Ernährung
 
Salami in der Schwangerschaft: Genießen oder lassen?

In der Schwangerschaft ist die Salami auf dem Frühstücksbrot tabu. Aber warum muss eine Schwangere ihre Ernährung eigentlich umstellen? Ist die Warnung vor rohem Fleisch überzogen oder berechtigt? Dafür lohnt sich ein Blick auf die möglichen Auswirkungen, die der Verzehr von Salami haben kann.

Salami liegt geschnitten auf einem Schneidebrett
iStock, beats3
Auf einen Blick
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  • Salami gehört zu den Dauerwürsten und wird traditionell bei circa 20 Grad kaltgeräuchert.
  • Beim Verzehr von Salami besteht die Gefahr einer Infektion des ungeborenen Kindes mit Toxoplasmose.
  • Wird Salami mindestens zwei Minuten auf über 74 Grad erhitzt, ist sie für Schwangere ungefährlich.

Als Schwangere muss man auf viele Lebensmittel verzichten und manchmal die Ernährung ganz schön umstellen. Salami ist dabei nur eines von vielen Lebensmitteln, die du nicht essen solltest. Auch anderes rohes oder kaltgeräuchertes Fleisch, Rohmilch-Käse, geräucherter und roher Fisch und Speisen, in denen rohe Eier verarbeitet wurden (wie Mayonnaise und Remoulade), sollten von deinem Speiseplan gestrichen werden. Unser Artikel „Ernährung in der Schwangerschaft: So isst du richtig“ gibt dir noch viele weitere Tipps rund um dieses Thema.

Schuld an der erzwungenen Enthaltsamkeit sind die beiden Infektionskrankheiten Toxoplasmose und Listeriose, die hauptsächlich durch Parasiten und Bakterien in rohen Lebensmitteln ausgelöst werden können.

Was ist Toxoplasmose?

Frau isst Kabanossi
iStock, Ekaterina79

Toxoplasmose wird durch den parasitären Einzeller der Gattung Toxoplasma gondii ausgelöst. Hauptsächlich in Katzen zu finden, fühlt er sich auch in uns Menschen wohl. Eine Erkrankung verläuft bei uns oft symptomlos. In den meisten Fällen muss die erkrankte Person nicht einmal behandelt werden. Infiziert sich eine Frau allerdings während der Schwangerschaft zum ersten Mal und besitzt deswegen noch keine Antikörper, kann der Parasit über die Plazenta auch das Kind infizieren. Je nach Stadium der Schwangerschaft, kann eine Erkrankung unterschiedlich schwere Auswirkungen auf das ungeborene Baby haben:

  1. Steckt sich die Schwangere im ersten Trimester mit Toxoplasma gondii an, kommt es häufig zu einem Abort der Schwangerschaft.
     
  2. Im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel kommen die Kinder meist ohne Symptome zur Welt, leiden teilweise aber nach Jahren an Spätfolgen. Darunter fallen Aderhaut- und Netzhautentzündungen, eine Entwicklungsverzögerung oder Krampfanfälle.

Die gute Nachricht: Hast du dich als werdende Mutter schon vor deiner Schwangerschaft mit dem Parasiten infiziert, besitzt du genügend Antikörper. Eine Ansteckung ist dann für dein Baby ungefährlich. Wenn du wissen willst, ob du schon einmal Toxoplasmose hattest, kannst du dich bei deiner Gynäkologin testen lassen. Allerdings wird diese Leistung nicht von allen Krankenkassen übernommen. Mehr über diese parasitäre Erkrankung findest du auf der Webseite des Robert Koch-Instituts.

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Was ist Listeriose?

Listeriose wird durch Bakterien der Gattung Listeria verursacht. Gesunde Menschen mit funktionierendem Immunsystem erkranken nur selten an Listerien, da ihre Abwehr kurzen Prozess mit den Bakterien macht. Da das Immunsystem einer Frau während der Schwangerschaft allerdings geschwächt ist, besteht bei ihr ein erhöhtes Infektionsrisiko. 

Gefährlich sind auch die Symptome, die einer Grippe sehr ähnlich sind und deshalb häufig falsch behandelt werden. Wird eine Infektion nicht rechtzeitig mit entsprechenden Antibiotika bekämpft, kann sie über die Plazenta auf das Baby übergehen und im frühen Stadium der Schwangerschaft zu einer Totgeburt führen. Im späteren Verlauf kann es zu einer Frühgeburt kommen. Mehr erfährst du auf der Webseite des Robert Koch-Instituts.

Was kann ich sonst noch tun, um das Risiko zu minimieren?

Mehrere Hände greifen nach Stücken einer Salamipizza
iStock, serezniy

Solltest du mal einen kleinen Happen Salami oder rohes Fleisch essen, musst du aber nicht direkt in Panik verfallen. Auf 670.000 Geburten kommen im Jahr „nur“ rund 50 gemeldete Erkrankungen. Vorsicht ist dennoch besser als Nachsicht. Deshalb gibt es hier zusätzlich ein paar Tipps, die dir helfen, einer Verbreitung der Krankheitserreger vorzubeugen:

  • Leicht verderbliche Nahrungsmittel ausreichend kühlen (zwischen vier und sechs Grad).
  • Obst, Gemüse und Salate gründlich waschen.
  • Vor der Zubereitung der Speisen Hände gründlich waschen.
  • Leicht verderbliche Speisen nach dem Öffnen der Verpackung innerhalb von zwei Tagen aufbrauchen.
  • Rohe tierische Stücke für mindestens zwei Minuten auf über 70 Grad erhitzen (Salami auf Pizza ist beispielsweise ungefährlich).
  • Handtücher, Lappen und Schwämme regelmäßig erneuern oder austauschen.
  • Auf Essen aus Salatbars oder Auslagen verzichten.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
Ärzteblatt
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