Schwangerschaft
 
Coronavirus: Was jetzt für Schwangere wichtig ist

Was passiert, wenn ich mich in der Schwangerschaft mit dem Coronavirus anstecke? Ist mein Baby in Gefahr? Und wie kann ich mich und mein Baby vor einer Ansteckung schützen? Wir beantworten eure wichtigsten Fragen und haben auch gleich zwei gute Nachrichten für euch.

Schwangere sitzt mit Smartphone auf dem Sofa
iStock, Adene Sanchez
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Ungeborene übertragen wird.
  • Offenbar können sich aber schon Neugeborene per Tröpfchen-Infektion bei infizierten Personen anstecken.
  • Um sich vor einer Infektion zu schützen, gilt für Schwangere das Gleiche wie für die gesamte Bevölkerung.
  • Für Kinder gilt: Sie können sich zwar anstecken und das Virus auch weitergeben, sie scheinen aber von schweren Verläufen fast immer verschont zu werden.

Die tägliche Nachrichtenflut zur Coronavirus-Pandemie (medizinisch korrekt heißt das Virus SARS-CoV-2) wirkt selbst auf sonst eher gelassene Menschen beängstigend. Wie viel mehr für Schwangere! Da das Virus so neu ist, gibt es noch keine Langzeitstudien darüber, wie es sich in der Schwangerschaft und auf das Ungeborene auswirkt. Trotzdem wissen Wissenschaftler schon einiges. Zum einen, weil die Forscher sich sofort weltweit darangemacht haben, das Virus zu erforschen. Und zum anderen, weil es schon Ausbrüche von ähnlichen Coronaviren (SARS und MERS) gab und man dadurch einiges über diese Art von Viren weiß. Hier der Wissensstand vom 26. Mai 2020.

Wie gefährlich ist eine Coronavirus-Infektion in der Schwangerschaft?

Bei den Erregern der Virusgrippe (Influenza) weiß man, dass Schwangere besonders empfänglich sind. Gilt das auch für das Coronavirus SARS-CoV-2? Die gute Nachricht, so Prof. Christian Drosten, Institutsdirektor der Virologie an der Charité Berlin: „Es sieht nicht so aus, als seien Schwangere besonders betroffen. Bei der Virusgrippe ist das der Fall, hier anscheinend nicht.“
Und noch eine gute Nachricht: Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Virus auf das Ungeborene übertragen wird, wenn die Schwangere sich angesteckt hat. Das hat eine kleine Beobachtungsstudie an allerdings nur neun Schwangeren aus Wuhan ergeben. Alle waren im dritten Trimester der Schwangerschaft, als sie an einer durch den Erreger verursachten Lungenentzündung erkrankten. Alle Babys kamen per Kaiserschnitt gesund zur Welt und hatten sich nicht infiziert.
Im Falle des Babys in Wuhan, der Anfang Februar durch die Medien ging, war die Mutter infiziert und ihr Baby war 30 Stunden nach der Geburt (!) positiv getestet worden. Nach neuesten Erkenntnissen sieht es so aus, als könne das Virus zumindest bei Frauen, die sich im dritten Trimester infiziert haben, nicht im Fruchtwasser und nicht im Nabelschnurblut nachgewiesen werden. Die Ärzte gehen deshalb davon aus, dass das Baby sich bei seiner Mutter per Tröpfen-Infektion nach der Geburt infiziert hat. Gleiches gilt für das Neugeborene einer infizierten Mutter in England. Und das Robert-Koch-Institut schreibt: "Bei den bisher untersuchten Neugeborenen COVID-positiver Mütter konnte kein Nachweis einer Übertragung erbracht werden. Es gibt Einzelfallberichte von Neugeborenen, bei denen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, in diesen Fällen ist aber unklar, ob die Übertragung während der Schwangerschaft, während der Geburt oder nach der Geburt erfolgte, so dass hieraus keine Schlussfolgerungen gezogen werden können."
Inzwischen gibt es auch einen Bericht von Wissenschaftlern der Uni Ulm, die das Sars-2-Virus in der Muttermilch einer infizierten Frau nachgewiesen haben. Auch das Baby der Frau war infiziert. Allerdings ist es auch möglich, dass sich das Baby auf anderem Wege infiziert hat. Und: Die Forscher wissen noch nicht, ob die Viren aus der Muttermilch überhaupt noch ansteckend sind.

Jetzt bloß nicht krank werden, Mama!

Weiterlesen

Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?

