Fruchtwasser
 
Ein wunderbarer Swimmingpool fürs Baby

Das Fruchtwasser im zweiten Schwangerschaftsdrittel

Das Baby trinkt das Fruchtwasser

Ab etwa der zwölften Schwangerschaftswoche verändert sich das Fruchtwasser. Jetzt ist es nicht mehr nur umhüllendes Medium, sondern wird vom Baby aktiv genutzt. Die winzigen Lippen öffnen sich, das Ungeborene lässt die Flüssigkeit in sich hinein. Schon bald, etwa ab der 18. Woche, schluckt es aktiv. Was hineinkommt, muss auch wieder hinaus - Fruchtwasser wird über die Nieren und Harnwege des Babys ausgeschieden.

In der Fruchtblase herrscht ein ständiger Kreislauf. Das Baby trinkt Fruchtwasser, scheidet es aus und schluckt es wieder. Mit Ausscheidung im Sinne von Abfallprodukt des Körpers hat das Fruchtwasser aber nichts zu tun. Es ist vollkommen anders zusammengesetzt als Urin. Trotzdem wird das Fruchtwasser ständig erneuert: Ein Teil wird in der Lunge und im Darm des Kindes resorbiert und über die kindlichen Blutgefäße zur Mutter geleitet, neues Fruchtwasser fließt nach - alles in einem harmonischen Gleichgewicht.

Ungeborene verlangen nach Süßem

Fruchtwasser enthält Zuckerstoffe, es schmeckt etwa so süß wie eine Tasse Tee mit einem Löffel Zucker. Mineralien und bestimmte Hormone aus der Plazenta sind ebenfalls drin. Fruchtwasser nährt zwar nicht, aber das Kind im Mutterleib braucht die Flüssigkeit, um alle Körperfunktionen in Gang zu halten.

In der 20. Schwangerschaftswoche - das Ungeborene wiegt jetzt etwa 500 Gramm - trinkt das Baby immerhin einen ganzen Liter Fruchtwasser pro Tag. Diese große Menge Flüssigkeit muss sein, damit die Nieren üben können. Und damit das Baby genug von den im Fruchtwasser gelösten Zuckerstoffen bekommt.

Wie sehr die Kleinen auf Süßes aus sind, stellten Wissenschaftler an der Universitätsfrauenklinik Bonn fest. Bei Schwangeren, deren Plazenta nicht ausreichend funktionierte, leiteten sie künstliches Fruchtwasser über eine haarfeine Kanüle direkt in die Fruchtblase. Dabei zeigte sich, dass künstliches Fruchtwasser vom Ungeborenen nur angenommen wird, wenn es süß schmeckt.

Das Fruchtwasser prägt den Geschmack

Die Geschmacksknospen auf der Zunge entwickeln sich etwa ab der 16. Schwangerschaftswoche mit rasender Geschwindigkeit. Was aber gibt es im Mutterleib zu schmecken? Es sind die Substanzen des Fruchtwassers. Schon winzigste Partikel von Aromen, die die Mutter gegessen hat, machen aus dem Fruchtwasser ein Geschmackserlebnis - Knoblauch, Spargel, Erdbeeren, Ananas oder Curry zum Beispiel. Isst die werdende Mutter solche Nahrungsmittel, prägen sie sogar die späteren Vorlieben der Kinder.