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PDA bei der Geburt Wie sich Wehenschmerzen mit einer Periduralanästhesie lindern lassen

PDA bei der Geburt: Frau in den Wehen liegt auf einem Gymnastikball
© o1559kip / Adobe Stock
Unter der Geburt gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Wehenschmerzen zu lindern. Eine davon ist die Periduralanästhesie, bekannter unter der Abkürzung PDA. Hier beantworten wir alle wichtigen Fragen zu diesem Thema.

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Was erwartet mich? Halte ich den Schmerzen stand? Schaffe ich das? Nicht wenige Schwangere plagen sich mit Ängsten und Zweifeln vor der Geburt. Beruhigend ist es dann, noch in der Zeit der Schwangerschaft die gängigen medikamentösen Verfahren zu kennen, die neben sanften Hilfen bei Wehenschmerzen eingesetzt werden können. So ist zum Beispiel die Periduralanästhesie, kurz PDA, eine Schmerztherapie, die bei vielen Entbindungen – sei es bei einer natürlichen Geburt oder beim Kaiserschnitt – erfolgreich angewendet wird.

Hierbei handelt es sich um eine lokale Betäubung des Unterleibs durch eine Spritze in Höhe des dritten oder vierten Lendenwirbels, auch vereinfacht Rückenspritze genannt. Sie bietet Frauen bei der Geburt eine deutliche Linderung des Schmerzes. In vielen Kliniken können die Gebärenden die Dosierung des Narkosemittels während der Geburt per Knopfdruck sogar selbst bestimmen und die PDA auf Wunsch für die Presswehen auch ganz abstellen. Wie das alles genau funktioniert und welche Risiken eine Periduralanästhesie für Mutter und Kind haben kann, das sagen wir dir hier.

Schmerzen Geburt

PDA bei der Geburt – ja oder nein?

Du entscheidest selbst, ob du eine PDA zur Linderung der Schmerzen während der Geburt haben willst oder nicht. Bei der Anmeldung im Krankenhaus deiner Wahl wird dir im Vorgespräch die Frage gestellt, ob du sie gegebenenfalls bei der Geburt in Anspruch nehmen willst. In der Regel klärt dich ein Anästhesist über das Verfahren und mögliche Nebenwirkungen auf. Wenn für dich diese schmerzlindernde Maßnahme grundsätzlich in Frage kommt, dann bedarf es deiner Unterschrift unter einer Einwilligungserklärung. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass bei der Geburt eine Periduralanästhesie gelegt wird. Aber in den Wehen hast du weniger Zeit und Nerven für Formulare.

Auch wenn du kein Vorgespräch hattest, besteht natürlich die Möglichkeit einer Periduralanästhesie. Die Aufklärung passiert dann, sobald du den Wunsch äußerst. Manche Frauen bitten im Geburtsverlauf schnell darum; andere versuchen viele Stunden, mit den Wehen zurechtzukommen, bis sie es schließlich nicht mehr aushalten oder die Kraft schwindet. Wiederum andere kommen ganz ohne aus. Die Erfahrungen sind unterschiedlich. Manche Gynäkolog:innen empfehlen Schwangeren, gerade bei der ersten Geburt eine PDA nicht von vornherein auszuschließen. Nicht allein aufgrund der Linderung des Geburtsschmerzes, sondern auch, weil eine Periduralanästhesie Verkrampfungen und Blockaden im Körper lösen kann und sich der Muttermund so möglicherweise schneller öffnet – was das Voranschreiten der Geburt begünstig. Wichtig ist bei all dem: Du allein entscheidest, wann es dir zu viel wird und ob du dir das Betäubungsmittel geben lassen willst.

Es gibt allerdings auch Fälle, bei denen die PDA bei der Geburt nicht ganz freiwillig zum Zuge kommt. Diese können unter anderem sein:

  • Vorerkrankungen der Schwangeren, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems
  • Risikogeburten
  • als Teilnarkose beim Kaiserschnitt

Bei werdenden Müttern, die allergisch auf Betäubungsmittel reagieren oder eine Störung der Blutgerinnung haben, kann eine PDA hingegen nicht angewendet werden.

