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Eisenmangel in der Schwangerschaft: Symptome, Diagnose und Behandlung

Etwa ein Drittel aller Schwangeren ist von Eisenmangel betroffen. Unbehandelt kann das Folgen für Mutter und Kind haben. Hier erfährst du, bei welchen Symptomen du zum Arzt gehen solltest, ob du Eisenmangel mit einer Ernährungsumstellung entgegenwirken kannst und wie er behandelt wird.

Familie kocht
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Inhalt: 
Wozu brauche ich Eisen?Warum ist der Eisenbedarf in der Schwangerschaft erhöht?Wie viel Eisen muss ich in der Schwangerschaft zu mir nehmen?Woran erkenne ich einen Eisenmangel? Was sind die Symptome?Mit welchen Nahrungsmitteln kann ich meinen Eisenbedarf in der Schwangerschaft decken?Ich bin Vegetarier und schwanger. Was muss ich beachten?Eisenmangel: Muss ich Medikamente nehmen?Gefährdet Eisenmangel mein Baby?Eisenzufuhr im Wochenbett und während der Stillzeit

Wozu brauche ich Eisen?

Eisen ist ein Spurenelement. Das heißt, es kommt nur in verschwindend geringer Konzentration im menschlichen Körper vor. Dennoch: Ohne Eisen können wir Menschen nicht leben, denn ihm kommen in unserem Stoffwechsel ganz zentrale Aufgaben zu. Das Spurenelement ist zum Beispiel für die Zellatmung unerlässlich. Mit seiner Hilfe wird der Sauerstoff, den du über die Lunge einatmest, an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden, im gesamten Körper verteilt und in den Zellen für die Energiegewinnung genutzt. Auch deine Muskeln sind auf Eisen angewiesen. Das Protein Myglobin bindet das Spurenelement und versorgt sie so mit Sauerstoff, damit sie leistungsfähig arbeiten können. Sogar das Gehirn braucht Eisen, um sich optimal entwickeln zu können und geistig fit zu bleiben. Kurz gesagt: Eisen bewirkt, dass du stark und leistungsfähig bist und dich konzentrieren kannst.

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Warum ist der Eisenbedarf in der Schwangerschaft erhöht?

Während einer Schwangerschaft benötigt dein Körper mehr Eisen als vorher. Spätestens ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel steigt dein Blutvolumen deutlich an. In der 36. SSW hast du etwa ein Liter mehr Blut in deinem Körper. Der Grund: Zusätzliches Gewebe, Plazenta, Gebärmutter und das Baby müssen mit Sauerstoff versorgt werden. Damit im zusätzlichen Blut auch genügend Hämoglobin für den Sauerstofftransport vorhanden ist, benötigst du mehr Eisen.

Wie viel Eisen muss ich in der Schwangerschaft zu mir nehmen?

Eisen wird nicht von unserem Körper hergestellt, es muss über Nahrungsmittel aufgenommen werden. „Aber wie viel Eisen muss ich denn zu mir nehmen, damit ich optimal versorgt bin?“, fragst du dich vielleicht. Tatsächlich ist der Eisenbedarf sehr individuell und abhängig von Geschlecht, Alter und jeweiliger Lebensphase. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Frauen zwischen 15 und 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 15 mg. Ihr Bedarf ist gegenüber dem von Männern aufgrund ihrer Periode und dem damit einhergehenden Blutverlust etwas erhöht. Während der Schwangerschaft braucht dein Körper genug Eisen, um dich und dein Kind bestens versorgen zu können, daher raten Fachleute zu einer Einnahme von gut 30 mg täglich.

Woran erkenne ich einen Eisenmangel? Was sind die Symptome?

Müde Schwangere
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Eisenmangel bleibt meistens zunächst unbemerkt, denn für den Laien sind die Symptome gar nicht so leicht zu deuten. Du fühlst dich einfach schlapp und wirst von Müdigkeit übermannt? Das geht wohl jeder Frau im Verlauf der Schwangerschaft mal so. Und das ist auch völlig normal, schließlich läuft dein Körper auf Hochtouren. Halten die Symptome allerdings länger an und kommen eventuell Kopfschmerzen, Infektionen, brüchige Fingernägel, eingerissene Mundwinkel, Konzentrationsschwierigkeiten und blasse Haut hinzu, schildere deine Symptome am besten deinem Gynäkologen.
Eisenmangel ist mit Abstand die häufigste Ursache für eine Blutarmut, auch Anämie genannt. Dabei kommt es zu einem Mangel an roten Blutkörperchen und einer Unterversorgung lebenswichtiger Organe mit Sauerstoff. Die Folgen: Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schwindel. Schlimmstenfalls kann es zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommen. Aber keine Sorge, das sind wirklich Extremfälle und während der Schwangerschaft schaut dein Arzt regelmäßig auf deine Eisenwerte, damit es gar nicht erst zu einer Anämie kommt.

