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VBAC – was ist das denn? Alles zur natürlichen Geburt nach einem Kaiserschnitt

VBAC: Schwangere Person formt mit den Händen ein Herz vor ihrem Bauch
© BazziBa / Adobe Stock
Als VBAC wird eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt bezeichnet. Denn: Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt – das gilt längst nicht mehr! Was für oder gegen eine VBAC spricht, welche Risiken es gibt und wie hoch die Aussicht auf Erfolg ist, erfährst du hier.

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Der häufigste Grund für einen Kaiserschnitt ist ein Kaiserschnitt. Dabei belegten schon Studien aus den 1960ern, dass die Praxis „Einmal Sectio, immer Sectio“ nicht notwendig ist. Trotzdem entscheiden sich noch immer viele Frauen für eine Re-Sectio und gegen eine VBAC – dabei ist der Versuch einer vaginalen Geburt in vielen Fällen möglich. Hier erfährst du alles, was du über das Thema wissen musst und bekommst Tipps von VBAC-Expertin Dr. med. Ute Taschner.

Was ist eine VBAC?

Das Akronym VBAC setzt sich aus den Worten „vaginal birth after caesarean” zusammen und bezeichnet im englischsprachigen Raum – aber zunehmend auch in Deutschland – den Versuch einer natürlichen Geburt nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt. „Natürlich“ meint in diesem Zusammenhang vaginal und schließt vaginal-operative Entbindungen mithilfe von Saugglocke oder Geburtszange mit ein.

Es gibt auch noch weitere Differenzierungen des Begriffes: Findet sich noch eine Zahl im Akronym, steht diese für die Anzahl der vorangegangenen Kaiserschnitte. VBA2C würde also bedeuten: Eine vaginale Geburt nach zwei vorausgegangenen Sectiones.

Wann ist eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt möglich?

Die Frage, ob eine VBAC für dich infrage kommt oder ratsam ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Die Entscheidung für oder gegen einen erneuten Kaiserschnitt ist immer individuell zu betrachten – am besten gemeinsam mit deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin, deiner Hebamme und auch mit dem Personal des Geburtsortes, an dem du entbinden möchtest. Und wenn du nach dem Abwägen der Vor- und Nachteile doch einen Wunschkaiserschnitt in Betracht ziehst, kannst du das offen ansprechen.

Laut Dr. med. Ute Taschner ist der Versuch einer natürlichen Geburt aber grundsätzlich möglich, sofern keine absolute medizinische Notwendigkeit für eine erneute Sectio vorliegt.

Wenn du diese Kriterien erfüllst, stehen deine Chancen auf eine VBAC gut:

  • Dein Baby liegt in Schädellage und nicht in Quer- oder Beckenendlage.
  • Die Wehen setzen im regulären Geburtszeitraum zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche ein.
  • Bei deinem vorherigen Kaiserschnitt wurde ein Querschnitt angewandt.
  • Es liegen keine Schwangerschaftskomplikationen vor.
  • Deine Kaiserschnittnarbe ist gut verheilt und du hattest noch keine Uterusruptur.
  • Deine Plazenta liegt nicht vor deinem Muttermund.

Wie hoch ist die Chance auf eine erfolgreiche VBAC?

Laut Dr. med. Ute Taschner können – je nach Klinik – acht von zehn Babys natürlich geboren werden, wenn bis zum Geburtsbeginn keine medizinischen Gründe für einen weiteren Kaiserschnitt vorlagen. Dochauch, wenn das auf dich und deine Schwangerschaft zutrifft: Eine Garantie, dass die natürliche Entbindung funktioniert, gibt es nicht. Möglicherweise wird trotzdem ein weiterer Kaiserschnitt nötig. Aber es gibt Faktoren, die die Erfolgsaussichten auf eine Spontangeburt deutlich erhöhen.

Hier lohnt ein Blick auf die Gründe für deinen früheren Kaiserschnitt: Waren es „einmalige“ Gründe, die sich in deiner aktuellen Schwangerschaft nicht wiederholen? Dann stehen die Chancen auf eine erfolgreiche VBAC gut! Erfolgte der Kaiserschnitt beispielsweise, weil dein Baby in Beckenendlage lag, aufgrund plötzlich abfallender Herztöne oder wegen einer Plazentastörung, startest du nun unter ganz neuen Voraussetzungen in die Geburt. Ungünstig für eine erfolgreiche VBAC ist es hingegen, wenn dein vorheriger Kaiserschnitt aufgrund eines Geburtsstillstandes erfolgte. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der nächsten Geburt zu ähnlichen Komplikationen kommt, erhöht.

