Schwangerschaft & Zigaretten
 
Baby, ich hör' auf zu rauchen

Etwa 30 Prozent der Raucherinnen greifen zu Beginn ihrer Schwangerschaft noch zum Glimmstängel. Warum Sie in jedem Fall versuchen sollen, die Finger von der Zigarette zu lassen.

Frau zerbricht Zigaretten
iStock, pecaphoto77

In Deutschland rauchen schätzungsweise 30 Prozent der Frauen zu Beginn der Schwangerschaft. Die Hälfte davon schafft es, im Laufe der Monate die Finger von der Zigarette zu lassen, aber circa jede fünfte Frau entkommt ihrer Sucht trotz aller guten Vorsätze nicht. Und: Jede zweite Frau verfällt nach der Schwangerschaft wieder der Sucht. Nordamerikanische Studien zeigen, dass sechs Monate nach der Geburt 50 Prozent und ein Jahr danach 80 Prozent der Frauen wieder mit dem Rauchen anfangen.

Natürlich will keine werdende Mutter will ihrem Kind vorsätzlich schaden. Doch manche Frauen hat die Nikotinsucht so fest in den Klauen, dass sie es nicht alleine schaffen mit dem Rauchen aufzuhören - nur vier von zehn Schwangeren schaffen es aus eigener Willenskraft.

Dabei gibt es keinen Grund, das Laster alleine aaufzugeben. Nicht von sich zu verlangen, die Entwöhnung unbedingt alleine schaffen zu müssen, ist oftmals ein erster Schritt zu einem rauchfreien Leben. Um den Willen zum Rauchstopp zu stärken, ist es deswegen wichtig, sich eine professionelle Begleitung zum Beispiel durch die Hebamme oder den Frauenarzt zu suchen. Zudem gibt es Beratungen für Schwangere auch bei Familien- und Suchtberatungsstellen und in manchen Kliniken.

Nichtrauchen lohnt sich - für Mutter und Kind

Das Ungeborene spürt den Rauchstopp sofort

Schwangere Raucherinnen greifen durchschnittlich 13 mal am Tag zur Zigarette. Im Verlauf der neun Monate summiert sich die Schadstoffbelastung für das Ungeborene somit auf rund 3.640 Zigaretten. Jedes zweite Kind in Deutschland lebt in einem Raucherhaushalt, jedes fünfte Kind ist im Mutterleib zum Passivrauchen gezwungen. Zur Info: Der Rauch einer Zigarette enthält 4.000 teilweise giftige und krebserregende Chemikalien.

Wenn Schwangere mit dem Rauchen aufhören, lohnt sich das in kürzester Zeit - nicht nur für ihr Baby, sondern auch für sie selbst: Schon wenige Stunden nach dem Rauchstopp stellt sich der mütterliche Körper um. Nach circa 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck. Der Kohlenmonoxydgehalt im Blut vermindert sich nach etwa acht Stunden. 24 Stunden nach dem Rauchstopp nimmt auch das Herzinfarktrisiko der Mutter ab. Die positiven Effekte spürt das Ungeborene natürlich auch unmittelbar: es bekommt die angemessene Menge an Sauerstoff und Nahrung und wird in seiner Entwicklung nicht durch Nikotin und Chemikalien behindert.

Nichtrauchen schützt Ihr Kind ...

Tabakrauch schädigt das Ungeborene empfindlicher als Erwachsene

... vor Krebs. Wenn Eltern rauchen, legen sie den Grundstein für eine spätere Krebserkrankung ihrer Kinder. Besonders häufig sind Tumore in der Nase. Aber Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, leben auch mit einem erhöhten Blasen- und Nierenkrebsrisiko.

Wie häufig die Kinder rauchender Eltern von bösartigen Tumoren betroffen sind, zeigt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die Wissenschaftler haben Daten des schwedischen Familien-Krebsregisters ausgewertet, das Krebserkrankungen in schwedischen Familien über Generationen erfasst. Ihre Ergebnisse sind alarmierend: Raucht die Mutter, steigt das Risiko an Krebs der oberen Luftwege und der Blasen zu erkranken um das eineinhalbfache. Bei Nasenkrebs verdreifacht sich das Risiko fast; bei Lungenkrebs ist es 1,7-mal so hoch. Offenbar sind Blase und Nieren in der Wachstumsphase krebserregenden Substanzen besonders schutzlos ausgeliefert. Das erhöhte Nasenkrebsrisiko führen die Wissenschaftler allerdings auf das Passivrauchen in der Kindheit zurück.

