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Hitzewallungen in der Schwangerschaft Warum dich dein ungeborenes Kind zum Schwitzen bringt

Hitzewallungen in der Schwangerschaft: Frau mit blauer Bluse sitzt auf dem Sofa vor einem laufenden Ventilator
© Paolese / Adobe Stock
Egal, wie warm oder kalt es draußen ist, Hitzewallungen in der Schwangerschaft können dich in jeder Jahreszeit überrumpeln. Woran das liegt und was jetzt hilft, erfährst du hier.

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Huch, wo kommt das denn jetzt her? Plötzlich überfällt dich ein Hitzeschub, obwohl du gar nicht in der Sonne warst und dich auch gerade überhaupt nicht angestrengt hattest. Ja, Hitzewallungen in der Schwangerschaft gehören zu den unangenehmen Begleiterscheinungen dieser einzigartigen Phase. Sie sind nichts Gefährliches, aber dennoch lästig. Hier erfährst du die Hintergründe und wie du den Schwitzattacken am besten begegnest.

Woher kommen die Hitzewallungen in der Schwangerschaft?

Es sind mal wieder die Hormone, die für Durcheinander sorgen. Denn sie dirigieren nicht nur alle Prozesse, die deinen Organismus auf Schwangerschaft und Geburt einstellen, sie regeln auch die Körpertemperatur. Und die bleibt von den vielen Veränderungen und Anpassungen im Körper der werdenden Mutter nicht immer unberührt. Ab und zu Hitzewallungen in der Schwangerschaft zu erleben, ist also völlig normal

Einen großen Anteil beim Entstehen der Hot Flushes hat der beschleunigte Stoffwechsel. Denn der Körper der Mutter muss jetzt nicht nur sich selbst, sondern auch das in ihr heranwachsende Baby versorgen. Deshalb nimmt auch das Blutvolumen im Laufe der Schwangerschaft um fast 50 Prozent zu. Logisch, dass sich das Herz dann stärker anstrengen muss, um das Blut in die Gebärmutter und den restlichen Körper zu pumpen. Die Gefäße weiten sich, der Ruhepuls kann von 70 auf bis zu 90 Schlägen pro Minute ansteigen. Aber auch die Niere und die anderen Organe haben jetzt mehr zu tun. Das alles erzeugt mehr Wärme im Organismus. Netter Nebeneffekt: kalte Hände oder Füße – nicht in der Schwangerschaft!

Die meisten denken bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen weniger an die Schwangerschaft, sondern an die Wechseljahre. Es herrscht dann ein Hormonchaos im Körper – und das ist auch der Fall, wenn ein Baby unterwegs ist, nur eben anders. So produziert die Plazenta ein Hormon, das wiederum die Schilddrüse anregt, mehr Schilddrüsenhormone auszuschütten. Und wenn die Schilddrüse stärker arbeitet, schwitzen wir leichter, auch ohne Temperatursignal von außen.

Vor allem der Östrogenspiegel steigt stark an, wenn eine Frau ein Kind erwartet, auch der seines Gegenspielers, dem Gestagen. Neben den Eierstöcken produziert jetzt auch die Plazenta reichlich von diesen Botenstoffen. Die fein austarierte hormonelle Balance kommt dann schnell mal ins Kippen. Eine mögliche Folge, schon bei leichten Schwankungen: Hitzeschübe, Schwitzattacken.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche können auch Symptom einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) sein, die in der Schwangerschaft keine Seltenheit ist. Lass die Blutwerte bei deiner Ärztin oder deinem Arzt untersuchen und besprecht, welche Maßnahmen jetzt nötig sind. Es gibt Medikamente, die auch Schwangere nehmen dürfen.

Treten sie eher am Anfang oder gegen Ende der Schwangerschaft auf?

Die Hormonumstellung ist zu Beginn der Schwangerschaft am stärksten zu spüren. Beschwerden wie Hitzewallungen kommen daher hauptsächlich in den ersten drei Monaten vor. Im späteren Verlauf geraten Schwangere dann wegen der immer höheren "Zuladung" – dem Gewicht des Babys – leichter ins Schwitzen, vor allem beim Treppensteigen oder anderen leichteren Anstrengungen.

5 Tipps bei Hitzewallungen in der Schwangerschaft

Gegen die inneren Vorgänge, die zu den Hitzeschüben führt, lässt sich ursächlich leider nichts machen. Gegen äußere Faktoren schon eher. Hier sind unsere Anti-Schwitz-Tipps für die Schwangerschaft:

  1. Zwiebellook tragen: Lieber mehrere Schichten von dünneren Kleidungsstücken tragen und dann bei Bedarf nach dem Zwiebelprinzip ablegen, wenn dir heiß wird. Dicht an der Haut eignet sich sportliche Funktionswäsche, weil sie atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit vom Körper ableitet.
  2. Viel trinken: Um den Flüssigkeitshaushalt stabil zu halten und den erhöhten Stoffwechsel zu unterstützen, am besten täglich ein großes Glas Wasser zusätzlich trinken. Auch Früchtetee und Saftschorlen eignen sich gut. Aber lieber nicht eisgekühlt und auch Heißgetränke eher lauwarm trinken, um den Stoffwechsel nicht noch weiter anzufeuern. Auch koffeinhaltige Getränke wie Cola, Kaffee oder Tee können die Körpertemperatur anheizen. Lass sie also lieber weg, wenn du mit Hitzewellen zu kämpfen hast. Über die unbedenkliche Menge Koffein liest du mehr in unserem Artikel Grüner Tee in der Schwangerschaft.
  3. Nicht zu scharf essen: Gewürze wie Chili, Ingwer oder Pfeffer heizen ein. Nicht von ungefähr heißt es im englischsprachigen Raum "hot", wenn es um scharfe Gerichte geht. Verwende die Würze also lieber sparsam, wenn du nicht noch zusätzlich ins Schwitzen kommen möchtest.
  4. Für Kühlung sorgen: Ob du bei Hitzeattacken besser mit einem Ventilator, einem Fächer oder mit nassen Waschlappen zurechtkommst, musst du ausprobieren. Besonders nachhaltig sorgt etwas Wasser auf der Haut für Abkühlung, vor allem an den Handgelenken (kurz unter den laufenden Wasserhahn halten), aber auch im Nacken oder an den Schläfen und Knöcheln. Für unterwegs bekommst du in der Apotheke kühlende Gels oder Cremes oder du steckst dir einen feuchten Waschlappen im Gefrierbeutel ein. Den kannst du auch für nächtliche Schweißausbrüche neben das Bett legen und bei Bedarf auf die Haut legen.
  5. Einen Gang zurückschalten: Lass es jetzt insgesamt etwas ruhiger angehen. Alles, was anstrengt, bringt dich jetzt schneller ins Schwitzen und du brauchst länger, um dich wieder zu stabilisieren. Überkommt dich die Hitze, mach kurz Pause, atme tief durch und warte einfach ab.

Können die Hitzewallungen auch noch nach der Geburt anhalten?

Wenn sich der Hormonhaushalt wieder einpendelt, lassen auch die Hitzeanfälle nach. Im Wochenbett ist die Hormonumstellung aber noch in vollem Gange, daher dauert es meist bis ein paar Wochen nach dem Abstillen, dass die Temperaturschwankungen wieder Geschichte sind. Halten die Beschwerden an, lass deine Ärztin oder deinen Arzt einen Blick auf die Schilddrüsenwerte werfen. Die lassen sich zum Glück gut behandeln. 

Quellen:

ELTERN

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