Ein weiterer Faktor, der die Aussicht auf eine erfolgreiche VBAC erhöht, sind vorangegangene vaginale Geburten. Hast du bereits einmal eine Spontangeburt erlebt, erhöht das die Erfolgsaussichten auf eine weitere.

Was spricht gegen eine VBAC?

Auch wenn der Versuch einer natürlichen Geburt nach einem Kaiserschnitt häufig möglich ist, gibt es einige Punkte, die dagegensprechen können. Mögliche Kontraindikationen sind:

  • Probleme mit der Plazenta: Liegt deine Plazenta vor deinem Muttermund (Plazenta praevia) oder ist mit der Gebärmuttermuskulatur verwachsen (Plazenta increta), ist eine erneute Sectio nötig.
  • Makrosomie: Ist dein Baby sehr groß, kann ein erneuter Kaiserschnitt angeraten sein.
  • Geburtseinleitung: Wird eine Geburtseinleitung nötig, kann dir ein Kaiserschnitt empfohlen werden. Bei einer Einleitung steigt das Risiko für einen Gebärmutterriss.
  • Viele Kaiserschnitte: Hattest du bereits mehrere Kaiserschnitte, kann dir ein weiterer ans Herz gelegt werden. Denn je häufiger du eine Bauchgeburt hattest, desto größer ist das Risiko für Komplikationen bei einer natürlichen Geburt.
  • T-Schnitt oder Längsschnitt: Wurde bei dir ein Kaiserschnitt mit T- oder Längsschnitt (also nicht quer) durchgeführt, wird keine VBAC empfohlen.
  • Wenig Abstand zum letzten Kaiserschnitt: Liegt dein letzter Kaiserschnitt noch nicht lange zurück (weniger als ein Jahr), wird eine VBAC nicht empfohlen.
  • Probleme mit der Kaiserschnittnarbe: Sind deine Narbe und das umliegende Narbengewebe sehr dünn (unter 3 mm), spricht das gegen die natürliche Geburt.
  • Adipositas und Schwangerschaftsdiabetes: Liegt bei dir ein Gestationsdiabetes oder eine Adipositas vor, kann zu einem Kaiserschnitt geraten werden.
  • Uterusruptur: Hast du bereits einen Gebärmutterriss erlitten, ist ein weiterer Kaiserschnitt nötig.
  • Steißlage: Liegt dein Baby mit dem Po unten, also in Steißlage, kann dir von einer Spontangeburt abgeraten werden.
  • Kopf-Becken-Missverhältnis: Kam es bei deinem vorherigen Kaiserschnitt zu einem Geburtsstillstand, weil der Kopf deines Babys nicht durch dein Becken passte, kann es bei einer erneuten Spontangeburt wieder zu diesem Missverhältnis kommen.

Viele dieser Gründe sind sogenannte relative Indikationen für eine Re-Sectio. Das heißt: Ein Kaiserschnitt kann angeraten sein, muss aber nicht zwingend durchgeführt werden. Hier kommt es auf ein sorgsames Abwägen der Vor- und Nachteile beider Optionen an. Hol dir dazu während deiner Schwangerschaft möglichst viele Informationen und eventuell auch eine Zweitmeinung ein.

Welche Risiken birgt die vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt?

Bei dem Gedanken an eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt kommt vielen Frauen sofort eins in den Sinn: die Uterusruptur. Bei diesem medizinischen Notfall reißt die Gebärmutter unter den Wehen; durch die Ruptur kommt es zu einem massiven Blutverlust. Und ja, es stimmt: Für Frauen, die bereits einen Kaiserschnitt hatten, ist das Risiko für diese Komplikation erhöht – die Gebärmutter kann entlang der alten Narbe reißen. Aber: Eine Uterusruptur ist auch bei einer VBAC äußerst selten – laut aktuellen Studien liegt das Risiko bei etwa 0,6 %.

Mit steigender Anzahl vorangegangener Kaiserschnitte und auch bei einer Geburtseinleitung erhöht sich das Risiko für eine Uterusruptur entlang der Narbe allerdings. Deswegen wird Schwangeren, die eine VBAC mit Einleitung versuchen möchten, ein Dauer-CTG empfohlen. So soll im Notfall schnell gehandelt werden können. Der Deutsche Hebammenverband lehnt diese Präventionsmaßnahme allerdings als wenig sinnhaft ab, da eine Dauerüberwachung der Herztöne mit einer höheren Kaiserschnittrate einhergeht.

