Vertauschte Kinder
 
Nach der Geburt das falsche Baby mitnehmen?

In Frankreich sorgte der Fall von zwei nach der Geburt vertauschten Babys in den letzten Monaten für Aufregung. In einem langwierigen Prozess wurde den betroffenen Familien nun eine Entschädigung in Millionenhöhe zugesprochen. Vertauschte Babys nach der Geburt – gibt es das häufiger oder ist das nur eine tragische Ausnahme?

Im Krankenhaus vertauschte Kinder - der Albtraum werdender Eltern

Vertauschte Kinder: Nach der Geburt das falsche Baby mitnehmen?

Ein ähnlicher Fall wie derzeitig in Frankreich machte vor rund zwei Jahren in Deutschland Schlagzeilen: In einer saarländischen Klinik waren zwei kleine Mädchen direkt nach der Geburt vertauscht worden. Ans Licht kam das Ganze nur, weil einer der Väter die Vaterschaft anzweifelte. Ein Gen-Test ergab anschließend, dass weder er noch seine Frau Eltern ihres vermeintlichen Kindes sein konnten. Nach einer aufwändigen Suche wurde dann die andere betroffene Familie ausfindig gemacht und die Babys ihren jeweiligen richtigen Eltern zurück gegeben - allerdings erst sechs Monate nach der Geburt! Wie es zu dem tragischen Fehler kam, konnte sich auch die Klinik-Leitung nicht erklären.Immer wenn Meldungen wie diese durch die Medien gehen, steigt bei werdenden Eltern die Verunsicherung. Sie fragen sich: Wie kann so etwas nur passieren? Vor allem die Frauen zweifeln häufig, ob sie ihr eigenes Kind nicht sofort erkennen müssten - und ob sie es denn auch könnten. Schließlich sind sie nach der Geburt erschöpft und haben vielleicht Schmerzen. Und ein Baby sieht direkt nach der Geburt natürlich auch anders aus als nach dem ersten Bad.Keine Sorge: Auch wenn jeder einzelne dieser Fälle tragisch ist und die Berichterstattung darüber aufwühlt - vertauschte Kinder sind eine absolute Ausnahme! Denn die Kliniken tun alles, um solche Fehler zu verhindern. Wie häufig nach der Geburt vertauschte Kinder tatsächlich vorkommen und welche Maßnahmen in Kreißsaal und auf Wochenstation dagegen ergriffen werden, lesen Sie hier - klicken Sie einfach auf den entsprechenden Link:

Wie ähnlich sehen sich Neugeborene - finden Sie es heraus in unserer Bildergalerie:

Vertauschte Kinder: Nach der Geburt das falsche Baby mitnehmen?

Wie ähnlich sehen sich Neugeborene wirklich? Finden Sie es selbst heraus - in unserer Neugeborenen-Bildergalerie finden Sie viele zauberhafte Fotos von Säuglingen.

Nach der Geburt vertauschte Kinder - sind solche Horror-Storys nicht eher moderne Mythen?

Wie häufig passiert es wirklich, dass Babys nach der Geburt vertauscht werden? "Es existieren meines Wissens keine Zahlen über die Häufigkeit solcher Fälle", sagt Dr. Florian Schütz, Chefarztstellvertreter der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses Salem der Stadtmission Heidelberg. Auch er habe nur über die Medien von den Fällen wie dem aus dem Saarland gehört. Doch Schütz stellt klar: "Bereits ein vertauschtes Baby ist natürlich eines zu viel."

Schüren solche Sensations-Berichte nicht noch die Angst der Eltern vor vertauschten Kindern?

Die Sensationslust, mit der teilweise über solche Fälle berichtet wird, steht also in keinem Verhältnis dazu, wie oft Babys im Krankenhaus tatsächlich versehentlich vertauscht werden. Trotzdem hat Dr. Schütz auch in Heidelberg festgestellt, dass selbst dieses geringe Risiko für viele werdende Väter und Mütter ein Thema ist. "Der Partner einer Patientin hat mich einmal beim Elterninfoabend gefragt, ob er einen Edding in den Kreißsaal mitbringen dürfe", erzählt er. "Er sagte, dass er diesen zur Kennzeichnung seines Kindes nach der Geburt bräuchte."

Der Mediziner hat durchaus Verständnis für solche Ängste. „Ich glaube, diese Angst hängt eng mit unseren Instinkten zusammen. Das ungeborene Kind und damit auch die elterlichen Gene wurden während der Schwangerschaft durch die Eltern behütet und geschützt. Nun soll es ja nicht nach der Geburt vertauscht werden."

Was tun die Krankenhäuser, um die Gefahr vertauschter Kinder möglichst gering zu halten?

Ein Bändchen an jedem Baby-Ärmchen soll Verwechslungen verhindern

Eine Menge! So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), dem Baby direkt nach der Geburt, also noch im Kreißsaal, zwei Bändchen an zwei unterschiedlichen Körperteilen zu befestigen - zum Beispiel am linken und am rechten Arm. Diese Bändchen müssen die Identität des Kindes eindeutig dokumentieren und dürfen im Krankenhaus auch nicht mehr abgenommen werden, wenn das Baby etwa gebadet wird. Fällt doch einmal eines der Bändchen ab, so muss es sofort durch eine examinierte Pflegekraft ersetzt werden - und zwar in Anwesenheit eines Arztes.

Die Kliniken nehmen die Sorge der Eltern durchaus ernst. Auf der Wochenstation von Dr. Schütz etwa werden sowohl die Eltern als auch das medizinische Personal für die besondere Verantwortung gegenüber den Neugeborenen auch in dieser Hinsicht sensibilisiert. "Auf einer Entbundenenstation kommen und gehen viele Besucher und es kann großer Trubel herrschen. Das bedeutet mehr Aufmerksamkeit für das Pflegepersonal", weiß der Mediziner. Deshalb habe man beispielsweise im Heidelberger Krankenhaus Salem auch den Personalschlüssel dieser Station aufgestockt, um mehr Zeit für Beratung und die Betreuung zu haben.

Ist das Risiko vertauschter Kinder nach einem Kaiserschnitt höher?

Eine furchtbare Vorstellung: Nach dem Kaiserschnitt sind Arzt und Hebamme auf einmal mit dem Kind weg - noch bevor die junge Mutter ihr Kind überhaupt in den Armen halten konnte. Das kann durchaus passieren, etwa wenn das Baby medizinische Hilfe braucht. Und bei einem Not-Kaiserschnitt ist oft nicht einmal der Vater dabei.

Aber keine Angst: Nach einem Kaiserschnitt gelten die selben DGGG-Empfehlungen wie nach einer natürlichen Geburt. Das Baby bekommt also auch hier ganz schnell seine Bändchen, mit deren Hilfe seine Identität eindeutig nachweisbar ist.

Nicht vertauscht, sondern aus dem Krankenhaus entführt - kann das passieren?

Eine Frau mit übergroßem Kinderwunsch, die aber selber kein Baby bekommen kann, entführt ein Neugeborenes aus dem Krankenhaus - auch das ist schon vorgekommen. Sollte ich also am besten mein Baby Tag und Nacht nicht aus der Hand geben? Dr. Florian Schütz beruhigt: Auch wenn in den meisten Krankenhäusern das so genannte Rooming-In mittlerweile zum Standard gehöre, würde darauf geachtet, dass die Wochenstation und das Kinderzimmer gut abgeschirmt seien. Dass jemand dort einfach mit einem Baby heraus spazieren könne, sei kaum vorstellbar.