Portio
 
Der Muttermund: Wenn er sich öffnet, kommt Dein Baby

Dem Muttermund kommt in der Schwangerschaft und bei der Geburt eine bedeutsame Rolle zu. Er sorgt dafür, dass Dein Baby im Bauch fest gehalten wird und sich gut geschützt vor Keimen entwickeln kann. Wenn der Muttermund weich wird und sich zu öffnen beginnt, dann dauert es nicht mehr lang, bis die Wehen richtig einsetzen und die Geburt losgeht. Alles Wissenswerte zum Thema findest Du hier.

Frau unter Wehen
iStock, chameleonseye
Inhalt: 
Wo sitzt der Muttermund eigentlich genau?Wie verändert sich der Muttermund während des Zyklus?Welche Rolle spielt er in der Schwangerschaft? Was genau passiert mit dem Muttermund während der Geburt?Was, wenn er sich nicht öffnen will?Was, wenn er sich zu früh öffnet?Gibt es einen Weg, den Muttermund wieder zu schließen?

Wo sitzt der Muttermund eigentlich genau?

Der Muttermund (Portio) ist Teil des Gebärmutterhalses (Zervix), der die Gebärmutter mit der Scheide verbindet. Er hat zwei ringförmige Öffnungen: zum einen zwischen Gebärmutter und Gebärmutterhals (innere Muttermund) und zum anderen zwischen Gebärmutterhals und Scheide (äußerer Muttermund). Zwischen dem inneren und äußeren Muttermund liegt der Zervixkanal, aus dem der sogenannte Zervixschleim abgesondert wird.

Wie verändert sich der Muttermund während des Zyklus?

Der Muttermund verändert sich je nachdem, in welcher Zyklusphase Du gerade bist. Während der fruchtbaren Tage, also rund um den Eisprung, liegt er sehr hoch, ist leicht geöffnet, um den Zervixschleim nicht beim Abfließen zu hindern. Zudem fühlt er sich weich an, etwa wie die Lippen Deines Mundes. Weil er jetzt durchlässiger ist, gelangen die Samenzellen beim Geschlechtsverkehr leichter in die Gebärmutter. Während der unfruchtbaren Tage ist der Muttermund hingegen hart (so wie eine Nasenspitze) und geschlossen. Zudem liegt er weiter unten. Der Zustand Deines Muttermunds verrät also viel über Deine Fruchtbarkeit. Du kannst ihn selbst abtasten, in dem Du vorsichtig mit zwei Fingern in die Öffnung Deiner Scheide vordringst. Auch über die Konsistenz des Zervixschleims (dünnflüssig, klar oder eher zäh) kannst Du erkennen, wann Deine fruchtbaren Tage sind. Du bist Dir unsicher? Unser Eisprungrechner lässt Dich genauer wissen, wann Deine fruchtbaren Tage sind. Ganz hilfreich, vor allem um der Erfüllung Deines Kinderwunsches ein ganzes Stück näher zu kommen.

Welche Rolle spielt er in der Schwangerschaft?

Bei den Vorsorgeuntersuchungen wird Dein Frauenarzt unter anderem auch den Muttermund abtasten. Besonderes Augenmerk wird hierauf liegen, wenn das Risiko einer Frühgeburt besteht. Verläuft Deine Schwangerschaft komplikationslos, so ist Dein Baby durch einen Schleimpfropf, der den Gebärmutterhalskanal fest verschließt, gut vor Keimen geschützt.

Erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft kommt es zu Veränderungen. Der Körper bereitet sich jetzt immer mehr auf die Geburt vor. So kommt es auch zur sogenannten Zervixreifung. Damit ist die Lockerung des Gewebes gemeint, das den Gebärmutterhals umgibt. Erst wenn dieses weich und dehnbar ist, ist eine vollständige Öffnung des Muttermundes (von fingerdurchlässig bis maximal zehn Zentimeter) möglich. Diese Reifung geschieht allmählich in den letzten vier Wochen einer Schwangerschaft, meist nach der 36. SSW. Hebammen beschreiben den Zustand des Gewebes mit den Abstufungen "derb", "mittel-weich" und "weich". Je weicher es wird, desto weiter kann der Kopf Deines Baby sich nach unten vorarbeiten. In diesem Zuge verkürzt sich auch der Gebärmutterhals zunehmend. Wenn er "verstrichen ist", also maximal verkürzt, dann geht das mit einer leichten Öffnung des Muttermunds einher. Jetzt löst sich auch der Schleimpfropf, der den Gebärmutterhals während der ganzen Wochen fest verschlossen hat. Das erkennst Du an einem zähen und durchsichtigen, mit etwas Blut durchzogenem Ausfluss (auch Zeichnungsblutung genannt; die Menge des Bluts variiert von Frau zu Frau). Ein eindeutiges Zeichen, dass die Geburt bevorsteht, allerdings kann es jetzt immer noch dauern, bis die Wehen einsetzen.