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Eisenmangel in der Schwangerschaft: Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung für Schwangere untersucht dein Frauenarzt zu Beginn deiner Schwangerschaft deine Eisenwerte und trägt sie in den Mutterpass ein. Dazu wird der Hämoglobin-Wert (Hb-Wert) in deinem Blut in Gramm je Deziliter gemessen. Liegt dein Hb-Wert über 11,2 g/dl, besteht kein akuter Handlungsbedarf. Erst im letzten Schwangerschaftstrimester, wenn dein Eisenbedarf sich noch einmal erhöht hat, schaut dein Gynäkologe dann erneut auf die Werte. Hat der Arzt jedoch festgestellt, dass dein Hb-Wert unter 11,2 g/dl liegt, wird er dir wahrscheinlich Eisenpräparate als Nahrungsergänzungsmittel verschreiben.
 
Dein Eisenwert wurde bereits untersucht, aber die im Mutterpass eingetragenen Daten sagen dir gar nichts? Wir haben eine kleine Übersicht für dich, welcher Wert in welchem Schwangerschaftstrimester als normal gilt:

  • 1. Trimester: über 11,2 g/dl
  • 2. Trimester: über 10,5 g/dl
  • 3. Trimester: über 11,2 g/dl
  • Wochenbett: über 10 g/dl

Mit welchen Nahrungsmitteln kann ich meinen Eisenbedarf in der Schwangerschaft decken?

Erinnerst du dich noch an Popeye? Der Held unserer Kindheit aß jedes Mal eine Dose Spinat, wenn er mal wieder Superkräfte brauchte, um diversen Halunken das Handwerk zu legen. Dass der kräftige Seemann ausgerechnet Spinat in sich reinschaufelte, steht im Zusammenhang mit der damals verbreiteten Ansicht, dass das Gemüse aufgrund seines hohen Eisengehalts von 35 Milligramm besonders gut für das Wachstum von Kindern sei. Dieser hohe Wert basierte allerdings auf einem Übertragungsfehler und trifft tatsächlich nur auf getrockneten Spinat zu. Frischer Spinat, wie wir ihn zu uns nehmen, besteht zu 90% aus Wasser und 100g enthalten lediglich 3,5 Milligramm Eisen.
 
Spinat ist also kein Wunderlebensmittel, wenn es um den Eisenhaushalt geht. Die gute Nachricht ist aber: Es gibt gleich eine ganze Reihe anderer eisenhaltiger Lebensmittel, mit denen du deinen Speicher auffüllen kannst. Und anstelle einer Spinat-Diät darf dein Speiseplan viel abwechslungsreicher sein. Hier eine Auswahl eisenreicher Lebensmittel:
 

Lebensmittel Eisengehalt in mg pro 100g
Weizenkleie 15
Kürbiskerne 11,2
Getrocknete Sojabohnen 9,7
Pinienkerne 9,2
Hirseflocken 9
Linsen 8
Weizenkeime 7,6
Tofu 5,4
Haferflocken 4,2
Rosinen 2,3
Rindfleisch 2,1
Kalbfleisch 2
Schweinefleisch 1,4
Seelachs 0,2

Es gibt jedoch etwas zu bedenken, wenn du deinen Eisenhaushalt über die Ernährung auffüllen willst: Dein Körper kann tierisches Eisen viel besser aufnehmen als pflanzliches. Mageres rotes Fleisch oder Fisch wie Makrele, Hering oder Sardine können besonders in der Schwangerschaft daher gerne öfter auf deinem Speiseplan stehen.

Wenn es um Eisen geht, zählt übrigens eine Kombination aus Lebensmitteln. Bestimmte Stoffe in Getreideprodukten oder Hülsenfrüchten hemmen die Eisenaufnahme. Andererseits sind eben diese Lebensmittel aber besonders eisenreich. Der Trick: immer in Kombination mit Vitamin C (z.B. Zitrusfrüchte oder Paprikaschoten) essen und Getreidekeime und Hülsenfrüchte am besten vorher einweichen. Das kann die Eisenaufnahme um das 10-fache steigern.
 
Tipp: Auch Kaffee, Tee und Calcium aus Milch hemmen die Eisenzufuhr. Daher die Getränke lieber nicht zeitgleich mit dem Essen zu dir nehmen.

Ich bin Vegetarier und schwanger. Was muss ich beachten?

