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Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Symptome, Diagnose und Behandlung

Fast jede zweite Schwangere leidet in der Schwangerschaft unter vergrößerten Hämorrhoiden. Ganz schön schmerzhaft! Hier erfährst du, wie du die Beschwerden lindern kannst und wann du besser zum Arzt gehst.

Schwangerschaft: Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Symptome, Diagnose und Behandlung
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Inhalt: 
Was sind Hämorrhoiden?Was ist die Ursache für vergrößerte Hämorrhoiden?Warum treten Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft häufiger auf?Welche Symptome machen Hämorrhoiden?Wie kann ich Hämorrhoiden in der Schwangerschaft vorbeugen?Wie werden Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft behandelt?Wann muss ich zum Arzt gehen?Hämorrhoiden nach der Geburt

Was sind Hämorrhoiden?

Wer sich mit Hämorrhoiden beschäftigt, geht zunächst davon aus, dass es sich dabei um eine Erkrankung handelt. Das stimmt aber nicht, denn tatsächlich hat jeder Mensch Hämorrhoiden – und das ist auch gut so! Die kleinen, gut durchbluteten Schwellkörper sitzen in der Schleimhaut des Analkanals und dichten gemeinsam mit dem Schließmuskel den Darm nach außen ab. Heißt: Nichts passiert den Darmausgang, was nicht auch soll.
Erst wenn sich die Schwellkörper vergrößern, hervortreten und Beschwerden wie Juckreiz oder Schmerzen verursachen, wird daraus ein medizinisches Problem, das eventuell von einem Arzt behandelt werden muss. Mediziner sprechen dann auch von einem Hämorrhoidalleiden, von dem es verschiedene Schweregrade gibt.

Grad I Die Hämorrhoiden sind von außen nicht tastbar und können nur mit einer proktologischen Untersuchung festgestellt werden. Schmerzen hat der Patient  normalerweise nicht, aber es kann zu hellroten Blutungen beim Stuhlgang kommen.
Grad II Die Hämorrhoiden treten beim Pressen während des Stuhlgangs nach außen und ziehen sich kurze Zeit später wieder in den Analkanal zurück. Eventuell ist der Darmausgang nicht mehr richtig abgedichtet und es bildet sich ein feuchtes Milieu rund um den After. Mögliche Symptome: Juckreiz, Brennen, Blutungen und Schmerzen beim Stuhlgang. Außerdem können sich Ekzeme bilden.
Grad III Hämorrhoiden treten durch Pressen beim Stuhlgang hervor. Sie ziehen sich allerdings nicht von selber zurück in den Analkanal. Hämorrhoidalleiden des dritten Grades verursachen starke Schmerzen, Blutungen, Schleimabgang und Stuhlspuren in der Unterwäsche.
Grad IIII Hämorrhoiden vierten Grades liegen dauerhaft außerhalb des Afters und lassen sich nicht zurückschieben. Da der After nicht mehr richtig schließen kann, entweicht unter Umständen Stuhl aus dem Darm. Symptome: starke Schmerzen, Juckreiz, Blutungen und ein Fremdkörpergefühl.

Was ist die Ursache für vergrößerte Hämorrhoiden?

Weil viele Menschen aufgrund von Schamgefühlen mit Hämorrhoidalleiden nicht zum Arzt gehen, sind Aussagen darüber, wie häufig Beschwerden auftreten, nicht leicht. Experten gehen davon aus, dass mit zunehmendem Alter etwa jeder zweite irgendwann einmal unter vergrößerten Hämorrhoiden leidet. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Zu möglichen Ursachen zählen:

  • eine genetische Veranlagung (Bindegewebsschwäche)
  • Verstopfung und starkes Pressen beim Stuhlgang
  • eine hauptsächlich im Sitzen durchgeführte Arbeitstätigkeit und Bewegungsmangel
  • Schwangerschaften
  • Übergewicht
  • Flüssigkeitsmangel
  • Ein übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln

Warum treten Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft häufiger auf?

