Vornamen finden
 
So heißt das Kind ein Leben lang

Edgar? Fridolin? Das kann er nicht ernst meinen! Auch wenn ein Paar sich innig liebt - bei der Suche nach dem richtigen Vornamen für das ersehnte Kind tun sich nicht selten geschmackliche Gräben auf. Was hilft? Etwas Geduld, Kompromissbereitschaft und unsere Methoden, die wir hier vorstellen

Die beliebtesten Vornamen 2014
Thinkstock - oksun70

In wenigen Fragen sind sich Eltern dermaßen uneinig wie beim Thema Vornamensuche. Dabei wollen alle eigentlich das Gleiche:

  • Der Name sollte passen. Wer will schon später im Kinderbecken nach seiner Carmen rufen - und geplanscht kommt eine kleine Spindeldürre mit blonden Fusselhaaren?
  • Viele Eltern wollen auch keinen Namen, den es häufig gibt. Sonst rennen einem womöglich jedes Mal drei aufgeregte Mädchen entgegen, wenn die Kindergärtnerin verkündet, dass Laras Mama da ist.
  • Eine Vorname darf außerdem keine schlechten Erinnerungen wecken. Eva-Maria? Hieß so nicht die dumme Nuss, die damals jede Zigarette auf dem Schulklo petzte?

Werdende Eltern kaufen also Namensbücher, klicken sich nächtelang durch die Vornamensdatenbanken und interviewen Freunde. Weil wir Euch als werdende Eltern auch gerne etwas Unterstützung mit auf den Weg geben wollen, stellen wir hier ein paar Methoden vor, mit denen Ihr zu Eurem Traumnamen kommen könnt.

Methode Meinungsumfrage

"Wir haben jeden, den wir kennen, auch den Briefträger und die Kassiererin an der Supermarkt-Kasse, um einen spontanen Namensvorschlag gebeten", erzählt Susanne Bachstein, 34. Im siebten Monat hatten sie und ihr Mann Thomas so bereits 117 Namen gesammelt. "Und uns selbst 117 Fallen gestellt", erinnert sich Susanne. Anna fanden beide hübsch - aber wer will seine Kind schon nach der ehemaligen Mathelehrerin nennen? Auch Gabriel kam gut an, aber er war über Susannes Ex-Freund auf die Liste gelangt - Thomas war pikiert. Schließlich verwarfen sie diese und 115 andere Vorschläge und einigten sich auf das Naheliegendes: Eine Tochter soll Sophie heißen wie Susannes Mutter, eine Sohn Simon wie der Vater von Thomas.

Methode Auslese

"Wir hätten auch gern schöne, traditionelle Vornamen aus der Familie gewählt", sagt Roswitha Münzenberger. Aber die Verwandtschaft zu Roswitha und Ludwig Münzenberger heißt Karl-Theodor, Erdmute, Erika oder Hermann. "Da war echt nichts dabei", sagt Roswitha, genannt Rosi, und erklärt, wie sie schließlich ihre Favoriten gefunden haben: Jeweils 100 Namen suchten sie und ihr Mann aus, und jeder schrieb seine auf kleine Zettel, pink für Mädchen, himmelblau für Jungen. Die Hälfte davon sortierte er aus, von den restlichen 100 strich sie 50, blieben noch 50, von denen er 25 verwarf. Und so weiter. "Wir waren abendelang beschäftigt", erzählt Ludwig. Am Schluss blieben vier Zettel von jedem übrig. Übereinstimmung: null. "Jetzt suche ich den Mädchennamen aus und Rosi den Jungennamen", sagt Ludwig. "Das hätten wir auch gleich so machen können", überlegt Rosi. "Aber dann hätten wir nicht so viel Spaß mit unseren Zetteln gehabt."

Methode Kaufhaus-Sound

Tom Lindberg heißt Tom, weil das aus einem Ikea-Lautsprecher gut klingt. Toms Eltern fanden es gar nicht schwer, sich auf Namen zu einigen. Aber die meisten Favoriten fielen bei der Ikea-Probe durch. "Wir haben uns vorgestellt, wie das klingen würde: Die kleine Semira möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden - Der kleine Noel-Nikita möchte dringend aus dem Kinderparadies abgeholt werden'", erzählt Toms Vater, "die meisten außergewöhnlichen Namen hörten sich einfach zu gestelzt an."
Der Test funktioniert aber auch andersherum: Namen, die sehr beliebt sind, könnten beim Kaufhaus-Check ebenfalls durchfallen. Denn bei der Durchsage "Der kleine Leon möchte im …. abgeholt werden", fühlt sich garantiert mehr als ein Elternpaar angesprochen.