Weitere Risiken ergeben sich aus der Notwendigkeit eines plötzlichen Notkaiserschnittes: Kommt es beim Versuch einer VBAC zu einer sekundären Sectio, erhöht sich hierdurch das Risiko für Blutungen, Infektionen und Komplikationen für die Mutter. Für das Baby ist ein erneuter Kaiserschnitt nur marginal sicherer als eine VBAC. Marginal heißt: Die Gefahr, dass dein Baby durch eine VBAC Schaden nimmt, ist verschwindend gering.

Aber auch wenn die Wahrscheinlichkeiten gering sind: Risiko bleibt Risiko und am Ende musst du entscheiden, was sich für dich richtig anfühlt. Hierzu ist individuelle Beratung und Aufklärung nötig, die auf dich persönlich zugeschnitten ist. Sprich dein:e Gynäkolog:in also ganz gezielt an und lass dir bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Sectio helfen.

Übrigens: Auch eine Sectio ist nicht frei von Risiken. Mit jeder weiteren Bauchgeburt steigt für dich die Wahrscheinlichkeit, in Folgeschwangerschaften eine Plazentastörung zu entwickeln. Bereits ab dem zweiten Kaiserschnitt ist das Risiko hier um 11 % erhöht.

Vorbereitungen für deine VBAC: 5 Tipps von Dr. med. Ute Taschner

Dr. med. Ute Taschner ist Ärztin und Mutter von vier Kindern. Zwei hat sie per Sectio, zwei durch eine natürliche Geburt zur Welt gebracht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten, natürlichen Geburtserlebnis nach einem Kaiserschnitt zu begleiten – und diese durch Aufklärung in ihrer Entscheidungsfindung zu bestärken.

Für ELTERN.de hat Dr. med. Taschner fünf Tipps zusammengefasst, die sie Schwangeren mit dem Wunsch nach einer VBAC unbedingt mitgeben möchte:

  • Tipp 1: Verstehe (und verarbeite gegebenenfalls) die vorherige Geburt.
  • Tipp 2: Finde heraus, ob und wie eine natürliche Geburt aus medizinischer Sicht möglich ist, wenn du das möchtest. Und hole dir unter Umständen auch mehrere Meinungen ein.
  • Tipp 3: Entscheide dich für deinen Lieblingsgeburtsort, an dem du dich sicher und geborgen fühlst und schaue dir möglichst mehrere Alternativen an, falls ein Ort kurzfristig ausscheidet. Auch wer dich bei deiner Entbindung begleitet, ist sehr wichtig. Sprich mit deinem Partner/deiner Partnerin offen über eure Wünsche, aber auch mögliche Ängste.
  • Tipp 4: Ziehe auch einen erneuten Kaiserschnitt in Betracht und bereite dich auf diese Möglichkeit vor. Dann packe diese Möglichkeit mental in eine hintere Schublade als Notausgang.
  • Tipp 5: Bereite dich mental auf die nächste Geburt vor und nutze Techniken der Visualisierung und positive Affirmationen. Dann lasse los und nimm die Entbindung so an, wie sie kommt.

Und hier noch ein Tipp von unserer Autorin: „Studien haben gezeigt, dass eine Eins-zu-Eins-Betreuung während der Geburt mit einer niedrigeren Kaiserschnittrate sowie weniger Geburtsverletzungen und vaginal-operativen Entbindungen einhergeht. Das wusste ich und habe mir deswegen eine Beleghebamme für meine VBAC ausgesucht. Beleghebammen betreuen dich als Schwangere während der kompletten Geburt – und zwar nur dich! Mein Rat an alle, die sich eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt wünschen: Sucht euch – am besten direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest – eine Beleghebamme, die hinter eurem Wunsch nach einer VBAC steht. 

Ist eine VBAC zu Hause oder im Geburtshaus möglich?

Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie empfiehlt, bei einer VBAC besser in einem Kreißsaal in einer Klinik mit Neonatologie zu entbinden. Denn hier ist im Notfall schnell medizinische Hilfe für Mutter und Kind zur Stelle. Hattest du bisher erst eine Schnittentbindung, ist es in Deutschland aber möglich, auch im Geburtshaus oder zu Hause eine VBAC zu versuchen. Hierzu gibt es spezialisierte Hebammen, die dich beraten und unterstützen können. Gerade für sensible Frauen kann ein Geburtserlebnis in intimem Rahmen vorteilhaft sein, so Dr. med. Taschner.

