Wie fühlen sich Wehen an?
 
Autorin beschreibt schonungslos die Schmerzen einer Geburt

Geburten werden oft als "Wunder" bezeichnet, die uns den größten Schatz unseres Lebens schenken: Unsere Kinder! Zu sagen, welche Qualen mit einer Geburt verbunden sein können, ist dagegen tabu. Autorin Kristin Ehrhardt hat dieses Tabu gebrochen.

Geburt
iStock, gorodenkoff
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Wer einen Kinderwunsch hat und sich den erfüllen möchte, muss dafür Opfer bringen – vor allem als Frau! Morgenübelkeit, geschwollene Knöchel, Tränenergüsse aus heiterem Himmel und eingeschränkte Beweglichkeit sind nur ein paar der üblichen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft. Von dem, was danach kommt – z. B. wunde Nippel vom Stillen, schlaflose Nächte vom Schreien, jahrelange Verpflichtungen vom Muttersein – wollen wir gar nicht erst anfangen. Und dann ist da ja noch etwas, das Mütter wohl oder übel durchmachen müssen, hmm, was war das denn gleich ... richtig: "Das Wunder Geburt".

Geburten sind nichts für schwache Nerven

In Filmen und Serien gehen Geburten oft wahnsinnig schnell. Erst sieht man eine schreiende, pressende, schwitzende Schwangere, die nur ein paar Szenenwechsel später und in der Taille deutlich schmaler ein verwirrtes, niedliches Baby im Arm hält. Natürlich weiß jeder, dass das mit der Realität nichts zu tun hat. In Wirklichkeit können Geburten locker mal zehn Stunden dauern – und für die Mutter so schmerzhaft sein, dass sie nicht mehr weiß, wie ihr geschieht.

Ihr sei klar, schreibt die Autorin Kristin Ehrhardt in ihrem Beitrag für das Portal "Hallo-Eltern", warum man Frauen nicht die Wahrheit über Wehen erzähle: Weil sie sonst zu große Angst bekämen und ihren Kinderwunsch unter Umständen überdächten. Doch sie tut es trotzdem. Und wer fürchtet, dass Angst vor Schmerzen ihr die wichtigste Entscheidung ihres Lebens verpfuschen könnte, sollte jetzt nicht weiterlesen.

Von Schmerzlevel 2 auf 100 in Null-Komma-Nix

Anfangs, als die Wehen gerade erst einsetzten, habe sie das Gefühl noch witzig gefunden, schreibt die Autorin, doch schon auf dem Weg ins Krankenhaus änderte sich das: Ihr Körper zitterte und ihr Mann habe sich so große Sorgen um sie gemacht, dass er es kaum erwarten konnte, sie in ärztliche Obhut zu geben. Angekommen im Krankenhaus wünschte sich Ehrhardt beim Gespräch mit der Hebamme nichts mehr, als dass es falscher Alarm gewesen wäre und diese sie wieder nach Hause geschickt hätte. Bereits in dieser frühen Phase habe sich ihr erschöpfter Körper nach Ruhe und Erholung gesehnt. Doch da gingen die Qualen erst richtig los.

"Nach etwa einer Stunde – vor lauter Schmerzen hatte ich bereits jegliches Zeitgefühl verloren – verkündete die Hebamme bei der Untersuchung: 'So jetzt ist der Muttermund etwa drei Zentimeter geöffnet. Pro Stunde rechne ich mit einem weiteren Zentimeter. Bis nachher!' Was???" Die werdende Mutter war schon am Ende ihrer Kräfte und hatte noch nicht einmal die Hälfte der Tortur überstanden ...

Schmerz bis zum Bewusstseinsverlust

Nachdem sie aus ihrem "halbwachen Bewusstseinszustand ein unangenehmer Schüttelfrost" geweckt habe, sei Ehrhardt plötzlich in den Sinn gekommen, das Drama in der Geburtswanne fortzusetzen – obwohl das nie der Plan gewesen sei.

Leider machte der Ortswechsel ihre Schmerzen auch nicht erträglicher: "Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass mir alles wie ein Albtraum vorkam. Ich wusste einfach nicht, wie ich mich drehen oder wenden sollte, um dem Schmerz irgendetwas entgegenzusetzen. Am schlimmsten waren die Momente nach einer Untersuchung. Ich hoffte so sehr, die Hebamme würde sagen, so jetzt kommt das Baby bald. Stattdessen wieder dieses unglaubliche: 'Jetzt ist der Muttermund schon fünf Zentimeter geöffnet – gut gemacht, weiter so!'" Hoffnung zerstört.

Presswehen schenkten neue Hoffnung – und Kraft

Aus neutraler Sicht müssten Qualen, auch wenn sie gleichbleibend sind, mit zunehmendem Fortschritt erträglicher werden: Dadurch, dass wir sehen, es geht voran, wächst die Motivation und wir können besser einschätzen, wie lange und wie viel wir noch leiden müssen. Doch für Ehrhardt brachten laut ihrer Schilderung erst die Presswehen eine Wende: "Mit den ersten Presswehen kam ich aus meiner passiven Opferrolle heraus. Endlich konnte ich aktiv mithelfen, auch wenn die Qualen – wer kann sich so etwas nur ausdenken – damit ein noch höheres Schmerzlevel erreichten. Ein unbeschreibliches Ziehen, Brennen und Drücken erschütterten mittlerweile meine Eingeweide."

So beschreibt Ehrhardt den Höhepunkt ihrer Qual. Denn was darauf folgt, ist der Grund, warum sie und Generationen von Frauen all die Torturen oft sogar mehrmals im Leben auf sich nehmen: Sie brachte ihr erstes Kind zur Welt. Und als sie ihm zum ersten Mal ins Gesicht blickte, sei ihr Albtraum mit einem Schlag vorbei gewesen.

Vielleicht ist es ja das, was man als "Wunder der Geburt" bezeichnen könnte: So unterschiedlich sie bei uns abläuft und so individuell unsere Qualen sein mögen, im Moment, wenn wir unser Baby im Arm halten, empfinden wir alle das Gleiche – dass es das wert war!

Den ausführlichen Bericht von Kristin Ehrhardt über ihre erste Geburt, findet ihr bei "hallo-eltern". 

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei BRIGITTE.de.
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