Schwangerschaftsbauch
 
Streifenlos glücklich durch die Schwangerschaft?

Vor Schwangerschaftsstreifen haben die meisten werdenden Mütter Angst. Kein Wunder, wird doch die Haut am Bauch in der Schwangerschaft auf eine harte Probe gestellt. Wie berechtigt diese Ängste sind und wie Du Dehnungsstreifen vorbeugen kannst, liest Du hier.

Schwangere cremt sich ihren Bauch ein, um Dehnungsstreifen zu vermeiden
thinkstock, Goodshoot

Was sind Dehnungsstreifen?

Striae, wie Hautdehnungsstreifen im medizinischen Fachjargon heißen, sind feine Risse im Unterhautgewebe. Die Haut wird an diesen Stellen dünner, und die Blutgefäße schimmern bläulich beziehungsweise rötlich-violett durch. Später vernarben die Stellen, und die Streifen werden weißperlmuttfarben. Hauptsächlich betroffen sind der Bauch und die Hüften, häufig auch Po und Brüste, manchmal sogar Oberschenkel und Oberarme. Da sie zu den unschönen Begleiterscheinungen der Schwangerschaft gehören können – laut einer französischen Studie bekommt sie jede zweite werdende Mutter – sind die Striae auch als Schwangerschaftsstreifen bekannt.

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Wie entstehen Schwangerschaftsstreifen?

Am besten kann man sich Dehnungsstreifen wie ein Gummiband vorstellen, dessen Fasern gerissen sind. Striae entstehen, wenn die Haut zu schnell überdehnt wird und gleichzeitig ihre Elastizität eingeschränkt ist. Neben einer Bindegewebsschwäche spielen auch hormonelle Einflüsse eine Rolle. Ein hoher Cortisolspiegel wie zum Beispiel in der Schwangerschaft oder in der Pubertät fördert die Bildung von Dehnungsstreifen. Grund: Das Hormon lässt die Haut mehr Wasser festhalten und verschlechtert gleichzeitig ihre Dehnungsfähigkeit. Aber auch mechanische Belastungen der Haut durch große Gewichtsschwankungen (Jo-Jo-Effekt) und manche Medikamente, etwa Kortison, können den unerwünschten Streifen-Look der Haut fördern.

Bekommt jede Schwangere Dehnungsstreifen?

Wer zu Cellulite neigt, bekommt wahrscheinlich auch die unschönen Streifen

Nein. Ob es zu Dehnungsstreifen kommt beziehungsweise wie stark eine Schwangere von ihnen betroffen ist, hängt von einigen Faktoren ab: Zum einen ist das Bindegewebe von Frau zu Frau, genetisch bedingt, unterschiedlich stark. Wer zu Cellulite neigt, wird sich vermutlich auch mit dem Streifenhörnchen-Look anfreunden müssen.
Zum anderen variiert die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft von einer Frau zur anderen. Durchschnittlich acht bis 18 Kilo legen Frauen während einer Schwangerschaft zu. Mit höherer Gewichtszunahme steigt das Risiko für Dehnungsstreifen, ebenso wie bei Mehrlingsschwangerschaften.

Ist das Risiko bei jeder Schwangerschaft gleich hoch?

Junge Schwangere haben ein höheres Risiko als ältere

Ja. Wer bei der ersten Schwangerschaft keine Dehnungsstreifen hatte, muss in den folgenden nicht unbedingt davon verschont bleiben. Interessant ist allerdings, dass junge Erstgebärende besonders betroffen sind. Eine Untersuchung hat ergeben, dass rund 80 bis 90 Prozent der Schwangeren zwischen 16 und 18 Jahren Dehnungsstreifen bekommen. Bei Frauen, die bei ihrer ersten Schwangerschaft 35 Jahre oder älter sind, besteht dagegen ein wesentlich geringeres Risiko. Der Grund hierfür liegt unter anderem im unterschiedlichen Hormonstatus.

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Sind Dehnungsstreifen frühzeitig erkennbar?

Die Striae treten meist während der Wachstumsschübe des Ungeborenen, zwischen dem vierten und sechsten Monat, manchmal auch noch von der 36. bis 40. Woche auf. Einige Frauen merken durchaus, wenn die Haut reißt. Meist juckt oder brennt sie. Doch bei der überwiegenden Zahl bildet sich der Zebrastreifen-Look plötzlich und ohne Vorwarnung.

Kann man Streifen vorbeugen?

Ehrlich gesagt, nicht zuverlässig. Aber alle Methoden, die das Gewebe elastisch halten und die Durchblutung fördern, sind sinnvoll, wie zum Beispiel tägliches Bürsten der Haut an den gefährdeten Stellen mit Massagehandschuh oder Luffaschwamm. Ebenfalls hilfreich: Ein- bis zweimal pro Woche ein Körper-Peeling auftragen, das stärkt die Haut.
Umstritten ist auch die Wirksamkeit der Zupfmassage. Der Versuch lohnt trotzdem, denn schaden kann sie auf keinen Fall. Man startet am besten schon in der Frühschwangerschaft, spätestens jedoch ab der 13. Schwangerschaftswoche massiert man regelmäßig zweimal täglich! Wichtig: Bei Neigungzu vorzeitiger Wehentätigkeit sollte die Massage nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden.

So geht's: Öl oder Lotion auftragen. Mit Daumen und Zeigefinger jeweils eine kleine Hautpartie hochziehen, kurz halten und wieder loslassen. Die Haut sollte sich dabei leicht röten, aber nicht wehtun. Auf diese Art die gesamte Bauchpartie bis auf die Region über dem Schambein bearbeiten, denn dort könnte die Massage die Gebärmutter zu Kontraktionen reizen. Gegen Ende der Schwangerschaft das Öl beziehungsweise die Lotion nur noch sanft verstreichen.

Lassen sich vorhandene Striae lindern?

Spezielle Cremes können die Streifen zwar nicht wegzaubern, aber zumindest dafür sorgen, dass sie weniger auffallen. Clevere Hightech-Wirkstoffe wie Peptide, Silicium-Derivate, Vitamin-C-Abkömmlinge, aber auch Pflanzenextrakte wie Efeu, Frauenmantel und Mariendistel regen die Proteinproduktion in den Fibroblasten wieder an, stimulieren damit die Kollagenproduktion und sorgen so für mehr Straffheit.

Bilden sich die Dehnungsstreifen wieder zurück?

Nein. Einziger Trost ist, dass die rötlichen Dinger irgendwann einmal zu einem unauffälligeren Perlmuttton verblassen. Allerdings gibt es eine vielversprechende Behandlungsmethode: Die so genannte "Rio-Methode" ist eine Kombitherapie aus Vitamin-A-Säure-Creme, manueller Nadelbehandlung und ultragepulstem CO2-Laser und wird von einigen Dermatologen in Deutschland angeboten. Dabei werden die Striae schmaler oder verschwinden sogar ganz. Bei ausgeprägteren Streifen ist lediglich eine Besserung von bis zu 50 Prozent realistisch. Kosten: ab 300 Euro, die die Kasse nicht übernimmt.