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Schwangerschaftsbeschwerden Juckreiz in der Schwangerschaft: Woher er kommt, wie du ihn lindern kannst

Schwangere sitzt auf dem Bett und kratzt sich den Bauch
© srisakorn wonglakorn, shutterstock
Juckreiz gehört zu den häufigsten Beschwerden bei Schwangeren. Rund 20 Prozent aller Frauen leiden an Juckreiz in der Schwangerschaft. Welche Ursachen er haben kann und wie du ihn linderst, erfährst du in diesem Artikel.

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Auf einen Blick

  • Juckreiz in der Schwangerschaft entsteht häufig durch trockene Haut aufgrund hormoneller Veränderungen.
  • Regelmäßiges Eincremen hilft meistens gegen den Juckreiz.
  • Um die Haut nicht zusätzlich zu reizen, ist es gut, pH-neutrale Seifen und Waschlotionen zu verwenden.
  • Juckreiz in der Schwangerschaft kann auch ernstere Gründe haben.
  • Lässt sich der Juckreiz nicht lindern, sprichst du am besten mit deiner Hebamme oder Frauenärztin.

Die Ursachen für Juckreiz in der Schwangerschaft können sehr unterschiedlich sein. Die Bereiche des Körpers, an denen der er auftritt, spielen eine große Rolle. Juckt es am Bauch? Oder jucken die Hände und Füße? Bilden sich gar Rötungen, Knötchen oder Bläschen auf der Haut? Für all das gibt es verschiedene Gründe. Grundsätzlich ist es sinnvoll, bei Juckreiz in der Schwangerschaft mit einem Arzt oder der Hebamme zu sprechen und die Ursachen abzuklären.

Warum juckt die Haut in der Schwangerschaft?

Zunächst eine Entwarnung: In den allermeisten Fällen ist Juckreiz in der Schwangerschaft kein Grund zur Sorge. Die Haut ist einfach nur trockener als vor der Schwangerschaft. Ursache für die juckende Haut am ganzen Körper ist die hormonelle Veränderung während der Schwangerschaft. Der erhöhte Östrogenspiegel lässt die Haut stärker austrocknen.

Juckreiz in der Schwangerschaft kann aber auch auf eine Allergie hinweisen. Und in seltenenn Fällen kann eine Schwangerschafts-Cholestase dahinterstecken oder eine Schwangerschaftsdermatose. Dazu unten mehr.

Wie kann ich den Juckreiz am Bauch lindern?

Schwangere sitzt auf dem Bett und cremt sich den Bauch ein
© Syda Productions, shutterstock

Gegen Ende der Schwangerschaft – wenn der Babybauch schon ganz schön groß ist – spannt die Haut am Bauch besonders und fängt deswegen an zu jucken. Hier hilft regelmäßiges Eincremen mit einer Creme, die der beanspruchten Haut viel Feuchtigkeit spendet. Noch ein paar Tipps für den gestressten Babybauch:

  • Am besten wäschst du dich mit klarem Wasser, um die Haut zu schonen. Da es manchmal aber doch Seife oder Duschgel sein muss, schonen pH-neutrale Hygieneprodukte deine Haut.
  • Tupfe deine Haut nach dem Baden oder Duschen trocken. Zu kräftiges Reiben mit einem Handtuch kann die Haut irritieren und den Juckreiz verstärken.
  • Lege feuchte Handtücher zum Kühlen auf die juckenden Stellen am Bauch. Doch Vorsicht: Auch zu viel Wasser trocknet die Haut auf Dauer aus. Deshalb danach gleich wieder eincremen.
  • Nutze Kühlpads aus dem Kühlschrank und lege sie auf den Bauch. Nimm bitte keine Pads aus dem Tiefkühlschrank. Die extreme Kälte schadet zwar nicht deinem Baby, irritiert aber deine Haut.
  • Trage weiche, glatte Stoffe aus Baumwolle oder Seide. Synthetische Stoffe reizen die Haut.
  • Verzichte auf Weichspüler, sie können die Haut reizen.

Was ist eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose?

Gerade bei starkem Übergewicht und bei Frauen, die Zwillinge oder Drillinge erwarten, kann es in den letzten Wochen der Schwangerschaft zu einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose kommen. Dabei handelt es sich um kleine, juckende rote Flecken, die zu Papeln oder größeren Flecken zusammenfließen und sich in ein paar Stunden auf Arme und Beine ausbreiten können.

Auch hier ist eine gute Pflege der Haut wichtig, in schweren Fällen hilft eine cortisonhaltige Creme, die auch in der Schwangerschaft erlaubt ist. Spätestens nach der Geburt geben sich die Beschwerden wieder.

