Väter bei der Geburt
 
Die 10 Gebote des Balljungen

Was ist die Rolle des Vaters bei der Geburt? Was kann, was soll er tun? Ein kleiner Wehenführer für Männer.

Mann und schwangere Frau
iStock, TommL

Das sind die zehn Gebote

1. Deine Frau ist der Chef. Die Hebamme ist der Chef. Du bist ein Niemand. Handelte es sich um einen Ballsport, wäre die Hebamme der Trainer und deine Frau der entscheidende Spieler, der die Kugel ins Netz drischt. Du bist nicht einmal Zuschauer. Du bist der Balljunge. Bei deinen Aktionen klatscht niemand. Das geht für dich sehr
in Ordnung.

2. Du stehst am Spielfeldrand und bringst deiner Frau den Ball, egal ob er hinter der Torauslinie oder außerhalb des Stadions landet. Das ist deine vornehmste Aufgabe!

3. Du interessierst dich nicht für die gegnerische Mannschaft, nicht für die Rasen- und Wetterverhältnisse, es sei denn, deine Spielerin leidet darunter, und du hast die Möglichkeit, das zu ändern.

4. Wenn du den Spielverlauf kommentieren musst, tust du das optimistisch, nicht im Sinne eines Fußballkommentators. Du wirst keine Monologe und Spielanalysen liefern, sondern kurz und knapp ein paar aufbauende, motivierende Worte loswerden. Deine eigene Meinung hat für den Ausgang des Spiels keine Bedeutung.

5. Du wirst deine Torjägerin nie kritisieren! Egal wie das Spiel aus deiner Sicht, aus ihrer Sicht, aus Sicht der Trainerin oder aus Sicht der medizinischen Abteilung gerade verläuft. Das gegenteilige Verhalten hat den sofortigen Platzverweis und eine Sperre für die nächsten Spiele zur Folge.

6. Deine Fußballgöttin darf foulen und nachtreten. Sie bekommt dafür weder eine gelbe noch eine rote Karte, nicht heute und auch nicht später. (Es wird auch kein juristisches Nachspiel am grünen Tisch geben.) Du wirst kein Revanchefoul fahren – nie! Auch dann nicht, wenn sie dich, den Balljungen, wüst beschimpft.

7. Im Leben jedes Balljungen kommt der Moment, da Angst in ihm aufsteigt. Er denkt plötzlich, es gehe um alles im Stadion, um die Flutlichtmasten, die Haupttribünen und Stehplätze. Er zweifelt am Erfolg der Spielerin und fürchtet, das Stadion könne von einem Bombenattentat heimgesucht werden. In den meisten Fällen ist die Angst unbegründet. Der Balljunge schaut am besten auf die Trainerin. Ist sie entspannt oder routiniert angespannt, kann er sich wieder ganz auf die Spielerin konzentrieren. Seine zwischenzeitlichen Bedenken macht der Balljunge mit sich und dem Gott des Spiels aus.

8. Sorge dafür, dass du als Balljunge fit bleibst! Du wirst während des Matches an die Grenze deiner nervlichen und körperlichen Belastbarkeit geführt. Weil das Spiel in die Verlängerung gehen kann, brauchst du etwas zu trinken und zu essen. In ruhigen Momenten kannst du sogar den „Kicker“ lesen, es sei denn, die Spielerin beschwert sich darüber, dass du es dir gut gehen lässt, während sie sich abmüht. In diesem Fall packst du die Zeitschrift weg und schaust erst wieder hinein, wenn ihr die Weltmeisterschaft gewonnen habt.

9. Balljungen sind zwar Balljungen, aber trotzdem Männer. Das heißt: Wir wären ebenfalls gern dort, wo es wehtut: im Strafraum, um uns Chancen herauszuspielen. Wir würden am liebsten die Kapitänsbinde an uns reißen. Doch leider: Für die spielentscheidenden Situationen sind wir nicht verantwortlich. Es wird nicht schneller gehen, wenn wir uns allzu sehr einbringen. Zum Ausgleich dürfen wir hinterher Glückwünsche entgegennehmen wie die Torjägerin und uns fühlen, als hätten wir Erstaunliches geleistet.

10. Es kann sein, dass dich deine Topspielerin überhaupt nicht wahrnimmt, weil sie sich voll und ganz aufs Spiel konzentriert. Sie hört weder deinen Applaus noch deine Anfeuerungsrufe. Sie verweigert sogar den Ball, den du ihr zuwirfst. Sie will von dir einfach in Ruhe gelassen werden. Du wirst diesem Wunsch nicht im Wege stehen. Du kannst vielleicht die Wasservorräte der Mannschaft checken oder mit der Seitenlinie verschmelzen, doch sonst ... solltest du dich einfach freuen, beim großen Finale dabei sein zu dürfen.