Die Wissenschaftler definierten außerdem das Auftreten von Lungenkrebs als indirekten Indikator für den Tabakkonsum der Eltern und untersuchten die Nachkommen von rund 18.000 Müttern und 42.000 Vätern mit Lungenkrebs. Ihre Kinder waren bis zum Alter bis 70 Jahren mit nahezu 174.000 diversen Krebserkrankungen verzeichnet.

Die Nachkommen rauchender Väter sind in dieser Studie gesondert untersucht worden. So tragen Kinder männlicher Lungenkrebspatienten ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Nasenkrebs und etliche andere Krebsarten, nicht jedoch für Blasen- und Nierenkrebs.

Indem die Wissenschaftler zum Vergleich die Erkrankungsraten bei Kindern nicht rauchender Eltern untersuchten, konnten sie Krebsrisiken berechnen, die nicht mit eigenen Rauchgewohnheiten der Betroffenen oder erblichen Risiken zu erklären sind. So sind die krebserregenden Effekte auf Blase und Nieren laut der Autoren unabhängig vom Rauchverhalten des Vaters. Entscheidender scheinen die Nikotinabbauprodukte zu sein, die das Kind einer rauchenden Mutter im Mutterleib oder mit der Muttermilch aufnimmt.

Nichtrauchen schützt Ihr Kind weiter ...

... vor Frühgeburten. Jedes siebte Kind von Raucherinnen kommt zu früh auf die Welt. Rauchen erhöht die Gefahr einer Frühgeburt von 20 Prozent auf 6,7 Prozent. 15 Prozent aller Frühgeburten sind auf das Rauchen in der Schwangerschaft zurückzuführen.

... vor Säuglingstod und Totgeburt. Raucht eine Schwangere mehr als 20 Zigaretten am Tag, verdoppelt sich das Risiko einer für das Ungeborene tödlichen Plazentaablösung im Vergleich zu nichtrauchenden Müttern. Das deutsche Krebsforschungsinstitut in Heidelberg schätzt: etwa 25 Prozent aller Totgeburten und 20 Prozent der Säuglingssterblichkeit könnten vermieden werden, wenn rauchende Frauen bis zur 16. Schwangerschaftswoche aus der Sucht aussteigen würden. Werdende Mütter, die während der ersten 13 Wochen das Rauchen aufgeben, haben in etwa das gleiche Risiko für Totgeburt oder Säuglingssterblichkeit wie Mütter, die von Beginn an rauchfrei waren. Das heißt allerdings nicht, das Rauchen im ersten Drittel der Schwangerschaft nicht schädlich ist. Besonders in diesen Wochen schaden das Nikotin und die vielen Zusatzstoffe der Organentwicklung.

... vor Fehlbildungen. Tabakrauch schädigt das Ungeborene viel empfindlicher als Erwachsene. Das liegt daran, dass sich die Organe des Kindes erst noch entwickeln und noch nicht ausgereift sind. Dadurch können sie sich auch weniger schlecht von Schadstoffen entgiften als im erwachsenen Organismus. Denn Enzymsysteme, die zum Entgiften notwendig sind, sind beim Ungeborenen noch nicht voll entwickelt. Muss das Ungeborene Passivrauchen, können daher Fehlbildungen entstehen. Das Risiko für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte verdoppelt sich, wenn eine Schwangere täglich eine bis zehn Zigaretten raucht.

