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Schwangerschaft Makrosomie: Was passiert, wenn ein Baby zu groß wird?

Makrosomie: Baby liegt lachend auf Fell
© AlohaHawaii / Shutterstock
Sumo-Baby, XXL-Säugling, Riesenbaby: Das klingt lustig. Allerdings nicht für die Eltern der großwüchsigen Neugeborenen. Denn Makrosomie, so der Fachausdruck, kann ernsthafte Folgen haben. Für Mutter und Kind.

Wie groß, wie schwer ist das Baby? Und wie groß wird es wohl bei der Geburt sein? Für diese Fragen interessieren sich nicht nur die Eltern des Ungeborenen, sondern auch die Ärztin oder der Arzt. Ein zu niedriges Gewicht könnte darauf hindeuten, dass das Baby im Mutterleib nicht richtig versorgt wird. Aber was passiert, wenn der Arzt vermutet, dass dein Baby größer und schwerer sein wird als die große Mehrheit der Neugeborenen? Und ist eine vaginale Geburt bei so einem kleinen Schwergewicht überhaupt möglich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur fetalen Makrosomie.

Was ist Makrosomie?

Der medizinische Fachausdruck Makrosomie setzt sich aus den griechischen Wörtern für groß (makros) und Körper (soma) zusammen. Damit kann sowohl ein extremer Großwuchs des ganzen Körpers als auch von einzelnen Organen gemeint sein. In der Geburtsmedizin geht es aber um die sogenannte fetale Makrosomie. Damit werden Babys beschrieben, die mit einem viel zu hohen Geburtsgewicht auf die Welt kommen.

Ab wann ist ein Baby makrosom?

Nicht jedes Neugeborene, das mehr als der Durchschnitt wiegt, ist gleich makrosom, also von Riesenwuchs betroffen. Eine Makrosomie beginnt erst oberhalb der 95. Perzentile. Das bedeutet, dass das betreffende Kind bei der Geburt im Vergleich mehr wiegt als 95 Prozent seiner Geschlechtsgenossen. Bis zur 21. SSW verläuft die Entwicklung der betroffenen Babys meistens normal. Erst ab der 22. SSW legen sie im Verhältnis zu anderen Föten stark an Größe und Gewicht zu.

Für europäische Kinder liegt der Grenzwert für eine Makrosomie bei 4350 Gramm. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Normalgewicht von Jungen, die in der 40. SSW zur Welt kommen, ist 3550 Gramm. Mädchen sind im Schnitt hundert Gramm leichter. Ein Baby mit Makrosomie wiegt also 20 Prozent mehr. Von hundert Neugeborenen sind zwischen zwei und acht Kinder betroffen. Jungen leiden dabei fast doppelt so häufig an einer Makrosomie wie Mädchen.

In den vergangenen Jahren ist das durchschnittliche Geburtsgewicht immer mehr gestiegen. Die sogenannten XXL-Babys sind also auch keine Seltenheit mehr. 2019 hatten 9,1 Prozent der Neugeborenen (69.672 Kinder) ein Geburtsgewicht zwischen 4000 und 4599 Gramm. 1,25 Prozent (9598 Babys) waren noch schwerer (siehe Quellen).

Was sind die Ursachen für den Großwuchs bei Babys?

Zwei Ursachen stehen im Vordergrund: Diabetes und starkes Übergewicht. Das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, steigt mit dem Alter. Da Frauen immer später Kinder bekommen, treten Fälle von Diabetes (Schwangerschaftsdiabetes oder Diabetes mellitus) immer häufiger auf. Der mit der Stoffwechselstörung einhergehende höhere Blutzuckerspiegel verursacht auch eine Überversorgung des Fötus. Das Baby wird regelrecht gemästet. Dabei ist die Vorstellung überholt, dass ein Wonneproppen mit ordentlich Babyspeck ein besonders gesundes Kind ist. Im Gegenteil. Die inneren Organe der kleinen Schwergewichte können sich in diesem Überangebot nicht so gut entwickeln.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben außerdem ein Übergewicht der Mütter als häufige Ursache identifiziert. Mit steigendem BMI der Mutter wächst das Risiko, dass ihr Kind mit einer Makrosomie zur Welt kommt. Eine Studie der Universität Rostock fand 2013 heraus, dass makrosome Kinder, die bei der Geburt mehr als 5 kg wogen, zu 37,9 Prozent eine Mutter hatten, die an Adipositas litt.