Interview mit Dr. med. Ute Taschner: "Viele Frauen trauen sich nicht, kritische Fragen zu stellen"

Dr. med. Ute Taschner möchte Frauen, die vor der Entscheidung für oder gegen eine VBAC stehen, das nötige Fachwissen und viel Wertschätzung, Mut, Kraft und Verständnis mit an die Hand geben. In ihren Büchern, auf ihrem Blog und in Onlinekursen vermittelt sie deswegen hilfreiches Praxiswissen zu genau diesem Thema.

Ihr neuestes Buch soll Schwangeren vor allem Sicherheit geben: Es dient als Vorbereitung für eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt und klärt sensibel und mit viel Gefühl über das Thema auf. ELTERN.de hat mit ihr über ihr Herzensthema gesprochen.

ELTERN.de: „Ruhe, Zeit und Geborgenheit braucht eine Geburt“: Das klingt in der Theorie sehr schön und absolut erstrebenswert, ist aber in der Praxis nicht immer Realität – was raten Sie Schwangeren vor einer VBAC deswegen besonders? Und gerade auch, WEIL sie anders gebären als beim ersten Mal? 
Dr. Taschner:
 Es gibt gute Kliniken, die Wert auf die oben genannten Bedingungen legen und darum wissen, wie wichtig eine positive Geburtserfahrung für Mutter und Kind ist. Die Schwierigkeit liegt darin, eine solche Klinik zu finden. Deshalb möglichst nicht in die erstbeste Klinik fahren. Natürlich kann das auch klappen, falls sich das nächste Kind fix auf die Reise macht. Doch sobald die Geburt (und das tun die wenigsten) nicht nach Schema F verläuft, zeigt sich die Qualität einer guten Geburtshilfe. Deshalb sollten Mütter unbedingt Vorgespräche in den Kliniken führen, Empfehlungen von anderen Müttern einholen und genau nachfragen, wie die Klinik der Wahl eine Geburt nach Kaiserschnitt begleitet.

Wie äußert sich die Qualität einer Geburtshilfe dann genau?
Ich höre öfter von strengen Vorgaben, wie zum Beispiel „die Wehen bei einer ansonsten gesunden Mutter müssten spätestens am errechneten Geburtstermin einsetzen“, „Die Eröffnungsphase darf nur x Stunden dauern und das geschätzte Gewicht des Kindes darf nur bei maximal 3700 g liegen.“ Das sind zu viele, in der Regel unerfüllbare, Vorgaben. In einer solchen Klinik ist eine Mutter nach Kaiserschnitt, die sich eine natürliche Geburt wünscht, sicherlich nicht gut aufgehoben. Also nachfragen und gut vorbereitet in das Vorgespräch starten und sich im Zweifel eine Zweit- oder Drittmeinung einholen.

Ich wünschte, Mütter hätten viel mehr Mut, eine positive Geburtserfahrung wirklich einzufordern.

Eine frühzeitige Begleitung durch eine Hebamme oder ein Geburtsvorbereitungskurs speziell für Kaiserschnitt-Mütter helfen einer Mutter, selbstbewusster und besser vorbereitet in die Geburt zu starten und dadurch auch die eigenen Wünsche und Bedürfnisse besser zu kennen und dafür einzustehen.

Die eigenen Bedürfnisse und Wünsche als Schwangere zu kennen und sie auch zu kommunizieren, ist besonders wichtig. Was ist Ihre Beobachtung – halten sich viele Schwangere zurück oder nehmen sie ihre eigenen Bedürfnisse ernst?
Leider erlebe ich oft, dass Frauen sich und ihre Wünsche dem Partner und der Familie unterordnen oder es dem Arzt oder den Geburtshelfern recht machen möchten. Viele Mütter trauen sich nicht, kritisch nachzufragen oder für eine gute Klinik einen weiteren Fahrtweg in Kauf zu nehmen. Doch liebe Mama, denke bitte immer daran, dass du und dein Baby die Hauptpersonen bei der Geburt seid. Eure Bedürfnisse dürfen hier ganz klar im Vordergrund stehen.