Hier gilt für Schwangere nichts anderes als für die gesamte Bevölkerung:

  • Händewaschen, und zwar richtig und lang genug (Siehe Bild-für-Bild-Anleitung weiter unten – auch für Kinder)
  • Alltagsmasken tragen, wo es gefordert ist.
  • Nicht mit den Händen an Schleimhäute im Gesicht fassen
  • Die aktuellen Distanzregeln einhalten
  • Räume häufig lüften
  • Fahrstuhlknöpfe, Türklinken, Toilettenspülungstasten etc. möglichst nicht mit den Fingern berühren. Entweder mit Arm / Knöchel oder mit einem Stück Papier

Schritt für Schritt: So geht Händewaschen richtig

Weiterlesen

Bei welchen Symptomen sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn du Fieber, trockenen Husten und eventuell Atembeschwerden hast und in Sorge bist, dich angesteckt zu haben, dann ruf am besten bei deinem Hausarzt oder Gynäkologen an und kläre ab, ob du in die Praxis kommen sollst oder an wen du dich für einen Test wenden kannst. Hat die Praxis zu oder du erreichst du dort niemanden, so kannst du auch den Patientenservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wählen: Tel. 116 117.

Was passiert, wenn ich mich in der Schwangerschaft infiziere?

Bisher spricht alles dafür, dass die Infektion der Schwangeren dem Ungeborenen nicht schadet.
Alle verfügbaren Informationen rund um das Thema "Coronavirus und Schwangerschaft", inklusive Verhalten bei einer Infektion, hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) als PDF ins Netz gestellt, du kannst es hier runterladen.

Wenn Besucher in Kliniken verboten sind, darf mein Mann dann trotzdem mit zur Entbindung?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten, denn dafür gibt es (bisher) keine einheitlichen Regeln. In manchen Kliniken ist die Anwesenheit einer Begleitperson erlaubt, die Person muss aber die Klinik verlassen, sobald das Baby geboren ist. In anderen Kliniken darf der Vater unter bestimmten Auflagen auch mit ins Familienzimmer. In anderen Kliniken dagegen wird gar keine Begleitperson mehr zugelassen - und anderer Besuch, etwa Geschwister, ohnehin nicht.
Am besten klärst du direkt mit der Klinik, in der du entbinden möchtest, welche Regeln dort gelten. Auch für die Hebammenbetreuung im Wochenbett gibt es keine einheitliche Regelung. Manche Hebammen machen noch Hausbesuche, sofern sie geeignete Schutzkleidung besitzen, andere beraten über Skype oder ähnliche Dienste. Auch hier fragst du am besten direkt nach.

Was tun gegen die Angst?

Besorgte Frau mit Kaffeebecher
iStock, valentinrussanov

Das Bedürfnis, das Baby im Bauch mit aller Kraft vor allem Schaden zu bewahren, ist wichtig und tief verwurzelt. Es kann aber auch zu einer übersteigerten Angst führen, die nicht hilft, sondern belastet. Drei Tipps gegen die Panik:

  • Such dir deine Informationsquellen sorgfältig aus. Gerade in sozialen Medien wollen viele mit Panikmache und Verschwörungstheorien Aufmerksamkeit erregen. Gar nicht erst anklicken! Besser: seriöse Quellen wählen, zum Beispiel www.infektionsschutz.de
  • Nutze das Wissen über Angst: Sie ist besonders groß, wenn eine Gefahr neu ist. Klar, ein unbekanntes Virus, das um die Welt geht, wirkt besonders gefährlich. Aber: Influenza-Viren, die bei uns die echte Virusgrippe auslösen, waren zum Beispiel beim großen Ausbruch 2017 / 2018 für rund 25.000 Todesfälle verantwortlich. Panik bekommt bei uns trotzdem niemand mehr – wir haben uns an die Gefahr gewöhnt. So sehr, dass viele Schwangere trotz Empfehlung auf eine Grippe-Impfung verzichten.
  • Suche nicht dauernd online nach neuen Infos, sondern beschränke das Nachschauen auf ein- oder zweimal am Tag zu einer bestimmten Uhrzeit.
  • Wenn du zum ängstlichen Grübeln neigst, unterbrich das Grübeln ganz bewusst mit einer Tätigkeit, die dich ablenkt – am besten mit Bewegung!
  • Sprich (wenn nötig) mit deiner Frauen- oder Hausärztin über deine Ängste. Sie sind die Fachleute und können dein persönliches Risiko am besten einschätzen.

Für alle, die sich gerne mit anderen Schwangeren und Eltern austauschen möchten: Hier geht's zum Coronavirus-Thread im Urbia-Forum.

Schwangerschaft: Coronavirus: Was jetzt für Schwangere wichtig ist

Dieser Beitrag ist Teil der Initiative GEMEINSAM GEGEN CORONA der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch der Verlag Gruner + Jahr gehört, in dem ELTERN erscheint. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus.