Geburtsgewicht
 
Jedes Gramm das reine Glück

Wonneproppen oder zartes Küken? Zehn aktuelle Fakten zu der stolzen Grammzahl, die auf keiner Geburtsanzeige fehlen darf.

Inhalt: 
Leichter? Schwerer? Woran liegt es, ob ein Baby im Mutterleib gut zunimmt?Wie schwer ist das deutsche Durchschnittsbaby?Wie viel wiegt das Rekordbaby?Schweres Baby - schwere Geburt?Warum nehmen Babys nach der Geburt ab?Warum wiegt das zweite Baby mehr als das erste?

Warum sind Jungen schwerer als Mädchen?

Geburtsgewicht: Jedes Gramm das reine Glück

Weil sie im Mutterleib mehr essen. Die Versorgung über die Nabelschnur ist nur zum Teil ein stetiger Strom, über den die Nahrung zum Ungeborenen hinpulst. Ab etwa der 30. Schwangerschaftswoche lernt das Baby, sich aktiv etwas zu nehmen. Das zeigen bewegte Bilder im Ultraschall: Der Blutfluss in der Nabelschnur ist natürlich immer da, aber er kennt jetzt deutliche "Saugphasen". Warum aber Jungen mehr nehmen als Mädchen, dazu gibt es nur Vermutungen. Eine davon: Kleine Jungen sind empfindlicher, die Natur stattet sie, um ihre Startchancen zu verbessern, mit einem etwas höheren Geburtsgewicht aus.

Leichter? Schwerer? Woran liegt es, ob ein Baby im Mutterleib gut zunimmt?

Vor allem natürlich an der Plazenta. Arbeitet der Mutterkuchen gut, bekommt das Ungeborene mehr Nährstoffe. In der Schwangerschaft ist der Körper der Frau auf "Baby zuerst" programmiert. Heißt: Die Plazenta wird auch bei Mangel gut versorgt. Deshalb hungert Ihr Baby nicht, wenn Sie ein paar Tage lang wenig Appetit haben. Auf Dauer wenig essen würde das Ungeborene aber klein halten. Manchmal kommen die Nährstoffe auch nicht richtig zum Baby. Die Gefäße der Plazenta tauchen über winzige Wurzeln tief in das Gewebe der Gebärmutterschleimhaut ein und saugen von dort Nahrung fürs Baby. Das ist ein empfindliches System: Kommt es zu Durchblutungsstörungen – vor allem, wenn Nikotin die Gefäße zusammenzieht –, muss das Ungeborene mit Mangel leben. Brutal, aber wahr: Frauen, die in der Schwangerschaft um die zehn Zigaretten täglich rauchen, bekommen im Schnitt um etwa 500 Gramm leichtere Babys. Jetzt aber noch etwas Nettes: Planen Sie jeden Tag ein spezielles Fütterstündchen für Ihr Baby ein. Machen Sie es sich dazu auf dem Sofa gemütlich – im Liegen ist die Plazenta noch besser durchblutet. Und gönnen Sie sich was Leckeres: vielleicht heiße Schokolade? Frischen Orangensaft? Oder leckeres Obst?

Wie schwer ist das deutsche Durchschnittsbaby?

Kleine Mädchen wiegen bei der Geburt im Schnitt 3450 Gramm, kleine Jungen 3550. In den letzten 20 Jahren ist das Durchschnittsgeburtsgewicht stetig angestiegen. Und warum? Weil es immer mehr "Brummer" mit über 4000 Gramm Startgewicht gibt. Denn Frauen bekommen heute ihre Kinder später, und bei ihnen treten Stoffwechselstörungen wie Diabetes häufiger auf als in jüngeren Jahren. Ein hoher Blutzuckerspiegel mästet das Baby – es bekommt viele Fettpölsterchen, was leider nicht rundum gesund ist. Seine inneren Organe entwickeln sich im Überangebot nicht so gut. Mit einer speziellen Diät für die werdende Mutter – und wenn es gar nicht anders geht, mit Medikamenten – lässt sich der Blutzuckerspiegel jedoch regulieren. Die spezielle Untersuchung auf Zucker (Glukose-Toleranztest) zahlt die Kasse nicht. Die 20 Euro lohnen sich aber unbedingt!

Wie viel wiegt das Rekordbaby?

Derzeitiger Weltrekord ist der "kleine" Kacper, der Anfang das Jahres im polnischen Stettin geboren wurde: Er brachte 7130 Gramm auf die Waage. Bei einer Länge von 66 Zentimetern. Der Junge wurde mit Kaiserschnitt geholt. Seine 45 Jahre alte Mutter litt nicht, wie viele Mediziner zunächst vermuten würden, unter Diabetes. Das Startgewicht spielt fürs Gedeihen nur in den ersten sechs Monate eine Rolle, danach haben die eher zarten Babys meist den Vorsprung eingeholt.