Gibt es für Gebärende auch eine Alternative zur natürlichen Geburt im Krankenhaus?
Nach nur einem Kaiserschnitt ist in Deutschland eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus denkbar. Dies kann besonders sensiblen Frauen den Rahmen bieten, in ihrem eigenen Rhythmus in aller Ruhe zu gebären. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Dies zu erklären, würde hier zu weit führen. Hebammen, die außerklinische Geburten anbieten, beraten dazu ausführlich und es ist wichtig für alle Beteiligten, mit offenen Karten zu spielen und sich eine Back-Up-Klinik zu suchen, für den Fall einer notwendigen Verlegung. (Weitere Informationen finden interessierte Mütter bei www.quag.de)

Sie haben persönlich beide Arten der Geburt erlebt, rührt daher Ihr Antrieb, Ihr Wissen weiterzutragen und andere Frauen zu unterstützen?
Als ich mich nach zwei Kaiserschnitten auf eine natürliche Geburt vorbereitete, stellte ich fest, dass es im deutschsprachigen Raum dazu außer einer veralteten Leitlinie ausgesprochen wenig fundierte Informationen gab. So begann ich auf englischsprachigen Seiten zu suchen und fand dort eine Vielzahl von Fachartikeln und wissenschaftlichen Studien, die teils nur für Mediziner zugänglich sind. Mit der Zeit sammelte sich da ein ziemlicher Schatz an.

Und diesen Schatz wollten Sie teilen…
Ja, dieses ganze Wissen stelle ich nun in komprimierter Form Müttern und auch Fachleuten im deutschsprachigen Raum in Form von Büchern, Seminaren und meinem Blog zur Verfügung. Meine größte Motivation ist, dass Mütter, die einen Kaiserschnitt hatten, ihren Weg zur Geburt ohne Angst, sondern auf der Basis von gut recherchierten Informationen gehen können und dies mit einer fachlich kompetenten und wertschätzenden Begleitung. Für welche Art der Geburt sich eine Mutter am Ende entscheidet, spielt für mich keine Rolle.

Warum hält sich der Mythos, dass nach einem Kaiserschnitt auch beim nächsten Baby ein erneuter Kaiserschnitt erfolgen muss, immer noch so stark? 
Ich denke, dieser Mythos hält sich deshalb so zäh, weil es leider noch immer die Realität ist. So bringen 3 von 4 Müttern in Deutschland, die einen Kaiserschnitt hatten, das nächste Kind wieder durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Aus medizinischen Gründen wäre das aber gar nicht notwendig. So zeigt der Blick in skandinavische Länder, dass dort immerhin jede zweite Kaiserschnitt-Mutter beim nächsten Mal eine natürliche Geburt erlebt. Wiederholte Kaiserschnitte passieren oft aus Angst, aber auch die Überlastung der geburtshilflichen Abteilungen und mangelndes Wissen bei Müttern und leider auch bei Geburtshelfern spielen dabei eine Rolle.

Nach einer traumatischen Geburt: Was ist Ihre Herangehensweise, damit Schwangere ihre Ängste loslassen, offen und optimistisch in die Geburt gehen und eine positive, andere Geburtserfahrung machen können? Dass sie sozusagen von einer traumatischen Geburt hin zu einer Art Traumgeburt kommen?
Mütter, die sich nach schwierigen Geburten an mich wenden, dürfen in Ruhe erzählen, was sie erlebt haben. Ich bewerte nichts. Meistens schauen wir uns dann die Aufzeichnungen aus dem Kreißsaal oder den OP-Bericht an und versuchen zu rekonstruieren, was passiert ist. Die weitere Begleitung ist sehr individuell und wir finden heraus, was die Mutter (und das Baby) braucht. Viele Mütter schreiben sich die Erinnerung in einem Geburtsbericht von der Seele oder holen das Bonding mit ihrem Baby nach und vieles mehr.

Und der nächste Schritt?
Der nächste Schritt ist die Vorbereitung auf die bevorstehende Geburt. Ich frage, was der Mutter besonders wichtig ist. Das Ziel ist höchstmögliche Selbstbestimmung vor, während und nach der Geburt. Anhand der Krankenakte können wir häufig feststellen, wann diese bei der letzten Geburt verloren ging. Fast immer finden wir aber auch ganz viel, was schon richtig gut gelaufen ist und worauf die Mutter beim nächsten Mal zurückgreifen kann. Wir entdecken die Ressourcen der Mutter und stärken diese. Eine Mutter, die so vorbereitet in die nächste Geburt startet, erlebt diese Geburt meist sehr positiv und selbstbestimmt – egal, ob es dann zum Kaiserschnitt kommt oder ob es auf natürlichem Weg klappt.

