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Mohn in der Schwangerschaft Sind die aromatischen schwarzen Samen für Schwangere okay?

Angeschnittener Mohnkuchen auf einem Holzbrett
© zefirchik06 / Adobe Stock
Du liebst Mohnschnecken und andere Leckereien mit Speisemohn? Lange wurden Schwangere vor dem Verzehr gewarnt. Wir sagen, ob das heute noch gerechtfertigt ist.

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Die kleinen schwarzen Körnchen knacken so schön zwischen den Zähnen und entfalten gemahlen ein einzigartiges Aroma: Gemeint sind die Samen der Mohnpflanze. Wie alle Samen steckt auch der Mohn voll von hochwertigen Fettsäuren, dazu kommen B-Vitamine, Kalium und Magnesium. Besonders reich ist Speisemohn an Kalzium: Sein Kalzium-Anteil liegt bei knapp 2,5 Prozent, damit zählt er zu den kalziumreichsten Lebensmitteln.

Warum kann Mohn in der Schwangerschaft schaden?

Diese Inhaltsstoffe macht Mohnsamen eigentlich zu einem gesunden Nahrungsmittel. Eigentlich! Denn es gibt ein Problem: Die Mohnpflanze liefert nicht nur Samen, im milchigen Saft der unreifen Samenkapsel stecken auch medizinisch nutzbare Alkaloide wie Morphin und Codein. Deshalb wird Mohn auch in erster Linie zur Gewinnung von Opium angebaut. Die Produkte aus dem "Schlafmohn" sind starke Schmerz- und Schlafmittel, missbräuchlich benutzt auch Drogen, die zu Bewusstseinsbeeinträchtigungen, Rausch und Sucht führen können.

Wie kann das Gift in den Speisemohn kommen?

Die reifen Mohnsamen selbst enthalten laut Bundesinstitut für Risikobewertung nur Spuren von Morphin und sind deshalb gesundheitlich unbedenklich, auch für Schwangere. Mitte der 2000er Jahre ergaben Untersuchungen allerdings hohe Morphinwerte bei Speisemohn. Es stellte sich schnell heraus, dass nicht die Samen selbst das Gift enthielten, sondern dass die Mohnsamen bei der Ernte mit dem Milchsaft der unreifen Pflanze verunreinigt wurden.

Ein auf mit dem Milchsaft verunreinigter Mohn in der Schwangerschaft stellt tatsächlich eine Gefahr dar: Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Atemschwierigkeiten und Herzkreislaufprobleme können bei der Mutter auftreten. Und theoretisch kann der Verzehr auch dem Ungeborenen schaden: „In Tierversuchen hatte Morphin negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Nachkommenschaft und die Fortpflanzung“, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Es warnte deshalb vor „übermäßigem Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Mohnsamen insbesondere in der Schwangerschaft“.

Sind Mohnsamen auch heute noch gefährlich?

Seit diesem Lebensmittel-Skandal wurden die Ernte- und Produktionsmethoden grundsätzlich verändert, so dass heute von qualitativ hochwertigen Mohnsamen keine Gefahr mehr ausgeht. Dazu die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Mohngebäck aus der Bäckerei kann im Allgemeinen bedenkenlos gegessen werden, da hierfür industriell hergestellte, praktisch morphinfreie Mohnmasse verwendet wird.“
Wer selbst mit Mohn backen will, sollte zur Sicherheit Speisemohn einer hochwertigen Marke nehmen und die Mohnsamen vor dem Backen in einem Sieb mit heißem Wasser abwaschen. Und sollten danach tatsächlich noch Reste von Morphin an den Mohnsamen haften, dann hilft auch Backen: Es senkt den Morphingehalt insbesondere bei gemahlenem Mohn noch mal deutlich: Nach 20 Minuten Backen bei 220 Grad enthält der Backmohn nur noch etwa ein Viertel des ursprünglichen Morphingehalts.

Wie viel Mohn in der Schwangerschaft ist in Ordnung?

Mohnbrötchen zum Frühstück und ab und zu ein Stück Mohnkuchen aus der Bäckerei sind kein Problem. Das Gleiche gilt bei selbstgebackenem Kuchen, wenn ihr die Vorsichtsmaßnahmen (siehe oben) einhaltet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät nur vom „übermäßigen“ Verzehr ab. Und wer ist schon jeden Tag löffelweise Mohnmasse?

Wenn du Themen rund um die Ernährung in der Schwangerschaft interessant findest, schau doch auch mal in folgende Artikel rein:

Quellen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufkärung: „Ernährungsrisiken in der Schwangerschaft“ auf Familienplanung.de. Stand: Dezember 2019

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Mohn in Lebensmitteln: Gehalt des Opiumalkaloids Thebain sollte so weit wie möglich gesenkt werden. Stand: Dezember 2018

BfR empfiehlt vorläufige maximale tägliche Aufnahmemenge und einen Richtwert für Morphin in Mohnsamen. Gesundheitliche Bewertung Nr. 012/2006 des BfR vom 27. Dezember 2005

Erhöhte Morphingehalte in Mohnsamen: Gesundheitsrisiko nicht ausgeschlossen.
05/2006, 20.02.2006 BfR empfiehlt Richtwert und maximale tägliche Aufnahmemenge

Essen & Trinken: Mohn: Warenkunde und Tipps.

ELTERN

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