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Fehlgeburt Warum manche Schwangerschaften plötzlich enden

Fehlgeburt: trauriges Paar umarmt sich
© Motortion Films / Shutterstock
Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn die Schwangerschaft endet, bevor das Kind lebensfähig ist. Hier erfährst du mögliche Ursachen und Risikofaktoren.

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Wann spricht man von einer Fehlgeburt?

Generell spricht man immer dann von einer Fehlgeburt, auch als Abort bekannt, wenn die Schwangerschaft endet, bevor das Kind lebensfähig ist. Medizinisch gesehen ist ein Kind erst nach der 23. Schwangerschaftswoche und bei einem Gewicht ab 400 Gramm Geburtsgewicht lebensfähig. Betrachtet man nur die Schwangerschaften, bei denen ein Herzschlag beim Ultraschall zu sehen ist, enden etwa 15 Prozent davon mit einem Abort – je weiter die Schwangerschaft voranschreitet, desto geringer wird das Risiko.

Wie oft kommt es zu einer Fehlgeburt?

Man geht davon aus, dass allein zwischen der 5. und 10. Schwangerschaftswoche etwa 15 bis 20 Prozent aller Schwangeren einen sogenannten Spontanabort erleiden. Bei einer Fehlgeburt vor der 13. Schwangerschaftswoche spricht man von einem Frühabort, zwischen der 14. und 24. Schwangerschaftswoche von einem Spätabort. Mehr zum generellen Fehlgeburt-Risiko erfährst du hier.

Die genaue Häufigkeit von Fehlgeburten ist aber schwer zu bestimmen, da es auch Schwangerschaften gibt, die sich nur im Labor über die Werterhöhung des Schwangerschaftshormons hCG nachweisen lassen. Typische Symptome einer Schwangerschaft gibt es hier noch nicht. Zählt man diese Schwangerschaften hinzu, liegt die Häufigkeit von Fehlgeburten bei etwa 50 bis 70 Prozent.

Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Ursachen und Risikofaktoren, die eine Frühgeburt begünstigen können. Die wichtigsten sind:

  • Genetische Veränderung des Embryo: Im Zellkern befinden sich die Erbgutinformationen des Kindes auf den Chromosomen. Sie stammen zum Teil von der Mutter und zum Teil vom Vater. Gibt es Abweichungen bei der Form oder Anzahl der Chromosomen, treten Fehlanlagen beim Embryo auf. Diese können seine Lebensfähigkeit einschränken oder sorgen dafür, dass das Kind gar nicht erst lebensfähig ist. Die meisten Fehlgeburten lassen sich auf diese Ursache zurückführen.
  • Das Alter der Eltern: Je älter die Schwangere ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen Abort. Eine dänische Studie legt nahe, dass das Risiko für eine Fehlgeburt bereits bei Frauen über 30 steigt. Aber auch das Alter des Vaters kann das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen, da auch das Alter der Spermien steigt. Je älter der Mann ist, desto öfter fanden bereits Zellteilungen bei den Spermien statt. Und diese wiederum erhöhen das Risiko für Erbgutfehler. 
  • Vorherige Fehlgeburten: Hat die Schwangere bereits eine Fehlgeburt erlitten, steigt das Risiko für einen weiteren Abort auf etwa 24 Prozent. Hat eine Frau bereits dreimal ein Kind verloren, liegt das Risiko für eine weitere Fehlgeburt bei der nächsten Schwangerschaft bei etwa 46 Prozent.
  • Tabak-und Drogenmissbrauch: Studien belegen, dass bereits der Konsum von sehr geringen Mengen an Alkohol oder Drogen sowie das Rauchen während der Schwangerschaft zu Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen beim Kind führen können. In sehr großen Mengen kann der Konsum auch eine Fehlgeburt auslösen.
  • Psychische Belastungen: Auch außergewöhnlich starker Stress kann das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen. Beispielsweise belegt eine Studie der Berliner Charité, dass ein Ungleichgewicht zwischen Hormonhaushalt und Immunsystem die Schwangerschaft stören kann. Zum einen existiert durch den Stress eine erhöhte Anzahl von Immunzellen, die eine Fehlgeburt verursachen können. Zum anderen sind für die Schwangerschaft relevante Hormonspiegel (z. B. Progesteron) erniedrigt.
  • Infektionen: Keime können beispielsweise eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut auslösen, die wiederum die Funktion der Gebärmutter beeinträchtigt und/oder dafür sorgen kann, dass die Erreger auf das Kind übergehen. Ist die Plazenta infiziert, wird das Kind nicht mehr richtig versorgt.
  • Gelbkörperschwäche: Der sogenannte Gelbkörper entsteht nach dem Eisprung im Eierstock und produziert das Hormon Gestagen. Liegt eine Schwangerschaft vor, sorgt der Gelbkörper dafür, dass es nicht mehr zur Menstruationsblutung kommt. Bei einer Gelbkörperschwäche kann der Gelbkörper diese Funktion nicht mehr erfüllen, wodurch es zu einer Fehlgeburt kommt.
  • Häufige Schwangerschaften: Je häufiger eine Frau schwanger ist, desto mehr steigt das Risiko für eine Fehlgeburt bei der nächsten Schwangerschaft. Das liegt zum einen daran, dass die Frau von Schwangerschaft zu Schwangerschaft älter wird und so das Risiko für einen Abort generell ansteigt. Außerdem kann die sogenannte Gebärmutterhalsschwäche eine Rolle spielen: Ist die Muskulatur des Gebärmutterhalses geschwächt, öffnet er sich zu früh und kann die Frucht nicht mehr in der Gebärmutterhöhle halten, was zu einer Fehlgeburt führen kann. Zusätzlich gelangen Krankheitserreger leichter in die Gebärmutter.
  • Hormonelle Störungen: Sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion als auch Diabetes können das Risiko für einen Abort erhöhen, da sie beispielsweise die Gelbkörperfunktion beeinträchtigen können. Auch die Funktion der Nebenschilddrüsen spielt eine Rolle – arbeiten sie nicht richtig, nimmt der Kalziumspiegel im Blut ab. Dadurch kann es zu Krämpfen kommen, die eine Fehlgeburt verursachen können.
  • Blutarmut: Ein starker Eisenmangel in der Schwangerschaft kann dafür sorgen, dass das Kind nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann. Außerdem ist der Mutterkuchen bei einer Blutarmut häufig auffällig klein, was eine Mangelversorgung des Kindes ebenfalls wahrscheinlicher macht.
  • Immunsystem: Verschiedene Störungen im Immunsystem der Mutter sorgen dafür, dass körpereigene Zellen die befruchtete Eizelle angreifen. In den meisten Fällen kann sich diese dann gar nicht erst einnisten. Kommt es doch zur Einnistung, so ist diese fehlerhaft und es kommt in der frühen Phase der Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt.