Liegen große Kinder in der Familie?

Ob die Kleinen ab der 34. Woche besonders kräftig zulegen oder sich eher zurückhalten, liegt tatsächlich mit in den Genen. In den mütterlichen. Haben Sie selber bei der Geburt ganz ordentlich etwas auf die Waage gebracht, ist Ihr Baby mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gut beieinander.

Schweres Baby - schwere Geburt?

Stimmt nur bedingt. Ein stattlicher Kopfumfang und kräftige Schultern (haben im Mutterleib gut gefütterte Babys meist) machen nur die letzte Phase der Geburt schwieriger. Bei großen Kindern kommt es häufiger zum Dammschnitt oder -riss. Die restliche Geburt dagegen kann bei Brocken um die 4000 Gramm sogar leichter sein als bei zarten Kindern weit unter 3000 Gramm. Warum das? Weil das Baby bei seiner Geburt aktiv mithilft. Der nachdrückliche Drang nach draußen ist bei reifen, kräftigen Kindern größer. Sie schrauben sich dadurch schneller durch das mütterliche Becken. Besonders vitale, stramme Babys schicken über ihren Kreislauf mehr Botenstoffe an ihre Mutter. Hormonnachrichten, die für kräftige und effektive Wehen sorgen.

Schweres Baby - schwere Geburt? Das sagt der Experte dazu:
 

Bis zu welcher Woche wiegen alle Ungeborenen gleich viel?

Genau nachwiegen geht natürlich nicht. Aber eine Hochrechnung aus der Scheitel-Steiß-Länge, die mit Ultraschall gemessen wird, ist möglich. Und sie zeigt: Bis etwa zur 20. Woche gibt es kaum Größenunterschiede. Danach wird es allmählich individuell – plus/minus zehn Prozent sind jetzt drin. Ab etwa der 34. Woche kommt es bei den Kleinen zu einem echten Wachstumsschub: Die späteren Wonneproppen legen alle sieben Tage um die 200 Gramm zu.

Warum nehmen Babys nach der Geburt ab?

Drei Tage auf der Welt und 200 bis 300 Gramm leichter als beim Start – das finden viele junge Eltern enttäuschend. Bekommt es zu wenig Nahrung? Reicht das bisschen Milch doch nicht? Bitte keine Sorge: Abnehmen ist normal. Aus zwei Gründen. In den ersten zwei bis drei Tagen nach der Geburt scheidet das Baby Mekonium aus – den ersten Darminhalt, der auch Kindspech genannt wird. Damit verschwinden schon mal bis zu 50 Gramm. Außerdem: Im Mutterleib, von Wasser umgeben, verliert die Haut Ihres Babys keine Feuchtigkeit. Auf der Welt jedoch lösen sich dann um die 100 bis 200 Gramm Gewebswasser buchstäblich in Luft auf.

Warum wiegt das zweite Baby mehr als das erste?

Um etwa 100 bis 200 Gramm ist das Erstgeborene im Durchschnitt zarter als das zweite Kind. Und ein weiteres Baby übertrifft seine Vorgänger wieder um bis zu 200 Gramm. Für diese Statistik wurden selbstverständlich nur reif geborene Geschwister verglichen. Eine eindeutige Erklärung können die Mediziner nicht liefern. Ist es die bessere Versorgung, weil der mütterliche Organismus das Schwangersein schon geübt hat? Vielleicht. Vielleicht auch die Umsicht der Natur, das erste Kind nicht ganz so groß werden zu lassen, damit es leichter auf die Welt kommt. Die Steigerung des Geburtsgewichts geht bis zum dritten Kind, das vierte toppt seine Geschwister kaum noch.

Normales Gewicht - besserer Start?

Das ist so, ganz eindeutig. Für Frühchen-Eltern sicher eine bittere Wahrheit. Ein Geburtsgewicht um den Durchschnittswert macht den Babys die erste Zeit auf der Welt leichter. Sie haben kaum Anpassungsprobleme, nehmen gut zu, schlafen ruhiger und entwickeln sich normal. Und noch mehr als das: Nach neuen Erkenntnissen trägt einen ein normales Geburtsgewicht besser durchs ganze Leben. Stoffwechselkrankheiten und Herz-Kreislaufprobleme sind seltener als bei zarten Frühstartern. Dazu wurden die ersten Langzeitstudien abgeschlossen – an ehemaligen Frühchen, jetzt um die 50. Deshalb: Versuchen Sie, es sich in den neun Monaten so gut wie möglich gehen zu lassen. Starke Frauen schonen sich!