ängstlichen Grübeln neigst, unterbrich das Grübeln ganz bewusst mit einer Tätigkeit, die dich ablenkt – am besten mit Bewegung!
  • Sprich (wenn nötig) mit deiner Frauen- oder Hausärztin über deine Ängste. Sie können als Fachleute dein persönliches Risiko am besten einschätzen.

Für alle, die sich gerne mit anderen Schwangeren und Eltern austauschen möchten: Hier geht's zum Coronavirus-Thread im Urbia-Forum.

Verwendete Quellen:

Robert-Koch-Institut: Covid-19
Bundesgesundheitsministerium: Informationen zum Coronavirus
www.infektionsschutz.de: Informationen rund um das Coronavirus
WHO: Coronavirus disease (COVID-19) pandemic 

The Lancet – Detection of SARS-CoV-2 in human breastmilk
Kinderärzte im Netz: Informationen Coronavirus
Emerging Microbes & Infections
DGGG: COVID-19: Kreißsaalempfehlungen der DGGG, FAQ für Schwangere und weitere Informationen
ESHRE: COVID-19 vaccination and assisted reproduction.
Paul-Ehrlich-Institut: FAQ COVID-19-Impfstoffe – Sicherheit und Wirksamkeit
Gelbe Liste: Sind Corona-Impfstoffe sicher in und vor der Schwangerschaft?


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