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Blasensprung Die Fruchtblase ist geplatzt – kommt jetzt das Baby?

lächelndes, hochschwangeres Paar
© Rido / Shutterstock
Wann platzt die Fruchtblase? Was bedeutet das für dich und dein Baby? Und wann macht ihr euch am besten auf den Weg in die Klinik? Hier erfährst du alles Wichtige.

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In einer Hollywood-Komödie ist es stets total offensichtlich: Die hochschwangere Filmheldin fasst sich an den Bauch und japst: "Das Baby! Es kommt!" Kameraschwenk an ihr herunter – und auf die große Pfütze, die sich zwischen ihren Füßen auf dem Boden ausbreitet. Soweit das Klischee. Im wahren Leben öffnet sich die Fruchtblase allerdings nur selten mit einem Schwall Fruchtwasser – meist tröpfelt es nur ein bisschen.

Woran erkenne ich einen Blasensprung?

Bei einem Blasensprung öffnet sich die Fruchtblase und das Fruchtwasser läuft heraus. Wenn das Fruchtwasser wirklich im Schwall abgeht wie in typischen Filmszenen, dann ist die Sache klar: Das war ein Blasensprung. Aber oft ist es eben nur ein kleines Leck in der Fruchtblase, aus dem Fruchtwasser tröpfelt, dann ist die Situation nicht so eindeutig. Viele Frauen nehmen dann an, dass es vielleicht ein paar Tropfen Urin sind, weil das Baby so sehr auf die Blase drückt. Oder etwas mehr Ausfluss als sonst, schließlich ist die Scheide besonders gut durchblutet.

Wenn die Wehen nicht einsetzen und es beim Tröpfeln bleibt, hast du mehrere Möglichkeiten herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Fruchtwasser handelt:

  • Leere die Blase ganz – tröpfelt es danach gleich weiter? Dann ist es wahrscheinlich Fruchtwasser.
  • Prüfe den Geruch: Urin hat einen typischen Geruch, Fruchtwasser riecht eher süßlich.
  • Prüfe die Farbe: Urin ist hellgelb, Fruchtwasser eher farblos oder leicht rosa.
  • Versuche es mit einem Hebammentrick: Lege dich für eine halbe oder ganze Stunde hin, und zwar mit einem Kissen unterm Becken. Hört das Tröpfeln im Liegen auf und beginnt erst wieder, wenn Du aufstehst, ist es wahrscheinlich ein Blasensprung.

Du bist dir immer noch unsicher? Du kannst du mit einem Selbsttest aus der Apotheke sicher herausfinden, ob es sich um Fruchtwasser handelt oder nicht. Dazu tauchst du den Teststreifen in ein paar Tropfen der Flüssigkeit oder nimmst mit dem sauberen Finger etwas Flüssigkeit vom Scheideneingang ab und gibst sie auf den Teststreifen.
Der Teststreifen prüft den Säuregehalt der Flüssigkeit als pH-Wert. Fruchtwasser hat einen besonders hohen pH-Wert von über 6,5. Der pH-Wert für den Scheideneingangsbereich dagegen liegt in der Regel zwischen 4,0 und 4,4. Je dunkler sich der Teststreifen verfärbt, desto höher ist der pH-Wert. Du kannst den Wert aber auch einfach an der Farbskala des Herstellers ablesen. (Den Test gibt es nicht nur als Streifen, sondern zum Beispiel auch als Einmal-Handschuhe und spezielle Binden.)

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Kann es sein, dass man den Blasensprung nicht bemerkt?

Das ist eher unwahrscheinlich. Die ersten paar Tropfen bemerkst du vielleicht nicht, aber wenn das Fruchtwasser beständig tröpfelt, wird dir die Feuchtigkeit auffallen.

Wie viel Wasser verliert man bei einem Blasensprung?

Etwa anderthalb Liter – wenn das ganze Fruchtwasser abgeht.

Was soll ich tun, wenn es tatsächlich ein Blasensprung ist?

Vor allem solltest du deine Hebamme oder deine Ärztin darüber informieren, dass du einen Blasensprung hattest. Wenn Du kurz vor dem Geburtstermin stehst und auch die Wehen beginnen, dann solltest du dich auf den Weg in die Klinik machen. Wichtig: Du weißt, dass sich das Köpfchen deines Babys schon tief in deinem Becken befindet? Dann kannst du auch herumlaufen und ihr könnt mit dem eigenen Auto oder Taxi fahren.

Das Fruchtwasser ist im Schwall abgegangen und du bist dir nicht sicher, ob das Köpfchen schon fest im Becken liegt? Dann legst du dich am besten hin und lässt dich liegend von einem Krankenwagen in die Klinik transportieren. Der Grund: Wenn sich das Köpfchen noch nicht im Becken eingestellt hat, kann in seltenen Fällen die Nabelschnur zwischen dem Köpfchen und dem knöchernen Becken eingeklemmt werden. Bei solch einem Nabelschnurvorfall besteht die Gefahr, dass dein Baby nicht mehr genug Sauerstoff bekommt. Zur Vorsicht solltest du dich deshalb hinlegen und dein Becken möglichst etwas höher lagern, etwa auf einem Kissen.