Wann und wie wird die PDA gesetzt?

Im Idealfall ist der Muttermund erst zwei bis drei Zentimeter geöffnet, wenn die PDA gesetzt wird. Sie ist aber auch zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich. Erst kurz bevor das Baby kommt, unter heftigen Wehen und bei vollständig eröffnetem Muttermund, wird es ein Problem: zu diesem Zeitpunkt lässt sich die PDA kaum noch legen. Allerdings ist sie dann meistens auch nicht mehr sinnvoll – denn das Kind wäre bereits da, bevor das Mittel seine Wirkung entfaltet hat.

Und wie läuft das Ganze ab? Zunächst wartet ein hinzugerufener Anästhesist eine Wehenpause ab, denn in Deutschland ist nur ein Narkosearzt dazu berechtigt, eine PDA durchzuführen. Er bittet dich, im Sitzen einen "Katzenbuckel" zu machen, damit die Wirbel gedehnt werden. Wenn du schlecht sitzen kannst – der Katzenbuckel klappt auch im Liegen. Du solltest es so bequem haben, damit du während des Eingriffs stillhalten kannst. Der Narkose-Arzt tastet nun nach deinen Lendenwirbeln und sucht die richtige Stelle für den Einstich der Nadel. Zuerst desinfiziert er die Haut an der geplanten Einstichstelle und setzt eine kleine Spritze mit einem Hautbetäubungsmittel. Mit einer Nadel, die etwa so dick ist wie die fürs Blutabnehmen, dringt der Anästhesist anschließend bis in den Raum der harten Rückenmarkshaut (nicht zum Rückenmark!) vor. Das ist der sogenannte Periduralraum. Davon spürst du kaum etwas. An die Nadel ist eine Spritze mit Kochsalzlösung gekoppelt. Wenn der Arzt an der richtigen Stelle ist, drückt er diese Lösung aus der Spritze.

Nun wird ein weicher Kunststoffschlauch in die lange Nadel eingefädelt und durch die Einstichstelle bis in den Periduralraum vorgeschoben. Das ist der Katheter, der dazu dient, das Betäubungs- und auch Schmerzmittel gezielt zu dosieren. An das vordere Ende des Katheters kommt ein Bakterienfilter, damit keine Keime eindringen. Jetzt spritzt der Arzt eine Testdosis Betäubungsmittel. Ein paar Minuten abwarten – dann folgt der Test, ob deine Beine beweglich sind. Deine Muskeln brauchst du nämlich auch mit PDA, damit du pressen kannst. Noch spürst du die Wehen, aber bald werden sie nicht mehr wehtun, weil das Medikament die Spinalnerven betäubt und somit die Schmerzweiterleitung vom Körper zum Gehirn blockiert: Nun setzt die Schmerzlinderung ein. Der Schlauch wird nun an deinem Rücken mit einem Pflaster festgeklebt und über deine Schulter nach vorn geleitet und ebenfalls fixiert. So bist du beweglich, nichts kneift am Rücken und der Wirkstoff kann leicht hineingeben werden.

Wie beeinflusst die PDA die Geburt?

Nach etwa 10 bis 20 Minuten hat die PDA ihre volle Wirkung entfaltet. Du spürst noch, wie dein Bauch hart wird unter den Wehen, manchmal auch Druck und Ziehen, aber die Schmerzen sind weg beziehungsweise deutlich abgeschwächt. Sie können von ihrer Intensität her mit den Schmerzen, die du während der Periode spürst, verglichen werden.
Hin und wieder wirkt das Narkosemittel nur links oder nur rechts, und die andere Seite ist noch "wach". Sag dann sofort Bescheid. Oft hilft es schon, wenn du dich auf die Seite legst, in der du noch Schmerzen hast, damit der Wirkstoff dorthin fließen kann. Oder der Arzt muss die Lage des Katheters leicht korrigieren. Die PDA als Form der Schmerzlinderung ist inzwischen so hoch entwickelt, das sie den Geburtsverlauf nicht, wie häufig gesagt, negativ beeinflusst.

Kann ich die Wirkung selbst dosieren?

