Geburt
 
Deutsche Babys werden immer schwerer

Vor zehn Jahren lag das durchschnittliche Geburtsgewicht noch bei 3300 Gramm, inzwischen bringt das statistische Normalbaby stattliche 3500 Gramm auf die Waage. Müssen wir jetzt schon während der Schwangerschaft aufpassen, dass unsere Kinder nicht schon im Mutterleib zu viele Kalorien bekommen? Und bedeutet ein schweres Kind zwangsläufig eine schwere Geburt?

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Geburt: Deutsche Babys werden immer schwerer

Jede Mutter freut sich, wenn das Gewicht ihres kleinen Mitbewohners während der Schwangerschaft kontinuierlich steigt und das Ungeborene wächst und gedeiht. Die Freude schlägt aber schnell in leichte Panik um, wenn sich die Gewichtsprognose des Frauenarztes kurz vor dem Geburtstermin der Vier-Kilo-Marke nähert. Schließlich will und soll der kleine Wonneproppen ja irgendwie seinen Weg aus dem Mutterleib finden ...

Welche Risiken bestehen bei der Geburt eines sehr schweren Kindes?

Die gute Nachricht vorneweg: Hier entscheidet in erster Linie der Kopfumfang des Babys und nicht das absolute Gewicht. Ist ein Baby sehr lang und dadurch in der Regel auch schwerer als der Durchschnitt, hat das bei der Geburt keinerlei Einfluss auf den Verlauf. "Problematisch sind eher die "komprimierten" Babys, die kurz und recht breit sind", so die Münchener Frauenärztin Angelika Rose-Meyer. Die Statur der Mutter spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Eine große, kräftig gebaute Mutter wird weniger Probleme haben, ein Vier-Kilo-Baby auf die Welt zu bringen als eine kleine zierliche Frau.

Video: Bedeutet ein großes Baby, dass auch die Geburt schwer wird?

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Folgende Geburtsrisiken bestehen bei übergewichtigen Babys:

  • Das Kind passt nicht mehr ins Becken und muss per Kaiserschnitt geholt werden.
  • Höheres Verletzungsrisiko während der Geburt
  • Sauerstoffunterversorgung des Babys

Hebamme Halina von Stietencron rät: "Auch wenn klar ist, dass das Baby überdurchschnittlich schwer sein wird, sollten sich Schwangere nicht von vornerein zu einem Kaiserschnitt überreden lassen. Erst während der Geburt zeigt sich, ob eine Geburt auf natürlichem Weg nicht doch völlig unproblematisch möglich ist." Frauen, die ein schweres Kind erwarten, sollten sicherheitshalber die Klinik als Geburtsort wählen. Sollte es zu einem Geburtsstopp kommen, kann das Kind hier per Kaiserschnitt geholt werden. "Zudem stimmen die Gewichtsprognosen in vielen Fällen nicht", so Halina von Stietencron.

Immer mehr dicke Babys

Bislang standen hauptsächlich zu dicke Kinder und Jugendliche im Fokus von besorgten Medizinern, Eltern und den Medien. Jetzt gilt das Augenmerk aber vermehrt auch kleinen Wonneproppen, die schon bei der Geburt zu viel Gewicht auf die Waage bringen. Und die Tatsache, dass in Deutschland immer mehr übergewichtige Babys das Licht der Welt erblicken, beweist die Statistik: Nach Angaben der Techniker Krankenkasse ist zwischen den Jahren 2004 und 2007 die Zahl der übergewichtigen Neugeborenen in Deutschland um 43 Prozent gestiegen. Wobei das Statement "übergewichtig" keiner festen Definition folgt, sondern Auslegung des Arztes ist, da sie auch in Zusammenhang mit der Größe des Babys zu sehen ist.

Kommentierte man vor zehn Jahren ein kleines Dickerchen gerne mit "rund und gesund", ist die Freude über stattliche Grammzahlen verhaltener. Ab gut vier Kilo Geburtsgewicht spricht man von einem erhöhten Geburtsrisiko. Bei Babys in dieser Gewichtsklasse treten auch in einigen Fällen bereits gesundheitliche Probleme wie ein gestörter Blutzuckerhaushalt auf.

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Weshalb gibt es immer mehr Neugeborene mit Übergewicht?

Eine der Ursachen für den Anstieg der übergewichtigen Babys sehen Experten in der Tatsache, dass Frauen ihre Kinder heutzutage immer später bekommen. Bei älteren Frauen übertragen sich Stoffwechselstörungen und Übergewicht vermehrt auf das Neugeborene. Dazu kommt: Bei übergewichtigen Frauen treten Schwangerschaftskomplikationen etwa fünf Mal häufiger auf als bei normal gewichtigen Frauen (Quelle: TKK). Auch die Geburt dauert in der Regel länger und endet häufiger mit einem Kaiserschnitt.
Im Schnitt bringen die Deutschen im Allgemeinen mehr Gewicht auf die Waage als noch vor einigen Jahren. Und auch Schwangere nehmen deutlich mehr zu als die Generation davor. Waren damals zehn Kilo Gewichtszunahme das höchste der Gefühle, werden hier inzwischen oft keine Grenzen nach oben gesetzt.

