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Eipollösung: Vorteile, Nachteile und Risiken

Eipollösung: Schwangere im Kittel wird von Arzt abgetastet
© Rachaphak / Shutterstock
Die Eipollösung ist eine der ältesten Maßnahmen, um der Geburt auf die Sprünge zu helfen. Allerdings ist sie nicht immer erfolgreich und kann schmerzhaft sein. Wie genau funktioniert der Eingriff und wo liegen mögliche Nachteile und Risiken? Hier unser Überblick.

Der Bauch ist ständig im Weg, die Bewegungen werden immer mühsamer und das Wichtigste: Ihr wollt endlich euer Baby im Arm halten! Zum Ende der Schwangerschaft haben viele Frauen einfach keine Kapazitäten mehr für geduldiges Abwarten. Das verstehen wir gut! Wenn Teetrinken, Sex und warme Bäder die Wehen nicht locken konnten, wirst du mit deiner Hebamme oder deiner Ärztin jetzt vielleicht auch über das Thema Geburtseinleitung sprechen. Bevor die Geburt jedoch künstlich mit Medikamenten eingeleitet wird, ist die Eipollösung (Zervixstripping) eine natürliche Option. Wir erklären, wie das genau funktioniert und geben einen Überblick über Vor- und Nachteile.

Hintergrund: Was ist der Eipol?

Der Eipol ist das untere Ende der Fruchtblase, also gewissermaßen der Südpol der Fruchtblase, wenn du so willst. Die Eihäute sind an dieser Stelle mit dem Rand des Gebärmutterhalses verklebt. Wenn die Geburt losgeht, dringt der Eipol in den Gebärmutterhals (Zervix) und weiter in die Scheide vor. Durch die Wehen wird der Druck auf die Fruchtblase in der Regel so groß, dass sie platzt (Blasensprung).

Was versteht man unter einer Eipollösung?

Bei einer Eipollösung werden die Eihäute der Fruchtblase vom Gebärmutterhals gelöst. Deine Hebamme oder dein Arzt führen dazu vorsichtig einen Finger ein und massieren den inneren Muttermund, indem sie den Finger hin und her bewegen, bis sich die äußere Eihaut ablöst. Die Eipollösung gehört zu den mechanischen Methoden der Geburtseinleitung. Das Verfahren wird auch Zervix-Stripping, Eipolablösung oder Muttermunddehnung genannt.

Welchen Effekt hat eine Eipollösung?

Die Trennung von Eihaut und Gebärmutterhals ist für deinen Körper das Signal, vermehrt Prostaglandine auszuschütten. Diese Hormone sorgen dafür, dass der Muttermund weicher wird und die Wehen einsetzen. Die Eihäute werden durch die Eipollösung in der Regel nicht beschädigt, da sie sehr stabil sind.

Funktioniert die Methode in jedem Fall?

Nein. Nur bei etwa der Hälfte führt das Zervix-Stripping innerhalb von 48 Stunden zum gewünschten Erfolg, dem Einsetzung der Wehen. Bei anderen kommt es nach der Behandlung zwar zu Blutungen, doch die Geburt beginnt dennoch nicht. Eine aktuelle Veröffentlichung irischer Forscher formuliert es noch vorsichtiger. Nach einer umfangreichen Metastudie (Quelle siehe unten) kommen sie zu dem Schluss, dass die „Eipollösung […] wirksam sein [kann], um ein spontanes Einsetzen der Wehentätigkeit zu erreichen, aber die Evidenz dafür von niedriger Vertrauenswürdigkeit war.“

Wann kann das Verfahren angewendet werden?

Um mit dem Finger problemlos durch die Vagina und bis in den Gebärmutterhals zu gelangen, muss der Muttermund schon weich und leicht geöffnet sein. Der Eingriff ist also nur dann möglich und sinnvoll, wenn dein Körper im Grunde schon bereit für die Geburt ist. In der Praxis wird eine Eipollösung daher auch nur angewandt, wenn der Entbindungstermin schon da oder bereits überschritten ist. Vor der 40. SSW ist die Maßnahme in der Regel nicht empfehlenswert.

Ist das Zervix-Stripping schmerzhaft?

Das ist ganz unterschiedlich. Einige Frauen berichten, dass sie nichts gespürt haben, andere sagen, dass das Ablösen für sie extrem schmerzhaft war. Ist der Muttermund schon weich und leicht geöffnet, stehen die Chancen besser, dass der Eingriff nicht wehtut. Frauenärzte raten eher Frauen zu dieser Behandlung, die bereits ein Kind auf die Welt gebracht haben. Bei ihnen ist das Gewebe bereits vorgedehnt. Übrigens: Auch einige Zeit nach dem Ablösen der Eihäute können Unterleibschmerzen und Blutungen auftreten.

Was spricht dafür, was dagegen?

