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Kochschinken in der Schwangerschaft Ist es für Schwangere bedenklich, Kochschinken zu essen?

Kochschinken in der Schwangerschaft: in Scheiben geschnittener Schinken
© beats_ / Adobe Stock
Du bist schwanger und hast Lust auf Kochschinken? Hier erfährst du, ob er dir und deinem Baby gut tut und worauf du bei Lagerung und Verzehr besser achtest.

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Kochschinken ist nur eine von mehreren Schinkenarten, die sich vor allem durch die Art der Herstellung voneinander unterscheiden. Alle Sorten werden zunächst gepökelt. Dann aber geht es bei der Herstellung unterschiedlich weiter.
Rohschinken: Zu den Rohschinken-Arten zählen luftgetrockneter Schinken, getrockneter Schinken und Räucherschinken. Diese werden nach dem Pökeln nicht erhitzt, sondern nur geräuchert oder über einen langen Zeitraum (luft-)getrocknet.
Kochschinken: Kochschinken wird erst gepökelt, dann geräuchert und schließlich bei 80 bis 85 Grad Celsius gebrüht. Manchmal wird er schon nach dem Pökeln direkt gebrüht.

Ist Kochschinken in der Schwangerschaft unbedenklich?

Ja, ist er! Kochschinken kannst du aufgrund seiner Herstellungsart bedenkenlos essen, wenn du schwanger bist. Durch das Brühverfahren werden Bakterien und andere Krankheitserreger abgetötet, was den Schinken auch für Schwangere absolut empfehlenswert macht.
Diese Schinken-Sorten zählen zum Kochschinken:
  • Prager Schinken
  • Virginia Ham
  • Kernrauchschinken
  • Honey Baked Dry Gammon
  • Jambon Persillé

Worauf muss ich bei Kauf und Lagerung von Kochschinken achten?

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung empfiehlt Schwangeren, frische Wurstwaren, worunter auch Kochschinken fällt, möglichst am Stück zu kaufen und Aufschnitt immer nur in kleinen Mengen frisch aufschneiden zu lassen. Auch abgepackten Aufschnitt kaufst du idealerweise in kleinen Mengen, lagerst ihn gut verschlossen bei 4 bis 6 Grad Celsius im Kühlschrank und brauchst ihn innerhalb von2 bis 3 Tagen auf. Expert:innen empfehlen außerdem, streng auf das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) zu achten und vakuumverpackte Produkte möglichst weit vor diesem Datum zu verbrauchen.

Rohschinken: Risiko von Listeriose und Toxoplasmose

Während du bei Kochschinken auf der sicheren Seite bist,ist es bei rohem Schinken besser, in der Schwangerschaft darauf zu verzichten. Rohe tierische Lebensmittel bergen ein erhöhtes Risiko eines Listerien-Befalls, der beim Menschen eine Listeriose auslösen kann. Eine Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die bei ansonsten gesunden Erwachsenen grippeähnliche Symptome hervorrufen kann. Schwangere gehören jedoch zur Risikogruppe, weshalb Expert:innen empfehlen, in der Schwangerschaft jegliche Lebensmittel zu vermeiden, die typische Überträger sind. Dazu zählen rohes Fleisch, roher Fisch und Produkte aus Rohmilch. Schwangere Frauen haben nicht nur ein 12-mal höheres Risiko, sich mit einer Listeriose zu infizieren, es besteht auch die Gefahr, dass sich das ungeborene Kind mit den Krankheitserregern ansteckt und dadurch schwere bleibende Schäden davonträgt. Glücklicherweise kommt eine Schwangerschafts-Listeriose vergleichsweise selten vor. 2020 wurden deutschlandweit gerade mal 22 Fälle nachgewiesen, wobei allerdings die Dunkelziffer vermutlich höher liegt.  
Rohschinken kann außerdem eine Toxoplasmose-Infektion auslösen, die zwar meist harmlos verläuft, in der Schwangerschaft aber gefährlich für das ungeborene Kind werden kann. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen und Kindern verläuft die Krankheit symptomlos und in seltenen Fällen kommt es zu einem grippeähnlichen Krankheitsbild. In der Schwangerschaft können die Parasiten allerdings über die Plazenta auf das Ungeborene übergehen und bei diesem schwere Schäden verursachen. Die gute Nachricht: Nach einer Toxoplasmose-Erkrankung entwickelt das Immunsystem Antikörper. Ungefähr 40 Prozent aller Frauen haben in ihrem Leben schon – bemerkt oder unbemerkt – eine Infektion durchlaufen, weshalb sie in der Schwangerschaft immun gegen den Erreger sind. Für das Baby besteht in dem Fall keine Gefahr mehr. Ein Bluttest gibt Aufschluss darüber, ob bereits Antikörper vorhanden sind, oder nicht. Bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft kann eine frühzeitige Behandlung das Risiko von Schädigungen des Kindes reduzieren.
Diese Schinken-Sorten gehören zum Rohschinken:
  • Serrano-Schinken (luftgetrocknet)
  • Lachsschinken (warm geräuchert)
  • Katenschinken (kalt geräuchert)
  • Parma-Schinken (luftgetrocknet)
  • Schwarzwälder Schinken (kalt geräuchert)

