Geburt
 
Auf der Rutschbahn in die Welt

Eine schnelle und sanfte Geburt. Das wünschen sich wohl alle Schwangeren. Doch gerade beim ersten Kind klappt das nicht immer. Jetzt hat ein Schweizer Gynäkologe ein Gleitgel entwickelt, das die Geburt schneller und einfacher machen soll. Wie auf einer Rutschbahn soll das Baby damit in die Welt gleiten.

Bis zu 50 Prozent weniger Reibungskräfte

Schon in der Antike verwendeten Geburtshelfer Olivenöl

Entwickelt hat das Geburtsgel Dr. Andreas Schaub aus Zürich. "Die Idee ist einfach", so Schaub, "während der Geburt entstehen zwischen Ungeborenem und Vagina hohe Reibungskräfte. Das Gel reduziert diese und erleichtert dem Baby den Weg durch den Geburtskanal." Der Widerstand zwischen Mutter und Kind soll so um bis zu 50 Prozent verringert werden.

Völlig neu ist die Anwendung von Gleitmitteln bei der Geburt nicht. Schon in der Antike verwendeten Geburtshelfer Olivenöl. Auch heute kommt bei einer schleppenden Geburt schon mal Nachtkerzenöl zum Einsatz.

Der Vorteil des neuen Geburtsgels sei der sogenannte bioadhäsive, also anhaftende, Gleitfilm. Er könne – im Gegensatz zu anderen Mitteln – nicht so leicht vom Fruchtwasser fortgewaschen werden, so Schaub.

Also kann er doch wahr werden, der Traum von der schönen, sanften Geburt? Dem schnellen, schonenden Herausgleiten das Babies?

Das Gleitmittel kann die Geburtsdauer um ein Drittel verkürzen

Die Zahl der Dammrisse reduzierte sich um fast die Hälfte

Erste Studien aus der Schweiz zeigen positive Ergebnisse. Das Team der Privatdozentin Dr. Irene Hösli von der Universitätsfrauenklinik Basel verglich die Geburten von Erstgebärenden in drei eidgenössischen Kantonsspitälern. Die zunächst 340 Studienteilnehmerinnen reduzierten sich auf insgesamt etwa 100, da nur solche Geburten ausgewertet wurden, bei denen das Kind in normaler Lage und ohne weitere Hilfsmittel auf die Welt kam. Die Hälfte der Schwangeren bekam beim Einsetzen der Geburtswehen Gel in die Vagina, während man bei der anderen Hälfte - der Kontrollgruppe - darauf verzichtete.

Das Gleitmittel konnte die Geburtsdauer um insgesamt rund ein Drittel verkürzen. Die Zeit vom Beginn bis zur maximalen Öffnung des Muttermundes (Eröffnungsphase) war dabei um durchschnittlich eine Stunde zurückgegangen, und die Zeit bis zum Austritt des Kindes (Austreibungsphase) um eine knappe halbe Stunde.

Die mit dem Gel behandelten Frauen hätten zudem vergleichsweise seltener geburtsbedingte Verletzungen erlitten. Die Anzahl der Dammrisse reduzierte sich um fast die Hälfte.

"Das Baby gleitet wie auf einer Rutschbahn heraus", bestätigt Privatdozentin Dr. Maritta Kühnert, leitende Oberärztin der Klinik für Geburtshilfe und Perinatalmedizin der Philipps-Universität Marburg. Sie sieht das Gel als ideales Mittel, Frauen zu ermutigen und die spontane Geburt zu erleichtern. "Der natürliche Geburtsverlauf wird unterstützt. Das Baby kann sanft und effektiv auf die Welt kommen".

Hösli allerdings schränkt die Aussagekraft ihrer Studie ein. "Unsere Ergebnisse müssen weiter bestätigt werden, dazu braucht es größere Zahlen", also mehr Teilnehmerinnen. In Deutschland, Holland und Spanien sind die nächsten Studien bereits in Planung.

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