Modelle einer Geburt
 
Geburt: Sicher und geborgen

Mein Baby soll sicher und geborgen zur Welt kommen – das wünscht sich jede Mutter. Die Mittel und Wege dafür sind jedoch ganz verschieden. ELTERN online stellt unterschiedliche Modelle für eine Geburt vor.

Neugeborenes
iStock, pojoslaw
Inhalt: 
Entbindung mit einer BeleghebammeEntbindung im GeburtshausEntbindung in einer Klinik Hebammengeleitete GeburtHausgeburt

Hausgeburt, Entbindung in der Klinik oder im Geburtshaus – Mütter sind verschieden und jede Frau hat ganz individuelle Bedürfnisse, wenn es um die Geburt des eigenen Babys geht. Vielleicht fühlst Du Dich besonders geborgen, wenn Du weißt, dass Du Ärzte um Dich herum hast, die jederzeit reagieren können. Vielleicht bedeutet Geborgenheit für Dich aber auch die Entbindung in den eigenen vier Wänden, nur begleitet von einer Hebamme. Beides ist gut und ganz alleine die Entscheidung von Dir und Deinem Partner. Falls Ihr Euch noch nicht sicher seid, wie Euer Kind zur Welt kommen soll, helfen wir Euch. ELTERN online stellt verschiedene Modelle für die Geburt vor – mit  allen Vor- und Nachteilen.

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Entbindung mit einer Beleghebamme

Wer seine Hebamme nicht erst im Kreißsaal kennen lernen möchte, kann sich um eine Beleghebamme bemühen. Diese freiberuflichen Hebammen betreuen Dich bereits während der Schwangerenvorsorge und können so ein vertrauensvolles Verhältnis zu Dir aufbauen. Geht die Geburt los, genügt ein Anruf, die Hebamme kommt direkt in den Kreißsaal und betreut Dich bis das Baby geboren ist und Eure junge Familie die ersten Stunden gemeinsam gemeistert hat.
 
Vorteil: Du kennst die Hebamme, die Dich bei der Geburt betreut bereits und auch die Hebamme weiß nach den vielen Wochen der gemeinsamen Vorsorge, wie Du tickst, was Du brauchst und was Dir bei der Geburt guttut. Die Geburt findet so in einer persönlichen und vertrauten Atmosphäre statt. Schichtwechsel im Kreißsaal? Bei den anderen ja, Deine Beleghebamme hat aber erst Feierabend, wenn das Baby da ist.
 
Nachteil: Beleghebammen sind sehr beliebt. Deshalb musst Du schnell sein. Am besten, Du nimmst den Kontakt auf, sobald Dein Schwangerschaftstest positiv ist. Und bedenke auch die Kosten: Grundsätzlich zahlt zwar die Krankenkasse für Hebammenleistungen, Sonderleistungen von Beleghebammen wie zum Beispiel eine Rufbereitschaft in den Wochen vor der Geburt, musst Du aber privat übernehmen. Was es noch zu bedenken gibt: Was ist, wenn die Beleghebamme krank oder anderweitig verhindert ist? Wer vertritt sie?

Entbindung im Geburtshaus

Neugeborenes
iStock, splendens

Die Krankenhausatmosphäre ist nichts für Dich? Du wünschst Dir für die Geburt Deines Kindes zwar ein wohnliches Umfeld, aber auch die professionelle Betreuung einer Hebamme? Dann ist vielleicht ein Geburtshaus genau das Richtige, denn hier haben sich mehrere Hebammen zusammengetan und bieten Räumlichkeiten und Betreuung für eine Geburt in entspannter und häuslicher Atmosphäre an. Anstelle eines Kreißbettes entbinden Frauen hier in normalen Betten. Und in Räumen, die an zu Hause erinnern. Das soll den werdenden Eltern Ruhe und Geborgenheit vermitteln. Die meisten Geburtshäuser bieten Kurse für Schwangere an, sodass Mutter und Hebammen sich bereits im Vorfeld gut kennenlernen können. Ob ein Geburtshaus in Deiner Nähe ist, kannst Du beim Hebammenverband erfragen oder unter www.hebammenverband.de nachlesen.
 
Vorteil: Durch die vorbereitenden Kurse im Geburtshaus kennst Du die Hebammen schon, die bei der Geburt Deines Kindes anwesend sein werden. Die Räumlichkeiten in einem Geburtshaus erinnern an die eigenen vier Wände, trotzdem kannst Du Dir aber einer professionellen Geburtsbegleitung sicher sein. Dich erwartet eine ruhige und entspannte Atmosphäre. Oft liegen Geburtshäuser in unmittelbarer Nähe einer Klinik. Im Notfall ist also der Weg zur Klinik meist kürzer als von Dir zu Hause aus.
 