Ist die Schwangerschaft noch nicht bekannt, können auch medizinische Untersuchungen ein Risiko sein. Beispielsweise können die Strahlungen einer Computertomografie das Erbgut des Fetus so stark schädigen, dass es zu einer Fehlgeburt kommt. Operationen mit und ohne Narkose können das Risiko ebenso erhöhen wie bestimmte Medikamente oder Impfungen. Hier ist ein enger und vertraulicher Austausch mit dem Arzt oder der Ärztin unerlässlich.

Symptome einer Fehlgeburt

In erster Linie hängen die Symptome bei einer Fehlgeburt davon ab, wie weit die Schwangerschaft bereits vorangeschritten ist. Ganz frühe Fehlgeburten bemerken Frauen oft gar nicht, weil dadurch auftretende Blutungen häufig für eine starke Periodenblutung gehalten werden. Ist die Schwangerschaft aber schon über die ersten Wochen hinausgegangen, treten bei einem Abort generell bei vielen Frauen neben plötzlichen und starken vaginalen Blutungen wehenartige Schmerzen auf. Anhand der Symptome lässt sich die Art der möglichen Fehlgeburt ergründen:

  • Drohender Abort: Bei einem drohenden Abort tritt in der Regel eine Blutung auf, weil am Mutterkuchen ein Bluterguss entsteht. Der Muttermund ist aber geschlossen – damit es nicht tatsächlich zu einer Fehlgeburt kommt, sollte die betroffene Frau Bettruhe einhalten. 
  • Beginnender Abort: Die beginnende Fehlgeburt macht sich durch schmerzhafte Wehen und Blutungen bemerkbar, anders als beim drohenden Abort ist der Muttermund bereits geöffnet. Meist lässt sich die Fehlgeburt nun nicht mehr verhindern.
  • Unvollständiger oder vollständiger Abort: Beim unvollständigen Abort sind die Symptome weitgehend gleich wie beim beginnenden Abort, aber es wird nur ein Teil der Leibesfrucht ausgestoßen. Beim vollständigen Abort kommt es zusätzlich zum Verlust des Fetus, der Eihäute und der Plazenta.

Von diesen häufigeren Arten einer Fehlgeburt abgesehen gibt es zusätzlich den sogenannten verhaltenen Abort (missed abortion), der anhand eines Ultraschalls festgestellt wird. Hier tritt keines der typischen Symptome einer Fehlgeburt auf, aber der Embryo zeigt keine Lebenszeichen wie Herztöne mehr. Auch die Gebärmutter wächst in der Regel bei dieser Art einer Fehlgeburt nicht weiter.

Behandlung: Was tun bei einer drohenden Fehlgeburt?

Generell hängt die mögliche Behandlung einer Fehlgeburt von der Form des Abort ab, davon, wie weit die Schwangerschaft schon vorangeschritten ist und davon, ob man die Fehlgeburt noch verhindern kann. Bei drohender Fehlgeburt wird in erster Linie Bettruhe für die Schwangere verordnet. Die Gesundheit des Kindes wird regelmäßig überprüft, beispielsweise durch einen Ultraschall. Vaginale Untersuchungen sollten vermieden werden.

