Zahl der Woche
 
3,3 Tage Krankenhaus für Wöchnerinnen

40 Tage lang im Wochenbett? Dass war einmal. Heute verlassen Frauen durchschnittlich 3,3 Tage nach der Geburt ihres Kindes schon wieder das Krankenhaus. In anderen Kulturen gönnt man der Wöchnerin dagegen auch heute noch eine längere Ruhepause.

Deutschland: Schon kurz nach der Geburt wieder im Alltag

Zahl der Woche: 3,3 Tage Krankenhaus für Wöchnerinnen

Nur 3,3 Tage blieb eine Frau im Jahre 2006 nach der Geburt ihres Kindes in Deutschland durchschnittlich noch im Krankenhaus - das hat das Statistische Bundesamt jetzt bekannt gegeben. Zum Vergleich: Noch 1997 waren es im Schnitt fünf Tage. So lange behalten die Kliniken heute die Mütter nur noch, wenn das Kind per Kaiserschnitt zur Welt kam.

Dabei war das "Wochenbett" früher eine deutlich längere Phase im Leben einer Mutter. Das altmodische Wort stammt noch aus einer Zeit, als Hausgeburten die Norm waren und frisch entbundene Frauen mindestens noch eine Woche lang auf der Schlafstatt lagen, auf der sie entbunden hatten. "Und anschließend blieben sie weitere fünf, sechs Wochen hauptsächlich in der Wöchnerinnenstube, wo ihr Bett und der Stubenwagen oder die Wiege mit dem Neugeborenen standen, und wurden dort versorgt", erklärt die Hamburger Hebamme und Buchautorin Viresha Julia Bloemeke, die sich für einen Ratgeber ("Alles rund ums Wochenbett", Kösel, 16,95 Euro) gründlich mit diesem Thema beschäftigt hat. Ihr Fazit: "Das Wochenbett bekommt in unserer Zeit zu wenig Beachtung und Raum."

China: 30 Tage umsorgt von Großmutter und Ehemann

Am wichtigsten ist \

Ein Blick über Deutschlands Grenzen hinaus beweist aufs Schönste, dass die üblichen vier bis sechs Wochen Schonzeit den Müttern in allen Kulturen und zu allen Zeiten selbstverständlich zugestanden wurden. In der chinesischen Medizin etwa gilt bis heute: Nach einer "kleinen Geburt" - so heißt in China ein Abbruch, aber auch eine Fehlgeburt - müssen die Frauen 14 Tage ins Wochenbett, nach einer "großen Geburt" einen Monat. "Zuo yuezi" ist das Wort dafür auf Chinesisch ("Zuo" = Sitzen, "Yuezi" = Monat), was übersetzt so viel bedeutet wie "den Monat absitzen". Traditionell verbrachte eine chinesische Wöchnerin nämlich den ersten Monat nach der Geburt in einer halb sitzenden, halb liegenden Stellung.

"In den meisten Familien verlässt die Frau auch heute noch das Gebärzimmer in den ersten 30 Tagen wenig bis gar nicht und liegt viel", erklärt die Berliner Sinologin Gudrun Kotte, die gerade in Medizinethnologie promoviert. "Sie trägt dabei Wochenbettschuhe und eine Wochenbettmütze, manchmal auch ein Kopftuch. In der Regel sind die eigenen Mutter und der Ehemann für ihre Versorgung zuständig, sie nehmen ihr das Kind ab, sooft es geht, und kochen je nach Region typische, warme Wochenbettgerichte." Ach ja, und: "Das Wichtigste in dieser Zeit ist 'xiuxi' - sich ausruhen, Ruhe haben und Erholung."

Islamische Länder: Die "Nifas" dauert zehn Tage

In den islamischen Ländern ist es ähnlich, die wichtigsten Gelehrten legten die Länge des Wochenbetts auf 40, manche auch auf 60 Tage fest - nur haben hier sogar die ersten zehn Tage einen eigenen Namen: "Nifas", was auf den Propheten Mohammed zurückgeht und auf Deutsch so viel wie "Wochenbettblutung" bedeutet. In dieser Zeit sind die Frauen vom täglichen Gebet, vom Fasten und von weiteren religiösen Pflichten entbunden; am Ende der "Nifas" steht eine rituelle Ganzwaschung.

Hilfe annehmen: Freunde, Verwandte oder die Hebamme

Das Wochenbett - ein Schonraum für junge Mütter

Was Frauen aus diesen Beispielen lernen können? Vor allem, dass das Wochenbett seit Jahrhunderten und zu Recht ein Schonraum war, in den sich die jungen Mütter zurückziehen durften - und in dem die Großfamilie wie selbstverständlich als praktische Hilfe bereitstand. Auf die heutige Zeit übertragen, bedeutet das: Warum nicht eine Verwandte oder Freundin bitten, wenigstens die ersten zehn Tage als Haushaltshilfe, Köchin oder Gesprächspartnerin - kurz: als gute Fee - in den eigenen Haushalt einzuziehen?

Eine Alternative ist die Betreuung durch eine Nachsorge-Hebamme. Ihre Aufgaben: Der Mutter alles rund um die Themen Stillen sowie Wickeln erklären und ihr den Umgang mit dem Kind konkret zu zeigen.

Bis zum zehnten Lebenstag des Babys kommt sie täglich einmal, bei schweren Stillstörungen auch zweimal täglich vorbei. Acht weitere Besuche sind innerhalb von acht Wochen nach der Geburt des Kindes möglich. Die Kosten dafür werden komplett von der Krankenkasse übernommen.

Zumindest in Großstädten gibt es allerdings viel zu wenig Nachsorge-Hebammen - deshalb sollten Schwangere sich nicht erst kurz vor der Entbindung um einen Kontakt bemühen, sondern schon ab der 25. Woche! Die passende Hebamme für Sie finden Sie übrigens bei den Tipps und Adressen im Eltern.de Familiennetz.