Beginnt mit dem Blasensprung die Geburt?

Im Prinzip schon. Sobald Fruchtwasser abgeht, hat die Geburt begonnen. Meist setzen die Wehen unmittelbar mit dem Blasensprung ein, neun von zehn Frauen bekommen in den ersten 24 Stunden nach dem Blasensprung Wehen.

Blasensprung ohne Wehen: Muss ich auch dann schnell in die Klinik?

Sagen wir: bald. Denn Fruchtwasser ist eine warme, nährstoffreiche Flüssigkeit, Bakterien breiten sich darin schnell aus. Wenn die Fruchtblase offen ist, besteht deshalb eine erhöhte Infektionsgefahr. Folgende Komplikationen drohen, wenn man zu lange wartet:

•    eine Infektion der Fruchtblase (IAI, Abkürzung für Intraamniotische Infektion) und Infektionen des Ungeborenen
•    eine ungünstige Lage für das Baby (schließlich wird es nicht mehr durchs Fruchtwasser abgepolstert)
•    eine vorzeitige Ablösung der Plazenta

Deshalb wird die Geburt auch eingeleitet, wenn sechs bis 24 Stunden nach einem Blasensprung noch immer keine Wehen eingesetzt haben. Am besten besprichst du mit deiner Hebamme oder deinem Arzt, wie schnell du in die Klinik kommen sollst.

Kann die Geburt auch ohne Blasensprung beginnen?

Ja, das ist sogar der häufigere Fall: Bei etwa zwei Drittel der Frauen platzt die Fruchtblase während der Eröffnungsphase der Geburt. Das ist dann in der Fachsprache ein "rechtzeitiger Blasensprung". Manchmal piksen Hebammen sie auch an, um sie zum Platzen zu bringen (sie nennen das oft "eröffnen"). Das kann sinnvoll sein, wenn die Geburt längere Zeit nicht voran geht, Mutter und Kind aber bereits völlig erschöpft sind. Oder auch, wenn sich die Fruchtblase so stark vorwölbt, dass der Pressdrang zu früh einsetzt.
Der Blasensprung wird dann mithilfe eines Gummifingerlings mit kleinem Häkchen an der Spitze herbeigeführt. Das ist nicht gerade ein furchteinflößendes Instrument, heißt aber "Blasensprenger". Keine Angst: Den Piks selbst spüren weder du noch dein Kind. Allerdings werden die Wehen danach meist effektiver, also heftiger.

Was tun bei einem vorzeitigen Blasensprung?

Das kommt darauf an, in welcher Schwangerschaftswoche du bist.

Nach der 34. SSW, also in den letzten sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, wird die Geburt eingeleitet, falls die Wehen nicht von selbst beginnen.
Bis zur 34. Schwangerschaftswoche wird die Schwangere in der Klinik aufgenommen und dort engmaschig überwacht. Wahrscheinlich bekommt sie Antibiotika, um Infektionen vorzubeugen, und Kortiksteroide ("Kortison"), um die Lungenreifung des Ungeborenen zu unterstützen, und bei Bedarf auch wehenhemmende Medikamente.
Vor Vollendung der 32. SSW bekommt die Mutter außerdem meist Magnesiumsulfat, um einer Gehirnblutung und Komplikationen bei der Entwicklung des Gehirns des Neugeborenen vorzubeugen.
Je früher der Blasensprung in der Schwangerschaft auftritt, desto schwieriger ist die Abwägung von ärztlicher Seite her: Wie groß ist das Risiko für das Kind durch eine Frühgeburt und wie groß ist das Risiko für Mutter und Kind durch aufsteigende Infektionen?
Kommt es aber zu einer ernsthaften Infektion oder geht es dem Ungeborenen nicht gut, dann bleibt keine Wahl, als das Baby zu holen beziehungsweise die Wehen einzuleiten.

Quellen:

Rath, Werner, Gembruch, Ulrich, Schmidt, Stephan (Hg): Geburtshilfe und Perinatalmedizin – Pränataldiagnostik, Erkrankungen, Entbindung. Thieme Verlag. 2. Auflage, 2010.

Thieme.de Magazin: Hebammenarbeit: Vorzeitiger spontaner Blasensprung

MSD Manual: Vorzeitiger Blasensprung.
 

Auf einen Blick

  • Der Blasensprung kann den Beginn der Geburt kennzeichnen, häufig bleibt die Fruchtblase aber auch noch bis zur Öffnung des Muttermundes stehen
  • Aufgrund der Infektionsgefahr solltest du dich nach einem Blasensprung zügig auf den Weg ins Krankenhaus machen
  • Wenn das Köpfchen noch nicht fest im Becken sitzt, sollte der Transport in die Klinik liegend erfolgen
  • Wenn sechs bis 24 Stunden nach dem Blasensprung noch keine Wehen eingesetzt haben, wird die Geburt eingeleitet

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