Babys rauchender Mütter gehen nach der Geburt auf Entzug

... vor Wachstumsstörungen. Nikotin verringert den Blutfluss in der Plazenta. Das Gewebe des Ungeborenen wird dadurch weniger durchblutet. Deswegen ist das Wachstum dieser Kinder verzögert und ihr Geburtsgewicht niedriger. Das Längenwachstum ist bei Kindern von Raucherinnen eingeschränkt, der Kopfumfang verkleinert und das Geburtsgewicht durchschnittlich um 200 Gramm geringer. Konkret heißt das: Raucht eine Schwangere täglich eine bis fünf Zigaretten, mindert sich das Geburtsgewicht oft um 150 Gramm. Bei mehr als 20 Zigaretten täglich können es 350 Gramm sein. Eine leichtere Geburt verspricht das niedrigere Geburtsgewicht nicht. Geburtskomplikationen sind sogar häufiger.
... vor Lungenproblemen. Tabakrauch stört die Lungenentwicklung von Ungeborenen: Die Lungenfunktion vermindert sich, wenn Mama raucht - ein Problem, das nach der Geburt oft bestehen bleibt. So bekommen 28 Prozent der betroffenen Ungeborenen im ersten Lebensjahr wenigstens eine asthmatische Atemwegserkrankung. Sind Ungeborene, Neugeborene und Kleinkinder Tabakrauch ausgesetzt leiden sie häufiger an akuten und chronischen Atemwegerkrankungen, Asthma, Allergien und Mittelohrentzündung als Kinder nichtrauchender Eltern.
... vor einer späteren Nikotinabhängigkeit. Kinder rauchender Schwangerer bilden vermehrt Nikotinrezeptoren im Gehirn. Das macht sie anfälliger, später selbst zum regelmäßigem Raucher zu werden, wenn sie im Teenageralter die Droge Nikotin aus Neugier mal ausprobieren.
... vor Zellschäden. Viele Schadstoffe im Tabakrauch durchdringen die Plazenta und gelangen in Babys Blutkreislauf. Das gilt beispielsweise für Kohlenmonoxid. Er blockiert den Sauerstofftransport im Blut und gefährdet dadurch die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen. Ebenso gelangen krebserregende Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und tabakspezifische Nitrosamine in den Körper des Kindes. Sie alle können das Erbgut schädigen. Und weil der Organismus eines Ungeborenen einen höheren Stoffwechsel hat als der von Erwachsenen, macht ihn das zusätzlich anfälliger für die Schadstoffe im Tabakrauch. Dazu kommt, dass Kinder pro Zeiteinheit mehr Atemzüge machen und pro Kilogramm Körpergewicht ein höheres Atemvolumen haben als Erwachsene. Sie atmen daraufhin im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr giftige Substanzen ein.
... vor Allergien. Rauchen fördert Allergien - und das sogar über die Generationen hinweg. Enkel rauchender Großmütter haben ein höheres Risiko für eine Allergie als Kinder ohne solche Rauchbelastung im Stammbaum, wie Professor John Warner von der britischen Universität Southampton auf dem diesjährigen Welt-Allergie-Kongress betonte. Er und seine Kollegen hatten die Eltern von 908 Kindern befragt. Gemäß diesen Analysen waren die Enkel selbst dann belastet, wenn sie zu den rauchenden Großeltern keinen Kontakt hatten. "Wenn eine Schwangere raucht, schädigt sie vermutlich das Erbgut der Eizellen im weiblichen Fötus", sagt Warner. Und aus diesen beschädigten Eizellen entstehen später die Enkel mit erhöhter Allergiedisposition.
... vor Entzugssymptomen bei der Geburt. Babys rauchender Mütter erleben ähnliche Entzugssymptome wie Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Kokain oder Heroin eingenommen haben. Das ergab eine Untersuchung der Brown Medical School in New York. Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft sechs Zigaretten täglich geraucht hatten, zeigten 48 Stunden nach der Geburt Symptome, die auf einen Entzug hindeuten: die Babys waren nervös, leicht erregbar, zitterten, litten oft unter Magen-Darm-Störungen und hatten einen zu hohen Blutdruck.

vor Verhaltensproblemen. Neben den Wirkungen auf die körperliche Entwicklung bewirkt Rauchen vermutlich auch psychische Probleme. Die Mannheimer "Zappelphilippstudie", eine prospektive Längsschnittstudie an 362 Kindern, die Ärzte am Institut für seelische Gesundheit in Mannheim machten, ergab: Kinder rauchender Mütter, die von der Geburt bis zum Beginn der Jugend regelmäßig untersucht wurden, erzielten schlechtere Lernleistungen und waren zwei bis dreimal häufiger verhaltensauffällig als Kinder von nichtrauchenden Müttern. Das Niveau für Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität war bei ihnen ebenfalls höher als bei Kindern nichtrauchender Eltern. Die Mannheimer Ärzte vermuten daher, dass Rauchen in der Schwangerschaft ein Risikofaktor für eine spätere Aufmerksamkeitsstörung des Kindes ist. Möglicherweise schädigt das Nikotin Rezeptoren im sich entwickelnden Gehirn des Föten, was später ADHS auslösen könnte.

Hier gibt es 10 gute Tipps für Schwangere, die mit dem Rauchen aufhören wollen, samt nützlichen Adressen.