Methode letzter Drücker

Alexa Bitter wusste schon als Zehnjährige, wie ihre Tochter einmal heißen soll: Agnes. "Esther", sagte der werdende Vater nach dem positiven Schwangerschaftstest. Esther sei immer sein Lieblingsname gewesen - zwei Pläne und kein Kompromiss in Sicht. "Wir haben schließlich nur noch über Jungennamen geredet und uns auf Leander geeignet", erzählt Alexa, "die Entscheidung über einen Mädchennamen habe ich innerlich in den Kreißsaal vertagt." Ihre Hoffnung: Welcher Mann widerspricht schon einer Frau, die gerade in den Presswehen liegt? Diese Frau hielt ihre Tochter dann gerade seit ein paar Minuten im Arm, als der stolze Vater ihr ins Ohr flüsterte, was Esther bedeutet: "der Stern, das kommt aus dem Persischen". "Ein wunderhübsches, winziges Mädchen, das Stern heißt", erinnert sich Alexa, "da habe ich an Agnes überhaupt nicht mehr gedacht."

Methode Scrabble

Thea Kornbichler und Ralf Weber spielen gern Scrabble. Das Buchstabenschütteln war auch die Lösung für ihr Namensproblem. Thea wollte einen Sohn namens Ole - was Ralf zu sehr nach Bullerbü klang. Für Scrabbler kein Problem: Nach kurzem Überlegen wurde ein Leo daraus.

Methode Namenstag

Teresa Simoni wird an ihrem Geburtstag zweifach gefeiert. Nein, sie kam nicht an Heiligabend auf die Welt, sondern am 26. August! Und das ist gleichzeitig ihr Namenstag. Teresas Eltern hatten eigentlich keine Mühe, geeignete Namenskandidaten zu finden. Aber sie wollten gerne, dass der Name eine besondere Bedeutung hat. Und griffen auf die alte katholische Tradition zurück, ein Kind nach einem Heiligen oder einer biblischen Person zu benennen. Wichtiger Unterschied: Im Mittelalter erhielten die Kinder ihren Namen nicht am Tag der Geburt, sondern am Tag der Taufe vom "Heiligen des Tages". Einziges Problem bei dieser Methode: Natürlich muss man für den Notfall auch noch einen Ersatznamen in der Hinterhand haben. Denn wäre die kleine Teresa zum Beispiel sechs Tage früher geboren, hätten ihre Eltern nur zwischen Bernhard, Bernd, Ronald oder Samuel wählen können - denn am 20. August wird keiner weiblichen Heiligen gedacht.

Methode Warnruf

"Jakob-Immanuel, komm da sofort runter!" oder auch "Anastasia, du sollst doch nicht immer alles in den Mund stecken!" - manchmal ist es für Kinder wichtig, schnell zu merken, dass sie gemeint sind. Einen Tim oder eine Pia lässt sich deutlich schneller zur Ordnung rufen oder vor einem herannahenden Auto warnen als ein Kind mit einem zwar wohlklingenden, aber deutlich längeren Doppelnamen. Dachten sich zumindest die Eltern der beiden, Markus und Frauke Schultheiß. Und bislang haben sie ihren Sohn und ihre Tochter auch vor grobem Unsinn und ernsthaften Unfällen bewahren können.

Methode Dialekt-Check

"Da isch ja der Sebaschtian!" Simone Zimmermann stammt aus dem Schwarzwald. Und deswegen wollte sie bei der Namenswahl für ihren Sohn besonders vorsichtig sein. Denn ein Dialekt - und ihre Eltern sprechen Badisch in Reinform - kann manch schönen Namen ziemlich verunstalten. Aus Sebastian wird da schnell ein Sebaschtian, aus Luis ein Luisch. Von "Astrid" wollen wir gar nicht sprechen ... Also hat Simone alle Namen mit s von der Liste gestrichen. Am Ende wurde es ein Anton.