Ob eine Eipolablösung durchgeführt wird, ist allein deine Entscheidung. Leider berichten Frauen immer wieder, dass der Eingriff bei Ihnen während einer vaginalen Untersuchung vorgenommen wurde, ohne dass sie zuvor ausreichend aufgeklärt wurden. Unter medizinethischen Gesichtspunkten ist das ein No Go. Besprecht vor einer vaginalen Untersuchung mit eurem Arzt oder eurer Hebamme, warum sie durchgeführt werden soll, und lasst euch alles genau erklären. Die Eipolablösung ist tatsächlich eines der ältesten natürlichen Verfahren zur Einleitung der Geburt. Neben vielen Vorteilen hat sie aber auch Nachteile.

Vorteile einer Eipolablösung

  • Die Fruchtblase bleibt in der Regel unverletzt (geringe Infektionsgefahr des Babys).
  • Es sind keine Medikamente notwendig, die in den Hormonhaushalt eingreifen.
  • Auch natürliche Wirkstoffe werden nicht eingesetzt.
  • Falls die Geburt nicht vorangeht, kann das Verfahren mehrmals wiederholt werden.

Nachteile einer Eipolablösung

  • Der Eingriff ist zwar mechanisch, kann aber unangenehm oder sogar sehr schmerzhaft sein.
  • Es können im Anschluss leichte Schmierblutungen und Unterleibschmerzen auftreten.
  • Der Eingriff kann einen vorzeitigen Blasensprung auslösen.

Welche alternativen Methoden zur Geburtseinleitung gibt es?

Rund um den ET ist die Geduld fast am Ende. Ihr wollt einfach, dass es jetzt endlich losgeht. Und wenn sich von selbst noch nichts tut, ist es nur verständlich, dass ihr euch informiert, welche Möglichkeiten es gibt, eurem Baby den Weg nach draußen zu zeigen. Die Eipollösung ist nur eine Option. Es gibt viele Möglichkeiten, den Geburtsprozess anzuregen. Einige könnt ihr selbst ausprobieren, andere bleiben Ärztin und Hebamme vorbehalten und werden eher angewandt, wenn ihr den Geburtstermin weit überschritten habt oder ein medizinischer Notfall vorliegt (z.B. zu wenig Fruchtwasser oder schlechter werdende Herztöne).

So lockt ihr die Wehen zu Hause:

  • Tee (z.B. Himbeerblätter, Nelken, Zimt, Ingwer, Frauenmantel oder Eisenkraut)
  • Sex (Stimulation der Gebärmuttermuskeln; ein zusätzlicher Effekt des Prostaglandin enthaltenden Spermas ist allerdings fraglich).
  • Ein warmes Bad entspannt Bauch und Beckenbereich (nicht über 38 Grad!)
  • Viel Entspannung und wenig Druck. Keine Termine mehr und sich was Gutes tun. Einen schönen Film mit dem Partner schauen, sich bekochen lassen. Ihr habt da sicher einige Ideen.
  • Bewegung fördert in den letzten Tagen der Schwangerschaft die Wehen. Spazierengehen, Aufräumen, Treppen steigen. Nur nicht übertreiben!
  • Scharfes Essen: Chili, Ingwer und Co. stimulieren den Darm und die benachbarte Gebärmutter gleich mit.
  • Nelkenöltampon (nach Absprache mit eurer Hebamme)
  • Akupunktur und Fußreflexzonenmassagen

So leiten Mediziner den Geburtsprozess künstlich ein:

  • Wehencocktail“ mit Rizinusöl. (Auch wenn es sich nach einem alten Hausmittel anhört: Einen Wehencocktail sollten Schwangere nie allein zubereiten und einnehmen!)
  • Oxytocin (verabreicht als Infusion, die Kontraktionen der Gebärmutter auslöst)
  • Prostaglandine (verabreicht als Tablette oder vaginal als Gel oder Zäpfchen)
  • Ballon-Katheter (fördert durch Druck die körpereigene Prostaglandinausschüttung)
  • Blasenöffnung als manueller Startschuss (erhöhtes Infektionsrisiko)

Bitte nicht!

Eine Eilpolablösung mag sich so anhören, als könne Frau das auch selbst. Und offenbar suchen viele Schwangere im Netz auch nach Anleitungen dazu. Bitte denkt nicht mal daran! Ein Zervix-Stripping ist eine medizinische Behandlung und darf nur von einem Arzt / einer Ärztin oder einer Hebamme vorgenommen werden. Die Gefahr einer Infektion und von möglichen Nebenwirkungen ist zu groß.

Quellen

B. Dörken et. al.: Nelkenöltampons zur Geburtseinleitung. Z Geburtshilfe Neonatol 2003; 207 - PO_01_04.

Finucane, E. M. et. al.: Eipollösung zur Geburtseinleitung. Cochrane Library 2020.

Julie S. Moldenhauer: Geburtseinleitung. MSD Manuals 2018.

Hospital zum Heiligen Geist in Frankfurt: Schonende Geburtseinleitung – das Ballonkatheterverfahren. 2018.

ELTERN

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