Wenn du unter vergrößerten Hämorrhoiden in der Schwangerschaft leidest, bist du nicht allein. Etwa die Hälfte aller Schwangeren ist davon betroffen. Meistens handelt es sich dabei um die Schweregrade 1 und 2, die durchaus zu unangenehmen Beschwerden führen können. Schuld daran können zum Beispiel Schwangerschaftshormone sein, die das Gewebe rund um den After lockern und dazu führen, das die Schwellkörper leichter heraustreten. Und auch der schönste Grund führt manchmal leider zu einem Hämorrhoidalleiden: Dein Baby wächst! Dabei drückt es auf die Gefäße des Hämorrhoidalpolsters. Blut kann nicht richtig abfließen und staut sich. Oder aber das Kind drückt auf den Darm und verlangsamt damit seine Tätigkeit. Die Folge: Verstopfung. Durch das starke Pressen auf der Toilette treten Hämorrhoiden dann nach außen.

Welche Symptome machen Hämorrhoiden?

Vergrößerte Hämorrhoiden können unter Umständen völlig unerkannt bleiben. Oft bereiten sie aber Probleme. So leiden Betroffene zum Beispiel unter Juckreiz, Brennen, Nässe oder einem Druckgefühl am After. Eventuell kommt es zu hellroten Blutungen beim Stuhlgang. Ebenfalls möglich: Wundsein oder Ekzeme. Treten bei dir diese Symptome auf, gehe bitte zu einem Arzt, damit er eine Diagnose stellen kann und gegebenenfalls die richtige Therapie einleiten kann.

Übrigens: Nicht immer sind vergrößerte Hämorrhoiden schuld an Schmerzen, Jucken und Brennen im Analbereich. Häufig werden die Beschwerden auch durch eine Analvenenthrombose verursacht. Dabei handelt es sich um ein Blutgerinnsel, das eine Vene am After verstopft. Betroffene können mithilfe eines Spiegels einen blauen Knoten am Rande des Afters sehen ­– und ihn eventuell sogar ertasten. Das Gute: Die Analvenenthrombose verschwindet meist innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder von alleine. Falls du Beschwerden hast oder dich unsicher fühlst, gehe zum Arzt, damit du entsprechende Salben gegen die Symptome bekommst.
 

Wie kann ich Hämorrhoiden in der Schwangerschaft vorbeugen?

Schwangerschaft: Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Symptome, Diagnose und Behandlung
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Wie bereits erwähnt, Hämorrhoiden sind keine Erkrankung, sondern eigentlich nützliche Schwellkörper, die den Darmausgang verschließen. Erst wenn sie vergrößert sind und Schmerzen bereiten, wird daraus für Betroffene ein Problem. Gänzlich vermeiden lässt sich das nicht, aber du kannst einiges tun, um das Risiko zu minimieren:

  • Du kannst dich zum Beispiel ballaststoffreich ernähren, damit es nicht zu Verstopfungen kommt.
  • In der Schwangerschaft ganz besonders, aber auch sonst, auf Abführmittel verzichten.
  • Nicht zu lange auf der Toilette sitzen.
  • Auf gute Hygiene achten.
  • Sitzbäder mit entzündungshemmenden Gerbstoffen (zum Beispiel Eichenrinde, Kamille) machen.
  • Viel Bewegung und Sport. Das fördert die Darmtätigkeit.
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Wie werden Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft behandelt?

Die vorbeugenden Maßnahmen haben nichts gebracht und es juckt und brennt weiterhin unangenehm an deinem After? In der Schwangerschaft erfolgt bei Hämorrhoidalleiden meist erst einmal eine konservative Behandlung, das heißt, proktologische Eingriffe werden vermieden. Um akute Schmerzen zu lindern, kannst du ein Kühlpack in ein Mulltuch wickeln und möglichst nah am After platzieren. Auch entzündungshemmende Sitzbäder, beispielsweise mit Kamille oder Eichenrinde, helfen bei Beschwerden. Am besten, du lässt dich in der Apotheke oder bei deinem Gynäkologen beraten, welches Sitzbad am besten geeignet ist und wie du es anwenden sollst.
 
