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Grüner Tee in der Schwangerschaft Welche Menge Grüntee ist für Schwangere unbedenklich?

Grüner Tee in der Schwangerschaft: Schwangere liegt mit Tee auf dem Sofa
© Lars Zahner / Adobe Stock
Grüner Tee gilt gemeinhin als sehr gesund, aber er enthält auch Koffein. Ist er trotzdem auch in der Schwangerschaft zu empfehlen?

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Grüner Tee wird aus den getrockneten Blättern der Teepflanze hergestellt und im Gegensatz zum schwarzen Tee nicht fermentiert. Doch, ebenso wie Schwarztee, enthält Grüntee Koffein, dass ihr in der Schwangerschaft besser nur in Maßen konsumiert. Warum das so ist und welche Dosis unbedenklich ist, erfahrt ihr hier.

Ist grüner Tee in der Schwangerschaft erlaubt?

Um es direkt vorwegzunehmen: Es gibt kein generelles Verbot für grünen Tee in der Schwangerschaft. Aber die klare Empfehlung, das beliebte Heißgetränk nur in Maßen zu konsumieren. Denn Schwangeren wird geraten, pro Tag nicht mehr als 200 Milligramm Koffein aufzunehmen. Dieser Richtwert wird von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als unbedenklich eingestuft.

Laut dem Netzwerk Gesund ins Leben vom Bundeszentrum für Ernährung, lässt sich anhand der aktuellen Studienlage allerdings nicht eindeutig klären, welche konkrete Menge an Koffein in der Schwangerschaft absolut risikofrei ist. Eine neuere Studie kam im Jahr 2021 nämlich zu dem Ergebnis, dass auch weniger als 200 mg Koffein pro Tag zu negativen Auswirkungen auf die Schwangerschaft führen können. In Deutschland gibt es daher zurzeit keine verbindliche Empfehlung über eine genaue Maximaldosis. Stattdessen wird Schwangeren empfohlen, koffeinhaltige Getränke wie Grüntee, Kaffee oder Schwarztee nur in kleinen Mengen zu konsumieren und sich an den von der EFSA empfohlenen 200 mg Koffein pro Tag zu orientieren. Übrigens: Auch für die Stillzeit wird eine Einschränkung des Koffeinkonsums empfohlen – hier gelten 300 mg pro Tag als Richtwert.

Insgesamt wird von grünem Tee in der Schwangerschaft also nicht komplett abgeraten, aber das Getränk wird besser nicht ständig getrunken. Außerdem wichtig: Koffein steckt auch in vielen anderen Getränken und Lebensmitteln. Neben Kaffee zahlen auch Eistee, Cola, Kakao oder Schokolade auf euer Koffein-Konto ein und so kann die maximal empfohlene Dosis von 200 mg pro Tag schneller erreicht sein als gedacht.

So viel Koffein steckt in grünem Tee

Da der Koffeingehalt in grünem Tee je nach Teesorte und Ziehzeit stark variiert, ist die Einhaltung der empfohlenen Koffeinmenge gar nicht so einfach zu überblicken. Wir haben euch deshalb eine Übersicht der bekanntesten Grünteesorten und ihrer Koffeinwerte erstellt:

Sorten mit höherem Koffeingehalt:

  • Gyokuro: 60 mg Koffein pro 100 ml Tasse Tee
  • Gunpowder: 40 mg Koffein pro 100 ml Tasse Tee
  • Sencha: 30 mg Koffein pro 100 ml Tasse Tee

Matcha, also zu Pulver verarbeiteter Grüntee, schlägt mit ca. 250 mg Koffein auf 100 ml Wasser zu Buche. Hier würde eine Tasse mit 200 ml Tee also schon die in der Schwangerschaft empfohlene Koffeinmenge überschreiten.

Sorten mit niedrigerem Koffeingehalt:

  • Sannenbancha: 5 mg Koffein pro 100 ml Tasse Tee
  • Kukicha (Karigane): 10 mg Koffein pro 100 ml Tasse Tee
  • Genmaicha: 20 mg Koffein pro 100 ml Tasse Tee

Ihr seht: Es gibt mit Karigane und Sannenbancha auch Grünteesorten, die nur wenig Koffein enthalten. Achtet beim Einkauf also auf die Herstellerangaben und verzichtet auf Sorten mit viel Koffein wie Matcha – so könnt ihr euren Koffeinkonsum besser im Blick behalten und gelegentlich auch in der Schwangerschaft eine Tasse genießen. Achtet außerdem auf die vom Hersteller empfohlene Ziehzeit; diese kann je nach Sorte stark variieren. Haltet ihr die Ziehzeit nicht ein, kann der Grüntee schnell bitter werden.