Ebenfalls mit ein Grund für die Zunahme des Durchschnittsgewichts Neugeborener: Die Versorgung und Ernährung von Schwangeren wird immer besser - die Folge: Neugeborene, die stattliche Grammzahlen erreichen.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Schwangerschaftsdiabetes und Übergewicht im Mutterleib?

Viele Frauen mit Übergewicht leiden unter Schwangerschaftsdiabetes. Ihr Blut enthält zu viel Zucker, der direkt an das Ungeborene weitergegeben wird. Der Fötus kann nicht erkennen, wie viel Zucker er für seine Entwicklung benötigt und speichert ihn in seinen Organen. Die Folge: Die Kinder wachsen und kommen als kleine Wonneproppen zur Welt, die inneren Organe sind aber in vielen Fällen nicht ausgereift. Direkt nach der Geburt leiden diese Babys unter gefährlicher Unterzuckerung, weil der Zuckernachschub nach Abnabelung ausbleibt. Wird ein Schwangerschaftsdiabetes nicht behandelt, liegt das Übergewichts-Risiko der Kinder laut einer von der American Diabetes Association in Auftrag gegebenen Studie um 85 Prozent höher als bei gesunden Frauen. Mit einer Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes lasse sich dagegen nach Auskunft von Professor Andreas Plagemann von der Klinik für Geburtsmedizin der Charit in Berlin die Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern halbieren. Noch bleiben viele Fälle von Schwangerschaftsdiabetes unerkannt, da die Tests keine Pflicht sind und von den Eltern selbst bezahlt werden müssen.

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Ab welchem Gewicht nehmen die Geburtsrisiken zu?

Ab etwa vier Kilo spricht man von einem leicht erhöhten Risiko, bei 4.500 Gramm ist das Geburtsrisiko deutlich erhöht.

Wie viel wiegt das Baby im Mutterleib?

Die meisten Mütter möchten möglichst genau wissen, wie viel ihr Kind kurz vor der Entbindung wiegt, auch wenn die Gleichung "Großes Kind = anstrengende Geburt" nicht unbedingt stimmt. Mit Ultraschall kann der Arzt das Ungeborene exakt vermessen, der Computer rechnet die Daten hoch und spuckt eine aufs Gramm berechnete Vorhersage aus. Aber: Abweichungen von bis zu 300 Gramm sind trotz moderner Technik nicht auszuschließen. Fragen Sie Ihre Hebamme, wie schwer Ihr Kind sein wird, nimmt sie ein Maßband und vermisst den Bauch nach einem bestimmten System. Außerdem tastet die Hebamme die Konturen des Babys nach. Abweichung bei der Hebammen-Prognose: in etwa 80 Prozent der Fälle um die 100 bis 200 Gramm, bei den restlichen 20 Prozent unter 300 Gramm.

Schwere Eltern, schweres Baby - gibt es hier einen Zusammenhang?

Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen dem Gewicht der werdenden Eltern und dem Gewicht des Neugeborenen. Sicher ist aber, dass sich das Geburtsgewicht in gewisser Weise vererbt: Frauen, die selber als Baby klein waren, bringen auch häufiger zierliche Babys zur Welt. Wie viel der werdende Vater bei der Geburt wog, spielt dagegen keine so große Rolle.

Wie viel sollen Schwangere zunehmen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn Sie zu Beginn der Schwangerschaft eher dünn waren (BMI niedriger als 19,8), kann Ihre Zunahme ruhig zwischen 12 und 18 Kilo liegen. Bei einem mittleren Gewicht (BMI 19,8 bis 26) dürfen Sie am Ende der Schwangerschaft 11 bis 16 Kilo mehr auf die Waage bringen. Frauen, die mit einem eher hohen Gewicht und einem BMI über 26 schwanger wurden, sollten dagegen aufpassen, dass sie nicht mehr als 12 Kilo zulegen. Denn mit Übergewicht in der Schwangerschaft steigt das Risiko für Bluthochdruck und Diabetes.

Generell gilt: Wichtiger als Kilo-Zählen ist es, nachzuschauen, wie die Gewichtskurve verläuft. Wenn es plötzliche Schübe von vier, fünf Kilo innerhalb weniger Tage gibt, sollte der Arzt aufgesucht werden, denn das könnte ein Hinweis auf eine Gestose – eine Schwangerschaftsvergiftung – sein.

Idealgewicht in der Schwangerschaft: Wie viel mehr darf es sein?

Hier können Sie Ihren Body-Mass-Index (BMI) für den Beginn der Schwangerschaft berechnen.

Wie setzt sich das zusätzliche Gewicht zusammen?

Das Baby macht nur etwa ein Viertel bis Fünftel der Gewichtszunahme aus. So verteilt sich das Gewicht:

  • Gebärmutter: 1000 Gramm
  • Plazenta: 650 Gramm
  • Die vergrößerten Brüste: je bis zu 400 Gramm
  • Zunahme der Blutmenge, Gewebeflüssigkeit der Mutter, Fruchtwasser: 4000 Gramm
  • Baby: 3300 Gramm

Die restlichen Kilo dienen als Energie-Reserven für die Stillzeit – angelegt in Fettpölsterchen.

Noch mehr Infos: Woher die zusätzlichen Kilo kommen