Schwangerschaft
 
Der Schleimpfropf: So schützt die Natur dein Baby vor Keimen

In der Schwangerschaft verschließt die Natur den Eingang zur Gebärmutter mit einem Schleimpfropf. Der Schutz vor Bakterien und anderen Keimen geht um die 38. Schwangerschaftswoche ab. Geht nun die Geburt los?

Schwangerschaft: Der Schleimpfropf: So schützt die Natur dein Baby vor Keimen
Inhalt: 
Welche Funktion hat der Schleimpfropf? Wann löst sich der Schleimpfropf?Geht nach dem Abgang des Schleimpfropfs die Geburt los?Wann muss ich ins Krankenhaus? Wie sieht der Schleimpfropf aus?Kann sich ein Schleimpfropf neu bilden?

Der Schleimpfropf ist im Grunde genau das, was sein Name sagt. Ein Pfropf, der aus Schleim entstanden ist. Dieser Schleim wird zu Beginn der Schwangerschaft von den Drüsen am Gebärmutterhals (Glandulae cervicales) gebildet. Der zähe Schleim verfestigt sich zusammen mit einem wachsenden Anteil von Östrogenen und Progesteron zu einer Art weichem Stöpsel, der sich am Muttermund anlagert und ihn dann verschließt. Das geschieht bereits, wenn die befruchtete Eizelle auf dem Weg in die Gebärmutter ist.
Der Zervixschleim verändert sich bei nicht schwangeren Frauen mit ihrem Zyklus. Um den Eisprung herum ist er an den fruchtbaren Tagen sehr dünnflüssig, um die Spermien leichter durchzulassen. In der zweiten Zyklushälfte wird seine Konsistenz wieder dickflüssiger. Unter dem Einfluss von Schwangerschaftshormonen verfestigt sich der Schleim noch weiter und wird zum Schleimpfropf. Dieser ist nach dem deutschen Gynäkologen Samuel Kristeller bei Medizinern auch als “Kristellscher Schleimpfropf” bekannt.

Welche Funktion hat der Schleimpfropf?

Er dient während der Schwangerschaft als natürliche Barriere. Der Schleimpfropf verhindert noch effektiver als der normale Schleim, dass durch Geschlechtsverkehr oder Vorsorgeuntersuchungen übertragene Keime in den Uterus aufsteigen können. Denn die Erreger könnten in der Schwangerschaft schwere Folgen für dich und dein Baby mit sich bringen. Neben der Fruchtblase schützt also auch der Schleimpfropf dein Kind vor der Außenwelt. Die in ihm enthaltenen Lysozyme können die Zellwände von Bakterien zerstören und so verhindern, dass sie dir oder deinem Baby schaden.
Durch die Abdichtung des Gebärmutterhalses stabilisiert er auch die Gebärmutter und verhindert so eine Frühgeburt. Die Abwehr von Bakterien wird dabei durch die antimikrobielle Wirkung des Schleims unterstützt. Diese ist schon im normalen Zervixschkeim aktiv, die Konzentration im Schleimpfropf ist aber um ein Vielfaches höher.

Wann löst sich der Schleimpfropf?

Kurz vor der Geburt ist der Pfropf nicht mehr notwendig. Dein Körper produziert zum Ende deiner Schwangerschaft Prostaglandine. Hormone, die auch das Gewebe des Gebärmutterhalses auf die nahende Geburt vorbereiten. Der Zervixschleim bildet sich zurück. Der Schleimpfropf wird dünnflüssiger, hat keinen Halt mehr und fällt heraus. Nicht immer ist der Abgang spürbar. Der genaue Zeitpunkt ist bei jeder Schwangeren verschieden. Im Durchschnitt geht der Schleimpfropf in der 38. SSW ab. Oft sind auch Übungswehen der Grund für den Abgang. Bei manchen Schwangeren löst er sich erst mit den Geburtswehen.

Geht nach dem Abgang des Schleimpfropfs die Geburt los?