Was passiert, wenn eine Fehlgeburt nicht mehr aufzuhalten ist?

Ist es nicht mehr möglich, die Fehlgeburt aufzuhalten, kommen folgende Behandlungsmethoden in Betracht, damit das Kind noch möglichst lange im Bauch der Mutter bleiben kann:

  • Medikamente: Droht ein Spätabort mit bereits einsetzenden Wehen, können wehenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Bei einer Gelbkörperinsuffizienz kommen Hormonpräparate mit Gestagenen zum Einsatz.
  • Ausschabung: Eine sogenannte Ausschabung (Kürettage) kommt bei den übrigen Fehlgeburten zum Einsatz. Beim unvollständigen Abort werden durch die Ausschabung die nicht abgestoßenen Schwangerschaftsanteile wie beispielsweise die Plazenta entfernt. Das ist nötig, weil es sonst zu anhaltenden Blutungen oder Infektionen kommen kann. Schlimmstenfalls tritt eine lebensgefährliche Blutvergiftung auf. Nach der 24. Schwangerschaftswoche ist eine Ausschabung nach einer Fehlgeburt nur dann nötig, wenn unklar ist, ob die Schwangerschaftsanteile vollständig abgestoßen wurden, wenn die Blutung nicht nachlässt oder sich die Gebärmutter nicht zurückgebildet.

Kann ich nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden?

Eine Fehlgeburt bedeutet für die Eltern in den meisten Fällen einen schrecklichen Verlust, gerade, wenn es sich um ein absolutes Wunschkind gehandelt hat. Viele Frauen sorgen sich außerdem darum, ob sie bei einer weiteren Schwangerschaft wieder eine Fehlgeburt erleiden könnten. Generell gilt: War es die erste Fehlgeburt, sind weitergehende Untersuchungen nicht unbedingt nötig. Handelt es sich jedoch um eine wiederholte Fehlgeburt, sollten einige Untersuchungen durchgeführt werden, um das Risiko einer weiteren zu minimieren:

  • Das Erbgut sowie der Hormonhaushalt sollten geprüft werden.
  • Mithilfe eines Abstrichs vom Gebärmutterhals können mögliche Infektionen entdeckt werden, die vor einer erneuten Schwangerschaft behandelt werden sollten.
  • Eine Ultraschalluntersuchung stellt sicher, dass keine Fehlbildung der Gebärmutter vorliegt.
  • Da das Immunsystem der Mutter bei einer Fehlfunktion die befruchtete Eizelle angreifen könnte, kann ein Antikörpernachweis durchgeführt werden.

Erneut schwanger werden nach Fehlgeburt: Diese Tipps helfen

Du möchtest nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden? Dann solltest du Folgendes beachten:

  • Risiken eindämmen: Sowohl der Konsum von Tabak als auch der von Alkohol stellt einen Risikofaktor dar. Wenn du erneut schwanger werden möchtest, solltest du auf diese Genussmittel verzichten. Auch große körperliche Belastungen und Extremsport sollten eher vermieden werden.
  • Abstand gönnen: Rein biologisch betrachtet ist eine erneute Schwangerschaft nach einem kompletten Zyklus nach Ende der Fehlgeburt möglich. Manche Ärzt:innen raten aber dazu, ein paar Monate nach der Fehlgeburt vergehen zu lassen, damit der Körper sich regenerieren kann. Des Weiteren sollte sich jede Frau Zeit nehmen, um den vorherigen Verlust zu verarbeiten und zu trauern. 
  • Ängste überwinden: Nach einer Fehlgeburt haben viele Frauen Angst vor einer weiteren. Vielen Betroffenen hilft es, darüber zu sprechen – beispielsweise mit dem Partner, anderen betroffenen Frauen oder Hebammen.
  • Untersuchungen wahrnehmen: Regelmäßige Untersuchungen bei der/dem Frauenärzt:in zur Schwangerschaftsvorsorge sind unerlässlich. So können eventuelle Auffälligkeiten schnell erkannt und gegebenenfalls behandelt werden.

Wichtig ist vor allem, sich bewusst machen, dass Frauen auch nach einer Fehlgeburt in den meisten Fällen bei einer erneuten Schwangerschaft ein gesundes Kind bekommen.

Du möchtest dich mit anderen Betroffenen zum Thema Fehlgeburt austauschen? Dann möchten wir dir unsere Eltern Community ans Herz legen!

Quellen

Kiechle, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Urban & Fischer Verlag, 2.Auflage, 2011

Stauber, S. & Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Georg Thieme Verlag, 4.Auflage, 2013

Lothrop,H.: Gute Hoffnung - jähes Ende, Kösel-Verlag, 17.Auflage 2013

Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact, Georg Thieme Verlag, 5.Auflage, 2013

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