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Schwangerschaftsübelkeit Hilfe, das ist der längste Kater meines Lebens!

Übel in der Schwangerschaft: Der längste Kater meines Lebens
© Monkey Business Images / Shutterstock
Redakteurin Anna ist unendlich dankbar dafür, Mutter zu werden. Wofür sie nicht dankbar ist: diese unsägliche Übelkeit. Tag und Nacht.

Als ich vor sieben Jahren bei einer Feier mit Kolleginnen etwas zu tief ins Glas geschaut hatte, da kam am nächsten Tag prompt die Strafe: Zwölf Stunden ans Bett gefesselt, ich konnte nicht reden, schlafen oder essen vor Übelkeit. Nur zum Date mit der Kloschüssel bin ich ins Bad gegangen – nein, gekrochen! Ob ich das verdient hatte? Ja, verdammt! Ich hatte meinem Körper Schreckliches angetan und das war sein Weg, mir zu zeigen: Mädchen, das machst du nicht noch mal mit mir! Und was soll ich sagen. Es hatte gewirkt. Fortan stellte ich die Drei-Gläser-Regel für mich auf. Mehr als drei alkoholische Getränke gab’s nicht mehr. Und einen Kater hatte ich nie wieder. Problem gelöst – so einfach kann’s sein.

Was habe ich denn verbrochen?

Jetzt bin ich schwanger. In der 13. Woche. Und ganz ehrlich: Es werden Erinnerungen wach. Nur, dass ich mich diesmal frage: Was habe ich denn verbrochen? Ich tue doch was für den Erhalt der Menschheit. Ich bekomme ein Baby – das ist doch was Gutes. Und trotzdem straft mich die Welt mit dieser unsäglichen Übelkeit, die sich seit Woche sieben über den ganzen Tag zieht. Morgenübelkeit? Schön wär’s! Niemals hatte ich mir vorgestellt, wie schlimm sowas sein kann.

Stelle ich mich zu sehr an?

Nein, Ich habe nicht die schwere Form, Hyperemesis gravidarum, die durch Herzogin Kate bekannt geworden ist und bei der viele am Tropf landen. Ich kann immerhin noch etwas Essen bei mir behalten. Von daher: Der Kolleginnen-Kater damals war schon noch eine Nummer schlimmer. Trotzdem fühle ich mich wie ein Häufchen Elend, kämpfe mich jeden Tag durch die Sekunden, Minuten, Stunden, bis ich abends endlich schlafen kann. Mein Mann serviert mir seit Wochen Kartoffelpüree, weil nichts anderes geht. Und ich frage mich immer wieder: Stell ich mich vielleicht zu sehr an? Das haben doch so viele! Jetzt freu dich halt mal auf dein Baby!

Und genau das ist der Punkt: Schwangerschaftsübelkeit wird von vielen immer abgetan als etwas, das eben zum Mutterwerden dazu gehört. "Das ist normal, freu dich, dann weißt du wenigstens, dass alles in Ordnung ist“. Manche Frauen wünschen sich sogar die Übelkeit herbei, weil sie sich sonst nicht "richtig schwanger" fühlen. Dass es einen aber echt zermürben kann, bis hin zu Gedanken, ob es das überhaupt alles wert ist, darüber traut sich kaum jemand zu sprechen. Ein 8-wochen-langer Kater. Alles normal? Gehört halt dazu? Stell dich nicht so an?

Die Übelkeit bringt mich jetzt schon an meine Grenzen

Ich weiß nicht, wie ich die letzten Wochen überstanden hätte, wenn ich nicht ab und zu ein Ultraschallbild von meinem kleinen Wunder mit nach Hause bekommen hätte. Sich immer wieder anzuschauen, für was man das alles durchhält, gibt enorm viel Kraft und ist einfach unbeschreiblich schön. Und trotzdem wird die Freude bald wieder getrübt von Ekel, Galle und Erbrechen. Sorry für die Wortwahl!

Mamamonster vs. Schwangerschaftsglow

Ich will gar nicht sagen, dass alle Schwangerschaften schlimm sind. Ich glaube ganz fest daran, dass es ihn gibt, den Schwangerschaftsglow. Und diese magische Zeit, von der alle reden. Ich würde mir aber wünschen, dass wir mehr darüber sprechen, dass es auch ein echter Kraftakt sein kann, ein Kind in sich zu tragen. Und die 40 Wochen nicht unbedingt die glücklichste Zeit im Leben einer Frau sind. Man streicht eben nicht nur das Babyzimmer, sondern sich vor allem über den Magen, weil er vor Übelkeit oder Sodbrennen wehtut. Neben Babykleidung kauft man vielleicht einen Bauchgurt, damit die Mutterbänder nicht so schmerzen. Und der neue Kinderwagen ist wahrscheinlich nicht das Einzige, das rollt. Sondern auch Lawinen an Tränen, weil hormonell bedingte Gefühlsausbrüche einen in ein unberechenbares Mamamonster verwandeln.

Von all den Herausforderungen, die die Schwangerschaft noch für mich bereithält: Die Übelkeit bringt mich jetzt schon an meine Grenzen. Und keiner kann mir mit Gewissheit sagen, wann sie aufhört. "Spätestens mit der Geburt", höre ich dann. Danke für nichts, denn diese Aussicht tröstet ungefähr genau so viel wie "Andere Mütter haben auch schöne Söhne", während man im Liebeskummer versinkt.  

Ich wünschte, ich könnte so etwas wie die Drei-Gläser-Regel aufstellen, um mich schon ab morgen vor diesem Elend zu schützen. So einfach ist es aber diesmal nicht, da muss ich jetzt noch eine Weile durch. Zumindest denke ich gerade stark über die 1-Kind-Regel nach. Aber wenn ich so recht überlege: Damals vor der Schwangerschaft, bei dieser Gartenparty, hab ich da nicht sogar vier Gläser Wein getrunken ...? 

as ELTERN

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