Was ist eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase?

Frau kratzt sich die Hände
© aslysun, shutterstock

Dabei handelt es sich um eine Leberstörung, bei der es zu einer Verlangsamung (oder im schlimmsten Fall zu einem Stillstand) des Gallenflusses kommt. Sie tritt vor allem im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel auf. Anzeichen einer Cholestase sind:

  • Juckreiz an den Handflächen und Fußsohlen, der sich schnell auf den ganzen Körper ausbreitet.
  • vor allem nachts starker Juckreiz.
  • manchmal gelblich verfärbte Haut und Bindehaut.
  • dunkler verfärbter Urin und hell gefärbter Stuhl.

Achtung: Auf der Haut ist kein Ausschlag zu sehen! Für den Juckreiz ist der Anstieg der Gallensäure im Blut verantwortlich. Sie lagert sich – für das menschliche Auge nicht sichtbar – in der Haut ab. Wie es zu einer Cholestase kommt, ist noch nicht genau geklärt.

Was kann man gegen eine Cholestase tun?
Erste Maßnahme ist eine konstante ärztliche Überwachung der Mutter und des ungeborenen Babys, da eine Schwangerschafts-Cholestase das Risiko für Früh- und Totgeburten steigert.

Deswegen ist es wichtig, mit Medikamenten die Leberfunktion der Betroffenen zu verbessern. Und keine Sorge, die Medikamente haben keine Auswirkungen auf das Ungeborene. Die Cholestase verschwindet meist schon in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt.

Kann auch eine Allergie hinter dem Juckreiz in der Schwangerschaft stecken?

Schwangere liegt auf der Couch und putzt sich die Nase
© SNeG17, shutterstock

Ja. Vorhandene Allergien können sich in der Schwangerschaft abschwächen, aber auch verstärken, etwa Allergien gegen:

  • Blütenpollen
  • Hausstaub
  • Tierhaare
  • Nahrungsmittel
  • Kosmetika
  • Schimmelpilze
  • Konservierungsstoffe
  • Insektengifte

Der Körper reagiert mit typischen allergischen Reaktionen wie juckendem Nasen-Rachen-Raum, Niesreiz, juckenden Augen, Atembeschwerden oder juckender Haut.
 
Glücklicherweise gibt es anti-allergische Medikamente für Schwangere, die dem Ungeborenen nicht schaden. Sprich am besten mit deiner Frauenärztin. Auch das unabhängige Informationsportal Embryotoxgibt Auskunft darüber, welche Allergie-Medikamente in der Schwangerschaft erlaubt sind. Unser Artikel „Was hilft Schwangeren gegen die Allergie?“ geht näher auf Allergien während einer Schwangerschaft ein.

Allergieauslöser: Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben & Co.

Wie entsteht Juckreiz in der Schwangerschaft im Genitalbereich?

Während der Schwangerschaft begünstigt der erhöhte Östrogengehalt der werdenden Mutter das Wachstum von Hefepilzen an und in der Scheide. Bei rund 30 Prozent aller Schwangeren finden sich am Ende der Schwangerschaft Hefepilze im Genitalbereich.
 
Bei Juckreiz an der Scheide kann deine Frauenärztin helfen. Sie kann mit einem Abstrich die Art der Infektion feststellen und entsprechende Medikamente verschreiben. Die Medikamente sind kommen dem Scheidenpilz meist sehr schnell bei und sind ungefährlich für dein ungeborenes Baby. Alles über Scheidenpilz erfährst du in unserem Artikel „Scheidenpilz: Schnell handeln, wenn es juckt“.

Kann Juckreiz ein Schwangerschaftsanzeichen sein?

Nein, typischer Juckreiz ist kein Schwangerschaftsanzeichen. Allerdings gilt ein Spannungsgefühl in den Brüsten als ein frühes Zeichen für eine Schwangerschaft. Dies wird von manchen Frauen als juckend oder gereizt wahrgenommen. Hier findest du mehr Infos zu allen Schwangerschaftsanzeichen.

Quellen:
Frauenärzte im Netz: Anzeichen einer Schwangerschaft & Schwangerschaftstest
Msdmanuals: Lebererkrankungen in der Schwangerschaft
Gesundheitsinformation: Pilzinfektion der Scheide (Scheidenpilz)
Frauenärzte im Netz: Scheidenpilz / Candida-Infektionen / Vaginalmykose / Vaginalpilz: Krankheitsbild & Symptome
Ärzteblatt: Ausgeprägte polymorphe Schwangerschaftsdermatose bei einer Erstgebärenden


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