Wurst und Fleisch in der Schwangerschaft? Das ist die beste Wahl

Neben Kochschinken kann auch Fleisch und Geflügel, das gut durcherhitzt wurde, bei Schwangeren bedenkenlos auf den Teller kommen. Das Fleisch, wie auch andere Lebensmittel, sollte immer mehrere Minuten lang bei mindestens 70 Grad Celsius Kerntemperatur erhitzt worden sein, denn die hohe Hitze tötet Listerien, Toxoplasmose-Erreger und andere Keime ab.
Folgende Wurst- und Fleischwaren sind für Schwangere unbedenklich, da sie bei der Herstellung erhitzt wurden:
  • Brühwurst, z.B. Fleischwurst, Bierschinken und Leberkäse
  • Kochwurst, z.B. Corned Beef, Blutwurst und Leberwurst
  • Gegarte Pökelfleischerzeugnisse, z.B. Kassler, Putenbrust und Kochschinken
  • Konservierte Wurstwaren in Dosen und Gläsern

Diese Wurst- und Fleischwaren in der Schwangerschaft lieber meiden

Die nachfolgenden Wurst- und Fleischprodukte sind so, wie sie zu kaufen sind, eher ungeeignet für Schwangere:
  • Rohe Würste, z.B. Salami, Teewurst und Mettwurst
  • Rohe Pökelfleischerzeugnisse, z.B. Roher Schinken, Lachsschinken und Nussschinken
  • Rohes oder nicht durchgegartes Fleisch, z.B. Roastbeef, Mett und Carpaccio

Zusammengefasst

  • Kochschinken kannst du in der Schwangerschaft bedenkenlos essen. Er wird bei der Herstellung auf über 80 Grad Celsius erhitzt, dabei werden Bakterien und andere Keime abgetötet.
  • Kaufe den Kochschinken idealerweise am Stück oder als Aufschnitt in kleinen Mengen, lagere ihn bei 4 bis 6 Grad Celsius im Kühlschrank und verbrauche ihn innerhalb von 2 bis 3 Tagen.
  • Es ist besser, auf rohen Schinken in der Schwangerschaft zu verzichten, da er Listerien und Toxoplasmose-Erreger enthalten kann, die für dein Baby zum Risiko werden können.
Wenn du Themen rund um die Ernährung in der Schwangerschaft interessant findest, schau doch auch mal in folgende Artikel rein:
Quellen:    
Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Listeria-Infektion während der Schwangerschaft. 26.08.2022.     
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: So schützen sich Schwangere vor Lebensmittelinfektionen. 05.08.2021.      
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Schutz vor Infektionen durch Lebensmittel in der Schwangerschaft. 25.09.2018.   
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Listeriose und Toxoplasmose: Was können Schwangere zur Vorbeugung tun?. 22.04.2021.       
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Listeriose und Toxoplasmose - Sicher essen in der Schwangerschaft. 2017.   
Bundesinstitut für Risikobewertung: Schutz vor Lebensmittelinfektionen      mit Listerien. 2017.     
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Krankheiten und Infektionen in der Schwangerschaft: Listeriose. 12.08.2022.   
 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Krankheiten und Infektionen in der Schwangerschaft: Toxoplasmose. 18.06.2019.
Dr. Med Dagmar Schneck (Apotheken Umschau): Toxoplasmose. 27.01.2015.
Robert Koch Institut: Listeriose. 04/2010.      
Robert Koch Institut. Epidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2020. 01.03.2021.   
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