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Die Symphyse in der Schwangerschaft: Wenn sie sich lockert, wird es schmerzhaft

Symphyse – nie gehört? Kein Wunder, denn normalerweise macht die Schambeinfuge, so der deutsche Name, keine Beschwerden. In der Schwangerschaft allerdings lockert sie sich, und das kann ganz schön weh tun. Was die Symphyse ist, wie es zu einer Symphysenlockerung kommt und was du gegen Symphysenschmerzen tun kannst, erfährst du hier.

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iStock, FG Trade
Auf einen Blick
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  • Die Symphyse wird auch Schambeinfuge genannt und liegt unter dem Venushügel.
  • Eine Symphysenlockerung tritt meist in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf.
  • Um das Becken auf die Geburt vorzubereiten, erweitert sich die Symphyse um bis zu vier Millimeter.
  • Von einer Lockerung spricht man, wenn sich die Symphyse im Zuge der Erweiterung überdehnt.
  • Eine Symphysenlockerung ist für die werdende Mutter zwar schmerzhaft, für das Baby aber ungefährlich.

Was ist die Symphyse?

Die Symphyse, auch Schambeinfuge genannt, liegt in der vorderen Beckenmitte und stellt die Verbindung zwischen den beiden Beckenhälften dar. Du kannst sie sogar ertasten. Sie liegt unter dem Venushügel und besteht aus Knorpel. Die Symphyse existiert bei jedem Menschen und hält unser Becken flexibel. Während der Schwangerschaft spielt sie eine besondere Rolle.

Um das Becken auf die Geburt vorzubereiten, vergrößert sich die Schambeinfuge meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft um bis zu vier Millimeter. Dafür schüttet der Körper das Schwangerschaftshormon Relaxin aus. Es macht den Knorpel weich und die Sehnen dehnbar. Diese Veränderung ist erst einmal nicht schmerzhaft.

Wie kommt es zu einer Symphysenlockerung?

Von einer Lockerung der Schambeinfuge spricht man dann, wenn sich die Symphyse überdehnt – beispielsweise weil sie sich sehr schnell vergrößert  – und normale Bewegungen des Beckens zum Zug an der empfindlichen Knochenhaut führen, die die Knochenwand überzieht.

Auch wenn eine Symphysenlockerung für dich als Schwangere schmerzhaft sein kann, ist sie für dein Kind ungefährlich. Du musst dir also keine Sorgen um dein Kleines machen. Achte lieber auf dich und schone deinen Körper.

Wo habe ich Schmerzen bei einer Lockerung der Symphyse?

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iStock, Blue Planet Studio

Hauptsächlich äußern sich Symphysenschmerzen im Bereich des Schambeins. Oftmals reicht schon leichter Druck auf das Schambein und die umgebenden Zonen, um Schmerzen auszulösen. In manchen Fällen können die Schmerzen aber auch in folgende Bereiche strahlen:

  • Hüfte und Beckenbereich
  • Beine und Knie
  • unterer Rückenbereich

Bist du unsicher, woher die Schmerzen kommen, geh am besten zu deiner Frauenärztin. Sie kann durch Abtasten feststellen, ob beispielsweise den Rückenschmerzen eine Symphysenlockerung zugrunde liegt. Meist reicht schon eine Beschreibung der Schmerzen, und die Ärztin weiß, ob eine Lockerung der Schambeinfuge die Ursache ist.

Wie äußern sich Symphysenschmerzen im Alltag?

Unser Becken wird im normalen Alltag stetig beansprucht. Ob beim Fahrradfahren, Treppensteigen oder Joggen. Weitet sich das Schambein schmerzhaft, hat dies auch Auswirkungen auf den Tagesablauf. Symphysenschmerzen äußern sich zum Beispiel:

  • beim Schuhezubinden
  • beim Treppensteigen
  • beim Anheben oder Abspreizen eines Beines
  • beim Stehen auf einem Bein

Bei besonders schweren Fällen können weitere Situationen hinzukommen. Zum Beispiel:

  • beim Sitzen
  • beim Gehen
  • beim Umdrehen während des Liegens
  • bei ruckartigen Bewegungen

Leidest du unter den genannten Beschwerden, ist es wichtig, dich zu schonen und für Entlastung zu sorgen. Deine Ärztin wird dir als Schwangere Ruhe verordnen. Manchmal kann auch ein Korsett oder ein enger Beckengurt für Linderung sorgen. Das solltest du mit deinem Arzt absprechen. Keine Sorge, deinem Baby schadet diese Vorsorge nicht.

