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Hyperemesis gravidarum Die nicht enden wollende Schwangerschaftsübelkeit

Frau vor dem Spiegel hält sich aus Übelkeit Hand vor den Mund
© KatarzynaBialasiewicz / iStock
Flaues Gefühl im Magen, Übelkeit, Erbrechen – das kennen vier von fünf werdende Mütter. Fast immer geht das flaue Gefühl nach einigen Wochen vorbei. Nur bei Hyperemesis gravidarum nicht. Alle wichtigen Infos dazu erfahrt ihr hier.

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Woher kommt dieses andauernde Erbrechen in der Schwangerschaft?

Etwa zwei Prozent aller Schwangeren leiden unter Hyperemesis gravidarum. Warum, ist unklar: Diskutiert wird, ob vielleicht eine Mageninfektion mit dem Keim Helicobacter pylori ein Auslöser sein könnte, ein hoher Östrogen-Spiegel oder eine Empfindlichkeit auf das Schwangerschaftshormon hCG. Bei vielen Betroffenen ist auch der Wert des Schilddrüsenhormons Tyroxin auffällig.
Schwedische Forscher gehen deshalb zurzeit der Frage nach, ob es einen Zusammenhang mit der Überempfindlichkeit zwischen dem hCG sowie dem hohen Tryoxin-Wert und einer Plazentastörung gibt. Ihre Vermutung: Wenn in der frühen Schwangerschaft eine Störung dazu führt, dass die Gebärmutter zu wenig Sauerstoff erhält, schüttet der mütterliche Körper verstärkt hCG aus – und darauf reagiert die Schwangere dann unter Umständen mit Hyperemesis gravidarum. Ursache einer solchen Störung könnte nach Meinung der Wissenschaft wiederum der hohe Tryoxin-Wert sein.

Daneben scheint jedoch auch das Immunsystem eine große Rolle zu spielen: Möglicherweise gibt es eine Überreaktion, sobald sich der Fetus eingenistet hat – bei vielen Hyperemesis-Patientinnen fand man jedenfalls stark erhöhte Immunwerte, die wiederum Einfluss auf die übrigen Hormone im Körper haben könnten.

Eltern Fallbackbild

Welche Folgen hat das ständige Erbrechen in der Schwangerschaft?

Die größte Gefahr ist die Austrocknung: Bluthochdruck, Herzrasen sowie Nierenprobleme und Thrombose können die Folgen sein, ebenso Risse in der Speiseröhre und Schädigungen des zentralen Nervensystems. Hält die Hyperemesis gravidarum noch im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel an, steigt zudem das Risiko einer Präeklampsie. Dazu kommt die Übersäuerung des Blutes durch die Mangelernährung – das kann unbehandelt auch fürs Ungeborene gefährlich werden. 

Mit Infusionen lassen sich diese Risiken einigermaßen kontrollieren – zwar kommen viele Babys früher und leichter zur Welt, langfristige Folgen für die Kinder wurden aber nicht beobachtet. Zur Sicherheit werden Schwangere, die unter Hyperemesis gravidarum leiden, jedoch von ihrem Frauenarzt besonders sorgfältig überwacht: Neben der regelmäßigen Kontrolle des mütterlichen Blutdrucks werden dabei häufig auch Doppler-Ultraschalls eingesetzt, um Wachstum und Versorgung des Ungeborenen zu überprüfen. 

Trotzdem sind die Mütter natürlich gebeutelt: Bei 80 Prozent der Betroffenen bestimmen Verzweiflung, Angst und Hilflosigkeit die Schwangerschaft. Und oft ist auch noch die Zeit nach der Geburt von dieser Erfahrung überschattet. Das ergab eine Übersichtsarbeit der Universität von Südkalifornien von 2011.

Gibt es eine Therapie gegen dieses starke Erbrechen in der Schwangerschaft?

Leider bislang nur gegen die Symptome, also gegen das Erbrechen. Die Behandlung selbst sollte möglichst früh nach einem Stufenplan erfolgen: zuerst Ernährungsumstellung, psychologische Betreuung, Akupunktur und Akupressur sowie die Gabe von Vitamin B6 und Ingwerextrakten. Danach sind sogenannte Antiemetika die Mittel der Wahl. Sie unterdrücken den Brechreiz. Bei leichteren Verläufen eignen sich zum Beispiel Antihistaminika und Dopaminantagonisten. Ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko wurde bisher nicht beobachtet.
Dies gilt auch für Serotoninantagonisten wie Ondansetron oder Mirtazapin: Sie hemmen im Gehirn die Wirkung von Serotonin an bestimmten Rezeptoren, die sonst das Brechzentrum reizen würden.

Für das Baby belastender sind womöglich kortisonhaltige Medikamente, die meist erst in letzter Instanz verordnet werden - hier müssen die Ärzt:innen Risiko und Nutzen genau abwägen.

Wo kann ich mich zum Thema "Erbrechen in der Schwangerschaft" informieren?

Anders als in den USA, Kanada und England gibt es bei uns noch keine Stiftung und kein Kompetenznetz, in dem alle Informationen zusammenlaufen. Oft wird Hyperemesis gravidarum noch immer mit psychischen Problemen verknüpft, obwohl das erwiesenermaßen falsch ist – lass dich also nicht verunsichern, falls du betroffen sein solltest! Unter www.hyperemesis.de findest du Kontakt zu anderen Betroffenen, genauso unter www.hyperemesis-netz.de. Unter www.embryotox.de gibt es fachlichen Rat zu untersuchten Medikamenten. Weitere Infos unter www.helpher.com und www.pregnancysicknesssupport.org.uk

ELTERN

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