Nachteil: Eine Entbindung im Geburtshaus ist leider nicht für jede Frau geeignet. Da kein Arzt anwesend ist, müssen die Hebammen Risikogeburten, wie z.B. aus Beckenendlage oder von Zwillingen, an eine Klinik verweisen. Wer im Geburtshaus entbinden möchte, sollte wissen, dass er im Notfall in ein Krankenhaus verlegt wird und sein Kind dann vielleicht doch in einer Umgebung zur Welt bringen muss, die er sich nicht gewünscht hat. Ein weiterer möglicher Nachteil: Hebammen dürfen keine PDA legen. Der Geburtsschmerz wird mit alternativen Methoden behandelt. Tipp: Erfrage bei Deiner Krankenkasse, welche Leistungen sie bei einer Geburt im Geburtshaus übernimmt. Gegebenenfalls musst Du die Rufbereitschaft der Hebammen privat tragen.

Entbindung in einer Klinik

Kreißsaal
iStock, Dr. Heinz Linke

Eine große Klinik und erfahrenes Personal, das auf alle Eventualitäten vorbereitet ist – das ist Dir besonders wichtig! Aber wie nur die richtige Klinik finden? Frage Deinen Gynäkologen, welche Klinik er empfiehlt. Im Freundes- und Verwandtenkreis hat bestimmt auch schon die ein oder andere Erfahrungen gemacht. Oder aber Du nutzt unsere Klinikführer-App. Sie hilft Dir super beim Klinik-Check.
Die meisten Geburtskliniken bieten regelmäßige Info-Abende an, auf denen über Ausstattung und Besonderheiten informiert wird und häufig sogar die Besichtigung eines Kreißsaales möglich ist. So können die werdenden Eltern schon einmal vorfühlen, ob sie die Räumlichkeiten und das Personal mögen. Und es ist die Gelegenheit, Hebammen und Ärzten alle Fragen rund um die Geburt zu stellen. Die eigentliche Anmeldung zur Geburt wird meistens ab der 34. Schwangerschaftswoche empfohlen. Bei dem Termin kann die Geburt dann noch einmal individuell besprochen werden. Mutter und auch Vater haben hier die Möglichkeit, Wünsche anzugeben. Wenn Du also schon im Vorfeld weißt, dass Du unbedingt eine Geburtswanne im Kreißsaal haben möchtest, ist dieser Termin die Gelegenheit, das anzusprechen. Wenn Deine Schwangerschaft normal und ohne Komplikationen verläuft, wirst Du das nächste Mal wahrscheinlich erst zur Geburt wieder in die Klinik kommen.
 
Vorteil: Eine gute Geburtsklinik kann mit allem aufwarten, was die moderne Medizin zu bieten hat, ist also für alle Fälle bestens gerüstet. Wenn Dir Sicherheit besonders wichtig ist, bist Du hier bestens aufgehoben. Und auch nach der Geburt ist gut für Dich gesorgt, denn auf der Wochenstation kannst Du Dich erstmal erholen und, unterstützt von fachkundigem Personal, Dein Baby kennenlernen und erste Erfahrungen mit dem Wickeln und Stillen machen. Und: Die Kosten für die Geburt und den Aufenthalt werden von der Krankenkasse komplett übernommen.
 
Nachteil: Da Du eigentlich nur zur Vorbesprechung und dann zur Geburt in die Klinik kommst, kennst Du wahrscheinlich weder die Hebamme, die Dich betreut, noch den Arzt, der zur Geburt dazugerufen wird. Außerdem arbeiten Krankenhäuser natürlich im Schichtbetrieb. Das heißt unter Umständen: Die Hebamme, die Dich im Kreißsaal empfängt, ist nicht zwangsläufig auch die, die Dich bei der Geburt begleitet. Gemütlichkeit wirst Du wahrscheinlich in den wenigsten Kliniken finden. Notfälle haben immer Vorrang, weshalb Du Dich vielleicht auch das ein oder andere Mal gedulden musst, bis die Hebamme das nächste Mal nach Dir sehen kann. Ein weiterer Nachteil: Wenn Du keine Privatpatientin bist, wirst Du nach der Geburt wahrscheinlich mit mindestens einer anderen Neu-Mutter das Zimmer teilen. Privatsphäre und Ruhe? Fehlanzeige.