Die möglichen Ursachen im Überblick:

  • Bei der Mutter liegt eine genetische Veranlagung vor.
  • Sie hat während der Schwangerschaft stark zugenommen (und ihr Blutzuckerhaushalt ist dadurch nicht mehr im Gleichgewicht).
  • Sie ist schon weit über dem ET (und das Kind wächst weiter).
  • Sie hatte schon vor der Schwangerschaft einen erhöhten BMI (über 30).
  • Sie ist über 35 Jahre.
  • Sie bekommt einen Jungen.

Das Risiko für eine fetale Makrosomie steigt, je mehr Ursachen auf die Mutter zutreffen.

Wie wird fetale Makrosomie festgestellt?

Größe und Gewicht des Kindes werden über die gesamte Schwangerschaft gemessen. Das geschieht vor allem über regelmäßige Ultraschalluntersuchungen, bei der auch die Fruchtwassermenge überprüft wird. Zu viel Fruchtwasser deutet häufig auf einen Großwuchs hin. Anhand des Fundusstandes und anderer üblicher Messwerte (z.B. Scheitel-Ferse-Länge= SFL), können Arzt und Hebamme relativ gut einschätzen, ob dein Kind sich in Sachen Gewicht oberhalb des Durchschnitts bewegt. Im dritten Trimester nutzen erfahrenen Geburtsbegleiter auch die äußere Untersuchung (Abtasten des Bauches), um zu bewerten, ob euer Schatz extrem groß und schwer wird. Einen Verdacht auf Makrosomie trägt dein Arzt auch in den Mutterpass ein.

Letzten Endes können aber auch sie nicht hundertprozentig sagen, wie schwer ein Kind bei der Geburt sein wird. Dafür sind die Messungen zu ungenau. Es gibt immer wieder Fälle, in denen sich Arzt oder Hebamme verschätzt haben und das Kind dann deutlich leichter oder schwerer das Licht der Welt erblickte.

Leidest du unter einem Diabetes oder starkem Übergewicht, werden die Ärzte in der Regel noch genauer hinschauen und dich engmaschiger überwachen, da sie die mögliche Diagnose Makrosomie schon im Hinterkopf haben. Ist die Ursache einer Makrosomie genetisch bedingt, wird der Befund eher durch Zufall zustande kommen. Euer Arzt / Eure Ärztin wird dann in der Regel einen oralen Glukosetoleranztest (OGTT) machen, um einen Diabetes auszuschließen und sich das Gestationsalter nochmal ganz genau ansehen, das heißt vergleichen, ob die Maße des Kindes zur errechneten Schwangerschaftswoche passen. Schließlich lassen sich die aktuellen Messwerte nur mit den Normwerten vergleichen, wenn klar ist, in welcher Schwangerschaftswoche du genau bist.

Was sind die Folgen einer Makrosomie?

Was passiert, wenn die Ärztin oder die Hebamme den Verdacht haben, dass ein Baby deutlich größer und schwerer ist als der Durchschnitt? Und was bedeutet das für die Geburt? Pauschal kann es zu dieser Frage keine Antwort geben, die Mutter  sollte sich unbedingt ärztlich über die persönlichen Optionen aufklären. Grundsätzlich gilt: Eine vaginale Geburt ist bei einem Kind bis zu 4200 Gramm möglich. Ist es schwerer, kommt es auf den Körperbau der Mutter an.