Müsli mit Beeren
iStock, lovro77

Schwangere Vegetarierinnen sind besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel deutlich häufiger von einer Eisenmangelanämie betroffen als Frauen, die auch Fleisch essen. Darum ist es wichtig, sich besonders eisenreich zu ernähren, zum Beispiel mit Hülsenfrüchten, Vollkorngetreideprodukte und Nüssen. Wenn du zusätzlich Lebensmittel mit Vitamin C zu dir nimmst, kann dein Körper das Eisen besser aufnehmen. Du könntest zum Beispiel zu einem Vollkornbrot ein Glas frischgepressten Orangensaft trinken oder Beerenfrüchte in dein Müsli geben.
 
Außerdem wichtig: Lass deinen Eisenwert regelmäßig von deinem Gynäkologen überprüfen und bitte nimm Eisentabletten nicht auf eigene Faust ein. Art und Dosierung der Präparate sollten von einem Arzt genau bestimmt werden.
 

Eisenmangel: Muss ich Medikamente nehmen?

Dein Arzt hat festgestellt, dass dein Eisenwert zu niedrig ist und der Speicher mit einer Umstellung der Ernährung allein nicht aufgefüllt werden kann? Das ist kein Grund zur Sorge. Unter der Einnahme von Eisenpräparaten verbessern sich die Werte meist innerhalb weniger Wochen. Bitte nimm Eisen als Nahrungsergänzungsmittel nicht vorbeugend oder auf eigene Faust ein und lass deinen Frauenarzt eine Diagnose stellen, denn auch ein Überschuss birgt gesundheitliche Risiken wie etwa Bluthochdruck.
 
Wichtig zu wissen, wenn dein Arzt dir ein Eisenpräparat verschreibt: Eisentabletten können den Stuhl dunkel bis schwarz färben. Das ist aber nicht weiter schlimm. Möglichen Verstopfungen kannst du mit einer ballaststoffreichen und ausgewogenen Ernährung entgegenwirken. Manche Schwangere leiden auch unter Übelkeit nach der Einnahme der Tabletten. Am besten, du nimmst sie dann abends ein, wenn du dich entspannen und ein bisschen schonen kannst. Bitte besprich mit deinem Gynäkologen unbedingt, wann und wie du das Präparat einnehmen sollst, denn wenn du noch andere Medikamente einnimmst, wie zum Beispiel Magnesium, Calcium oder Schilddrüsenhormone, kommt es zu Wechselwirkungen und dein Körper kann das Eisen nicht richtig aufnehmen.
 

Gefährdet Eisenmangel mein Baby?

Ultraschallbild
thinkstock- Fuse

Keine Sorge, ein leichter Eisenmangel gefährdet dein Kind nicht, denn deine Reserven werden zuerst an dein Baby freigegeben. Deshalb wirst wahrscheinlich zunächst einmal du mit dem Mangel zu kämpfen haben. Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeit, Kopfschmerzen und brüchige Fingernägel sind die häufigsten Symptome. Nur eine ernsthafte und anhaltende Eisenmangelanämie kann Folgen für dein Kind haben. Dazu zählen ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, ein geringes Geburtsgewicht und Entwicklungsverzögerungen. So weit kommt es allerdings nur in den seltensten fällen, denn die Mutterschaftsrichtlinie legt fest, dass die Untersuchung der Eisenwerte bei Schwangeren zum Standardprogramm gehört. Dein Gynäkologe wird einen zu niedrigen Eisenwert oder eine sich anbahnende Blutarmut wahrscheinlich schnell erkennen.
 

Eisenzufuhr im Wochenbett und während der Stillzeit

Puh, die Geburt ist geschafft und du hältst endlich dein Baby im Arm. Du hast Erstaunliches geleistet und musst dich jetzt im Wochenbett erst einmal ein bisschen erholen. Mit einer ausgewogenen Ernährung kannst du deinen Körper dabei unterstützen. Achte darauf, auch eisenhaltige Lebensmittel mit auf den Speiseplan zu setzen. Jetzt im Wochenbett darfst du auch wieder essen, worauf du in der Schwangerschaft wahrscheinlich verzichtet hast: ein blutiges Steak, Leberwurst oder -pastete, Thunfisch und Muscheln – Fleisch und Fisch sind wunderbare Eisenlieferanten.
Warum eisenhaltige Lebensmittel auch im Wochenbett so wichtig sind? Zum einen hast du bei der Geburt wahrscheinlich viel Blut verloren – und damit auch Eisen. Dieser Speicher muss nun erst einmal wieder aufgefüllt werden, damit du fit und leistungsfähig bist. Zum anderen haben Mediziner herausgefunden, dass Eisenmangel nach der Geburt die Ursache für eine Wochenbettdepression sein kann. Um dieses Risiko zu vermeiden, wird Frauen nach der Geburt eine erhöhte Eisenzufuhr von ca. 20 mg täglich empfohlen.
 

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