Was passiert, wenn ich zu viel Grüntee trinke?

Getränke, die Koffein enthalten, sind beliebt: sie machen uns wach, aktiv und wirken stimmungsaufhellend. Doch trinkt ihr Grüntee, Schwarztee oder andere koffeinhaltige Getränke während der Schwangerschaft, kommt diese anregende Wirkung auch bei eurem Baby an: Koffein kann die Plazentaschranke – also den Schutzschild eures Babys – ohne Probleme passieren und gelangt so direkt in den Kreislauf des Fötus. Wie genau sich der Stoff auf das Ungeborenes auswirkt, ist noch nicht abschließend erforscht. Allerdings lassen sich ein erhöhter Herzschlag und eine vermehrte Aktivität beobachten und mehrere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass ein erhöhter Koffeinkonsum in der Schwangerschaft zu Wachstumsverzögerungen und einem niedrigeren Geburtsgewicht des Babys führen kann. Ab einer Tagesdosis von mehr als 300 mg Koffein pro Tag erhöht sich laut aktueller Studienlage das Risiko für spontane Fehlgeburten.

Doch nicht nur das Koffein kann in zu hohen Dosen schädlich für euer Baby sein: Das in grünem Tee enthaltene Antioxidans Polyphenol (EGCG) steht im Verdacht, bei einer Überdosierung während oder vor der Schwangerschaft zu einem vermehrten Auftreten von Spina bifida zu führen. Diese Fehlbildung des Neuralrohrs, auch offener Rücken genannt, hat eine Spaltung der Wirbelsäule zur Folge und wird auf einen Mangel an Folsäure zurückgeführt. Bisher ist die Studienlage dazu zwar noch recht dünn, aber spanische und britische Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass eine überdurchschnittliche Aufnahme des in grünem Tee enthaltenen Katechins EGCG den Folsäuregehalt im Körper reduziert und so in direktem Zusammenhang mit der Fehlbildung stehen könnte. Deswegen sind Nahrungsergänzungsmittel aus Grüntee-Extrakt, die meist eine sehr hohe und konzentrierte Menge von Katechinen wie EGCG aufweisen, auch eher nicht zu empfehlen – und das sogar unabhängig von einer Schwangerschaft. Denn laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stehen Grünteekatechine in Verdacht, ab einer Tagesdosis von mehr als 800 mg Leberschäden hervorrufen zu können.

Doch nicht nur für das Baby, sondern auch für euch als Schwangere kann eine zu hohe Dosis Grüntee unangenehme Nebenwirkungen haben: Die in grünem Tee enthaltenen Gerbstoffe (Tannine) können die Eisenaufnahme behindern. Doch besonders während der Schwangerschaft benötigt euer Körper besonders viel Eisen, um genug Blut für die Versorgung von Plazenta und Gebärmutter zu bilden. Unser Tipp: Die Tasse grünen Tee etwa 30 Minuten vor oder nach dem Essen trinken. So wird die Eisenaufnahme durch die Gerbstoffe im Tee deutlich weniger beeinträchtigt. 

Gibt es koffeinfreie Teesorten für Schwangere?

Wenn ihr auf Nummer sicher gehen und in der Schwangerschaft komplett auf Koffein verzichten wollt, könnt ihr euren Flüssigkeitsbedarf mit vielen Früchtetees oder Kräutertees stillen. Denn die meisten Tees aus Früchten oder Kräutern sind koffeinfrei. Aber auch hier gilt: nicht alle Kräuertees sind uneingeschränkt zu empfehlen und einige sind mit Pestiziden belastet. Wenn du mehr über die einzelnen Teesorten wie Kamillentee, Pfefferminztee und Co. erfahren möchtest, findest du hier alle Informationen zu Tee in der Schwangerschaft.

Gegen die Müdigkeit: Es muss nicht immer Koffein sein

Ihr verzichtet auf Tee und Kaffee, aber euch fehlt die anregende Wirkung oder die Müdigkeit in der Schwangerschaft macht euch besonders zu schaffen? Dann haben wir hier ein paar Tipps, die den Kreislauf auch ohne Koffein in Schwung bringen:

  • Spaziergänge und Sport im Freien
  • Wechselduschen
  • Regelmäßige sportliche Aktivitäten
  • Ausreichend Wasser trinken

Noch mehr Tee: Hier erfahrt ihr alles über Himbeerblättertee und schwarzen Tee in der Schwangerschaft. Und wenn euer Baby schon da ist und ihr ans Ende eurer Stillzeit denkt, könnt ihr hier nachlesen welche Tees für Babys geeignet sind.

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Quellen:

ELTERN

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