Hebammengeleitete Geburt

Bei der Geburt nur von einer Hebamme begleitet werden, für Notfälle trotzdem aber medizinische Hilfe in unmittelbarer Nähe haben? Die Hebammengeleitete Geburt macht das möglich. Dabei stellt die Klinik einen Kreißsaal und die Hebamme. Ein Arzt kommt aber nicht, wie sonst üblich, zur Geburt dazu. Stattdessen ruft Deine Hebamme eine weitere hinzu, die sie unterstützt, wenn das Baby zur Welt kommt. Der Arzt kommt nur, wenn es Komplikationen gibt und die Hebamme seine Anwesenheit für nötig hält.
 
Vorteil: Bei der hebammengeleiteten Geburt hast Du lediglich eine Person, auf deren Ratschläge und Anweisungen Du hörst und wirst nicht durch weitere Meinungen von Ärzten verunsichert. Da Du aber trotzdem in einer Klinik entbindest, ist medizinisches Personal jederzeit bereit, wenn Du es wünschst oder es Komplikationen gibt.
 
Nachteil: Auch bei der hebammengeleiteten Geburt bist Du vom Schichtsystem der Hebammen abhängig. Die Hebamme, mit der Du in den Kreißsaal gehst, ist nicht auch automatisch die, mit der Du Dein Baby bekommst. Und Du musst wissen, dass Notfälle in einem Krankenhaus immer Vorrang haben. Sollte das Personal knapp sein, kann man sich leider nicht immer aussuchen, ob die zweite Person eine Hebamme, eine Assistenzärztin oder ein anderer Arzt aus dem Team ist.
 

Hausgeburt

Hausgeburt
iStock, ArtisticCaptures

Geboren in Geborgenheit – für manche Frauen ist das nur in den eigenen vier Wänden möglich. Bei einer Hausgeburt hast Du Deine Hebamme nur für Dich, in vertrauter Umgebung zu Hause. Sie bleibt, so lange Du sie brauchst. Wichtig zu wissen: Eine Hausgeburt ist nicht für jede Schwangere geeignet. Risikopatientinnen raten Hebammen und Ärzte eher zu einer Geburt in der Klinik.

Vorteil: Eine Geburt zu Hause erspart Dir vor allem Stress: erst die Fahrt in die Klinik unter Wehen, dann piepsende Apparate, wechselnde Hebammen und ein Mehrbettzimmer mit anderen Müttern und ihren Neugeborenen teilen – all das entfällt. Stattdessen kannst Du Dich in Ruhe mit der Unterstützung Deiner Hebamme auf die Geburt konzentrieren. Ein weiterer Vorteil: Wenn Du bereits ein Kind hast, musst Du Dich nicht unbedingt um eine Betreuung kümmern, es sei denn, Du möchtest es gerne.

Nachteil: Wer sein Kind zu Hause zur Welt bringen möchte, muss im Vorfeld einiges organisieren. Zunächst ist es wichtig, eine Hebamme zu finden, die Hausgeburten begleitet. Gar nicht so einfach bei der derzeitigen Versicherungssituation für freiberufliche Hebammen. Vielleicht hast Du aber Glück und wirst unter www.hebammensuche.de fündig. Auch für die Geburt gibt es einiges vorzubereiten: Essen kochen und für die Zeit danach, frische Handtücher und Bettwäsche vorbereiten, das Bett mit wasserdichten Matratzenschonern beziehen, Nachbarn informieren – alles Wichtige erfährst Du in unserem Artikel So bereitest Du Dich auf Deine Hausgeburt vor .
Ein weiterer möglicher Nachteil: Eine PDA zur weitgehenden Schmerzausschaltung ist zu Hause nicht möglich. Stattdessen wird die Hebamme versuchen, Dir mit alternativen Methoden der Schmerzbehandlung helfen. Worauf Du noch gefasst sein musst: Treten während der Geburt doch unerwartet Komplikationen auf, wirst Du mit einem Krankentransport in die nächstgelegene Klinik gebracht. Wohin es geht, kannst Du Dir dann nicht aussuchen. Im Zweifelsfall wirst Du dort als Notfall eingeliefert. Entscheidungen, wie z.B. ein Kaiserschnitt, werden dann schnell getroffen. Viel Zeit, Dich und Deine Bedürfnisse kennenzulernen, bleibt dem Personal in solchen Situationen nicht. Außerdem wichtig: Die Kosten für eine Hausgeburt werden zwar von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, für die Rufbereitschaft der Hebamme um den ausgerechneten Geburtstermin herum wird allerdings eine Pauschale fällig, die Du privat zahlen musst.