Was kann ich aktiv gegen die Schmerzen tun?

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iStock, NataliaDeriabina

Bei akuten Schmerzen hilft – gerade in der Schwangerschaft – erst einmal Ruhe und das Becken so wenig wie möglich zu belasten. Außerdem kannst du beim Liegen auf der Seite ein Kissen zwischen die Knie tun, um das unangenehme Ziehen zu lindern. Sollten die Symphysenschmerzen zu groß sein, lass dich von deiner Gynäkologin krankschreiben und dir physiotherapeutische Behandlungen verschreiben. Erkundige dich aber vorher bei deiner Krankenkasse, ob sie die Behandlungen übernimmt. Wenn du auf Schmerzmittel nicht verzichten willst, sprich dich vorher mit deiner Ärztin ab.

Du kannst auch aktiv etwas gegen eine Symphysenlockerung tun. Beispielsweise kannst du mit Übungen deinen Beckenboden trainieren. Ein starker Beckenboden verringert die Gefahr einer Symphysenlockerung. Es lohnt sich also schon vorher, den Beckenboden zu trainieren.

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Die Symphyse bei der Geburt

Es kommt häufig vor, dass sich die Symphyse spätestens bei der Geburt lockert. Das Becken wird gedehnt und das Schambein gibt noch einmal nach. Hattest du schon vorher mit Symphysenschmerzen zu kämpfen, werden sie sich nach der Geburt noch etwas verstärken. Soweit die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Langsam, aber sicher schließt sich die Schambeinfuge wieder und nach ein paar Wochen sind die Schmerzen verschwunden. Nur sehr selten entstehen bei der Geburt Risse in der Symphyse (Symphysensprengung). Dann sind ein fester Gurt und strenge Bettruhe erforderlich.

Während der Geburt hat sich die Rückenlage für Schwangere mit Symphysenlockerung oft als schmerzhaft herausgestellt, da die Symphyse in dieser Position besonders belastet wird. Als günstig hat sich die Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien erwiesen. Auch der Vierfüßler-Stand gilt als gute Position, da die Symphyse kaum belastet wird. Sind dir die Schmerzen zu groß, scheue dich nicht, nach einer Periduralanästhesie (PDA) zu fragen.

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Kann sich die Symphyse auch entzünden?

Ja, allerdings passiert das normalerweise nicht in der Schwangerschaft. Ursache für eine Entzündung des Schambeins (Symphysitis) ist hauptsächlich die starke und dauerhafte Belastung des Beckens. Unter Profisportlern – vor allem unter Fußballern – ist eine Schambeinentzündung eine gefürchtete Verletzung, denn sie kann nur mit langwierigen Therapien behandelt werden.

Wer sein Becken im Alltag also nicht überproportional belastet – wie Sportler – muss eine Symphysitis kaum befürchten, denn wir belasten unser Becken im Alltag nicht stark genug, um sie auszulösen. Eine Entzündung des Schambeins unterscheidet sich vor allem in der Intensität und Häufigkeit der Schmerzen von einer Symphysenlockerung. Ärzte können eine Symphysitis mit Röntgen-, Ultraschall- und notfalls MRT-Untersuchungen schnell diagnostizieren. Eine Behandlung verläuft ähnlich, doch wesentlich intensiver wie bei einer Symphysenlockerung: strenge Bettruhe und Physiotherapie.

So schmerzhaft eine Symphysenlockerung für dich sein kann, einen kleinen Trost gibt es: Durch die Erweiterung der Schambeinfuge schafft es dein Baby leichter durch dein Becken.

Quellen:
Cochrane
Frauenärzte im Netz
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Familienplanung