Die Mischung und Dosis des Medikaments ist individuell für dich berechnet. Fast immer werden Betäubungs- und Schmerzmittel über eine kleine Pumpe gleichmäßig nachdosiert. Wenn du möchtest, kannst du das selber in die Hand nehmen: über einen Druckknopf an der Pumpe. Du entscheidest, ob du die Schmerzen kommen lässt und für die letzte Phase der Geburt, der sogenannten Austreibungsphase, wieder ganz "da" sein willst. Oder ob du wenige Schmerzen bis zum Schluss möchtest. Das Betäubungsmittel wird bei der modernen PDA vorsichtig und ganz genau dosiert. Deshalb kannst du dich aufrichten, sogar aufstehen. Aber du brauchst dafür in jedem Fall eine Stütze, denn deine Beine gehorchen dir nicht wie gewohnt. Aber mit etwas Hilfe ist sogar der Weg auf die Toilette möglich.

Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?

Ein warmes Gefühl strömt durch deine Beine, nicht unangenehm und ein Zeichen, dass die PDA bald wirkt. Denn auf das Betäubungsmittel reagieren auch die Nerven um die Blutgefäße in den Beinen – sie weiten sich, mehr Blut strömt hinein. Deine Beine fangen an zu kribbeln, fühlen sich schlapp an und sind nicht mehr so beweglich wie vorher.
Kopf- oder Rückenschmerzen können ebenso Folge der Betäubung sein wie Juckreiz und Fieber. Letztlich hängen die Nebenwirkungen von der Wahl des Betäubungsmittels ab. Über die Details wird dich dein Narkosearzt aufklären. Außerdem kann es zu Problemen beim Wasserlassen kommen. Dann wird dir für kurze Zeit ein Katheter gelegt.

Birgt die PDA Risiken für Mutter und Kind?

Weil sich unter einer Periduralanästhesie viele Gefäße weiten, kann dein Blutdruck abfallen. Das wäre nicht gut für dich und fürs Baby, denn dein Kreislauf versorgt es ja mit. Deshalb schaut die Hebamme regelmäßig auf die Werte. Ein kleines Gerät, das um dein Handgelenk liegt, macht das leicht. Kreislaufmittel brauchen allerdings nur wenige Frauen. Zur Sicherheit wird dir eine Kanüle an deinen Arm gelegt, um bei starkem Blutdruckabfall schnell mit einem Gegenmittel reagieren zu können. Nur ein geringer Teil der Wirkstoffe für die PDA gelangt in deinen Kreislauf. Unter PDA geborene Kinder sind deshalb genauso fit wie Babys von Müttern, die keine Schmerzmittel bekommen haben.

Stimmt es, dass ich mit einem Tattoo am Steißbein keine PDA bekomme?

Das kann durchaus passieren. Manche Anästhesisten weigern sich, Frauen mit Tattoo auf dem Steißbein eine PDA zu geben. Der Grund: Die Punktionsnadel, die in den Bereich zwischen den Lendenwirbeln geschoben wird, kann Farbpigmente in den Körper einschleusen. Und niemand kann abschätzen, was die Tattoo-Pigmente in dem empfindlichen Hohlraum in der Wirbelsäule anrichten können. Denn dieser auch Peridualraum genannte Bereich ist mit Hirnwasser gefüllt und weist besonders viele Nervenenden auf. Weniger Sorgen müssen sich Frauen machen, die sich ihres Tattoos bereits wieder per Laser entledigt haben: Die dadurch entstandenen Narben sind in den meisten Fällen kein Hindernis für eine PDA.

Fazit: PDA bei der Geburt

Die Geburt bleibt eine individuelle Erfahrung, bei der du dir nicht reinreden lassen solltest. Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern, die dir sagen, du würdest es dir mit einer PDA leicht machen. Manche Frauen sind mehr von Ängsten geplagt als andere. Wähle den Weg, der für dich am besten ist und versuche, dich so früh wie möglich über die verschiedenen Methoden zur Linderung des Wehenschmerzes beraten zu lassen. Zum Beispiel von deiner Hebamme: Viele kennen sich mit alternativen Methoden zur Linderung des Geburtsschmerzes, wie beispielsweise Hypnobirthing, aus.  

ELTERN

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