Ist der Schleimpfropf abgegangen, ist das ein frühes Zeichen, dass die Geburt sich ankündigt. Dein Baby möchte bald auf die Welt. Wenn du die schleimige Struktur entdeckst, heißt es aber nicht, dass du dich augenblicklich auf den Weg in die Klinik machen musst. Wenn noch keine weiteren Anzeichen für die nahende Geburt vorliegen, kannst du dich erstmal wieder entspannen. Es kann noch dauern, bis es tatsächlich losgeht. Denn zwischen dem Abgehen und den ersten Wehen können nur ein paar Stunden, aber auch einige Tage oder Wochen liegen. Auch das ist bei jeder werdenden Mutter verschieden. Tu dir etwas Gutes. Nimm ein Bad, mach einen Spaziergang oder stärke dich mit einer kleinen Mahlzeit für die nun bald beginnende Geburt. Und wenn sie noch nicht parat steht, hast du jetzt auch noch Zeit, deine Kliniktasche zu packen. 
Hast du schon ein Kind oder mehrere auf die Welt gebracht, geht die Geburt meist schneller los.

Wann muss ich ins Krankenhaus?

Ist der Schleimpfropf von Krämpfen begleitet abgegangen, hast du Schmerzen oder bereits Wehen oder einen Blasensprung, musst du natürlich sofort ins Krankenhaus fahren oder deine Hebamme verständigen. Das gilt auch dann, wenn du starke Blutungen mit frischem Blut hast. Denn die Blutung könnte auch ganz unabhängig vom Lösen des Schleimpfropfs sein und eventuell auf eine vorzeitige Plazentaablösung oder eine Plazenta praevia hindeuten.

Wie sieht der Schleimpfropf aus?

Das Aussehen des Schleimpfropfs ist ganz unterschiedlich. Einige Frauen bemerken ihn in ihrem Slip, andere wissen gar nicht, dass er abgegangen ist. Häufig löst er sich während des Duschens oder dem Toilettengang. Einige Frauen haben das Gefühl, dass etwas Urin in die Hose gegangen ist. Optisch ist er in der Regel ein etwa 4 cm langer, weißer Klumpen aus zähem Schleim. In Internetforen vergleichen ihn einige mit einer großen Portion Kinderrotz oder Gelatine. Klingt nicht appetitlich, ist aber völlig natürlich.
Befinden sich kleine Blutspuren daran, ist das ein Hinweis, dass sich der Muttermund bereits weitet. Denn dabei reißen kleine Gefäße. Das dabei austretende Blut wird auch Zeichnungsblut genannt. Klebt es am abgegangenen Schleimpfropf, kann es je nach Frische des Bluts hellrot, rot oder bräunlich aussehen.
Der Pfropf kann sich übrigens auch in mehreren Stücken lösen. Dann ist es auch wahrscheinlicher, dass du von seinem Abgang gar nichts bemerkst und ihn für normalen Ausfluss hältst.

Kann sich ein Schleimpfropf neu bilden?

Bei einigen Frauen löst sich der Schleimpfropf schon vor der 37. SSW. Manchmal ist eine Vorsorgeuntersuchung der Auslöser für den vorzeitigen Abgang. Dein Körper wird dann in der Regel einen neuen Pfropf bilden, der dein Baby weiter schützt. Der Schleimpfropf-Abgang war dann noch kein Zeichen dafür, dass es bald losgeht.
In einigen Fällen kann ein frühes Ablösen vor der 37. SSW aber auch ein Zeichen für eine nahende Frühgeburt sein. Wenn der Schleimpfropf sich also schon sehr früh löst, solltest du unbedingt deinen Arzt oder deine Hebamme aufsuchen. Sie werden untersuchen, ob es deinem Kind gut geht und alles Weitere mit dir besprechen.
Nach einem zu frühen Abgehen ist es wichtig, dich und deinem Kind nicht unnötigen Risiken auszusetzen. Verzichte bis zur Geburt lieber auf Sex und bade nicht in öffentlichen Schwimmbädern oder Badeseen.

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