Ernähre dich ballaststoffreich und vermeide Verstopfungen. Bitte keine Abführmittel ohne ärztliche Verordnung einnahmen. Ausreichend Flüssigkeit und viel Bewegung helfen dem Darm bei seiner Tätigkeit. Reinige den After nach dem Stuhlgang gründlich, aber sanft. Am besten kein parfümiertes Toilettenpapier verwenden, denn das reizt die Haut zusätzlich. Wenn möglich, nutze ein Bidet.
 
Eine konservative Behandlung hat nicht geholfen? Es gibt auch Salben und Zäpfchen, die bei Hämorrhoidalleiden helfen. Meist enthalten sie Lokalanästhetika wie Lidocain oder Quinisocain. Auch eine Therapie mit Präparaten, die Auszüge aus Hammamelis, Bismutsalzen und Titandioxid enthalten, ist geeignet. Diese Medikamente musst du allerdings in  enger Absprache mit deinem Arzt verwenden.
 
Eingriffe wie das Veröden, eine Gummibandligatur oder einer operativen Entfernung der Hämorrhoiden werden bei Schwangeren nur in den seltensten Fällen in Erwägung gezogen.
 

Wann muss ich zum Arzt gehen?

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Wenn du vermutest, dass du vergrößerte Hämorrhoiden hast, scheu dich bitte nicht und gehe für eine Behandlung der Erkrankung zum Arzt. Allein schon, damit dir schnell geholfen wird und du die Schwangerschaft wieder richtig genießen kannst. Eventuell verschreibt er dir eine Salbe oder ein Zäpfchen, um Schmerzen und Juckreiz zu lindern. Beides bitte nicht eigenständig verwenden und immer Rücksprache mit deinem Gynäkologen halten. Die meisten der Salben enthalten nämlich das Lokalanästhetikum Lidocain, für das laut Embryotox in der Schwangerschaft eine strenge Indikationsstellung besteht.
 
 
Ein Arztbesuch ist aber auch wichtig, damit die Diagnose Hämorrhoidalleiden tatsächlich bestätigt wird. Blut im Stuhl zum Beispiel kann auch auf andere ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Ekzeme und Pilzinfektionen verursachen ebenfalls einen Juckreiz im Intimbereich.
 
 
Wichtig: Viele Menschen scheuen die Behandlung durch einen Arzt, weil ihnen ein Hämorrhoidalleiden peinlich ist. Klar, es gibt angenehmere Untersuchungen, aber denk bitte daran, dass dir nur mit Hilfe eines Arztes schnell und gut geholfen werden kann. Die Beschwerden haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun und für die Ärzte sind Untersuchungen im Analbereich Routine.

Hämorrhoiden nach der Geburt

Durch die lange Pressphase während der Geburt können bestehende Hämorrhoiden nach außen treten und Frauen im Wochenbett Beschwerden bereiten. In den meisten Fällen bilden sie sich irgendwann von selbst wieder zurück. Das kannst du unterstützen, indem du nicht zu lange stehst und versuchst, deinen Beckenboden nicht so sehr zu belasten.
 
Auch nach der Geburt werden Hämorrhoidalleiden meist erst einmal konservativ behandelt, damit sich dein Körper von den Anstrengungen erholen kann. Zunächst einmal gilt es, Verstopfungen zu vermeiden. Am besten gelingt dir das mit einer ausgewogenen und ballaststoffreichen Ernährung. Heißt: lieber zu Vollkorn- anstatt Weißmehlprodukten greifen, Hülsenfrüchte und Nüsse auf den Speiseplan setzen und als Snack vielleicht getrocknetes Obst verzehren. Und ganz wichtig: viel trinken!
Plagen dich Schmerzen, kannst du lauwarme Kamille-Sitzbäder machen. Das hilft. Nach der Geburt sind auch lidocainhaltige Salben nach Absprache mit deinem Arzt kein Problem. Am besten, du sprichst mit deiner Hebamme über die Beschwerden. Sei dir sicher, sie hört das nicht zum ersten Mal und hat ganz bestimmt gute Tipps für eine Behandlung und weiß, welche Hausmittel, Salben oder Zäpfchen jetzt besonders gut helfen.

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