Wann würden Sie eine Schwangere lieber an andere Kolleg:innen verweisen?
Leidet eine Mutter an einer posttraumatischen Belastungsstörung, verweise ich sie weiter an dafür ausgebildete Experten. Eine posttraumatische Belastungsstörung erkennt man daran, dass eine Mutter die Erinnerung an die Geburt nicht loslässt und in Form von Tagträumen, Flashbacks oder Albträumen zurückkehrt. Manche Mütter vermeiden alles, was sie an die Geburt erinnert. Sie wirken gleichgültig, teilnahmslos oder können sich nicht mehr konzentrieren. Auch Schlafstörungen oder Schreckhaftigkeit können Symptome sein.

Wann ist ein erneuter Kaiserschnitt nicht zwingend notwendig?  
Wie ich auch in meinem Buch schreibe, kommt eine natürliche Geburt nach vorherigem Kaiserschnitt grundsätzlich infrage, wenn das Kind in Schädellage liegt und die Wehen im regulären Geburtszeitraum – 37. bis 42. Schwangerschaftswoche – einsetzen. Dies ist bei den meisten Schwangerschaften der Fall.  

Die Chance, eine natürliche Geburt zu erleben, wenn es bis zum Geburtsbeginn keinen medizinischen Grund für einen erneuten Kaiserschnitt gab, ist übrigens hoch. Je nach Klinik kommen acht von zehn Kindern dann auf natürlichem Weg zur Welt. Nach zwei Kaiserschnitten sehen die Zahlen bei guter Begleitung ähnlich vielversprechend aus. Entscheidend ist, welche Grundhaltung die von der Schwangeren gewählte Geburtsklinik zu einer Geburt nach Kaiserschnitt hat.

Und wann muss nach einem Kaiserschnitt noch einmal ein Kaiserschnitt erfolgen? 
Es gibt spezielle Umstände, die als sogenannte „relative Kontraindikationen“ für eine natürliche Geburt bezeichnet werden. Das bedeutet, falls einer oder mehrere dieser Umstände vorliegen, kann es sein, dass die Geburtshelfer zum wiederholten Kaiserschnitt raten. Hier lohnt es sich, falls die Schwangere das möchte, eine Zweitmeinung einzuholen, denn verschiedene Kliniken beurteilen die medizinischen Voraussetzungen je nach eigener Haltung und Erfahrung häufig unterschiedlich. Viele Mütter haben in der Vergangenheit trotz dieser speziellen Umstände eine Geburt auf natürlichem Weg erlebt. Dazu zählen Schwangerschaftsdiabetes (insulinpflichtig oder diätetisch eingestellt), ein sehr groß geschätztes Kind über 4,5 kg, Übergewicht der Mutter, Zwillinge, Baby in Beckenendlage oder ein oder mehrere Kaiserschnitte in der Vorgeschichte.

Gegen eine natürliche Geburt spricht, wenn die möglichen Risiken für Mutter und Baby leider schwerer als die Vorteile einer natürlichen Geburt wiegen. Solche Gründe sind etwa ein gutartiger Tumor der Gebärmutterwand (Myom), der den Geburtskanal versperrt, wenn die Plazenta den Geburtskanal blockiert (Plazenta praevia) oder ein erhöhtes Risiko besteht, dass die Wand der Gebärmutter einreißen könnte (Uterusruptur). In diesen Fällen ist ein erneuter Kaiserschnitt leider unumgänglich. 

Manchmal kann sich auch im Gespräch mit den Geburtshelfern die Erkenntnis ergeben, dass der wiederholte Kaiserschnitt für die Schwangere und das Baby insgesamt der passendere Geburtsweg ist. Dieser Kaiserschnitt kann nun von ihr in ihrem neuen Bewusstsein für die Besonderheiten dieser Geburt ganz anders vorbereitet werden, so dass eine positive, nicht traumatisierende Erfahrung daraus erwachsen kann.

Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt: Dr. med. Ute Taschner
© Sabine Rukatukl

Wer mehr über Dr. med. Ute Taschners Ansätze und Hilfestellungen lesen will: Ihr Buch "Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt: Praxiswissen von der Ärztin" ist im September 2021 im edition riedenburg Verlag erschienen.

Quellen:

lha ELTERN

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