Klar ist: Ein makrosomes Kind macht die Geburt nicht leichter. Es besteht die Gefahr, dass Gebärmutter und Geburtskanal bei der Geburt verletzt werden und die Verletzungen starke Nachblutungen verursachen. Auch ein schwerer Dammriss wird durch ein großes Kind wahrscheinlicher. Hinzu kommt ein stark erhöhtes Risiko, dass das Baby mit den breiteren Schultern steckenbleibt (Schulterdystokie). Mögliche Folgen sind Schulter- und Halswirbelverletzung und eine Unterversorgung mit Sauerstoff. Ob eine vaginale Entbindung oder ein geplanter Kaiserschnitt die bessere Option ist, besprechen die Eltern am besten in der Geburtsklinik. Oft wird die Geburt auch bewusst früher eingeleitet, damit das Baby nicht noch weiterwächst.

Kurz nach der Geburt kämpfen makrosome Neugeborene oft mit einem niedrigen Blutzuckerspiegel. Das liegt daran, dass die Versorgung mit Zucker durch die Plazenta nun abrupt unterbrochen ist, der Körper des Kindes aber weiter Insulin ausschüttet. Die Babys werden dann mit einer Glukoselösung versorgt und intensiv überwacht, bis sich der Stoffwechsel normalisiert hat.

Auch langfristig hat eine fetale Makrosomie Folgen. Die Kinder haben ein erhöhtes Risiko, später übergewichtig zu werden und an Diabetes zu erkranken. Sie entwickeln eher Probleme mit dem Herz-Kreislaufsystem und leiden mehr als andere unter Bluthochdruck.

Ist Vorbeugen möglich?

Die Ursachen für eine Makrosomie sind unterschiedlich und überlagern sich auch in vielen Fällen. Ist sie genetisch bedingt, lässt sich durch Vorbeugen wenig ausrichten. Wenn ihr einen Diabetes habt und bei euch in der Schwangerschaft Makrosomie festgestellt wurde, ist es sehr wichtig, dass ihr eure Ernährung konsequent den Umständen anpasst und euer Arzt euch engmaschig überwacht. Nur durch die Regulierung des Blutzuckers kann das Wachstum des Fötus ein wenig gebremst werden. Das gilt auch, wenn ihr übergewichtig seid. Die beste Möglichkeit, eine Makrosomie zu verhindern, ist regelmäßige Bewegung und eine gesunde und ausgewogene Ernährung. So könnt ihr es schaffen, dass ihr beide in der Schwangerschaft nicht zu viel zulegt, Du und dein Baby. 

Wenn ihr übergewichtig seid, beginnt die beste Prävention übrigens schon vor einer Schwangerschaft. Je mehr Gewicht ihr in eurer Kinderwunschzeit durch gesunde Ernährung und Bewegung verliert, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ihr ein großwüchsiges Kind auf die Welt bringen werdet.

Quellen

Carmen Imma Aquino, et. al.: Perineal massage during labor: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Maternal-Fetal and Neonatal Medicine, 19.09.2018.

Ekhard E. Ziegler, Steven E. Nelson: Die neuen Wachstumsstandards der WHO.

Sibylle Reichhardt: Fetale Makrosomie und ihre Abhängigkeit von ausgewählten maternalen Parametern. Dissertation 2014.

Cochrane Review: Geburtseinleitung am oder nahe am Ende der Schwangerschaft bei Kindern, bei denen der Verdacht besteht, sehr gross zu sein (Makrosomie).

K. Noever et. al.: Mütterlicher Einfluss auf das Geburtsgewicht und die Länge bei Geburt von 2000 – 2015 anhand der Perinatalerhebung in Hessen zwischen 2000 und 2015. Thieme Connect 2017.

IQTIG – Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen:  Bundesauswertung zum Erfassungsjahr 2019: Geburtshilfe, Qualitätsindikatoren und Kennzahlen. Stand: 14.07.2020.

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