Geburt
 
Zangengeburt: Horrorgeschichten gehören der Vergangenheit an

Auch wenn sie nur noch selten vorkommt - viele werdende Mütter fürchten eine Zangengeburt. Grund genug, die wichtigsten und beruhigenden Fakten zur Zange zusammenzustellen.

Mutter hält Neugeborenes
iStock, CokaPoka

Ist eine Zangengeburt heute wirklich noch nötig?

Wenn möglich, werden die Ärzte einen anderen Weg finden als die Zangengeburt - sei es, in dem sie von Anfang an einen Kaiserschnitt einplanen, oder dass sie eine Saugglocke einsetzen. Manchmal ist jedoch auch heute noch die Zange das einzige Mittel, um Mutter und Kind zu helfen. Denn wenn das Baby bereits im Geburtskanal steckt und der Muttermund vollständig geöffnet ist, ist es für einen Kaiserschnitt zu spät.

Dies passiert vor allem dann, wenn die Geburt bereits zu lange ins Stocken geraten ist - etwa, weil sich das Baby zu Beginn der Geburt noch in der so genannten "hinteren Hinterhauptslage" befand, also mit der Wirbelsäule zum Rücken der Mutter. In dieser Position bleiben Babys schneller stecke. Auch zu schwache Wehen oder die Erschöpfung der Mutter können Gründe dafür sein, dass es zu einem Geburtsstillstand kommt.

Werden die Herztöne des Kindes dann schnell schwächer, bleibt manchmal einfach keine Zeit mehr, um eine Saugglocke einzusetzen. Denn bis sie richtig am Hinterkopf des Babys angesetzt ist, dauert es ein paar Minuten - und in einer solchen Situation ist jede von ihnen kostbar! Eine Zangengeburt ist dann die einzige Alternative.

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Was passiert bei einer Zangengeburt?

Keine Frage: Dieses kalte, glänzende Metallstück sieht zunächst einmal furchteinflößend aus. Doch die Zange kommt erst zum Einsatz, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist und der Kopf des Babys sich im Geburtskanal befindet - also schon fast am Ziel.

Außerdem hebt der Arzt das Baby mehr aus dem Geburtskanal, als dass er es zieht. Dazu umschließt die die Zange den Kopf des Babys.

Wie riskant ist eine Zangengeburt für Mutter und Kind?

Nicht nur, weil die Zangengeburt heutzutage wirklich selten geworden ist, gibt es für Eltern keinen Grund, sich vor diesem Szenario zu fürchten Denn wie die Saugglocke, so hat auch die Zange nur kurzfristige Auswirkungen auf das Baby. Zwar wird bei einer Zangengeburt der weiche Kopf des Babys tatsächlich ein wenig in die Länge gezogen - doch nach ein paar Tagen hat das Köpfchen wieder seine ursprüngliche Form. Weder der Schädel noch das Hirn des Kindes werden geschädigt.

Wichtig zu wissen: Bei einer Zangengeburt wird fast immer ein Dammschnitt gemacht. Doch auch davor müssen Sie sich nicht fürchten. So sorgt der so genannte Pudendusblock, eine örtliche Betäugung in der Gegend der Sitzbeinhöcker, dafür, dass Scheidenausgang, Schamlippen und den Damm mindestens eine Stunde lang weitegehend schmerzunempfindlich sind.

Wie häufig kommt eine Zangengeburt heute noch vor?

Laut dem Berufsverband der Frauenärzte sowie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe waren 2009 nur noch 0,7 aller Entbindungen tatsächlich Zangengeburten - also eine verschwindend geringe Zahl. 2012 waren es dem Statistischen Bundesamt zufolge sogar "nur" noch 0,5 Prozent.

Dass die Zangengeburt so selten geworden ist, liegt sicher auch daran, dass beispielsweise Kinder, die kurz vor der Geburt noch immer nicht richtig liegen, heute gleich per Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden.

Trotzdem würde uns interessieren, wie viele Eltern.de-Userinnen doch noch eine Zangengeburt hatten. Machen Sie mit bei der Umfrage - wir sind gespannt, wie oft diese Methode tatsächlich noch zum Einsatz kommt.

Historische Fakten zur Zangengeburt

Die Zange (auch Forceps genannt) geht auf eine Erfindung des englischen Mediziners Peter Chamberlen im 16. Jahrhundert zurück. Das medizinische Instrument war so etwas wie ein Familiengeheimnis, das von ihm und seinen Nachfahren nur für die eigenen Patienten, viele davon aus der Königsfamilie, benutzt wurde. Nur durch Zufall wurde es 200 Jahre später wieder entdeckt.

Um Zangengeburten ranken sich viele Horrorgeschichten. Denn mit der Zange wurde durch die Scheide weit ins Becken hineingegriffen. Man kann sich vorstellen, wie weh das getan haben muss und zu welchen Verletzungen es damals bei Mutter und Baby geführt hat. Aber das ist zum Glück Vergangenheit!

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