Was genau passiert mit dem Muttermund während der Geburt?

Erst wenn die Wehen einsetzen und in regelmäßigen Abständen kommen, ist es soweit - endlich macht sich Dein Baby auf den Weg zu Euch! In dieser sogenannten Eröffnungsphase bewirkt das rhythmische Zusammenziehen des Gebärmuttermuskels, dass sich der Muttermund schließlich nach und nach richtig öffnen kann. Außerdem verschiebt er sich immer weiter nach vorne, während er im gesamten Verlauf der Schwangerschaft noch sehr weit hinten zu ertasten war.

Wenn die Hebamme Dich zum ersten Mal im Krankenhaus untersucht, ist der Muttermund meist erst zwei bis drei Zentimeter offen. Er ist also fingerdurchlässig. Das kann sie feststellen, in dem sie mit zwei ihrer Finger behutsam in die Geburtsöffnung tastet - dies entspricht einer Öffnung von drei Zentimetern. Vier sind erreicht, wenn Zeige- und Mittelfinger ein V bilden. Acht Zentimeter sind es bei weit gespreizten Fingern. In der Übergangsphase öffnet sich der Muttermund dann um die letzten zwei der für die Geburt notwendigen zehn Zentimeter.

Was, wenn er sich nicht öffnen will?

Es gibt es einige sanfte Möglichkeiten, die die Wehen fördern und die Durchblutung im Beckenbereich ankurbeln sollen, um so auch den Muttermund zu lockern. Einen Beitrag dazu soll zum Beispiel Himbeerblättertee leisten. Die Wirkung stellt sich allerdings nicht bei jeder schwangeren Frau ein. Wenn das Baby auf die Welt soll, der Muttermund aber einfach noch nicht weich ist, wird statt des Wehentropfes oftmals ein Zäpfchen oder Gel mit dem Hormon Prostaglandin in die Scheide gelegt. Dadurch ziehen sich die Muskelfasern am Muttermund rhythmisch zusammen - das ergibt vorbereitende Wehen, die allerdings auch schon richtig weh tun. Auch bei dieser Methode kann es durchaus dauern, bis die Geburt wirklich los geht.

Was, wenn er sich zu früh öffnet?

Wenn sich der Muttermund frühzeitig öffnet, heißt es: schnell sein. Sonst droht eine Frühgeburt. Warnzeichen sind vor allem wehenähnliche Schmerzen und aus der Scheide austretende Flüssigkeit. Bei diesen Symptomen sollten werdende Mütter umgehend ihren Arzt aufsuchen oder ins Krankenhaus fahren.

Gibt es einen Weg, den Muttermund wieder zu schließen?

Bei schwangeren Frauen, die bereits mehrere Fehl- oder Frühgeburten erlitten haben, raten die Ärzte manchmal zu einer Operation: dem Totalen Muttermundverschluss (TMV). Dabei wird der Muttermund komplett verschlossen. Der Eingriff selbst ist für Mutter und Kind relativ ungefährlich, eine natürliche Geburt ist auch weiterhin möglich. Dazu wird die Naht drei bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bei örtlicher Betäubung wieder geöffnet. Trotzdem ist die Methode vor allem bei ganzheitlich orientierten Medizinern und Hebammen umstritten. So auch die Cerclage, die früher häufiger bei einer Gebärmutterhalsschwäche, einer sogenannten Zerfixinsuffizienz, eingesetzt wurde als es heute noch der Fall ist. Dabei wird mit wenigen Stichen ein Kunststoffbändchen um den Gebärmutterhals gelegt und zugezogen. Der Eingriff geschieht unter Vollnarkose und ist nicht ohne Risiko.